Zusammengefasst: Der notwendige Paradigmenwechsel im Finanzsystem (repost schuldundschein.de)

April 15th, 2013 § Kommentare deaktiviert für Zusammengefasst: Der notwendige Paradigmenwechsel im Finanzsystem (repost schuldundschein.de) § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Als eine Art Abschluss und For­de­rungs­fa­zit aus den letz­ten Mona­ten und der Arbeit an “Schuld und Schein” hier nun eine (vor­läu­fi­ge?) Zusam­men­fas­sung des­sen, was sich mei­nes Erach­tens als Fol­ge der soge­nann­ten Finanz­kri­se und der zuneh­men­den Digi­ta­li­sie­rung des Geld­ver­kehrs sagen lässt und ändern muss.

» Wei­ter­le­sen «

Die Finanzmärkte sind die eigentliche Piratenpartei #MediaDivina

April 9th, 2013 § Kommentare deaktiviert für Die Finanzmärkte sind die eigentliche Piratenpartei #MediaDivina § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im Pos­ting zur Funk­ti­on des Wet­ter­be­richts für das Fern­se­hen hat­te ich damit geschlos­sen, dass das Bör­sen­ge­sche­hen inzwi­schen funk­tio­nal die Posi­ti­on des Wet­ter­be­richts über­nimmt. Denkt man das kon­se­quent wei­ter, zeigt sich noch etwas ande­res Inter­es­san­tes.

Wäh­ren die Pira­ten noch dar­über dis­ku­tie­ren, wie Par­ti­zi­pa­ti­on am bes­ten orga­ni­siert wer­den, wie Men­schen ein­ge­bun­den wer­den kön­nen und wie aus den hete­ro­ge­nen Mei­nun­gen der Vie­len ein­fa­che Resul­ta­te, die als Hand­lungs­grund­la­ge die­nen, destil­liert wer­den kön­nen, wäh­rend also die Pira­ten noch reden und dabei dar­über reden, wie man am bes­ten mit­ein­an­der redet – han­deln die Finanz­märk­te. Par­ti­zi­pa­tiv. Mit unglaub­lich (zer­stö­re­ri­scher) poli­ti­scher Macht, die sich aktu­ell gar kon­kre­ti­siert in der Ableh­nung der Demo­kra­tie auf einem » Wei­ter­le­sen «

Die Girofalle — Spiegel Online streift das Problem (re-post von schuldundschein.de)

März 26th, 2013 § Kommentare deaktiviert für Die Girofalle — Spiegel Online streift das Problem (re-post von schuldundschein.de) § permalink; Autor: Ulf Schmidt

In eine heu­te auf Spie­gel Online im Nach­gang der Zypern­kri­se erschie­nen Arti­kel wird das fun­da­men­ta­le Pro­blem gestreift, vor dem sich die Zyprio­ten jetzt und in den nächs­ten Tagen sehen, und das in Zukunft noch zu hef­ti­gen Ver­wer­fun­gen füh­ren wird. Es heißt dort im Arti­kel von Ste­fan Kai­ser:

Unser Erspar­tes ist eine ziem­lich flüch­ti­ge Sache. Das geht schon damit los, dass man es nor­ma­ler­wei­se nicht in der Hand hal­ten kann. Allein in den 17 Län­dern der Euro-Zone sind gut zehn Bil­lio­nen Euro im Umlauf — aber nur rund ein Zehn­tel davon in Schei­nen und Mün­zen. Der Rest ist digi­ta­les Geld, das aus­schließ­lich auf Com­pu­ter­bild­schir­men exis­tiert. Es liegt in der Regel auf Kon­ten bei Ban­ken. Und wenn man es bar abhe­ben möch­te, kann es im schlimms­ten Fall pas­sie­ren, dass man es nicht bekommt. (Quel­le)

Er fährt eher kur­so­risch mit der Beob­ach­tung fort, dass die Abhe­bung mit dem Ziel, phy­si­sche Bank­no­ten in die Hand zu bekom­men, natür­lich auch der Weis­heit letz­ter Schluss nicht ist, da das phy­si­sche “Bar­geld” — also Mün­zen und Schei­ne — eben­so flüch­tig ist, da es nach der Auf­he­bung des Gold­stan­dards kei­ne ande­re Deckung mehr hat als das Ver­trau­en derer, die es ver­wen­den. Wie aller­dings auch das Gold — wenn es denn den Gold­stan­dard noch oder wie­der gäbe — nicht viel wei­ter führ­te, da auch die­ses zu einem Kurs akzep­tiert wer­den müss­te und, wie Kasi­er schreibt, nicht geges­sen wer­den kann.

