Die (Neu)Entfaltung der szenischen Kraft – eine Antwort an Frank Kroll, Teil 1

Januar 7th, 2013 § 2 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich fürch­te, die Zeit für „mal aus­pro­bie­ren“, von der Frank Kroll schreibt, läuft ab. Es geht eher dar­um, neue Mög­lich­kei­ten ent­schlos­sen zu ergrei­fen, um Thea­ter die Kraft (wie­der) zu geben, die es hat­te oder haben könn­te. So mensch­lich ver­ständ­lich es ist, dass das Füh­rungs­per­so­nal nach jahr­zehn­te­lan­ger Bela­ge­rung durch Bud­get­spa­rer und Etat­kür­zer Ermü­dungs- und Ver­schleiß­erschei­nun­gen zeigt, so inak­zep­ta­bel ist es für die Insti­tu­ti­on und Kunst des Thea­ters. Es kann nur die Macht der Gewohn­heit sein, die den Blick für den Dorn­rös­chen­schlaf ver­schlei­ert, in dem Thea­ter sich befin­den. Und der, in die­ser Form fort­ge­setzt, all­mäh­lich und unbe­merkt in einen Big Sleep über­geht. Es ist eben nicht edler, die Pfeil und Schleu­dern des Geschicks zu dul­den, son­dern sich zu waff­nen gegen die­se See der Pla­gen und durch Wider­stand sie zu been­den. Wel­chen Weg der Wider­stand ein­schla­gen soll – das mag jedes ein­zel­ne Thea­ter für sich ent­schei­den. Nur Wider­stand gegen Kame­ra­lis­ten zu leis­ten aber heißt, die Kräf­te auf die fal­sche Flan­ke zu kon­zen­trie­ren. Hier ist nichts zu gewin­nen. Schon gar nicht durch späthon­ecker­haf­te „Thea­ter muss sein“ Auf­kle­ber auf Autos.

Die Bela­ge­rungs­si­tua­ti­on ent­steht ja nicht etwa aus über­mäch­ti­gen Geg­nern, son­dern sie ist selbst­ge­mach­ter Unbe­weg­lich­keit geschul­det.  Aller­dings gemischt mit dem feh­len­den Blick für mög­li­che Alli­an­zen – und dazu zäh­le ich eben die Schrei­ber (form­er­ly known as Auto­ren). Nicht in der Form einer Wie­der­ein­set­zung » Wei­ter­le­sen «

Die Antiquiertheit des szenischen Schreibprozesses II

November 22nd, 2012 § 4 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Thea­ter ist ganz selbst­ver­ständ­lich ein kol­la­bo­ra­ti­ver Pro­zess, aus dem, über­ra­schen­der­wei­se, nur eine Funk­ti­on nahe­zu kom­plett aus­ge­schlos­sen ist: die Schrei­ber. Das sorgt dafür, dass „eigen­stän­di­ge“ Tex­te ent­ste­hen, mit denen Thea­ter meis­tens in die­ser Form, mit die­ser Beset­zung, in die­ser Tona­li­tät nichts anfan­gen kön­nen. Und es sorgt auch, auf­grund der damit ver­bun­de­nen Unge­wiss­heit hin­sicht­lich der Finan­zie­rung der eige­nen Arbeit, dafür, dass Schrei­ber nach eini­gen Tex­ten auf­ge­ben. Wer wäre so dumm, seri­en­wei­se Tex­te zu pro­du­zie­ren, die kei­ne Abneh­mer fin­den? Die nur ein paar­mal auf einer Nebenstät­te gespielt wer­den? Die, selbst wenn sie Ein­nah­men erbrin­gen, die­se Ein­nah­men – auf­grund der lang­wie­ri­gen Vor­lauf­zei­ten – so spät kom­men, dass inzwi­schen irgend­ein Brot­job ange­nom­men wer­den muss? Der übli­cher­wei­se durch­aus für eine Aus­las­tung in einem Maße sorgt, dass kon­zen­trier­tes Schrei­ben dann nicht mehr mög­lich ist. Dass die ers­ten Arbei­ten direkt eine Per­fek­ti­on haben, dass meh­re­re Häu­ser sie spie­len, ist zumeist nur dem jähr­li­chen Hype-Autor gegönnt. Der zwei oder drei Tex­te spä­ter dann wie­der in der Ver­sen­kung ver­schwin­det. Oder einer Hand­voll Groß­au­to­ren von der Kate­go­rie Hand­ke, Strauß, Jeli­nek, die „es geschafft“ haben.

