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	<title>Postdramatiker</title>
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	<description>Arbeit und Medien. Gesellschaftliches, Politisches, Postdramatisches.   THEATER.</description>
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		<title>Das Urheberrecht in der Werbeindustrie &#8211; Einspruch Euer Ehren #adc12</title>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2012 11:11:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jetzt hat auch der Art Directors Club (ADC), der Kreativverband der Werbeindustrie (dessen Mitglied ich bin)  zur Urheberrechtsdebatte Stellung bezogen. Und sich ziemlich blamiert. Ich hatte den letzten Tagen das Vergnügen, als Juror für den ADC Dialogwerbearbeiten des letzten Jahres unter Kreativgesichtspunkten mit zu jurieren. Nette Sache. Bei der gestrigen Preisverleihung hatte ich dann das [...]
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt hat auch der <a href="http://www.adc.de/" target="_blank">Art Directors Club</a> (ADC), der Kreativverband der Werbeindustrie (dessen Mitglied ich bin)  zur Urheberrechtsdebatte Stellung bezogen. Und sich ziemlich blamiert.</p>
<p>Ich hatte den letzten Tagen das Vergnügen, als Juror für den ADC Dialogwerbearbeiten des letzten Jahres unter Kreativgesichtspunkten mit zu jurieren. Nette Sache. Bei der gestrigen Preisverleihung hatte ich dann das noch grössere Vergnügen, wenn nicht die Ehre, die <a href="http://www.flickr.com/photos/erlan/6082601687/" target="_blank">großartige Anzeige</a> des ADC zum Tod Vicco von Bülows zu laudatieren.<br />
Weit weniger vergnüglich, um nicht zu sagen ärgerlich unreflektiert fand ich dagegen die Stellungnahme des ADC Vorstandssprechers Jochen Rädeker zum Urheberrecht. Mit pathetischem Unterton forderte er ein starkes Urheberrecht zum Schutz der Kreativen. Es könne ja wohl nicht sein, dass sich jeder einfach ohne Bezahlung kreative Leistung downloade.<br />
Das ist enorm dumm. Aus zwei Gründen:</p>
<ol>
<li>Dürfte der Werbeindustrie nicht daran gelegen sein, die Leistungen ihrer Kreativen, von Textern, Designern, Drehbuchautoren, Musikern, Programmieren nach Prinzipien des geistigen Eigentums der Schöpfer behandeln zu lassen. Wäre ja nett, wenn ein Texter gegen ein Unternehmen zu Felde zöge weil seine Headline oder sein Claim nicht in der von ihm/ihr geschaffenen Form erscheint, wenn Drehbücher vom Kunden oder Vorgesetzten umgeschrieben, Musik verhunzt wird. Von finanziellen Ansprüchen an die Verwerter wollen wir mal schweigen.<br />
Richtig ärgerlich daran ist, dass eigentlich die Werbeindustrie schon lange mit nach-urheberrechtlichen Prinzipien arbeitet. Werbemaßnahmen enstehen seit<span id="more-2264"></span> langem bereits in hoch kollaborativen Prozessen, bei denen nicht nur mehrere Texter und Arter oder Designer, Kreativdirektoren und Geschäftsführer, Producer, Programmierer, Film- und Audioproduktionen eingebunden sind. Sondern auch Strategen und Berater, Marktforscher und viele mehr, sodass die Frage nach dem geistigen Schöpfer völlig absurd und überholt ist. Das michelangeloische Renaissance-Originalgenie hat faktisch längst ausgedient als Konzept. Auch wenn die Awardverleihung des ADC noch versucht, Einzelpersonen qua Bühnenpräsentation ins Rampenlicht zu stellen. Wer die Credits der Projekte liest und die Menge der Beteiligten sieht, weiß was ich meine. An dieser Stelle ist die Werbeindustrie ihrer Zeit so weit voraus und täte gut daran, offensiv ihr Modell nach Außen zu tragen, um zu beweisen, daß Kreative auch ohne Exklusivanspruch auf ihr geistiges Werk ein Geschäftsmodell finden können. Es muss nicht immer der abmahnungsgejagte User sein, der dafür das Geld auf den Tisch legt. Und es finden sich sicher auch andere Geldgeber als Großunternehmen.</li>
<li>Gerade die Werbeindustrie träumt  feuchte Träume davon, dass ihre kreativen Werke downgeloadet, geshared, geliked, zu mashups genutzt und parodiert werden. Man nennt das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Virales_Marketing" target="_blank">Viralität</a>. Und enorm viele der gestern vorgestellten Arbeiten prahlten ganz mächtig damit, wieviele kostenlose Views und Shares man erziehlte. Für Markenkommunikation heißt das nämlich: wir sparen Mediabudget.<br />
<strong>Die &#8220;piratenhafte&#8221; Nutzung von kreativen Inhalten ist für den werblichen Teil der Kreativwirtschaft nicht Problem, sondern großes Zukunftsversprechen. Und Kreative werden enorm gut für die Fähigkeit bezahlt, solche viralen, d.h. massenhaft umsonst downgeloadeten und &#8220;raubkopierfähigen&#8221; Inhalte zu erfinden und zu realisieren.</strong></li>
</ol>
<p>Schade, dass der Art Directors Club dazu offenbar zu vernagelt ist.</p>
<p>Dabei wäre es höchste Zeit, darüber nachzudenken, warum werbliche Kommunikation, für die jedes Jahr in Deutschland TV-Produktions- und Mediabudgets in einer Höhe zu Verfügung stehen, die ausreichen würden, jährlich dutzendfach die &#8220;Herr der Ringe&#8221;-Trilogie in Deutschland zu produzieren, nicht freiwillig geschaut, begeistert aufgenommen und millionenfach geshared wird. Warum &#8211; ganz im Gegenteil &#8211; diese Unsummen verheizt werden für eine mediale Umweltverschmutzung, die nur durch Unterbrechung des Herrn der Ringe überhaupt Aufmerkamkeit zuteil wird, bevor der genervte Ottonormalzuschauer die Fernbedienung geangelt und umgeschaltet hat. Würde die Werbeindustrie mit dem Kundengeldern Inhalte produzieren, die geliebt, geliked,  geshared, unbezahlt downgeloaded und &#8220;raubkopiert&#8221; werden &#8211; die Kreativen wären glücklich (weil für ihre Arbeit bezahlt), die Agenturen wären glücklich (weil von den Usern geliebt), die User wären glücklich (weil sie überflutet werden mit grandiosem, aufwändig produziertem Content), die werbeitreibenden Unternehmen wären glücklich (weil ihre Botschaften ohne Werbeunterbrechung nervfrei ankommen). Und die Urheberrechtsdebatte wäre eine ganz andere.</p>
<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Bühnenverein auf der re:publica &#8211; ein Kasperltheater #rp12</title>
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		<pubDate>Wed, 02 May 2012 23:23:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Metadramaturgie]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie letztens gepostet, haben die Intendanten im Deutschen Bühnenverein ein Experiment unternommen, um einen Fuß ins kalte Netz zu strecken. Zusammen mit Jovoto wurde ein &#8220;Creative Crowdsourcing&#8221; Projekt gestartet, bei dem die Plattform-Mitglieder keine geringere Frage beantworten sollten, als  &#8220;Was ist das Theater der Zukunft?&#8220;. Das hat natürlich einiger Vordiskussionen bedurft im Kreis der Intendanten. [...]