Man könn­te nun sagen: jaja, alt­be­kannt. Denn einen wesent­li­chen Punkt beschreibt (oder sieht) Kai­ser nicht: Wenn in den letz­ten Tagen die Rede von den “Spa­rern” war, die durch die Ret­tungs­be­schlüs­se mehr oder weni­ger stark ent­eig­net wer­den sol­len, so ist die­se Beschrei­bung unscharf. Auf den Ban­ken liegt nicht nur das, was klas­si­scher­wei­se als Spar­geld bezeich­net wer­den kann, also Geld, das “über­schüs­sig” ist und des­we­gen zum Zwe­cke der Auf­be­wah­rung oder der Wert­stei­ge­rung durch Zin­sen » Wei­ter­le­sen «

Das Zypern-Experiment — und die Girofalle

März 18th, 2013 § Kommentare deaktiviert für Das Zypern-Experiment — und die Girofalle § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Zunächst klingt es ganz ein­fach — aber auch das schon bedroh­lich: Zypri­sche Spa­rer sol­len von ihrem Gut­ha­ben zwi­schen 6,75% (unter 100.000 Euro Gut­ha­ben) und 9,9% abge­ben als Bei­trag zur Lösung der loka­len Finanz­kri­se. (Mehr auf Spon). Das ist natür­lich ein Expe­ri­ment, das durch­aus zu erwar­ten war. Die­ses heißt: Was geschieht, wenn tat­säch­lich nicht nur insti­tu­tio­nel­le Inves­to­ren und Anle­ger (wie sei­ner­zeit in Grie­chen­land) bei einem Schul­den­schnitt blu­ten müs­sen, son­dern die Bür­ger jeder Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­schicht?

Zypern ist der geeig­nets­te Kan­di­dat für ein sol­ches Expe­ri­ment, weil Bevöl­ke­rungs­zahl und Wirt­schafts­leis­tung in der Euro­zo­ne über­schau­bar sind. Das heißt: Ver­mut­lich sind auch die Schä­den bei einem Miss­lin­gen beherrsch­bar. Was heißt hier “Miss­lin­gen”?

Dass nah Wie­der­eröff­nung der Ban­ken in den nächs­ten Tagen die Zyprio­ten und alle ande­ren Besit­zer von Ein­la­gen auf zyprio­ti­schen Ban­ken doch noch ihr (inzwi­schen redu­zier­tes) Ein­la­ge­ka­pi­tal abhe­ben, weg­über­wei­sen, aus Zypern abzie­hen. Dann stür­zen die zyprio­ti­schen Ban­ken zusam­men, was teu­er wird, aber ver­mut­lich für die EU noch rett­bar. Dafür ist Zypern eben klein genug — anders sähe das aus, wür­den etwa Spa­ni­en, Ita­li­en oder Frank­reich die­sen Schritt gehen und die ent­spre­chen­den Fol­gen ein­tre­ten. Die Zyprio­ten blu­ten auf Pro­be.

Denn wenn es in Zypern gelingt, sich die Stim­mung schnell beru­higt, darf über den media­len Gewöh­nungs­ef­fekt davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass nun­mehr an den Gedan­ken und an den Pro­zess gewöhn­te Öffent­lich­kei­ten (sicher in Grie­chen­land, ver­mut­lich auch in wei­te­ren Län­dern) bei dem­sel­ben Schnitt­schritt bei ihnen ver­mut­lich ähn­li­che Ver­hal­tens­wei­sen auf­tre­ten. Die Bür­ger und Ein­le­ger in nach­fol­gen­den Län­dern gewöh­nen sich dar­an, dass ein biss­chen ihres Gel­des ver­schwin­det, der Rest aber erhal­ten bleibt. Der zwei­te Skan­dal ist kein Skan­dal mehr, son­dern als ers­te Wie­der­ho­lung bereits ein Schritt zur Rou­ti­ne. Na, kannst halt nix machen, sind ja nur XX Pro­zent. — Und es wer­den sicher­lich schritt­wei­se mehr Pro­zent.

Das Risiko der europaweiten Bank-Runs

Das eigent­li­che Risi­ko besteht drin, dass die Bür­ger ande­rer Län­dern den Bra­ten rie­chen. Dass sie also jetzt zum ers­ten mal die Bewe­gung jener kal­ten, unsicht­ba­ren Hand spü­ren, die bereits in ihrer Tasche steckt. Dass sie also bereits » Wei­ter­le­sen «

Der Gedanke einer aufziehenden Digitalökonomie erreicht Banken — in Form von Angst

Februar 17th, 2013 § Kommentare deaktiviert für Der Gedanke einer aufziehenden Digitalökonomie erreicht Banken — in Form von Angst § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Es gab ja hier im Blog in den letz­ten Jah­ren durch­aus eini­ge Bei­trä­ge zum The­ma Digi­tal­öko­no­mie (hier der Kate­go­rie-Link) und den damit anste­hen­den revo­lu­tio­nä­ren Ver­än­de­run­gen. Nicht zuletzt des­we­gen wur­de hier ja auch das vir­tu­el­le “Insti­tut für Digi­tal­öko­no­mie” gegrün­det. Die Mög­lich­kei­ten, die etwa Face­books Credits (auch wenn inziw­schen wiet­ge­hend ein­ge­stellt) hat, habe ich hier beschrie­ben. Die Ähn­lich­keit zwi­schen Finanz­we­sen und Musik­in­dus­trie etwa hier. Über die fan­tas­ti­schen Mög­lich­kei­ten von mobi­le Payment, wie sie in Afri­ka zu sehen sind, hier.