Hin­ter die­sem Umgang mit Schrei­bern und Tex­ten schlum­mert noch immer der Mythos vom Ori­gi­nal­ge­nie, vom aus sich selbst und ein­sam schaf­fen­den Schrift­stel­ler, der in sei­nem Stüb­chen den Kampf mit sich und der Welt auf­nimmt und als Sieg die­ses Kamp­fes einen Text vor­legt. Die­sen Mythos gilt es zu zer­trüm­mern. Weil er der Arbeits­wei­se der Gegen­wart nicht » Wei­ter­le­sen «

Die Antiquiertheit des szenischen Schreibprozesses I

November 22nd, 2012 § Kommentare deaktiviert für Die Antiquiertheit des szenischen Schreibprozesses I § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Die Funk­ti­on des Autors im Stadt­thea­ter der Gegen­wart ist nichts weni­ger als eine Para­do­xe. Einer­seits als Publi­kums­ma­gnet auf Spiel­plä­ne und Pla­ka­ten ein­ge­setzt, ist „der Autor“ und sei­ne Aukt­oria­li­tät, sei­ne Herr­schaft über Sinn und Gestalt der Auf­füh­rung (in einem nai­ven Ver­ständ­nis die­ser Begrif­fe, die jeweils ein­zeln und in ihren Zusam­men­spiel aller­dings zu befra­gen wären) doch in keins­ter Wei­se mehr garan­tiert. Regie ver­steht sich nicht mehr als blo­ße Inter­pre­ta­ti­on, schon gar nicht als einer Treue gegen­über dem Text­werk ver­pflich­tet. Das Selbst­ver­ständ­nis moder­ner und post­dra­ma­ti­scher Regie umfasst expli­zit den Anspruch eines frei­en Umgangs mit vor­lie­gen­den sprach­li­chen Arte­fak­ten, inklu­si­ve der Strei­chung oder Umstel­lung, des text­li­chen Mesh-ups, der Ein­be­zie­hung nicht ori­gi­när für die Büh­ne geschrie­be­ner Tex­te wie Roma­ne, Dreh­bü­cher oder Doku­men­te und Text­sor­ten unter­schied­lichs­ter Pro­ve­ni­enz. Das sorgt für den Reich­tum des aktu­el­len Thea­ters, auch wenn gele­gent­lich noch immer Häup­ter sich recken, die dem Autor und sei­ner Inten­ti­on das Pri­mat zurück ertei­len wol­len (wie zuletzt und wie­der ein­mal Kehl­mann). Die­se Schlach­ten kön­nen als geschla­gen, » Wei­ter­le­sen «

Uraufführung „Schuld und Schein“ erfolgreich versteigert! {Updated}

November 21st, 2012 § 2 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Update 21.11. 14 Uhr: Man glaubt es kaum, aber man­che Men­schen sind des Lesens nicht mäch­tig. Der Meist­bie­ten­de war von kei­nem Thea­ter, hat­te auch kein inter­es­sier­tes Thea­ter hin­ter sich. Wie bei ebay üblich geht das Ange­bot jetzt an unter­le­ge­ne Bie­ter. Der fol­gen­de Arti­kel ist inso­fern zumin­dest etwas ver­früht …

Seit dem 11.11.2012 lief auf ebay die Ver­stei­ge­rung der Urauf­füh­rungs­rech­te für mei­nen neu­en Text „Schuld und Schein. Ein Geld­stück“. Eben ging sie zu ende – und hat­te Erfolg. Die Urauf­füh­rung wird in die­ser Spiel­zeit statt­fin­den. Und genau das ist die fan­tas­ti­sche Nach­richt und die Über­ra­schung.

 

Es gab zuvor nicht weni­ge, die die gan­ze Sache für aus­sichts­los erklärt hat­ten. Pro­fes­sio­nel­le Thea­ter haben übli­cher­wei­se Pla­nungs­vor­läu­fe, die eine so kurz­fris­ti­ge Auf­nah­me eines neu­en Tex­tes aus­schlie­ßen. Ein übli­ches Zeit­fens­ter für einen Text, der grund­sätzlch auf Inter­es­se trifft, wären etwa ein bis zwei Jahr gewe­sen. Die aktu­el­le Spiel­zeit, die bis zum Som­mer 2013 dau­ert, ist durch­ge­plant. Für die fol­gen­de Spiel­zeit dürf­ten eben­falls Pla­nun­gen schon so weit im Gan­ge sein, dass eine Urauf­füh­rung zu Spiel­zeit­be­ginn nicht unbe­dingt hoch wahr­schein­lich wäre. Das war das Risi­ko an der Ver­stei­ge­rung: stell dir vor, es gibt eine Auk­ti­on – und kei­ner bie­tet mit.

 

Aber das war noch nicht alles. Das Stück selbst war auf der eigens dafür erstell­ten Web­sei­te schuldundschein.de im Voll­text zu fin­den und als PDF down­load­bar. Auch das ist nicht üblich. Nor­ma­ler­wei­se hüten Ver­la­ge die Tex­te, ver­schi­cken sie auf Anfor­de­rung von inter­es­sier­ten Thea­tern, die ihn dann in Ruhe lesen, bewer­ten und über eine Annah­me ent­schei­den. Das wie­der­um hät­te eben­falls zu Zeit­ver­zö­ge­run­gen geführt, denn Stück­an­kün­di­gun­gen wer­den nicht sel­ten in Druck­ver­si­on ver­schickt, die in der Pro­duk­ti­on eines wei­te­ren Vor­laufs bedurft hät­ten. Was den Vor­lauf wie­der­um wei­ter aus­ge­dehnt hät­te.