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie letztens <a href="http://postdramatiker.de/blog/2012/04/24/buhnenverein-mit-ideenwettbewerb-auf-der-rp12/" target="_blank">gepostet</a>, haben die Intendanten im Deutschen Bühnenverein ein Experiment unternommen, um einen Fuß ins kalte Netz zu strecken. Zusammen mit Jovoto wurde ein &#8220;Creative Crowdsourcing&#8221; Projekt gestartet, bei dem die Plattform-Mitglieder keine geringere Frage beantworten sollten, als  &#8220;<a href="http://re-publica.de/12/2012/03/28/deine-idee-im-rampenlicht/" target="_blank">Was ist das Theater der Zukunft?</a>&#8220;. Das hat natürlich einiger Vordiskussionen bedurft im Kreis der Intendanten. Eine Klausurtagung mit eingeladenen Experten. Und Abstimmungsrunden, was man denn sinnvoll findet und was nicht. Solche Dinge wollen reiflich überlegt sein.</p>
<p>Zum Ergebnis lässt sich so wahnsinnig viel nicht sagen. Einige der auf der Veranstaltung vorgestellten Ideen waren einigermaßen originell oder schräg. Richtig angekommen sind sie bei den Theaterleuten, die die Ideen vorstellten, nicht. Letztlich, so hieß es, sei das Publikum so digital ja noch nicht, sondern informiere sich über Theater eher aus der gedruckten Zeitung. Weswegen man die &#8220;neuen Medien&#8221; mit Fingerspitzengefühl anpacken müsse. Selbst wenn man aus Fairnessgründen keine weiteren verbalen Auffälligkeiten wiedergibt, lässt sich schon hier ein ganz fundamentales Problem feststellen. Die Theaterleute auf dem Podium haben die Relevanz der &#8211; mit ca. 20 Jahren sicher nicht mehr &#8220;neuen&#8221; Medien &#8211; nicht erkannt. Sie geben sich mit dem Printpublikum zufrieden, ohne darüber nachzudenken, das dieses mit den Zeitungen selbst verschwinden könnte.</p>
<p>Der Ideenwettbwerb hatte für die panelanwesenden Theaterleute in etwa die praktische Relevanz wie der Malwettbewerb eines Sparkassenverbandes. Hübsche Dinge &#8211; aber doch nichts fürs Tagesgeschäft. Marketing und Werbung könne man sicher mit cleveren Ideen anreichern, um &#8220;junge Leute&#8221; (eine grauenvolle Formulierung von älteren Herrschaften, die die Welt nicht mehr verstehen) besser zu erreichen. Aber der Auftrag des Theaters sei ja nun doch, tradierte Inhalte in neue Gewänder zu kleiden. Das tue man ja schon. Etwa indem Figuren nur als Projektionen auf der Bühne präsent sein lasse. Und twittern und posten auf Facebook &#8211; tue man ja auch schon. Aber da könne man sicher noch etwas mehr tun. In Sachen Werbung.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Das wirkliche Desaster aber &#8230;</strong></p>
<p style="text-align: left;">Auf der re:publica versammeln sich etwa 4.000 kreative, gesellschaftsinteressierte, politisch interessierte, in vielerlei Sinne kreative, vorwärts denkende und avantgardistische Köpfe. Und von diesem 4.000 haben es gerade einmal gut 30 (Panelteilnehmer und Orgateam abgezogen) in die Veranstaltung geschafft. In Zahlen: Dreißig. Eine zeitlich relativ gut gelegene (Warten auf die Lobo-Sause) Veranstaltung über das Theater lockt gerade einmal 30 Zuhörer an. Vielleicht sind die Theaterleute schon zu sehr gewohnt vor leeren Sälen zu spielen &#8211; der Saal 4 auf der re:publica bot geschätze 300 Sitzplätze &#8211; als dass es ihnen noch auffiele: Die katastrophale und gähnende Leere aber war ein überdeutliches Statement der &#8220;jungen Leute&#8221; dazu, was sie vom Theater halten. Und <strong>wenn Theaterleute nicht beginnen zu verstehen, dass Theater in der entstehenden Netzgesellschaft (das Wort fiel immerhin einmal) nicht heißt, andere Werbung zu machen, die PR twittern zu lassen und noch ein paar Projektoren mehr aufzustellen, sondern dass es vielmehr darum geht, als gesellschaftliche und sich als gesellschafts&#8221;kritisch&#8221; verstehende Institution die künstlerische und intellektuelle Auseinandersetzung zu suchen, die eigenen künstlerischen Mittel und organisatorischen Prozesse zu überprüfen, grundsätzlich und umfassen infrage zu stellen und gegebenenfalls neu zu erfinden, kurz: Theater in der Netzgesellschaft zu werden &#8211; dann werden die Theater über kurz oder lang so leer sein, wie heute Saal 4 auf der re:publica. Und das haben sie auch so verdient.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: left;">Gewonnen hat am Ende übrigens &#8211; Hamlet. Kein Witz. Vorgestellt wurde eine &#8220;<a href="http://theaterinteraction.jovoto.com/ideas/21268" target="_blank">argumented (sic!) reality</a>&#8221; app fürs iPad, mit der User interaktiv &#8230; äh &#8230; irgendwie entscheiden können, woran Hamlet stirbt. Oder so. Egal. Der Gewinner darf sich freuen, das Preisgeld sei ihm gegönnt. Realisiert wird das vermutlich nicht. Und wenn doch: Geld bekommt er vermutlich nicht dafür.  Außer dem Preisgeld.</p>
<p style="text-align: left;">Erfreulicherweise ergab sich nach diesem Kasperlethater eine spannende Unterhaltung mit Christian Römer von der Boell-Stiftung, bei der ich am 25. Mai an einer Podiumsveranstaltung zum Urheberrecht teilnehmen werde, und <a href="http://www.twitter.com/twena" target="_blank">@twena</a> Tina Lorenz, auf deren Vortrag &#8220;<a href="http://re-publica.de/12/panel/theater-und-digitale-medien-ein-trauerspiel/">Theater und digitale Medien – ein Trauerspiel</a>&#8221; morgen um 11.15 ich mich sehr freue. Dieses Posting ist als Folge dieses Gesprächs zu verstehen.</p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Theater als moralische Anstalt und unmoralisches Unternehmen – Teil 2</title>
		<link>http://postdramatiker.de/blog/2012/04/29/theater-als-moralische-anstalt-und-unmoralisches-unternehmen-teil-2/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 18:18:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nun also den bereits eigentlich im letzten Posting geplanten Rezensionstext zu „Unternehmensethik für den Kulturbetrieb – Perspektiven am Beispiel öffentlich rechtlicher Theater“ von Daniel Ris, der nicht im engeren Sinne Rezension sein wird. Dazu hat die literarische Form der akademischen Masterarbeit zu viele Eigengesetzlichkeiten, die zwar akademisch begutachtet werden, nicht aber rezensiert werden können. Sie [...]
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun also den bereits eigentlich im letzten Posting geplanten Rezensionstext zu „<a href="http://www.amazon.de/Unternehmensethik-f%C3%BCr-den-Kulturbetrieb-%C3%B6ffentlich-rechtlicher/dp/3531192329/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1335712275&amp;sr=8-1" target="_blank">Unternehmensethik für den Kulturbetrieb </a>– Perspektiven am Beispiel öffentlich rechtlicher Theater“ von Daniel Ris, der nicht im engeren Sinne Rezension sein wird. Dazu hat die literarische Form der akademischen Masterarbeit zu viele Eigengesetzlichkeiten, die zwar akademisch begutachtet werden, nicht aber rezensiert werden können. Sie mögen nervig sein, gehören aber zu dieser Form. Dazu gehört die einleitende und für das eigentliche Ziel doch eher einen Umweg darstellende Aufarbeitung unterschiedlicher Ethiken im Allgemeinen und Ansätzen für Unternehmensethik im Besonderen. Muss man so machen, macht er gründlich. So weit so gut.</p>
<p>Spannend wird das Büchlein an anderer Stelle, in seinem empirischen Teil. Ris hat es geschafft, Interviews mit einem Dutzend Intendanten zu führen und diese zu ihren ethischen oder allgemeinen Grundsätzen der Mitarbeiter- und Unternehmensführung zu befragen.  Es sind Klaus Zehelein (Präsident des Bühnenvereins), Ulrich Khuon (DT Berlin), Martin Kusej (Staatsschauspiel<span id="more-2250"></span> München), Amélie Niermeyer (Schauspielhaus Düsseldorf), Joachim Lux (Thalia Hamburg), Peter Spuhler (Karlsruhe) und einige weitere.</p>
<p>Spannend bereits ist, dass alle befragten Intendanten offenbar einen Konflikt sehen zwischen dem moralisch-gesellschaftlichem Anspruch ihrer Kunst und den real existierenden Hierarchie- und Arbeitsbedingungen an ihren Häusern. Zwar hat man sich vor der Befragung zumeist wohl damit nicht wirklich bewusst beschäftigt, Ris‘ Fragestellung scheint aber recht schnell diesen Konflikt aufzureißen. Nennen wir ihn den performativen Selbstwiderspruch der moralischen Anstalt, die selbst wenig bis unmoralisch mit ihren Mitarbeitern umgeht. Ein Phänomen, das sich übrigens in vielerlei „idealistischen“ Betrieben findet, im Krankenhaus, das seine Mitarbeiter buckeln lässt, bis sie krank sind, über die Kirchen bis zu Sozialarbeitern, Betreuern, Feuerwehrleuten, Rettungsdiensten.   Wer Mitarbeiter im Namen einer „guten Sache“ beschäftigt, neigt dazu, sie schlechter zu bezahlen, sowie mehr und unter schlechteren Bedingungen arbeiten zu lassen, als ein durchschnittliches mieses Ausbeutungsunternehmen, das die Gewinnmaximierung in den Mittelpunkt stellt. Polemik? Nein. Letzteres versteht im Zweifelsfall den Wert der eigenen Mitarbeiter und ist übrigens auch für ökonomische Argumente zugänglicher als erstere, die etwa höhere Gehaltforderung als Einschränkung der Handlungsfähigkeit für gute Taten begreifen. Die gute Sache fordert Opfer. Ohne Opferbereitschaft keine Altenpflege, Kinderbetreuung, Krankenpflege, Seelenheil oder Kunst.</p>