Inzwi­schen scheint der Gedan­ke an die fun­da­men­ta­len Ver­än­de­run­gen (übri­gens auch in Schuld und Schein zu fin­den), die gera­de dabei sind, ihre Kraft zu ent­wi­ckeln, offen­bar auch in den Köp­fen oder zumin­dest den lim­bi­schen Sys­te­men der Bank­ent­schei­der ange­langt. Als Ergeb­nis einer neu­en Stu­die von Ste­ria Mum­mert und F.A.Z.-Institut ist zu lesen:

Die klas­si­schen Ban­ken sehen sich immer stär­ker von bran­chen­frem­den Wett­be­wer­bern bedroht. Ins­be­son­de­re Bezahl­sys­te­me im Inter­net gefähr­den ihr Geschäft. Die­ser Ansicht sind 57 Pro­zent der Ent­schei­der » Wei­ter­le­sen «

Uraufführung „Schuld und Schein“ erfolgreich versteigert! {Updated}

November 21st, 2012 § 2 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Update 21.11. 14 Uhr: Man glaubt es kaum, aber man­che Men­schen sind des Lesens nicht mäch­tig. Der Meist­bie­ten­de war von kei­nem Thea­ter, hat­te auch kein inter­es­sier­tes Thea­ter hin­ter sich. Wie bei ebay üblich geht das Ange­bot jetzt an unter­le­ge­ne Bie­ter. Der fol­gen­de Arti­kel ist inso­fern zumin­dest etwas ver­früht …

Seit dem 11.11.2012 lief auf ebay die Ver­stei­ge­rung der Urauf­füh­rungs­rech­te für mei­nen neu­en Text „Schuld und Schein. Ein Geld­stück“. Eben ging sie zu ende – und hat­te Erfolg. Die Urauf­füh­rung wird in die­ser Spiel­zeit statt­fin­den. Und genau das ist die fan­tas­ti­sche Nach­richt und die Über­ra­schung.

 

Es gab zuvor nicht weni­ge, die die gan­ze Sache für aus­sichts­los erklärt hat­ten. Pro­fes­sio­nel­le Thea­ter haben übli­cher­wei­se Pla­nungs­vor­läu­fe, die eine so kurz­fris­ti­ge Auf­nah­me eines neu­en Tex­tes aus­schlie­ßen. Ein übli­ches Zeit­fens­ter für einen Text, der grund­sätzlch auf Inter­es­se trifft, wären etwa ein bis zwei Jahr gewe­sen. Die aktu­el­le Spiel­zeit, die bis zum Som­mer 2013 dau­ert, ist durch­ge­plant. Für die fol­gen­de Spiel­zeit dürf­ten eben­falls Pla­nun­gen schon so weit im Gan­ge sein, dass eine Urauf­füh­rung zu Spiel­zeit­be­ginn nicht unbe­dingt hoch wahr­schein­lich wäre. Das war das Risi­ko an der Ver­stei­ge­rung: stell dir vor, es gibt eine Auk­ti­on – und kei­ner bie­tet mit.

 

Aber das war noch nicht alles. Das Stück selbst war auf der eigens dafür erstell­ten Web­sei­te schuldundschein.de im Voll­text zu fin­den und als PDF down­load­bar. Auch das ist nicht üblich. Nor­ma­ler­wei­se hüten Ver­la­ge die Tex­te, ver­schi­cken sie auf Anfor­de­rung von inter­es­sier­ten Thea­tern, die ihn dann in Ruhe lesen, bewer­ten und über eine Annah­me ent­schei­den. Das wie­der­um hät­te eben­falls zu Zeit­ver­zö­ge­run­gen geführt, denn Stück­an­kün­di­gun­gen wer­den nicht sel­ten in Druck­ver­si­on ver­schickt, die in der Pro­duk­ti­on eines wei­te­ren Vor­laufs bedurft hät­ten. Was den Vor­lauf wie­der­um wei­ter aus­ge­dehnt hät­te.

 

Dass nun die­ser Vor­lauf durch Ein­satz der Web­sei­te und die Down­load­funk­ti­on auf rasan­te 10 Tage ver­kürzt wer­den konn­te, ist eine wei­te­re Über­ra­schung. Denn inner­halb die­ser 10 Tage muss­te eini­ges Gesche­hen: Thea­ter muss­ten auf­merk­sam wer­den. Sie muss­ten den Text lesen, was zumeist heißt, dass nicht nur ein Dra­ma­turg, son­dern sicher­lich meh­re­re sich die Zeit neh­men, einen Blick in den Text zu wer­fen. Sie muss­ten sich dar­über ver­stän­di­gen, ob sie das The­ma rele­vant und die Qua­li­tät des Tex­tes für akzep­ta­bel hal­ten. Sie muss­ten klä­ren, in wel­cher Form sich ein Thea­ter über­haupt auf eBay enga­gie­ren kann. Und sie muss­ten mit­bie­ten. Min­des­tens zwei der drei Bie­ter sind tat­säch­lich Thea­ter. Das » Wei­ter­le­sen «