 

Dass nun die­ser Vor­lauf durch Ein­satz der Web­sei­te und die Down­load­funk­ti­on auf rasan­te 10 Tage ver­kürzt wer­den konn­te, ist eine wei­te­re Über­ra­schung. Denn inner­halb die­ser 10 Tage muss­te eini­ges Gesche­hen: Thea­ter muss­ten auf­merk­sam wer­den. Sie muss­ten den Text lesen, was zumeist heißt, dass nicht nur ein Dra­ma­turg, son­dern sicher­lich meh­re­re sich die Zeit neh­men, einen Blick in den Text zu wer­fen. Sie muss­ten sich dar­über ver­stän­di­gen, ob sie das The­ma rele­vant und die Qua­li­tät des Tex­tes für akzep­ta­bel hal­ten. Sie muss­ten klä­ren, in wel­cher Form sich ein Thea­ter über­haupt auf eBay enga­gie­ren kann. Und sie muss­ten mit­bie­ten. Min­des­tens zwei der drei Bie­ter sind tat­säch­lich Thea­ter. Das » Wei­ter­le­sen «

Stadttheater – Zerquetscht wie eine Nussschale?

Oktober 24th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Stadttheater – Zerquetscht wie eine Nussschale? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Man muss schon in beson­de­rer Wei­se lei­dens­fä­hig sein, um in Zei­ten wie die­sen an einem Stadt­thea­ter zu arbei­ten und es zu ver­tei­di­gen. In einem Umfeld mit zuneh­men­dem Ver­än­de­rungs­druck und immer aggres­si­ve­ren Reform­for­de­run­gen die eige­ne tra­di­ti­ons­för­mi­ge Arbeit wei­ter zu betrei­ben, nötigt durch­aus Respekt ab. Einer­seits. Ande­rer­seits droht es zu dem Ende zu füh­ren, das Mar­tin Sem­mel­rog­ge als Wach­of­fi­zier schon in Das Boot ankün­dig­te, als es lang­sam zu Grun­de ging: Wenn der Außen­druck zu groß wird, wird es zer­quetscht wie eine Nuss­scha­le. Nach­dem die­se Debat­te sich auf den unter­schied­lichs­ten Platt­for­men und Medi­en abspiel­te, star­tet nun die Uni­ver­si­tät Hil­des­heim mit einer Ring­vor­le­sung noch eine aka­de­mi­sche Breit­sei­te.

Woher kommt der Druck? Fas­sen wir eini­ge Kom­po­nen­ten (Ergän­zun­gen ger­ne per Kom­men­tar) zusam­men:

Zuschau­er­zah­len: Wahr­schein­lich guckt wie­der kein Schwein

Aus­las­tungs­zah­len sind nichts Neu­es, sie erfül­len in etwa die Funk­ti­on der Ein­schalt­quo­ten und Auf­la­gen. Sie mes­sen eigent­lich nichts, aber man­gels einer bes­se­ren Quan­ti­fi­zie­rung zieht man sie her­an, um die Arbeit ins­be­son­de­re einer Thea­ter­lei­tung zu bewer­ten. Ergänzt noch um die Ein­nah­men, die damit erzielt wer­den. Dass das zu einer unge­sun­den Pro­duk­ti­ons­be­schleu­ni­gung führt, um in Zei­ten schwin­den­der Thea­ter­in­ter­es­sier­ter die weni­ger ver­blei­ben­den Besu­cher öfter ins Thea­ter zu holen, habe ich schon vor eini­ger Zeit hier aus­ge­führt. Es ist eine Spi­ra­le, die dafür sorgt, dass in immer kür­ze­ren Pro­ben­zei­ten „Pro­duk­tio­nen“ erzeugt wer­den müs­sen, die dann immer weni­ger Vor­stel­lun­gen haben. Und deren Qua­li­tät sich sicher­lich nicht durch Pro­duk­ti­ons­be­schleu­ni­gung stei­gert. Oder in Faust-Spek­ta­kel wie in Frank­furt enden, die das Unzu­läng­li­che zum Ereig­nis machen tun.

Finan­zie­rung: Spa­ren wir uns das Thea­ter

Je weni­ger Rück­halt Thea­ter in der städ­ti­schen Öffent­lich­keit haben, des­to leich­ter fällt es in Zei­ten ange­spann­ter öffent­li­cher Haus­hal­te deren Bud­gets zu kür­zen, Spar­ten zu strei­chen, Häu­ser zusam­men zu legen. Oder Thea­ter ein­fach dicht zu machen. Das Kri­so­me­ter auf nacht­kri­tik lis­tet – lei­der wohl nicht mehr aktu­ell gepflegt, da etwa die aktu­el­len Wup­per­ta­ler Ent­wick­lun­gen dort nicht zu fin­den sind – in einem Kata­log der Schre­cken die an vie­len Orten anzu­tref­fen­de Mani­pu­al­ti­on des Geld­hahns auf.

Die Kul­tur­in­farkt-Fuz­zis: Immer fes­te druff

Sekun­diert wer­den die­se finanz­po­li­ti­schen Ein­schnit­te von den Auto­ren des berüch­tig­ten „Kul­tur­in­farks“ (mei­ne Rezen­si­on hier). In kru­der Ver­mi­schung einer­seits durch­aus beden­kens­wer­ter Ein­wän­de und Beob­ach­tun­gen mit einem Gene­ral­an­griff auf die deut­sche Thea­ter­land­schaft lie­fern die Ver­fas­ser die argu­men­ta­ti­ve Unter­füt­tern für Kür­zungs­be­stre­bun­gen – täte es doch ihrer Mei­nung nach nicht nur die Hälf­te des Bud­gets für die Stadt­thea­ter, son­dern die Hälf­te täte der Thea­ter­land­schaft auch noch gut.