<p>Nun, lässt sich von Theatern überhaupt als Unternehmen reden? So wenig wie von Kirchen. Dennoch handelt es sich um Organisationen mit Angestellten und Leitungshierarchien, die denen in Unternehmen vergleichbar sind. Und durch den zunehmenden Druck zum „wirtschaftlichen“ Handeln seitens der öffentlichen Hand tritt auch der unternehmensbekannte Konflikt zwischen Kosteneffizienz und Investition, zwischen wirtschaftlicher und mitmenschlicher oder solidarischer Betrachtung der Kollegen am Theater in den Vordergrund.</p>
<p>Zurück zum Buch von Ris, das dieses Feld aufreißt und zusätzlich noch die Interviews mit den Intendanten im Wortlaut wiedergibt, die teilweise, mehr oder weniger diese Konflikte kennen und verdrängen oder anreflektiert haben. Schön dabei etwa eine Antwort von Studnitz:</p>
<blockquote><p>„Allgemein betrachtet ist das Theater ein hierarchisch strukturierter Betrieb. […] Wenn ich also auf der Bühne ein Stück habe, das Demokratie fordert wie sie im Theaterbetrieb nie zu verwirklichen ist, dann habe ich damit kein Problem.“ (93)</p></blockquote>
<p>Das ist natürlich Hypokrisie at its best: Ich fordere Demokratie überall und von allen – außer hier bei mir. Ris schreibt über die Gesamtheit der Interviewten: „Die gegenwärtigen Strukturen des Theaterbetriebs werden von den Gesprächspartnern jedoch einhellig als streng hierarchisch beschrieben.“ (60)</p>
<p>Natürlich – Theater sind keine Betriebe wie alle anderen. Übrigens: Kein Betrieb ist wie alle anderen. Und der Betrieb, der die Grundsätze ethischer Unternehmensführung rundweg für sich akzeptiert, wird wohl erst noch gegründet werden müssen. Es gilt jederzeit: „Das halte ich alles grundsätzlich für richtig – aber unsere individuelle Lage ist damit nicht kompatibel.“ Natürlich nicht, wäre sie kompatibel, müsste man den Umgang mit Menschen, der von den Bühnen gepredigt wird, von den Betrieben ja nicht fordern. Jetzt aber die große Überraschung: All das ist eigentlich gar nicht wichtig.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Worum es gehen sollte</strong></p>
<p>Das Verdienst des Buches von Ris ist, dass er die Rede vom „Betrieb“ Theater, vom wirtschaftlichen Handeln oder vom „Unternehmen“ in der Form ernst nimmt, dass er nach Unternehmensethik fragt. Fast wäre das als eine eulenspiegelschlaue Kunstaktion zu verstehen, wäre das Buch nicht im seriösen wissenschaftlichen Umfeld entstanden. Mit der Verwendung dieses Maßstabes macht Ris  – vielleicht nicht als Hauptziel – zweierlei deutlich:</p>
<ol>
<li>Theater lassen sich als Produktionsbetriebe durchaus mit ganz normalen Unternehmen vergleichen. Es gibt &#8211; liest man sowohl die Ausführungen von Ris als auch die Intendanteninterviews aufmerksam und mit ein wenig Distanz und Erfahrung aus der &#8220;Privatwirtschaft“-  mittelgroße und große Probleme in den Häusern, die ohne jeden Unterschied identisch in nahezu jedem Unternehmen vorkommen. In jedem Unternehmen um genau zu sein, vorausgesetzt es hat mit einer gewissen Zahl von Mitarbeitern und vielleicht noch mit zeitkritischer, qualitätsabhängiger, individueller Produktion zu tun. Was wiederum heißt, dass die Selbstreflektion von Theater eigentlich eine hervorragende Quelle für Kapitalismuskritik wäre. Denn genau jene Prozesse der Betriebsorganisation, die sich bei Ris hier und da beschrieben finden, bilden eben das Kernproblem der Arbeit in kapitalistischen Unternehmensstrukturen. Nur weil ein Unternehmen Kunst oder Theater produziert ist es vom Kapitalismusvorwurf nicht frei zu sprechen.</li>
<li>Die Tatsache, dass diese Zusammenhänge bei Ris, auf nachtkritik, in Zeitungen, vermutlich auch in Kantinengesprächen mehr und mehr zum Thema werden, zeigt, dass diese Theaterform sich überholt hat. Schaut man in der Theatergeschichte zurück, wird man finden, dass der patriarchal-autoritäre Führungsstil, einem rheinischen oder gar manchesterischen Fabrikbesitzer vergleichbar, ganz selbstverständlich in den Theatern gepflegt wurde. Amélie Niermeyer formuliert sehr schön prägnant:</li>
</ol>
<blockquote><p>Das Theater hat einen ganz grundsätzlichen Konflikt. In seiner Struktur ist das Theater ein extrem hierarchischer Betrieb, in dem der Intendant praktisch Alleinherrscher ist. Das widerspricht aber prinzipiell allen Werten, die wir auf der Bühne vermitteln wollen. Das hierarchische System wird von den Intendanten selbst selten in Frage gestellt. (61)</p>
<p>Theater waren oder sind von Intendanten autokratisch geführte Institutionen. Und so wurde es akzeptiert und hingenommen von allen dort Angestellten oder nicht Angestellten. Das wird es aber nicht mehr. Folgt man den Forderungen der Unternehmensethik, wie Ris sie darstellt, würde relativ schnell vermutlich nur noch grottenschlechtes oder gar kein Theater mehr stattfinden – in den aktuellen Grundstrukturen.  Zehelein hält es dann auch für „tödlich für die Kunst“ (62) Diese Form von Theater braucht den (mehr oder minder offen zur Schau getragenen) autoritären Führungsstil, den Kult des Regisseurs (oder des Autors oder was auch immer &#8230;) Und die sogenannte „freie“ Szene ist neben einer ganzen Reihe weiterer Unterschiede vor allem insofern von den Stadttheatern der autoritären Tradition abzugrenzen, als sie ein kollektives Arbeitsmodell pflegt, das den bestehenden Stadttheaterstrukturen nicht kompatibel ist. Es ist ja nicht weiter bemerkenswert, dass Theater aufgehört haben, sich mit der sie umgebenden Gesellschaft zu beschäftigen. Aber vielleicht interessiert es ja jemanden dennoch, dass in der sogenannten freien Wirtschaft genau jener Paradigmenwechsel weg vom hierarchischen, paternalen, zentral geführten, auf Delegation oder Befehl und Gehorsam gründenden Organisationsschema hin zum netzwerkbasierten in vollem Gange ist, der auch den Unterschied zwischen Stadttheaterfabriken und „freier“ Szene ausmacht. Vielleicht ist es an der Zeit, sich durch die 700 Seiten von <a href="http://www.amazon.de/Der-neue-Geist-Kapitalismus-discours/dp/389669555X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1335706836&amp;sr=8-1">Boltanski/Chiapello</a> zu fräsen, um zu kapieren, dass der „Neue Geist des Kapitalismus“ eben jene Organisationsformen bevorzugt, die in der freien Szene zu finden sind. Und damit den managergeführten Organisationsmoloch ablöst, der die vorherigen Jahrzehnte dominierte, in Nachfolge der gründergeführten Unternehmen.</p></blockquote>
<p>Ja aber – wir wollen doch antikapitalistische Künstler sein. Da kann uns doch der Übergang von einem zum nächsten kapitalistischen Modell nicht weiter bringen…? Dann wird es Zeit, sich mit der eigenen formalen Institution auseinanderzusetzen und zu versuchen, aus genau diesen Zusammenhängen so weit ausbrechen zu können, dass sie auf der Bühne reflektiert werden können. Dafür aber müssten die bestehenden Stadttheater vermutlich zunächst einmal in Trümmer gelegt werden. Was unwahrscheinlich ist.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Rezension des Buches von Daniel Ris</strong></p>
<p>Nach all dem, was nur immer wieder mal mit dem eigentlich zu rezensierenden Buch zu tun hatte, jetzt aber zurück zu ihm. Und meine Abschlussbewertung: Kaufen! Lesen! Verstehen!</p>
<p style="text-align: center;"><strong>P.S.</strong></p>
<p>Am Ende fällt mir dabei ein, dass ich vor über einem Jahrzehnt mal ein &#8220;Stück&#8221; geschrieben habe, in dem ein Unternehmesberater sich daran macht, eine Kirchengemeinde auf Effizienz zu trimmen. Der Verlag fands blöd. War es vermutlich auch.</p>
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		<title>Theater als moralische Anstalt und unmoralisches Unternehmen – Teil 1</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 15:17:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Stadttheater]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf nachtkritik findet gerade eine der intensivsten Kommentardebatten der letzten Zeit statt, anschließend an den Artikel zum Kulturinfarkt (hier) und an einen weiteren Beitrag zur sozialen Lage der Schauspieler (hier). Zusammengerechnet findet sich zu den beiden Artikeln etwa 200 Kommentare, die einerseits die Gehaltssituation von Darstelleren diskutieren, einig sind, dass die unteren Gehaltsgruppen skandalös niedrige [...]