Sparnien, Siechenland, Irrland, Kapitalien – die Verschuldeten und die Schuldigen

Oktober 9th, 2012 § 5 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Jawoll, recht so. Die Faul­pel­ze aus den Süd­län­dern, die eigent­lich nichts ande­res tun, als am Strand rum­zu­lun­gern, Wein zu ver­kon­su­mie­ren und den Staat aus­zu­plün­dern haben es nicht anders ver­dient, als im Namen einer kos­misch-mone­tä­ren Gerech­tig­keit jetzt die Rech­nung zu beglei­chen. Wäh­rend die deut­schen Amei­sen Som­mers wie Win­ters geschuf­tet haben, um ihren Bau gegen jedes Wet­ter abzu­si­chern, haben die­se Süd­län­der da wie die fabel­haf­te Gril­le nur gezirpt und gesun­gen. Jetzt im Win­ter – sol­len sie hun­gern.

Das ist der Duk­tus, der der Öffent­lich­keit als herr­schen­de Erzäh­lung weiß­ma­chen soll, war­ums denen da jetzt so dre­ckig gehen muss, wie es ihnen geht. Und genau mit die­ser Legen­de, die in ihrer his­to­ri­schen Wirk­macht der Dolch­stoß­le­gen­de gleich­kom­men dürf­te, wird ver­schlei­ert, was sich da tat­säch­lich abspielt. Nicht dass ich ich etwa als gelehr­ter öko­no­mi­scher Scho­las­ti­ker in der Lage wäre, all das more oeco­no­mico aus­ein­an­der­zu­neh­men und anders zu erklä­ren. Das tun zu wol­len, hie­ße ja, sich die­sem Dis­kurs so weit anzu­ver­wan­deln, dass der Blick sich not­ge­drun­gen ver­schlei­ern muss. Igno­ranz ist viel­mehr das Gebot der Stun­de – und die Reduk­ti­on der Betrach­tung des Öko­no­mi­schen auf ein – so weit mög­lich – Außer­halb des öko­no­mi­schen Dis­kur­ses. Und der geht so:

Die unver­ant­wort­li­chen Schul­den­ma­cher?

Mas­sen­blätt­chen erzäh­len ger­ne Geschich­ten dar­über, wie pom­for­ti­onös die Miss­wirt­schaft in dem Land ist, das vor noch nicht all­zu lan­ger Zeit als Wie­ge der euro­päi­schen Hoch­kul­tur gefei­ert wur­de (N.B. wärs anders­rum, die grie­chi­schen Zei­tun­gen könn­ten sicher­lich genüss­lich aus den Jah­res­be­rich­ten des Deut­schen Bun­des­rech­nungs­ho­fes zitieren,von Ber­li­ner Flug­hä­fen und Ähn­li­chem wol­len wir nicht wei­ter reden…). Schau­en wir uns die Zah­len an:


Zwei­er­lei fällt dar­an auf:

  1. So wahn­sin­nig groß ist der Aus­schlag der PIIGS-Staa­ten nicht. Im Ver­gleich zu Japan sind die­se viel­mehr aus­ge­spro­che­ne Spar­bröt­chen.
  2. Die Knicks in den Kur­ven lie­gen in genau den Jah­ren nach­dem fest­ge­stellt wur­de, dass die­se Län­der gar so über­schul­det sind und des­we­gen spa­ren müs­sen. Also: Die Ver­schul­dungquo­te explo­diert, seit fest­ge­stellt wur­de, dass die Län­der zu ver­schul­det sind und von den nicht demo­kra­tisch gewähl­ten Insti­tu­tio­nen wie der Troi­ka dazu ange­hal­ten wer­den, weni­ger Schul­den zu machen und die Staats­haus­hal­te zu redu­zie­ren. Das scheint ja ganz groß­ar­tig zu funk­tio­nie­ren.

Um Schul­den abzu­tra­gen – arbei­tet man am bes­ten weni­ger?

Ein ande­res Dia­gramm, das eben­falls auf Daten der Welt­bank beruh, zeigt, dass die Fol­gen sich als Arbeits­lo­sig­keit aus­drü­cken. Ins­be­son­de­re Spa­ni­er zah­len den Preis für die angeb­li­che Schlu­de­rei mit Arbeits­lo­sig­keit. Arbeits­lo­sig­keit? Wie soll durch stei­gen­de Arbeits­lo­sig­keit eigent­lich der ach so skan­da­lö­se Schul­den­berg abge­tra­gen wer­den?