Stadt­thea­ter­de­bat­te: Geld den frei­en Hüt­ten, Sturm auf die Paläs­te

In der auf nacht­kri­tik geführ­ten und von Mat­thi­as von Hartz mit einem Bei­trag dort begon­ne­nen Debat­te wer­den Stadt­thea­ter und freie Grup­pen gegen­ein­an­der geführt – mit der Behaup­tung, Inno­va­tio­nen (Ein ziem­lich unglück­li­cher Begriff in die­sem Zusam­men­hang) kämen in der letz­ten Zeit vor­nehm­lich von den Frei­en. Und ent­spre­chend sol­le ihnen eine bes­se­re Finan­zie­rung auch auf Kos­ten der Stadt­thea­ter zukom­men. Die Tei­le der Debat­te:

Mat­thi­as von Hartz: Dem Stadt­thea­ter ist noch zu hel­fen
Ulf Schmidt: Die Funk­ti­on des Stadt­thea­ters – zum Thea­ter in der Netz­ge­sell­schaft
Ute Nys­sen: Die Geburt des Autors aus dem Nach­spie­len
– zu Neu­er Dra­ma­tik im Reper­toire­be­trieb
Tors­ten Jost und Georg Kasch:
Kraft­zen­tren im Dickicht der Städ­te – Stadt­thea­ter als kom­mu­na­ler Dis­kurs­mo­tor
Niko­laus Merck: Ten­den­zi­el­ler Fall der Legi­ti­mi­täts­ra­te
– Ein Brief zum Arbeits­buch “Heart of the City. Recher­chen zum Stadt­thea­ter der Zukunft”
Dirk Pilz und Chris­ti­an Rakow  im Inter­view mit Ulrich Khuon:
In den Städ­ten fin­den Kämp­fe statt -
Eine Rei­he wei­te­rer inter­es­san­ter Tex­te auf nacht­kri­tik hier.

Zudem ist das Thea­ter der Zeit Arbeits­buch „Stadt­thea­ter der Zukunft“ zwar auf Inspi­rie­ren­des für die besag­te Zukunft aus­ge­rich­tet, muss aber natür­lich dabei auch als Kri­tik am Bestehen­den ver­stan­den wer­den, wie es in der Beschrei­bung des Ban­des auch zu lesen ist:

Die als not­wen­dig ange­nom­me­ne Neu­be­stim­mung der Insti­tu­ti­on Stadt­thea­ter vor­aus­ge­setzt, woll­ten wir mit den Recher­chen der hier ver­sam­mel­ten Auto­rin­nen und Auto­ren Mate­ria­li­en für unse­re tas­ten­den Ver­su­che auf schwan­ken­dem Boden zusam­men­tra­gen. (Quel­le)

Hil­des­hei­mer Ring­vor­le­sung: Geball­te pro­fes­so­ra­le Macht

Seit heu­te fin­det an der Uni­ver­si­tät Hil­des­heim eine (auf nacht­kri­tik durch The­sen­zu­sam­men­fas­sun­gen doku­men­tier­te) Ring­vor­le­sung (Fly­er­down­load) statt, mit dem Titel „Thea­ter. Ent­wi­ckeln. Pla­nen.“ Als Auf­takt ist Prof. Dr. Wolf­gang Schnei­der, Direk­tor des Insti­tuts für Kul­tur­po­li­tik der Uni­ver­si­tät Hil­des­heim an den Start und das Pult getre­ten. Die The­sen sind auf nacht­kri­tik hier zu fin­den. Ein kur­zes Zitat aus den (lesens­wer­ten) The­sen:

Die Situa­ti­on, in der wir uns im Moment befin­den, ist nicht nur eine Fol­ge des Ver­sa­gens der Kul­tur­po­li­tik, son­dern auch der Thea­ter. Wenn sie sich selbst für neue For­men geöff­net haben, dann nur in eini­gen weni­gen Pro­jek­ten. Wenn sich etwas geän­dert hat, dann eigent­lich nur » Wei­ter­le­sen «

Veranstaltungshinweis: Theatercamp Hamburg im November

Oktober 9th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Veranstaltungshinweis: Theatercamp Hamburg im November § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Trotz der Erfah­run­gen mit der miss­ra­te­nen Spiel­plan­wahl Anfang des Jah­res bleibt das Ham­bur­ger Tha­lia Thea­ter in Sachen Aus­ein­an­der­set­zung mit dem, was man land­läu­fig Soci­al Media nennt, am Ball: Am 11. Novem­ber (also zu Beginn der Kar­ne­vals­sai­son …) wird dort eine als Bar­Camp beschrie­be­ne Ver­an­stal­tung statt­fin­den, das Thea­ter­camp 2012 (hier der Hin­weis vom Tha­lia, hier die Ver­an­stal­tungs­sei­te). Lei­der gibt man der Ver­an­stal­tung nur etwa acht Stun­den Zeit und Raum — immer­hin mehr als nichts. Wenn auch mehr mehr gewe­sen wäre. Sein wür­de. Hät­te kön­nen.