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf nachtkritik findet gerade eine der intensivsten Kommentardebatten der letzten Zeit statt, anschließend an den Artikel zum Kulturinfarkt (<a href="http://nachtkritik.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=6713:der-kulturinfarkt-vier-kulturpolitiker-wollen-die-kulturlandschaft-umkrempeln&amp;catid=100:buecher&amp;Itemid=60">hier</a>) und an einen weiteren Beitrag zur sozialen Lage der Schauspieler (<a href="http://nachtkritik.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=6798:presseschau-vom-13-april-2012-ndie-aachener-zeitung-ueber-schauspielerarmut&amp;catid=242:presseschau&amp;Itemid=115#comment-27458">hier</a>). Zusammengerechnet findet sich zu den beiden Artikeln etwa 200 Kommentare, die einerseits die Gehaltssituation von Darstelleren diskutieren, einig sind, dass die unteren Gehaltsgruppen skandalös niedrige Bezüge aufweisen, dabei gelegentliche Schlenker über die Großgagen der Intendanten oder auch die Einkommen der nichtdarstellerischen Beschäftigten (Techniker, Handwerker, Verwaltung) in Beziehung zu den Schauspielern setzen. Andererseits wird im Kulturinfarkt-Thread heftig über die finanzielle Ausstattung der Bühnen durch die öffentliche Hand, zugleich über Theaterformen wie “frei“ oder „Stadttheater“ gestritten. Es geht um die Bemessung öffentlicher Mittel, gelegentlich um die Frage der künstlerischen Institution und ihre Auswirkung auf die künstlerischen Inhalte und zeitweise auch um die „autoritären“ Strukturen an deutschen Stadttheatern. Intensiv und polemisch geführt, bringt die Debatte zwar<span id="more-2246"></span> den ein oder anderen interessanten und bedenkenswerten Gesichtspunkt. Landet aber – vermutlich auch aus Gründen allgemeiner Erschöpfung – am Ende bei einem Versöhnlichen:  „Meines Erachtens ist die einzig richtige Antwort: alle Theaterformen müssen nebeneinander bestehen können.“ (<a href="http://nachtkritik.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=6713:der-kulturinfarkt-vier-kulturpolitiker-wollen-die-kulturlandschaft-umkrempeln&amp;catid=100:buecher&amp;Itemid=60#comment-27446">hier</a>).</p>
<p>Die einzig richtige Antwort lautet allerdings vielmehr: Wenn die Debatte über Kunst und Kultur, über Theater insbesondere, weiterhin als Finanzdebatte geführt wird, ist dem Theater mittelfristig nicht mehr zu helfen. Und wenn ein Streit um andere Theatermodelle bei einem maximal beliebigen „Jeder macht was er will – und dafür wollen wir mehr Geld“ endet, ist endgültig die Kreativität der Theater am Ende. Ich sehe jedenfalls in der gesamten Debatte keinen greifbaren Grund, warum überhaupt irgendein Theater erhalten werden sollte. Nicht einen. Vielleicht wäre der gangbarste Weg, zu einem solchen formulierten Grund zu gelangen,  eine Geiselnahme der stehenden Bühnen: Es werden jedes Jahr 5 deutsche Häuser geschlossen. Per Losverfahren. Und zwar genau so lange, bis die Theaterleute eine Idee haben, wozu (ihr) Theater da sein sollte. Jenseits der Macht der Gewohnheit, die dazu zwingt, jeden Abend irgendein anderes Forellenquintett abzunudeln. Eine Idee, die nicht nur sie selbst und einen freundlichen Kämmerer überzeugt, sondern „die Öffentlichkeit“. Eine Idee, die zumal greifbar macht, was Theater in einer Netzgesellschaft sein kann. Eine Idee, die auch erklärt, wo genau der Grund liegen sollte, abends ins Theater zu gehen, anstatt sich dieselben Geschichten wie dort auf 6o TV-Kanälen anzusehen, sich mit Konsolenspielen oder Surfen zu unterhalten, sich mit Pay-per-View die gesamte Filmgeschichte ins Wohnzimmer zu holen. Und dabei wäre auf die jämmerliche Antwort „Die sinnliche Erfahrung“ einfach mal Verzicht zu leisten. Die Krise der Theater ist keine finanzielle, sondern eine Relevanzkrise. Es ist keine fiskalische, sondern eine künstlerische Frage.</p>
<p>Eigentlich sollte dieses Posting eine Rezension des Buches „<a href="http://www.amazon.de/Unternehmensethik-f%C3%BCr-den-Kulturbetrieb-%C3%B6ffentlich-rechtlicher/dp/3531192329/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1335700931&amp;sr=8-1" target="_blank">Unternehmensethik für den Kulturbetrieb – Perspektiven am Beispiel öffentlich rechtlicher Theater</a>“ werden, das der Autor Daniel Ris mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zugesandt hat und das der obigen Debatte vielleicht einige ganz spannende Gesichtspunkte hinzufügt. Das soll dann im nächsten Posting passieren.</p>
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		<title>Bühnenverein mit Ideenwettbewerb auf der #rp12</title>
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		<comments>http://postdramatiker.de/blog/2012/04/24/buhnenverein-mit-ideenwettbewerb-auf-der-rp12/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 13:50:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitale Disruption]]></category>
		<category><![CDATA[Form und Formen]]></category>
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		<description><![CDATA[Mindestens so erstaunlich wie die Tatsache, dass der Deutsche Bühnenverein nicht nur Partner der re:publica 2012 ist, sondern dort sogar einen zusammen mit jovoto umgesetzten Ideenwettbewerb für das Theater der Zukunft unter dem Motto &#8220;TheaterInteraction&#8221; veranstaltet und präsentiert, ist die Tatsache, dass ich das bisher völlig übersehen habe. Woran das auch immer liegen mag. Wenn [...]
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mindestens so erstaunlich wie die Tatsache, dass der <a href="http://www.buehnenverein.de/de/1.html" target="_blank">Deutsche Bühnenverein</a> nicht nur Partner der <a href="http://re-publica.de/12" target="_blank">re:publica 2012</a> ist, sondern dort sogar einen zusammen mit <a href="http://www.jovoto.com/" target="_blank">jovoto</a> umgesetzten Ideenwettbewerb für das Theater der Zukunft unter dem Motto &#8220;<a href="http://theaterinteraction.jovoto.com/briefing" target="_blank">TheaterInteraction</a>&#8221; veranstaltet und präsentiert, ist die Tatsache, dass ich das bisher völlig übersehen habe. Woran das auch immer liegen mag. Wenn ich recht zähle, sind immerhin schon 42 Vorschläge eingereicht. Was ja nicht nichts ist. Ich hoffe es zu schaffen, mir die Prämierungssession am 02.05. um 18:45 anzuschauen.</p>
<p>Außerdem kündigt Tina Lorenz einen Vortrag für den 03.05. dort an mit dem<span id="more-2242"></span> vielversprechenden Titel: &#8220;<a href="http://re-publica.de/12/panel/theater-und-digitale-medien-ein-trauerspiel/" target="_blank">Theater und digitale Medien &#8211; ein Trauerspiel</a>&#8220;.</p>
<p>Dass Theater und re:publica zusammenfinden, ist vielleicht ein Anfang von etwas. Schön wärs ja &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Postdramatiker-Interview im aktuellen Magazin des Deutschen Theaters Berlin</title>
		<link>http://postdramatiker.de/blog/2012/04/09/postdramatiker-interview-im-aktuellen-magazin-des-deutschen-theaters-berlin/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 12:36:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitaldemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Disruption]]></category>
		<category><![CDATA[Form und Formen]]></category>
		<category><![CDATA[Inszenierungen und Kritiken]]></category>
		<category><![CDATA[Medien und Medientheorien]]></category>
		<category><![CDATA[Metadramaturgie]]></category>
		<category><![CDATA[politisches Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Stadttheater]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Anschluss an die Blackfacing-Debatte und meinen Artikel &#8220;Das Politische im Ästhetischen&#8221; auf nachtkritik bzw. hier im Blog, hat mich Sonja Anders, Chefdramaturgin am Deutschen Theater Berlin, per Email-Interview noch einmal zu der Debatte selbst und zur Veränderung des Theaters durch das Netz, den Übergang von der Massenmediengesellschaft zur Netzgesellschaft befragt. Hier gibts das Interview [...]