Sind die Faul­pel­ze so faul­pel­zig, dass sie sich jetzt gar nicht mehr von der Playa fort­be­we­gen wol­len? Und sorgt das dann dafür, dass die Wirt­schaft bes­ser läuft? Schau­en wir mal:


Ach so, bis 2007 war in all den faul­pel­zi­gen Län­dern noch ein ganz ordent­li­ches BIP-Wachs­tum zu fin­den. Dann erst brach es ein. Und seit Grie­chen­land unter dem Dik­tat der Troi­ka steht, geht’s mal rich­tig abwärts. Da regiert mit Anto­nis Sama­ras immer­hin ein Öko­nom, ein Exper­te. Wie auch in Ita­li­en, wo der Gold­man-Sachs-Bera­ter Mario Mon­ti dafür sorgt, dass die Wirt­schaft … brum­melt. SpOn schriebs  vor drei Wochen: Im Jahr 2012 schrumpft die ita­lie­ni­sche Wirt­schaft um 2,6%. Im Jahr 2013 (Pro­gno­se, Pro­gno­se) soll sie um 1,8% schrump­fen. Dabei hat doch die ita­lie­ni­sche Regie­rung alles getan:

Die Tech­no­kra­ten­re­gie­rung von Minis­ter­prä­si­dent Mario Mon­ti hat­te gleich zu Beginn ihrer Amts­zeit ein umfas­sen­des Reform­pro­gramm ange­kün­digt und zum gro­ßen Teil auch durch­ge­setzt. Die Früh­ver­ren­tung wur­de ein­ge­schränkt und die Ren­te mit 67 ein­ge­führt. Gebüh­ren und Steu­ern wur­den erhöht, Aus­ga­ben gekürzt. Doch die Refor­men haben bis­her vor allem die Wirt­schaft abge­würgt. (SpOn)

Dass die grie­chi­sche Tech­no­kra­ten­re­gie­rung mit ähn­li­chen Refor­men unter dem Dik­tat der Troi­ka ähn­li­che Erfol­ge hat, kön­nen wir jeden Tag der Pres­se ent­neh­men. Zum Bei­spiel vor­ges­tern im Mana­ger Maga­zin: Die Wirt­schaft schrumpf­te 2010 um 4,9%, 2011 um 7,1%, 2012 um 6,5%. Dafür steigt die Schul­den­quo­te auf 140% (Quel­le). Hä? War nicht der Schul­den­ab­bau das eigent­li­che Ziel für die „Refor­men“?

Und Spar­ni­en? Wird die­ses und nächs­tes Jahr mehr Schul­den machen. Sie­ben Pro­zent Defi­zit die­ses Jahr, sagt der IWF. 5,7% nächs­tes Jahr. (SpOn) Und die Wirt­schaft? Schrumpft. Die­ses Jahr um 1,8%, nächs­tes Jahr um 1,5% (SpOn).

2007 – was war da gleich noch?

Seit 2007 geht’s abwärts. 2007? Was war da gleich noch? Ach ja, die Ban­ken­kri­se. Die muss­ten geret­tet wer­den. Und dafür wur­den 1,6 Bil­lio­nen Euro von den euro­päi­schen Staa­ten auf­ge­wen­det (Quel­le). 1,6 Bil­lio­nen oder 13% des BIP. Was das mit dem Schul­den­stand zu tun hat, erklärt die Deut­sche Bun­des­bank:

Die deut­schen Staats­schul­den (Gebiets­kör­per­schaf­ten und Sozi­al­ver­si­che­run­gen ein­schließ­lich der zuzu­rech­nen­den Extra­haus­hal­te) betru­gen nach vor­läu­fi­gen Berech­nun­gen zum Jah­res­en­de 2010 in der Abgren­zung des Maas­tricht-Ver­tra­ges rund 2,080 Bil­lio­nen € bezie­hungs­wei­se 83,2 % des BIP. Damit erhöh­te sich der Schul­den­stand gegen­über dem Vor­jahr um 319 Mrd €, und die Schul­den­quo­te nahm um fast 10 Pro­zent­punk­te zu.

In dem star­ken Schul­den­zu­wachs spie­geln sich umfang­rei­che Maß­nah­men zur Finanz­markt­sta­bi­li­sie­rung in Höhe von 241 Mrd € wider, die vor allem im Zusam­men­hang mit den Abwick­lungs­an­stal­ten FMS Wert­ma­nage­ment (HRE) und Ers­te Abwick­lungs­an­stalt (WestLB) stan­den. Die seit 2008 kumu­lier­ten Effek­te von Finanz­markt­stüt­zungs­maß­nah­men auf den Schul­den­stand belie­fen sich gemäß den der­zeit berück­sich­tig­ten vor­läu­fi­gen Wer­ten auf 335Mrd € bzw. 13,4 % des BIP. Dem Zuwachs an Schul­den steht dabei die Über­nah­me von umfang­rei­chen Risi­ko­ak­ti­va gegen­über. Soweit sich die Akti­va im wei­te­ren Ver­lauf ver­wer­ten las­sen, wird sich dies zukünf­tig in einem sin­ken­den Schul­den­stand nie­der­schla­gen. (Quel­le; Her­vorh. Von mir)

Toll. Die Staa­ten ret­ten die Ban­ken, neh­men dafür mehr Schul­den auf, bekom­men dann schlech­te­re Bewer­tun­gen hin­sicht­lich ihrer Kre­dit­wür­dig­keit – und gehen den Bach hin­un­ter. Die Ban­ken hin­ge­gen haben sich präch­tig erholt, wie es das Quar­tals-Chart der Federal Depo­sit Insuran­ce Cor­po­ra­ti­on, der ame­ri­ka­ni­schen Ein­la­gen­si­che­rung » Wei­ter­le­sen «

Digitaljournalismus statt #lsr – Aufruf zur Rettung von nachtkritik.de

Juni 20th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Digitaljournalismus statt #lsr – Aufruf zur Rettung von nachtkritik.de § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Zuge­ge­ben, die Head­line die­ses Pos­tings ist so rei­ße­risch, wie eine schlech­te BILD (darf ich den Namen noch erwäh­nen, ohne ver­klagt zu wer­den?) Schlag­zei­le. Aller­dings ist hier wie dort auch das Ziel ähn­lich: es soll nicht nur infor­miert, son­dern agi­tiert wer­den.