Die Fra­gen, die man sich in der Ver­an­stal­tungs­be­schrei­bung stellt, sind die­je­ni­gen, die sich auch so ziem­lich jedes Unter­neh­men stellt, das sich mit Soci­al Media aus­ein­an­der­setzt: Wer­den wir damit nicht zu trans­pa­rent? Kön­nen wir hier Tickets ver­kau­fen? Las­sen sich Soci­al Media für die Ver­än­de­rung unse­res Ange­bots nut­zen? Oder haben wir lan­ge genug gewar­tet, um jetzt den gan­zen Soci­al Media Kram als abeb­ben­den Hype kate­go­ri­sie­ren und damit igno­rie­ren zu kön­nen? Ziem­lich vie­le und ziem­lich fun­da­men­ta­le Fra­gen für acht Stun­den. Aber ein span­nen­der Beginn viel­leicht von etwas.

Auf der Ver­an­stal­tungs­web­sei­te (hier) las­sen sich noch Ses­si­on-Vor­schlä­ge unter­brei­ten. Bis­her gibt es Bei­träg zu Dra­ma­tur­gi­en 3.0 – Rezep­ti­ons­ver­hal­ten und Erzähl­for­men von Jochen Strauch, Ein Tweet­up für die Kul­tur. Neue Ver­an­stal­tungs­for­ma­te von Ulri­ke Schmid und Bir­git Schmidt-Hur­ti­en­ne, sowie Das Thea­ter Heil­bronn im Soci­al Web von Kat­rin Schrö­der.

In jedem Fal­le gilt auch hier, was vom Thea­ter grund­sätz­lich zu sagen ist: Wer nicht da ist, kann nicht mit­re­den und sich kein eige­nes Bild machen. Also: hin­fah­ren! Wenn nichts dazwi­schen kommt, wer­de ich da sein.

Digitaljournalismus statt #lsr – Aufruf zur Rettung von nachtkritik.de

Juni 20th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Digitaljournalismus statt #lsr – Aufruf zur Rettung von nachtkritik.de § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Zuge­ge­ben, die Head­line die­ses Pos­tings ist so rei­ße­risch, wie eine schlech­te BILD (darf ich den Namen noch erwäh­nen, ohne ver­klagt zu wer­den?) Schlag­zei­le. Aller­dings ist hier wie dort auch das Ziel ähn­lich: es soll nicht nur infor­miert, son­dern agi­tiert wer­den.

Zur Sache: nachtkritik.de ist DAS deutsch­spra­chi­ge Thea­ter- und Thea­ter­kri­tik­por­tal im Netz. Es wur­de vor über fünf Jah­ren von erfah­re­nen und print­re­nom­mier­ten Thea­ter­kri­ti­kern gegrün­det und bringt jeden Mor­gen Kri­ti­ken zu den wich­tigs­ten Thea­ter­pre­mie­ren des ver­gan­ge­nen Abends. Zudem wer­den dort die hei­ßes­ten Kom­men­tar­de­bat­ten über ästhe­ti­sche, thea­ter- und kul­tur­po­li­ti­schen The­men geführt. Zusam­men mit der Redak­ti­on sor­gen meh­re­re Dut­zend freie Kri­ti­ker, ver­teilt über das gan­ze Land, dafür, dass nicht nur die „Zen­tren“ des Thea­ter­ge­sche­hens, son­dern auch die Pro­vinz Beach­tung und Auf­merk­sam­keit fin­det. Nacht­kri­tik lebt im Wesent­li­chen von dem (posi­tiv for­mu­liert) Idea­lis­mus und der (kri­tisch gesagt) Selbst­aus­beu­tung aller Macher, um ein kos­ten­lo­ses, hoch pro­fes­sio­nel­les und jour­na­lis­ti­sches Ange­bot zu schaf­fen.

Um die Mit­tel selbst für die­sen recht spär­li­chen Hono­ra­re zu gene­rie­ren, nutzt nacht­kri­tik Wer­be­ban­ner, bekommt Unter­stüt­zung etwa von der Buce­ri­us-Stif­tung – und ist auf Spen­den ange­wie­sen. Aktu­ell wer­den 25.000 Euro benö­tigt, um den Betrieb von nacht­kri­tik auch in der nächs­ten Spiel­zeit zu ermög­li­chen. Davon sind nach vier Wochen nicht ein­mal 4.000 Euro zusam­men­ge­kom­men.

Für mich ist nacht­kri­tik nicht nur als Kul­tur­platt­form span­nend und fas­zi­nie­rend. Für mich steht viel­mehr gera­de in den aktu­el­len Umstän­den, der Debat­ten um Urhe­ber- und Leis­tungs­schutz­rech­te mehr auf dem Spiel bei der Far­ge, ob nacht­kri­tik das Über­le­ben gelingt.