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Anschluss an die Blackfacing-Debatte und meinen Artikel &#8220;Das Politische im Ästhetischen&#8221; auf <a href="http://nachtkritik.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=6615:die-blackfacing-debatte-oder-das-politische-im-aesthetischen&amp;catid=101:debatte&amp;Itemid=84" target="_blank">nachtkritik</a> bzw. <a href="http://postdramatiker.de/blog/2012/02/22/die-blackfacing-theaterdebatte-das-politische-im-asthetischen-postdramatiker-auf-nachtkritik-de/" target="_blank">hier im Blog</a>, hat mich Sonja Anders, Chefdramaturgin am Deutschen Theater Berlin, per Email-Interview noch einmal zu der Debatte selbst und zur Veränderung des Theaters durch das Netz, den Übergang von der Massenmediengesellschaft zur Netzgesellschaft befragt. <a href="http://www.deutschestheater.de/download/13024/dt_magazin2012ausgabe4_web.pdf" target="_blank">Hier gibts das Interview als PDF-Download</a></p>
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<li><a href='http://postdramatiker.de/blog/2011/04/16/wegweiser-im-deutschen-historischen-museum-berlin/' rel='bookmark' title='Wegweiser im Deutschen Historischen Museum Berlin'>Wegweiser im Deutschen Historischen Museum Berlin</a></li>
<li><a href='http://postdramatiker.de/blog/2010/09/29/die-wiedergeburt-des-theaters-aus-dem-geist-der-dramaturgie-eine-art-programm/' rel='bookmark' title='Die Wiedergeburt des Theaters aus dem Geist der Dramaturgie. Eine Art Programm.'>Die Wiedergeburt des Theaters aus dem Geist der Dramaturgie. Eine Art Programm.</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Leseempfehlung für &#8220;Kulturinfarkt&#8221;-Geschädigte</title>
		<link>http://postdramatiker.de/blog/2012/03/17/leseempfehlung-fur-kulturinfarkt-geschadigte/</link>
		<comments>http://postdramatiker.de/blog/2012/03/17/leseempfehlung-fur-kulturinfarkt-geschadigte/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 17 Mar 2012 15:34:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitaldemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Disruption]]></category>
		<category><![CDATA[Medien und Medientheorien]]></category>
		<category><![CDATA[Netzbegriff]]></category>
		<category><![CDATA[Programmatik]]></category>

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		<description><![CDATA[Leider wird die Aufmerksamkeit in der Kulturdebatte gerade durch das von mir zuletzt hier und auf nachtkritik verissene &#8220;Kulturinfarkt&#8220;-Buch geprägt. Dagegen möchte ich eine Lesempfehlung aussprechen, die zeigt, dass der Themenkomplex nicht nur polemisch zugespitzt angegangen werden, sondern intelligent und vielschichtig reflektiert werden kann &#8211; und tatsächlich in &#8220;der Kultur&#8221; reflektiert wird. Ich meine das [...]
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Leider wird die Aufmerksamkeit in der Kulturdebatte gerade durch das von mir zuletzt <a href="http://postdramatiker.de/blog/2012/03/16/buchkritik-%E2%80%9Eder-kulturinfarkt-am-verwaltungsfuzzistammtisch/" target="_blank">hier</a> und auf <a href="http://nachtkritik.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=6692:presseschau-vom-14-maerz-2012-der-kulturinfarkt-beschaeftigt-die-deutschsprachige-presselandschaft&amp;catid=242:presseschau&amp;Itemid=115" target="_blank">nachtkritik</a> verissene &#8220;<a href="http://www.amazon.de/Der-Kulturinfarkt-Kulturpolitik-Kulturstaat-Kultursubvention/dp/3813504859/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1331998236&amp;sr=8-1" target="_blank">Kulturinfarkt</a>&#8220;-Buch geprägt. Dagegen möchte ich eine Lesempfehlung aussprechen, die zeigt, dass der Themenkomplex nicht nur polemisch zugespitzt angegangen werden, sondern intelligent und vielschichtig reflektiert werden kann &#8211; und tatsächlich in &#8220;der Kultur&#8221; reflektiert wird. Ich meine das Jahrbuch 2011 des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft: <a href="http://www.amazon.de/Jahrbuch-f%C3%BCr-Kulturpolitik-2011-Digitalisierung/dp/3837506150/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;qid=1331995651&amp;sr=8-2" target="_blank">Digitalisierung und Internet</a>, das den Kongress &#8220;<a href="http://www.netz-macht-kultur.de/" target="_blank">netz. macht. kultur.</a>&#8221; dokumentiert und sogar im Vortrag von Bernd Neumann die Reichweite der gedanklichen, praktischen und institutionellen Herausforderung aufreißt:</p>
<blockquote><p>Das Internet hat die Art und Weise revolutioniert, wie wir an Informationen gelangen, Informationen verarbeiten und mitinander kommunizieren. Es ermöglicht neue Geschäftsmodelle, ist eine faszinierende Quelle gesellschaftlicher Teilhabe an Kunst und Kultur und auch ein großer Arbeitsmarkt. Wir befinden uns mitten in der größten technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzung seit der Entwicklung des Buchdrucks, deren Auswirkungen sich heute noch gar nicht richtig überblicken lassen. (102)</p></blockquote>
<p>Die zahlreichen Beiträge dieses Bandes machen das aktuelle, zukunftsweisende Spannungsfeld von Kulturpolitik in der Netzgesellschaft auf, erforschen und reflektieren es, ohne sich bloß polemisch abzuarbeiten. Hier geht es um Partizipation und Offenheit, neue Formen von Kulturvermittlung, Institutionen, Förderung und Kunstschaffen &#8211; auch wenn der permanente Disput ums Urheberrecht etwas nervtötend ist, weil er nicht wirklich zu einer gangbaren Vision gelangt. Die Beiträge stellen sich der Gegenwart und der Zukunft. Und sie befragen Bestehendes und denken über Neuerungen im Bestehenden nach. Wer also interessiert daran ist, wie sich Kunst und Kultur in Bewegung bringen lassen, wo die Probleme und Herausforderungen, wo aber auch die spannenden Tendenzen zu finden sind, der sollte lieber das lesen.</p>
<p>Zum Beispiel Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung, der seine Behörde revolutionieren will:</p>
<blockquote><p>Es reicht nicht, die aufgeworfenen Fragen auf kultur- und<span id="more-2227"></span> bildungspolitischer Ebene zu diskutieren, selbst falls diese Debatte fruchtbare Ergebnisse zeitigen sollte. Es braucht auch fundamentalen Wandel innerhalb der Institutionen. &#8230; Jetzt gilt es aus {der Bundeszentrale} eine kollaborierende Behörde zu machen, die Gestaltungshoheit über ihre Projekte aufgibt und (&#8230;) Beteiligung und freie Verbreitung und Neuverarbeitung der Angebote zulässt. Reflektierter Kontrollverlust ist das Gebot der Stunde. (110)</p></blockquote>
<p>Oder Gerhard Schulze:</p>
<blockquote><p>Die digitale Öffentlichkeit könnte sich als Tür ins Freie erweisen, ähnlich der bürgerlichen Öffentlichkeit in der kuzen Zeit ihrer Blüte. Diesmal jedoch besteht mehr Hofnung, das sich diese Tür nicht wieder schließt. Die digitale Öffentlichkeit trainiert den Einzelnen zum Selbstdenker, sie fordert seine Reflexivität heraus, sie übt ihn in kommunikativer Vernunft {&#8230;} Sie ist polyzentrisch, spielzersetzend und begegnungsstiftend. Sie ist, um Lessings Formulierung aus dem Jahr 1780 aufzunehmen, eine Schule der &#8220;Selbsterziehung des Menschengeschlechts&#8221;. Darauf zu hoffen, war damals noch verfrüht, jetzt aber werden die Karten neu gemischt. (38)</p></blockquote>
<p>Und was Amelie Deuflhard mit Blick auf das Theater sagt, geht weit hinaus über die Strukturdebatten des Kulturinfarkst:</p>
<blockquote><p>Das &#8220;gute alte Theater&#8221; allein scheint nicht mehr auszureichen, um unsere heutige Welt zu beschreiben (&#8230;) Als öffentlicher Ort hat jedes Theater das Potenzial, die unterschiedlichsten Gruppierungen, die tatsächlich wenig voneinander wissen, in einen nachhaltigen Dialog treten zu lassen. Nur so kann das Theater zu einer Plattform werden, die Möglichkeitsräume schafft.&#8221; (62f)</p></blockquote>
<p>Genau. Darum gehts. Um inhaltliche und formale Potenziale.</p>
<p>&nbsp;</p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Buchkritik: „Der Kulturinfarkt“ am Verwaltungsfuzzistammtisch</title>
		<link>http://postdramatiker.de/blog/2012/03/16/buchkritik-%e2%80%9eder-kulturinfarkt-am-verwaltungsfuzzistammtisch/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2012 13:14:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitale Disruption]]></category>
		<category><![CDATA[Form und Formen]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien und Medientheorien]]></category>
		<category><![CDATA[Netzbegriff]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomien und Theorien]]></category>
		<category><![CDATA[Programmatik]]></category>

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		<description><![CDATA[So, jetzt hab ichs gelesen: „Der Kulturinfarkt“ von Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knösel und Stephan Opitz.  Schnurriges Büchlein. Vier Verwaltungsfuzzis treffen sich in der Kneipe Wirtschaft und kotzen sich einfach mal richtig aus. Der Eine zieht über Verwaltung und Förderung vom Leder. Der Andere entdeckt seine Liebe zur marktliberalen Ökonomie (und langweilt alle damit). [...]