Zur Sache: nachtkritik.de ist DAS deutsch­spra­chi­ge Thea­ter- und Thea­ter­kri­tik­por­tal im Netz. Es wur­de vor über fünf Jah­ren von erfah­re­nen und print­re­nom­mier­ten Thea­ter­kri­ti­kern gegrün­det und bringt jeden Mor­gen Kri­ti­ken zu den wich­tigs­ten Thea­ter­pre­mie­ren des ver­gan­ge­nen Abends. Zudem wer­den dort die hei­ßes­ten Kom­men­tar­de­bat­ten über ästhe­ti­sche, thea­ter- und kul­tur­po­li­ti­schen The­men geführt. Zusam­men mit der Redak­ti­on sor­gen meh­re­re Dut­zend freie Kri­ti­ker, ver­teilt über das gan­ze Land, dafür, dass nicht nur die „Zen­tren“ des Thea­ter­ge­sche­hens, son­dern auch die Pro­vinz Beach­tung und Auf­merk­sam­keit fin­det. Nacht­kri­tik lebt im Wesent­li­chen von dem (posi­tiv for­mu­liert) Idea­lis­mus und der (kri­tisch gesagt) Selbst­aus­beu­tung aller Macher, um ein kos­ten­lo­ses, hoch pro­fes­sio­nel­les und jour­na­lis­ti­sches Ange­bot zu schaf­fen.

Um die Mit­tel selbst für die­sen recht spär­li­chen Hono­ra­re zu gene­rie­ren, nutzt nacht­kri­tik Wer­be­ban­ner, bekommt Unter­stüt­zung etwa von der Buce­ri­us-Stif­tung – und ist auf Spen­den ange­wie­sen. Aktu­ell wer­den 25.000 Euro benö­tigt, um den Betrieb von nacht­kri­tik auch in der nächs­ten Spiel­zeit zu ermög­li­chen. Davon sind nach vier Wochen nicht ein­mal 4.000 Euro zusam­men­ge­kom­men.

Für mich ist nacht­kri­tik nicht nur als Kul­tur­platt­form span­nend und fas­zi­nie­rend. Für mich steht viel­mehr gera­de in den aktu­el­len Umstän­den, der Debat­ten um Urhe­ber- und Leis­tungs­schutz­rech­te mehr auf dem Spiel bei der Far­ge, ob nacht­kri­tik das Über­le­ben gelingt.

Nacht­kri­tik ist – neben eini­gen ande­ren Ange­bo­ten wie car­ta oder netz­po­li­tik – ein Visi­on vom unab­hän­gi­gen Digi­tal­jour­na­lis­mus der Zukunft Heißt: Wenn es nicht gelingt, eine sol­che Platt­form jen­seits tra­di­tio­nel­ler Erlös­mo­del­le dau­er­haft am Leben zu erhal­ten, schwin­det mein grund­sätz­li­cher Opti­mis­mus was die Zukunft von Qua­li­täts­jour­na­lis­mus im Netz jen­seits indus­trie­ge­sell­schaft­li­cher Pro­duk­ti­ons- und Dis­tri­bu­ti­ons­me­cha­nis­men angeht. Nicht weil vom Thea­ter­jour­na­lis­mus etwa die Zukunft von irgend­et­was abhin­ge (abge­se­hen von den Stadt­thea­tern, die man fin­den mag, wie man will). Son­dern weil nacht­kri­tik sym­bo­lisch ste­hen kann für die ent­schei­den­de Fra­ge:

Kann Jour­na­lis­mus mit hohem Anspruch, mit inten­si­ver Debat­ten­kul­tur, ohne Ver­la­ge und ihre lob­by­be­ar­bei­te­ten Geset­zes­wer­ke zukünf­tig öko­no­misch leben oder nicht? Kön­nen Jour­na­lis­ten ohne Ver­lags- und Ver­triebs­hin­ter­grün­de zukünf­tig selbst­or­ga­ni­sier­te Ange­bo­te in einer Form betrei­ben, dass auch eine zumin­dest exis­tenz­si­chern­de Finan­zie­rung dabei her­aus­kommt – oder ist die­ses gan­ze Netz letzt­lich nur ein Hob­by­raum?