Nacht­kri­tik ist – neben eini­gen ande­ren Ange­bo­ten wie car­ta oder netz­po­li­tik – ein Visi­on vom unab­hän­gi­gen Digi­tal­jour­na­lis­mus der Zukunft Heißt: Wenn es nicht gelingt, eine sol­che Platt­form jen­seits tra­di­tio­nel­ler Erlös­mo­del­le dau­er­haft am Leben zu erhal­ten, schwin­det mein grund­sätz­li­cher Opti­mis­mus was die Zukunft von Qua­li­täts­jour­na­lis­mus im Netz jen­seits indus­trie­ge­sell­schaft­li­cher Pro­duk­ti­ons- und Dis­tri­bu­ti­ons­me­cha­nis­men angeht. Nicht weil vom Thea­ter­jour­na­lis­mus etwa die Zukunft von irgend­et­was abhin­ge (abge­se­hen von den Stadt­thea­tern, die man fin­den mag, wie man will). Son­dern weil nacht­kri­tik sym­bo­lisch ste­hen kann für die ent­schei­den­de Fra­ge:

Kann Jour­na­lis­mus mit hohem Anspruch, mit inten­si­ver Debat­ten­kul­tur, ohne Ver­la­ge und ihre lob­by­be­ar­bei­te­ten Geset­zes­wer­ke zukünf­tig öko­no­misch leben oder nicht? Kön­nen Jour­na­lis­ten ohne Ver­lags- und Ver­triebs­hin­ter­grün­de zukünf­tig selbst­or­ga­ni­sier­te Ange­bo­te in einer Form betrei­ben, dass auch eine zumin­dest exis­tenz­si­chern­de Finan­zie­rung dabei her­aus­kommt – oder ist die­ses gan­ze Netz letzt­lich nur ein Hob­by­raum?

Um dafür einen zukunfts­wei­sen­den Bei­trag zu leis­ten, braucht es mehr als Lip­pen- oder Twit­ter­be­kennt­nis­se. Es braucht in paar Euro (die sogar steu­er­lich abzugs­fä­hig sind, da nacht­kri­tik gemein­nüt­zig ist). Man muss sich nicht für Thea­ter inter­es­sie­ren, um ein State­ment zur Zukunft des anspruchs­vol­len (Kultur-)Journalismus im Netz per Spen­de abzu­ge­ben. Man muss nacht­kri­tik nicht jeder­zeit zustim­men, muss nicht ein­mal mit der Grund­li­nie oder der Inhalts­aus­wahl ein­ver­stan­den sein, um zu ver­ste­hen und per Spen­de zu gou­tie­ren, dass eine Inhalts­de­bat­te nur dann sinn­voll geführt wer­den kann, wenn die Erstel­lung der Inhal­te gesi­chert ist. Man muss nacht­kri­tik nicht ein­mal lesen, um ein State­ment für einen zukunfts­wei­sen­den Digi­tal­jour­na­lis­mus abzu­ge­ben, indem man ein paar Euro sprin­gern lässt.

Wer als Schau­spie­ler dar­auf ange­wie­sen ist, dass Men­schen ein paar Euro Ein­tritt zah­len, soll­te eine Spen­de in Höhe eines Ein­tritts­gel­des bei­steu­ern, um zukünf­tig netz­öf­fent­li­che Auf­merk­sam­keit für die eige­ne Arbeit zu bekom­men. Wer als Inten­dant vom Fort­be­stehen der Stadt­thea­ter­kul­tur abhän­gig ist, soll­te einen Wochen­lohn (Brut­to – Steu­ern gibt’s ja zurück; bei einem Frank­fur­ter Inten­dan­ten­ge­halt von 240.000+X — wie nacht­kri­tik gera­de berich­tet — wären  also ca. 5.000+X fäl­lig!) dafür sprin­gen las­sen. Wer als Jour­na­list um die Zukunft des Jour­na­lis­mus besorgt ist, soll­te sich eine Packung Ziga­ret­ten ver­knei­fen und dafür einen fün­fer sprin­gen las­sen. Wer die Debat­te um das Leis­tungs­schutz­recht besorgt ver­folgt, soll­te sei­nen Bei­trag für eine Platt­form leis­ten, die sich über Erwäh­nun­gen, Ver­lin­kun­gen, Zitie­run­gen freut, statt sie juris­tisch zu ver­fol­gen.

Und wer gar kein Geld, aber eine Twit­ter-Fol­lo­wer­schaft hat, soll­te wenigs­tens mit einem Ret­weet dafür sor­gen, dass sol­ven­te­re Fol­lo­wer auf­merk­sam wer­den – und Geld raus­las­sen. Es geht um lächer­li­che 25.000 Euro. Das sind 5.000 Spen­den zu 5 Euro.

Pla­se Dona­te here and ret­weet.

Dis­clo­sure: Ich gehö­re der Redak­ti­on nicht an, bin aber mit Redak­teu­ren per­sön­lich bekannt und habe Bei­trä­ge für nacht­kri­tik geschrie­ben. Das dafür bezo­ge­ne Hono­rar geht selbst­ver­ständ­lich als Spen­de zurück an nacht­kri­tik.

Das Urheberrecht in der Werbeindustrie — Einspruch Euer Ehren #adc12

Mai 13th, 2012 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Jetzt hat auch der Art Direc­tors Club (ADC), der Krea­tiv­ver­band der Wer­be­in­dus­trie (des­sen Mit­glied ich bin)  zur Urhe­ber­rechts­de­bat­te Stel­lung bezo­gen. Und sich ziem­lich bla­miert.