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			<content:encoded><![CDATA[<p>So, jetzt hab ichs gelesen: „<a href="http://www.amazon.de/Der-Kulturinfarkt-Kulturpolitik-Kulturstaat-Kultursubvention/dp/3813504859/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1331903805&amp;sr=8-1" target="_blank">Der Kulturinfarkt</a>“ von Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knösel und Stephan Opitz.  Schnurriges Büchlein. Vier Verwaltungsfuzzis treffen sich in der <del>Kneipe</del> Wirtschaft und kotzen sich einfach mal richtig aus. Der Eine zieht über Verwaltung und Förderung vom Leder. Der Andere entdeckt seine Liebe zur marktliberalen Ökonomie (und langweilt alle damit). Der Nächste lässt seine unglückliche Vergangenheit an Adorno aus. Und der Vierte versucht, sein gesellschaftliches Anliegen irgendwie reformuliert zu retten. Das Ganze zerfällt nicht nur stilistisch. Auch inhaltlich sind sich die apokalyptischen Schreiber offenbar ziemlich uneins. Man ist sosehr überzeugt von der eigenen Meinung, dass man nicht mehr merkt, dass man gar nicht einer Meinung ist. Warum sie das in ein Buch und einen gemeinsamen Text zwingen mussten – schleierhaft. Die skandalisierte Etathalbierung ist eigentlich eher vernachlässigbar. Ansonsten lustige Ausfälle gegen ein Gebilde, dass sie „die Kultur“ nennen, die es aber leider nicht gibt. Es sei denn, man einige sich darauf, Kultur sei alles, was in öffentlichen Hauhaltsdokumenten unter der Position „Kunst und Kultur“ zu finden ist. Zitat: „Dabei kritisieren wir weder Personen noch Projekte noch Institutionen als Einzelne; wir benutzen sie höchstens zur Illustration.“ (173) Solche Generalisierungen und unverbindliche Allgemeinheiten haben zwar den Vorteil, immer irgendwas oder irgendwen zu treffen, aber leider nie das Ganze, das sie zu beschreiben behaupten. Mangels konkreter Objekte läuft der Rant ins Leere. Das tut er gelegentlich kurzweilig und nicht uninspirierend. Gelegentlich hohl, dümmlich oder gezwungen. Und kann – um beim feuilletonistisch aufgegriffenen<span id="more-2219"></span> „Kern“ des Buches, dem Kürzungsvorschlag, zu bleiben – nicht erklären, warum die Hälfte. Warum nicht ein Viertel, zwei Drittel. Warum nicht alles streichen? Warum die Etats nicht verdoppeln? Zitat: „Wer sucht, wird viele Argumente für Kürzungen in diesem Text finden. Wer Gründe für den Ausbau von Kulturförderung sucht, wird sie genauso finden.“ (175) Was aber soll das Buch dann?</p>
<p>Das eigentlich Problem des Buches liegt woanders und ist für Verwaltungsfuzzis nicht zu ändern: Kunst und Kultur werden von Künstlern gemacht. Wenn Kunst und Kultur anders werden (sollen), werden Künstler es anders machen (müssen). Da kannst mit Geld hantieren, wie’st willst. Auf eine fundamental sich ändernde Gesellschaft (auf die das Buch konkret auf den letzten Seiten zu sprechen kommt), wird Kunst und Kultur neu reagieren, wird sich neu organisieren. Dafür brauchts keine Bücher von Verwaltungsfuzzis, sondern Künstler. Von denen ist im Buch kaum die Rede. Und inhaltliche oder formale Debatten jenseits von Organisations- und Institutionsformen können Verwaltungsfuzzis auch nicht führen. Ähnlich aber ganz anders als weiland Midas wird alles zu Geld, was sie begreifen können. Dass andere Kunst anders begreifen könnten,  spielt da bestenfalls eine Nebenrolle, die von der „Hälfte“-Debatte überdeckt wird. Man schwankt wohl offenbar zwischen unterschiedlichen Autorenmeinungen und den zwei Seelen in der eigenen Schreiberbrust – was dazu führt, dass sich zu jedem Statement des Buches vermutlich auch das gegenteilige Statement irgendwo finden lässt.</p>
<p>Das Unbehagen an Kultur und Kunst zu äußern kann nicht kritikwürdig sein. Selbst Verwaltungsfuzzis dürfen sich darüber auslassen, ob es denn noch „große Kunst“ (12) gibt. Man muss auch nicht Schumpeter bemühen, um zu verstehen, dass das Neue auch aus der Kritik am Bestehenden entstehen kann. Kreativität heißt (nicht zuletzt), Dinge anders und neu zu machen. Natürlich lässt sich Fragen, ob Kunst noch Diskussionen über Bedingungen des Lebens auslöst (12). Es macht hochgradig Sinn, darüber nachzudenken, ob sich nicht grade ein unterfinanziertes künstlerisches Prekariat bildet (168), ob dadurch neue Impulse kommen oder verlorengehen. Man kann Berlin (163)  oder das bedingungslose Grundeinkommen (123) doof finden. Man kann – was ja ein Leitmotiv aller Kulturkritik schon immer war – über die verfetteten Strukturen der Kulturbürokratie streiten. Es lässt sich fragen, ob das, was gerade da ist, die unbedingt zu erhaltende Substanz ist (208) – zumal in Zeiten der Digitalisierung (130) und Vernetzung, die – wie die Autoren bemerken – Kunst und Kultur genauso durcheinanderwirbelt und noch mehr wirbeln wird wie die Gesellschaft drumrum. Natürlich kann man über Kultur- und Kreativindustrie, über Heilsversprechungen kreativer Zukunft, über Laienkunst usw. geteilter Meinung sein, diskutieren, streiten. Das alles aber sind KEINE primär ökonomische Fragen. Denn Ökonomie hat es nicht nur mit „knappen Gütern“ zu tun, sondern Ökonomie ist die Disziplin, die ermittelt, mit welchen MITTELN sich gesteckte ZIELE effektiv und effizient erreichen lassen. Die Ziele aber werden niemals von Ökonomen vorgegeben.</p>
<p>Noch ein Zitat: „&#8230; künstlerisches Arbeiten hat in seinem Kern nicht ein kommerzielles Motiv, sondern ein künstlerisches. Aber Kultur hat mit Wirtschaften zu tun. Und deswegen ist es nicht nur gerechtfertigt, sondern gehört zu einem vollständigen Bild kultureller Realitäten, Kunst und Kultur auch in wirtschaftlichen Kategorien zu reflektieren.“ (147). „Auch“ – ja, warum denn nicht. Aber solange nicht inhaltlich darüber gestritten wird, was und warum Kunst und/oder Kultur überhaupt da und förderungswürdig sind (und da kommt das Buch leider nicht über Triviales hinaus), macht der bloße Blick aufs Wirtschaftliche blind. Oder führt gar zu einer Bemerkung, die in Zeiten, da „die Märkte“ ganze Staaten in die Krise, die Bevölkerungen in Armut stürzen, in einem Buch über Kultur(politik) gelinde gesagt überrascht: „Die Kritiker des Marktes haben seit der Bankenkrise Oberhand. Das ändert nichts daran, dass es zum freien Spiel der Kräfte keine Alternative gibt. Deutlich gilt das für die Kultur &#8230;“ (236). Geht, liebe Ökonomen, tuts uns den Gefalln und rettets Griechenland. Oder rettet meinetwegen die Banken ohne öffentliche Gelder. Aber weils des net kennts, ökonomisierts „die Kultur“ und setzt den Merkel’schen Rotstift an. So reden Kulturfunktionäre zu Kulturfunktionären über Kulturfunktionäre und darüber wie Kunst und Kultur funktionieren. Das Kunst mache, Kunst au bleibe lasse. Und lieber Kunst mache.</p>
<p>Das Ärgernis an den Buch ist, dass darin durchaus einiges angerissen wird, was bedenkenswert ist – was allerdings auch schon bedacht und diskutiert wird. Vielleicht nicht breit und radikal genug. Die Hinweise von Samuel Schwarz in den Kommentaren auf <a href="http://nachtkritik.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=6692:presseschau-vom-14-maerz-2012-der-kulturinfarkt-beschaeftigt-die-deutschsprachige-presselandschaft&amp;catid=242:presseschau&amp;Itemid=115">nachtkritik</a> weisen in diese Richtung. Das Buch aber nimmt die einfache Variante des Skandalons „Kunst für die Hälfte“ – und verfestigt damit genau diejenigen Verteidigungslinien, die es (vielleicht) aufreißen wollte.</p>
<p>Wobei ich übrigens den Vorschlag, allen Kindern einen Tablet zu schenken (278), geil finde.</p>
<p>Und zum guten Schluss ein Lieblingszitat:</p>
<blockquote><p>„Gewitzte Künstler nutzen das Internet, um direkt zu ihren Fans und Konsumenten zu gelangen, und sie nutzen es fürs Management und die Planung.“(278)</p></blockquote>
<p>Loriot würde darauf sagen : „Ach was?“</p>
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		<title>(As)soziologisches Theater: Die Arbeitslosen von Marienthal und die Verlierer von Wittenberge</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Mar 2012 09:35:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Marienthaler Dachs]]></category>
		<category><![CDATA[Form und Formen]]></category>
		<category><![CDATA[Medien und Medientheorien]]></category>
		<category><![CDATA[Metadramaturgie]]></category>
		<category><![CDATA[politisches Theater]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor etwa 80 Jahren brachen Soziologen in den österreichischen Ort Marienthal nahe Wien auf, um eine sozialpsychologische Studie über ein im Ganzen arbeitsloses Dorf zu verfassen. Es entstand eines der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts, die Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ (Buch, Wikipedia, Materialien). Anders als der Name des Ortes, bleiben die Bewohner im [...]