Um dafür einen zukunfts­wei­sen­den Bei­trag zu leis­ten, braucht es mehr als Lip­pen- oder Twit­ter­be­kennt­nis­se. Es braucht in paar Euro (die sogar steu­er­lich abzugs­fä­hig sind, da nacht­kri­tik gemein­nüt­zig ist). Man muss sich nicht für Thea­ter inter­es­sie­ren, um ein State­ment zur Zukunft des anspruchs­vol­len (Kultur-)Journalismus im Netz per Spen­de abzu­ge­ben. Man muss nacht­kri­tik nicht jeder­zeit zustim­men, muss nicht ein­mal mit der Grund­li­nie oder der Inhalts­aus­wahl ein­ver­stan­den sein, um zu ver­ste­hen und per Spen­de zu gou­tie­ren, dass eine Inhalts­de­bat­te nur dann sinn­voll geführt wer­den kann, wenn die Erstel­lung der Inhal­te gesi­chert ist. Man muss nacht­kri­tik nicht ein­mal lesen, um ein State­ment für einen zukunfts­wei­sen­den Digi­tal­jour­na­lis­mus abzu­ge­ben, indem man ein paar Euro sprin­gern lässt.

Wer als Schau­spie­ler dar­auf ange­wie­sen ist, dass Men­schen ein paar Euro Ein­tritt zah­len, soll­te eine Spen­de in Höhe eines Ein­tritts­gel­des bei­steu­ern, um zukünf­tig netz­öf­fent­li­che Auf­merk­sam­keit für die eige­ne Arbeit zu bekom­men. Wer als Inten­dant vom Fort­be­stehen der Stadt­thea­ter­kul­tur abhän­gig ist, soll­te einen Wochen­lohn (Brut­to – Steu­ern gibt’s ja zurück; bei einem Frank­fur­ter Inten­dan­ten­ge­halt von 240.000+X — wie nacht­kri­tik gera­de berich­tet — wären  also ca. 5.000+X fäl­lig!) dafür sprin­gen las­sen. Wer als Jour­na­list um die Zukunft des Jour­na­lis­mus besorgt ist, soll­te sich eine Packung Ziga­ret­ten ver­knei­fen und dafür einen fün­fer sprin­gen las­sen. Wer die Debat­te um das Leis­tungs­schutz­recht besorgt ver­folgt, soll­te sei­nen Bei­trag für eine Platt­form leis­ten, die sich über Erwäh­nun­gen, Ver­lin­kun­gen, Zitie­run­gen freut, statt sie juris­tisch zu ver­fol­gen.

Und wer gar kein Geld, aber eine Twit­ter-Fol­lo­wer­schaft hat, soll­te wenigs­tens mit einem Ret­weet dafür sor­gen, dass sol­ven­te­re Fol­lo­wer auf­merk­sam wer­den – und Geld raus­las­sen. Es geht um lächer­li­che 25.000 Euro. Das sind 5.000 Spen­den zu 5 Euro.

Pla­se Dona­te here and ret­weet.

Dis­clo­sure: Ich gehö­re der Redak­ti­on nicht an, bin aber mit Redak­teu­ren per­sön­lich bekannt und habe Bei­trä­ge für nacht­kri­tik geschrie­ben. Das dafür bezo­ge­ne Hono­rar geht selbst­ver­ständ­lich als Spen­de zurück an nacht­kri­tik.

Das Urheberrecht in der Werbeindustrie — Einspruch Euer Ehren #adc12

Mai 13th, 2012 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Jetzt hat auch der Art Direc­tors Club (ADC), der Krea­tiv­ver­band der Wer­be­in­dus­trie (des­sen Mit­glied ich bin)  zur Urhe­ber­rechts­de­bat­te Stel­lung bezo­gen. Und sich ziem­lich bla­miert.

Ich hat­te den letz­ten Tagen das Ver­gnü­gen, als Juror für den ADC Dia­log­wer­be­ar­bei­ten des letz­ten Jah­res unter Krea­tiv­ge­sichts­punk­ten mit zu jurie­ren. Net­te Sache. Bei der gest­ri­gen Preis­ver­lei­hung hat­te ich dann das noch grös­se­re Ver­gnü­gen, wenn nicht die Ehre, die groß­ar­ti­ge Anzei­ge des ADC zum Tod Vic­co von Bülows zu lau­da­tie­ren.
Weit weni­ger ver­gnüg­lich, um nicht zu sagen ärger­lich unre­flek­tiert fand ich dage­gen die Stel­lung­nah­me des ADC Vor­stands­spre­chers Jochen Räde­ker zum Urhe­ber­recht. Mit pathe­ti­schem Unter­ton for­der­te er ein star­kes Urhe­ber­recht zum Schutz der Krea­ti­ven. Es kön­ne ja wohl nicht sein, dass sich jeder ein­fach ohne Bezah­lung krea­ti­ve Leis­tung down­loa­de.
Das ist enorm dumm. Aus zwei Grün­den:

  1. Dürf­te der Wer­be­in­dus­trie nicht dar­an gele­gen sein, die Leis­tun­gen ihrer Krea­ti­ven, von Tex­tern, Desi­gnern, Dreh­buch­au­to­ren, Musi­kern, Pro­gram­mie­ren nach Prin­zi­pi­en des geis­ti­gen Eigen­tums der Schöp­fer behan­deln zu las­sen. Wäre ja nett, wenn ein Tex­ter gegen ein Unter­neh­men zu Fel­de zöge weil sei­ne Head­line oder sein Claim nicht in der von ihm/ihr geschaf­fe­nen Form erscheint, wenn Dreh­bü­cher vom Kun­den oder Vor­ge­setz­ten umge­schrie­ben, Musik ver­hunzt wird. Von finan­zi­el­len Ansprü­chen an die Ver­wer­ter wol­len wir mal schwei­gen.
    Rich­tig ärger­lich dar­an ist, dass eigent­lich die Wer­be­in­dus­trie schon lan­ge mit nach-urhe­ber­recht­li­chen Prin­zi­pi­en arbei­tet. Wer­be­maß­nah­men enste­hen seit » Wei­ter­le­sen «

Interview mit Sony Music Chef zeigt: Musikindustrie hat Gesetzgeber vor den Karren gespannt — und findet Internet jetzt dufte.

März 5th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Interview mit Sony Music Chef zeigt: Musikindustrie hat Gesetzgeber vor den Karren gespannt — und findet Internet jetzt dufte. § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Vor eini­gen Tagen war in der Welt Online hier ein Inter­view mit dem Sony Music Inter­na­tio­nal Chef Edgar Ber­ger zu lesen, das sowohl in den Äuße­run­gen span­nend, wie auch in den Impli­ka­tio­nen ver­blüf­fend ist. Zeigt es doch mehr als deut­lich, dass die Musik­in­dus­trie in den letz­ten andert­halb Jahr­zehn­ten die Gesetz­ge­bung vor den eige­nen Kar­ren gespannt oder gezerrt hat, um eine man­gel­haf­te Anpas­sung des eige­nen, über­hol­ten Geschäfts­mo­dells zu ver­mei­den. Andert­halb Jahr­zehn­te wur­den Musik­fans abge­mahnt, kri­mi­na­li­siert oder gar vom Netz abge­schnit­ten — weil die Musik­in­dus­trie es geschafft hat, durch mas­si­ve Lob­by­ar­beit Par­la­men­ta­ri­ern den nahen­den Unter­gang der Kul­tur zu pro­phe­zei­en. Neben einem weid­li­chen Ent­set­zen mei­ner­seits, führt es doch auch zu der ganz kla­ren Kon­se­quenz, dass ande­re Indus­tri­en wie Film­fir­men oder Ver­la­ge kei­ne Chan­ce haben dür­fen, den sel­ben Rechts­miss­brauch zu wie­der­ho­len.

Das Inter­net ist für die Musik­in­dus­trie ein gro­ßer Glücks­fall, oder bes­ser gesagt: Das Inter­net ist für uns ein Segen.

Das sag­te Edgar Ber­ger wört­lich. Bedro­hung? Unter­gang? Segen! Ach was? Und war­um ist das so?

Wir haben im Netz inzwi­schen welt­weit mehr als 500 Musik­händ­ler wie iTu­nes oder Ama­zon, die kaum noch etwas mit den frü­he­ren Musik­lä­den zu tun haben. Die­se Diens­te sind von über­all erreich­bar, jeden Tag für 24 Stun­den. Und sie haben kei­ne Platz­pro­ble­me, weil sie kei­ne Rega­le brau­chen. Außer­dem schaf­fen sozia­le Netz­wer­ke ganz neue Ver­bin­dun­gen zwi­schen Musik­stars, Fans und Pro­du­zen­ten. Wir kön­nen auf die­sen Weg viel ziel­ge­nau­er wer­ben.

Dol­les Ding, die­ses Inter­netz. Noch dol­ler, dass die Musik­in­dus­trie 15 Jah­re braucht, um das zu ver­ste­hen. Die Musik­in­dus­trie macht jähr­lich Umsät­ze von 5 Mil­li­ar­den Euro im Inter­net. Etwa ein Drit­tel des Gesamt­ge­schäf­tes, so Ber­ger, ist heu­te digi­tal. Und jetzt kommts:

Die Welt: War­um hat sich die Indus­trie denn mehr als zehn Jah­re Zeit für die­se Anpas­sung gelas­sen?

Edgar Ber­ger: Es dau­er­te, bis neue Geschäfts­mo­del­le ent­wi­ckelt waren und die kri­ti­sche Mas­se erreicht war.

Mir hauts vor Ver­blüf­fung fast die Fin­ger von der Tas­ta­tur. Ber­ger sagt hier nichts ande­res, als: Hey Leu­te, scha­de, dass wir euch über 10 Jah­re straf­recht­lich ver­fol­gen muss­ten — aber hey, wir muss­ten halt mal biss­chen nach­den­ken. Und damit in der Zwi­schen­zeit kei­ne Fak­ten geschaf­fen wer­den, muss­tet ihr mal klei­ne » Wei­ter­le­sen «

Where Am I?

You are currently browsing the Digitalökonomie category at Postdramatiker.