Ich hat­te den letz­ten Tagen das Ver­gnü­gen, als Juror für den ADC Dia­log­wer­be­ar­bei­ten des letz­ten Jah­res unter Krea­tiv­ge­sichts­punk­ten mit zu jurie­ren. Net­te Sache. Bei der gest­ri­gen Preis­ver­lei­hung hat­te ich dann das noch grös­se­re Ver­gnü­gen, wenn nicht die Ehre, die groß­ar­ti­ge Anzei­ge des ADC zum Tod Vic­co von Bülows zu lau­da­tie­ren.
Weit weni­ger ver­gnüg­lich, um nicht zu sagen ärger­lich unre­flek­tiert fand ich dage­gen die Stel­lung­nah­me des ADC Vor­stands­spre­chers Jochen Räde­ker zum Urhe­ber­recht. Mit pathe­ti­schem Unter­ton for­der­te er ein star­kes Urhe­ber­recht zum Schutz der Krea­ti­ven. Es kön­ne ja wohl nicht sein, dass sich jeder ein­fach ohne Bezah­lung krea­ti­ve Leis­tung down­loa­de.
Das ist enorm dumm. Aus zwei Grün­den:

  1. Dürf­te der Wer­be­in­dus­trie nicht dar­an gele­gen sein, die Leis­tun­gen ihrer Krea­ti­ven, von Tex­tern, Desi­gnern, Dreh­buch­au­to­ren, Musi­kern, Pro­gram­mie­ren nach Prin­zi­pi­en des geis­ti­gen Eigen­tums der Schöp­fer behan­deln zu las­sen. Wäre ja nett, wenn ein Tex­ter gegen ein Unter­neh­men zu Fel­de zöge weil sei­ne Head­line oder sein Claim nicht in der von ihm/ihr geschaf­fe­nen Form erscheint, wenn Dreh­bü­cher vom Kun­den oder Vor­ge­setz­ten umge­schrie­ben, Musik ver­hunzt wird. Von finan­zi­el­len Ansprü­chen an die Ver­wer­ter wol­len wir mal schwei­gen.
    Rich­tig ärger­lich dar­an ist, dass eigent­lich die Wer­be­in­dus­trie schon lan­ge mit nach-urhe­ber­recht­li­chen Prin­zi­pi­en arbei­tet. Wer­be­maß­nah­men enste­hen seit » Wei­ter­le­sen «

Der Bühnenverein auf der re:publica — ein Kasperltheater #rp12

Mai 3rd, 2012 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Wie letz­tens gepos­tet, haben die Inten­dan­ten im Deut­schen Büh­nen­ver­ein ein Expe­ri­ment unter­nom­men, um einen Fuß ins kal­te Netz zu stre­cken. Zusam­men mit Jovo­to wur­de ein “Crea­ti­ve Crowd­sour­cing” Pro­jekt gestar­tet, bei dem die Platt­form-Mit­glie­der kei­ne gerin­ge­re Fra­ge beant­wor­ten soll­ten, als  “Was ist das Thea­ter der Zukunft?”. Das hat natür­lich eini­ger Vor­dis­kus­sio­nen bedurft im Kreis der Inten­dan­ten. Eine Klau­sur­ta­gung mit ein­ge­la­de­nen Exper­ten. Und Abstim­mungs­run­den, was man denn sinn­voll fin­det und was nicht. Sol­che Din­ge wol­len reif­lich über­legt sein.

Zum Ergeb­nis lässt sich so wahn­sin­nig viel nicht sagen. Eini­ge der auf der Ver­an­stal­tung vor­ge­stell­ten Ide­en waren eini­ger­ma­ßen ori­gi­nell oder schräg. Rich­tig ange­kom­men sind sie bei den Thea­ter­leu­ten, die die Ide­en vor­stell­ten, nicht. Letzt­lich, so hieß es, sei das Publi­kum so digi­tal ja noch nicht, son­dern infor­mie­re sich über Thea­ter eher aus der gedruck­ten Zei­tung. Wes­we­gen man die “neu­en Medi­en” mit Fin­ger­spit­zen­ge­fühl anpa­cken müs­se. Selbst wenn man aus Fair­ness­grün­den kei­ne wei­te­ren ver­ba­len Auf­fäl­lig­kei­ten wie­der­gibt, lässt sich schon hier ein ganz fun­da­men­ta­les Pro­blem fest­stel­len. Die Thea­ter­leu­te auf dem Podi­um haben die Rele­vanz der — mit ca. 20 Jah­ren sicher nicht mehr “neu­en” Medi­en — nicht erkannt. Sie geben sich mit dem Print­pu­bli­kum zufrie­den, ohne dar­über nach­zu­den­ken, das die­ses mit den Zei­tun­gen selbst ver­schwin­den könn­te.

Der Ide­en­wettb­werb hat­te für die panel­an­we­sen­den Thea­ter­leu­te in etwa die prak­ti­sche Rele­vanz wie der Mal­wett­be­werb eines Spar­kas­sen­ver­ban­des. Hüb­sche Din­ge — aber doch nichts fürs Tages­ge­schäft. Mar­ke­ting und Wer­bung kön­ne man sicher mit cle­ve­ren Ide­en anrei­chern, um “jun­ge Leu­te” (eine grau­en­vol­le For­mu­lie­rung von älte­ren Herr­schaf­ten, die die Welt nicht mehr ver­ste­hen) bes­ser zu errei­chen. Aber der Auf­trag des Thea­ters sei ja nun doch, tra­dier­te Inhal­te in neue Gewän­der zu klei­den. Das tue man ja schon. Etwa indem Figu­ren nur als Pro­jek­tio­nen auf der Büh­ne prä­sent sein las­se. Und twit­tern und pos­ten auf Face­book — tue man ja auch schon. Aber da kön­ne man sicher noch etwas mehr tun. In Sachen Wer­bung.