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor etwa 80 Jahren brachen Soziologen in den österreichischen Ort Marienthal nahe Wien auf, um eine sozialpsychologische Studie über ein im Ganzen arbeitsloses Dorf zu verfassen. Es entstand eines der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts, die Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ (<a href="http://www.amazon.de/Arbeitslosen-Marienthal-soziographischer-langandauernder-Arbeitslosigkeit/dp/3518107690/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1331544503&amp;sr=8-1" target="_blank">Buch</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Arbeitslosen_von_Marienthal" target="_blank">Wikipedia</a>, <a href="http://agso.uni-graz.at/marienthal/" target="_blank">Materialien</a>). Anders als der Name des Ortes, bleiben die Bewohner im Buch anonym. Keine Namen, keine Charakterisierungen, die Fremden die Identifizierung Einzelner ermöglichten.</p>
<p>Vor einigen Jahren brach nun erneut eine Gruppe von Soziologen, begleitet von Theaterleuten, auf, um diese Studie nachzuspielen, zu wiederholen, zu erneuern. Unter Leitung von Heinz Bude besuchten sie <a href="http://www.wittenberge.de/" target="_blank">Wittenberge</a> in Brandenburg, um eine Studie über eine Verliererstadt anzustellen, in der Ausgangslage fast ähnlich zu Marienthal. Im direkten Vergleich der daraus entstandenen Bücher ist das Wittenberge-Buch „<a href="http://www.amazon.de/%C3%9CberLeben-Umbruch-Beispiel-Wittenberge-fragmentierten/dp/3868542337/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1331544399&amp;sr=8-1" target="_blank">ÜberLeben im Umbruch</a>“ (<a href="http://www.ueberlebenimumbruch.de/" target="_blank">hier die Projektwebseite</a>)  zunächst eine herbe Enttäuschung.  Die beobachteten Bewohner wollten nicht so recht mitspielen.</p>
<p>In Marienthal konnten die Forscher noch verschleiern, was ihre wahre Absicht war. Mit Mitteln nachrichtendienstlicher Agententätigkeit konnten sie sich einschleusen, das Vertrauen der Bewohner gewinnen und Einsichten über das beobachtete Leben generieren, bei dem die Beobachteten sich nicht beobachtet wähnten – und sich deswegen nicht für die Beobachtung inszenieren:</p>
<blockquote><p>Es war unser durchgängig eingehaltener Standpunkt, daß kein einziger unserer Mitarbeiter in der Rolle des Reporters und Beobachters in Marienthal sein durfte, sondern daß sich jeder durch irgendeine, auch für die Bevölkerung nützliche Funktion in das Gesamtleben einzufügen hatte. (28)</p></blockquote>
<p>Vielfältige Tricks kamen zur Anwendung, die die unverstellte Meinung oder die wahre Situation der Menschen zum Vorschein bringen sollte: Institutionen und Initiativen wurden geschaffen. Selbst die eingerichteten ärztlichen Behandlungen dienten zur Erhebung von Material. Man gewinnt „unauffällige Einblicke“, „Vertrauen“, „Kontrolle“, verschafft sich Aufzeichnungen durch Schnittzeichenkurse, lockt Mädchen durch einen Turnkurs an und horcht Eltern in der Erziehungsberatung aus. Im Verlauf des Textes finden sich gelegentlich Erklärungen, welcher kreativer Methoden man sich bediente, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und verdeckt Informationen zu sammeln. Ein Beispiel:</p>
<blockquote><p>Die Erhebungsarbeit in Marienthal begann damit, daß wir hundert Familien einen Hausbesuch abstatteten, um sie nach ihren besonderen Wünschen bei einer von uns geplanten Kleideraktion zu fragen. Diese Besuche wurden dazu benutzt, durch Beobachtungen und Gespräche Material über die Grundhaltung dieser Familien zu sammeln. Als dann die Kleider bei uns abgeholt wurden, fragten wir die Betreffenden nach ihren Lebensgeschichten, die gewöhnlich breitwillig erzählt wurden. Dieselben<span id="more-2216"></span> Menschen beobachteten wir in den verschiednsten Situationen: bi unseren Kursen, in politischen Versammlungen, führten über sie und mit ihnen Gespräche, und stets wurde das gesamte Material sofort protokolliert. (64)</p></blockquote>
<p>In Wittenberge war hingegen schon bei der Ankunft geleakt, was die Fremden in der Stadt wollten und unter welcher Perspektive sie diese Stadt wählten. Als Verlierer von Anfang an gebrandmarkt, lehnten sich örtliche Presse und Politik gegen den Impetus der Studie auf und bescherten den Besuchern mancherlei Probleme, die bei genauerer Betrachtung mehr über die Gegenwart zu erzählen vermögen, als es die ursprüngliche Absicht der Forscher, wie sie im Buch dargestellt wird, vermuten lässt.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Wittenberge</strong></p>
<p>In Wittenberge war der journalistische Nachrichtendienst der Einwohner dem wissenschaftlichen Nachrichtendienst voraus. Diese kamen, um die „anderen“ zu beobachten und sie durch die Beobachtung zu Anderen zu machen, zum Objekt der Beobachtung und stellten fest, dass schon zuvor oder gleichzeitig die Anderen sie selbst zu anderen gemacht hatten, die die Beobachter bei der Beobachtungsarbeit beobachteten und nunmehr – der Mediokratie angemessen – sich selbst so zu inszenieren oder zu verbergen unternahmen, dass die Beobachtung sich nicht mehr neutral zu den Beobachteten verhalten konnte. Man hätte zu den verfeinerten Methoden der Stasi als Stawi greifen müssen, um durch inoffizielle Mitarbeiter Erkenntnisse über die Beobachteten zu gewinnen, die sich während der Beobachtung nicht beobachtet wähnen.</p>
<p>Die nicht hinreichend geheimen Agenten der wissenschaftlichen und künstlerischen Öffentlichkeit wurden so von den Objekten der Forschung sofort als Sozialpornographen enttarnt. Komisch genug, dass die Soziologisch mit solchen sozialen Prozessen offenbar nicht hinreichend gerechnet, sich jedenfalls nicht darauf vorbereitet hatten. Schade aber auch, dass die Wittenberger nicht begonnen haben, Journale zu führen, Fotos von Fotografen gemacht haben, ein Buch herausgebracht haben über die befremdlichen Fremden, die sie selbst zu Fremden machen wollten, um sie der Öffentlichkeit als Fremde bekannt zu machen.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Der Leser als Beobachter der Beobachter der Beobachter &#8230;.</strong></p>
<p>Spannend und lesenswert ist das Wittenberge-Buch dennoch, liest man es als Beobachter dessen, was die beobachteten Beobachter beobachteten und beobachtet dabei die Beobachtungskaskade. Denn natürlich sind Soziologen in einem mediokratischen Dorf, in dem sie beobachtet werden, selbst Teil eines neuen Soziotops, das sich nunmehr konstituiert aus den Anderen, die sie als Andere beobachten wollten und den Anderen, zu denen sie dadurch wurden, dass diejenigen, die sie beobachten wollten, sich beobachtet wähnten und die Beobachter beim Beobachten beobachteten. Das Buch als Beobachtung dieser verwickelten Kaskade nunmehr lesend zu beobachten, ist aufschlussreich, weil es die Verwicklung der soziologischen Beobachter in die durch die Beobachtung abgetrennte Gesellschaft dokumentiert. Der Beobachter der Gesellschaft ist in der Mediokratie zugleich Teil der Gesellschaft, etwa in der Form des Re-Entry der Beobachtung und der Beobachterposition in das beobachtete Andere, das zugleich andres ist und nicht mehr ist, weil es zugleich durch die Beobachtung die beobachtenden Anderen abtrennen will, sie aber als anderen Teil der beobachteten Gesellschaft selbst wieder eintritt in das Beobachtete. Was zu beobachten wäre.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Wenn Beobachter bei der Beobachtung auf beobachtete Beobachter treffen&#8230;</strong></p>
<p>Man könnte geneigt sein, dies in einer Hegelpersiflage als „Soziophänomenologie des Geistes“ in buchförmiger Sequenzierung aufzulösen, müsste sich dabei aber eingestehen, dass leider den hegelschen Spiralen einige Windungen zu Beginn und zu Ende fehlen.</p>