Das wirk­li­che Desas­ter aber …

Auf der re:publica ver­sam­meln sich etwa 4.000 krea­ti­ve, gesell­schafts­in­ter­es­sier­te, poli­tisch inter­es­sier­te, in vie­ler­lei Sin­ne krea­ti­ve, vor­wärts den­ken­de und avant­gar­dis­ti­sche Köp­fe. Und von die­sem 4.000 haben es gera­de ein­mal gut 30 (Panel­teil­neh­mer und Orga­team abge­zo­gen) in die Ver­an­stal­tung geschafft. In Zah­len: Drei­ßig. Eine zeit­lich rela­tiv gut gele­ge­ne (War­ten auf die Lobo-Sau­se) Ver­an­stal­tung über das Thea­ter lockt gera­de ein­mal 30 Zuhö­rer an. Viel­leicht sind die Thea­ter­leu­te schon zu sehr gewohnt vor lee­ren Sälen zu spie­len — der Saal 4 auf der re:publica bot geschät­ze 300 Sitz­plät­ze — als dass es ihnen noch auf­fie­le: Die kata­stro­pha­le und gäh­nen­de Lee­re aber war ein über­deut­li­ches State­ment der “jun­gen Leu­te” dazu, was sie vom Thea­ter hal­ten. Und wenn Thea­ter­leu­te nicht begin­nen zu ver­ste­hen, dass Thea­ter in der ent­ste­hen­den Netz­ge­sell­schaft (das Wort fiel immer­hin ein­mal) nicht heißt, ande­re Wer­bung zu machen, die PR twit­tern zu las­sen und noch ein paar Pro­jek­to­ren mehr auf­zu­stel­len, son­dern dass es viel­mehr dar­um geht, als gesell­schaft­li­che und sich als gesellschafts“kritisch” ver­ste­hen­de Insti­tu­ti­on die künst­le­ri­sche und intel­lek­tu­el­le Aus­ein­an­der­set­zung zu suchen, die eige­nen künst­le­ri­schen Mit­tel und orga­ni­sa­to­ri­schen Pro­zes­se zu über­prü­fen, grund­sätz­lich und umfas­sen infra­ge zu stel­len und gege­be­nen­falls neu zu erfin­den, kurz: Thea­ter in der Netz­ge­sell­schaft zu wer­den — dann wer­den die Thea­ter über kurz oder lang so leer sein, wie heu­te Saal 4 auf der re:publica. Und das haben sie auch so ver­dient.

Gewon­nen hat am Ende übri­gens — Ham­let. Kein Witz. Vor­ge­stellt wur­de eine “argu­men­ted (sic!) rea­li­ty” app fürs iPad, mit der User inter­ak­tiv … äh … irgend­wie ent­schei­den kön­nen, wor­an Ham­let stirbt. Oder so. Egal. Der Gewin­ner darf sich freu­en, das Preis­geld sei ihm gegönnt. Rea­li­siert wird das ver­mut­lich nicht. Und wenn doch: Geld bekommt er ver­mut­lich nicht dafür.  Außer dem Preis­geld.

Erfreu­li­cher­wei­se ergab sich nach die­sem Kas­per­le­tha­ter eine span­nen­de Unter­hal­tung mit Chris­ti­an Römer von der Boell-Stif­tung, bei der ich am 25. Mai an einer Podi­ums­ver­an­stal­tung zum Urhe­ber­recht teil­neh­men wer­de, und @twena Tina Lorenz, auf deren Vor­trag “Thea­ter und digi­ta­le Medi­en – ein Trau­er­spiel” mor­gen um 11.15 ich mich sehr freue. Die­ses Pos­ting ist als Fol­ge die­ses Gesprächs zu ver­ste­hen.

Bühnenverein mit Ideenwettbewerb auf der #rp12

April 24th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Bühnenverein mit Ideenwettbewerb auf der #rp12 § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Min­des­tens so erstaun­lich wie die Tat­sa­che, dass der Deut­sche Büh­nen­ver­ein nicht nur Part­ner der re:publica 2012 ist, son­dern dort sogar einen zusam­men mit jovo­to umge­setz­ten Ide­en­wett­be­werb für das Thea­ter der Zukunft unter dem Mot­to “Thea­ter­In­ter­ac­tion” ver­an­stal­tet und prä­sen­tiert, ist die Tat­sa­che, dass ich das bis­her völ­lig über­se­hen habe. Wor­an das auch immer lie­gen mag. Wenn ich recht zäh­le, sind immer­hin schon 42 Vor­schlä­ge ein­ge­reicht. Was ja nicht nichts ist. Ich hof­fe es zu schaf­fen, mir die Prä­mie­rungs­ses­si­on am 02.05. um 18:45 anzu­schau­en.

Außer­dem kün­digt Tina Lorenz einen Vor­trag für den 03.05. dort an mit dem » Wei­ter­le­sen «

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