<p>Es hätte (hätte wäre wenn – hat aber nicht) allerdings durchaus zu einem spannenden Theaterabend gereicht – vorausgesetzt, man hätte die Dialektik auf zwei Spielorte verteilt, die dem Publikum nur die Anwesenheit bei jeweils einem gestatten. Vielleicht einen in Wittenberge, einen in Berlin? Und vielleicht mithilfe der grandiosen Telepresence Magic?<br />
<iframe src="http://www.youtube-nocookie.com/embed/BFQ8h3wClbI?rel=0" frameborder="0" width="420" height="315"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hinterher lässt sich leicht klugscheißen. Geschenkt – oder wie Freiherr von Knigge sagte: Man soll Theater nicht danach beurteilen, was es sein könnte, sondern danach, was es ist.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Die Theaterperspektive</strong></p>
<p>Dass Theaterleute bei der Aktion dabei sein sollten, ist interessant – und bedauerlich, dass selbst sie nicht durchschaut haben, wie die Verwicklung sich verwickelt. Denn zu glauben, Theater sei das, was auf der Bühne passiert, ist Naivität. Nicht nur das Bühnengeschehen verdoppelt sich im Zuge dessen, was (<a href="http://postdramatiker.de/blog/2010/10/29/theoros-und-beobachter-die-gemeinsame-geschichte-von-theater-und-bewusstsein/" target="_blank">hier</a>, weiter <a href="http://postdramatiker.de/blog/2010/10/30/theoros-und-beobachter-nachtrag/" target="_blank">hier</a>  und <a href="http://postdramatiker.de/blog/2010/10/30/die-zwei-ausgange-aus-dem-theater-theoretikos-und-praktikos/" target="_blank">hier</a>) vor längerem als der Riss beschrieben wurde, die Trennung zwischen Bühne und Auditorium, die dafür sorgt, dass das, was auf der Bühne stattfindet, ein Doppeltes ist, sondern durch die Spaltung vollzieht sich eben auch die Verdoppelung des Auditoriums. Man muss sich im Zuschauerraum als Zuschauer verhalten. Es gibt im Theater keine Position außerhalb des Theaters, nur außerhalb der Bühne, die allerdings im Blick von der Bühne in den Zuschauerraum den Zuschauerraum bühnenhaft zerschlägt.</p>
<p>Der Preis der Beobachtung einer Theatervorstellung ist, dass sich der Zuschauer als Zuschauer beobachtet. Nämlich als Beobachter des zu Beobachtenden, dabei selbst sine Beobachtung beobachtet. Beruhigend wirkt dabei natürlich das Brechtische Versprechen: Man sieht nur die im Licht – und die im Dunkeln sieht man nicht“. Macht es doch den Theaterzuschauern das Versprechen, beim Beobachten nicht beobachtet werden zu können. Dass Soziologen sich dieser Hoffnung hingegeben haben könnten, als Dunkelmänner durch Wittenberge streichen zu können, das Wittenberger Theater also aus der dunklen Position des Theaterzuschauers wahrnehmen zu dürfen, mag man kaum glauben.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Die assoziierten Soziologen</strong></p>
<p>Der Soziologe kommt nicht umhin, sich dem Sozius, den er in und durch seine Beobachtung als Sozius konstituieren will, zu assoziieren. Als ein solcher Assoziologe wird er assozial und sozialisiert sich mit dem ihm als Assozius gegenüberstehenden Sozius, der eben im Akt der Assoziation zum Assozius des Assozius wird. Es kann keiner einen anderen als beobachtbaren anderen setzen, ohne sich selbst dabei als anderen (des anderen) gesetzt zu haben. Der Soziologe wollte sich asozial außerhalb des Sozius stellen – und endet als Assozius und damit Teil der Assoziation.</p>
<p>Wenn also von Verlierern die Rede ist im Buch – wer sind dann die Verlierer wenn nicht die Soziologen, die sich den Verlust ihrer Beobachterposition eingestehen müssen und selbst zu Beobachteten werden. In einer Gesellschaft, die sich gegenüber Soziologen beobachtend verhält und ihr Verhalten auf die assoziierten Soziologen zuschneidet, lässt sich nicht viel Anderes sagen, als dass das Soziale bereits soziologisch ist, bevor die Soziologen es beobachten. Es wäre vielleicht der spannendere Ansatz gewesen zu untersuchen, wie eine durch Medien bereits beobachtete und damit zutiefst soziologische Gemeinschaft wie die Stadt Wittenberge, deren Problem nicht nur ihre Lage, sondern auch die sich in Beschreibungen ausdrückende Beobachtung ist, auf sich assoziierende Soziologen reagiert.</p>
<p>In Marienthal konnten sich die Beobachter noch durch Verkleidung als Publikum ausgeben, konnten ihre Doppelrolle von Beobachtern und Mitspielern kaschieren, die sie dazu befähigte, die anonymen Einwohner Marienthals in der Rolle von „Arbeitslosen“ zu beobachten. Noch konnten also Zuschauspieler Darsteller beobachten, einerseits in der Helle der Öffentlichkeit, zugleich in einer Doppelrolle als Dunkelmänner. Die Sozilogen in Wittenberge hingegen sahen sich in einer Position, in der sie nicht mehr sichern konnten, Zuschauer zu sein. Vielmehr wurden sie selbst auf der Bühne, die sie betreten oder als Zuschauer beobachten wollten, selbst zu Beschauten, wurden selbst auf eine Bühne auf der Bühne gerissen. Zugleich aber brachen beide Bühnen zusammen, denn wer für wen welche Rolle spielte ließ sich nicht durch Gesamtsituationen konstituieren. Ein Magritte’scher Raum statt eines theatralen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 17:23:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Postdramatiker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitaldemokratie]]></category>
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<p>Die Lösung heißt: Machtausübung und Herrschaft – zu dieser Lösung verhält sich Demokratie deswegen als Problem, als sie die einfache Lösung wie es die<span id="more-2208"></span> Despotie oder Tyrannis wären problematisiert, verfeinert, verkompliziert. Demokratie institutionalisiert eine Vielzahl an Verfahren und Prozessen, die die einfache Lösung der Herrschaft überhaupt erst problematisierbar machen. Dass es dabei nur drum ginge, die Position des absoluten Alleinherrschers durch „das Volk“ oder (bereits ein weiteres Problem) „die Mehrheit der Stimmberechtigten“ z ersetzen, ist ein Missverständnis, das zwar verbreitet aber letztlich fatal ist. Demokratie organisiert Machtverhältnisse als komplexe Zusammenhänge und verwandelt große Einzelentscheidungen in komplizierte, mehrstufige Prozesse mit Einspruch- und Revisionsmögloichkeiten, schafft das Problem der Mehrheits- und Dissensorganisation und versucht, s durch Prozessualisierungen aufzulösen.</p>
<p>Entscheidungen werden nicht besser, wenn sie nicht von einem sondern von einer Million Idioten getroffen werden. Sie werden zwar akzeptabler für diejenigen, deren Stimmen zur entscheidenden Mehrheit beigetragen haben. Sie schaffen und verschärfen aber zugleich gesellschaftliche Gegensätze, indem die Unterlegenen sich von der Mehrheit übermächtigt, nicht ernst oder wahr genommen oder eben als Verlierer sehen. Mehrheitsentscheidungen schaffen unterlegene Minderheiten, die sich nicht verantworten müssen – im Gegensatz zur Entscheidung einer legitimierten Herrschaft, die sich für eben diese Entscheidung gegenüber dem Gesamt der Stimmberechtigten verantworten muss.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Die Demokratie und die Macht</strong></p>
<p>Das Problem der Demokratie anzugehen setzt eine Betrachtung der Kratie voraus, der Machtausübung oder Herrschaft, deren Kern in der Macht liegt. Ohne Auseinandersetzung mit Macht ist weder Demokratie noch Partizipation auch nur ansatzweise verständlich oder im Einzelfall bewertbar. Macht ist dabei jederzeit ein kommunikatives Verhältnis. Die klassiche Weber’sche Definition, Macht sei die Möglichkeit, den Entscheidungsspielraum eines anderen einzuengen und ihm eine vorgegebene Entscheidung übernehmen zu machen (&#8220;Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.&#8221;), ist im verbreiteten Verstännis dieser Formulierung bereits zu weit entfernt von den elementaren Prozessen der Macht, die einsetzen, wo Kommunikation einsetzt.</p>
<p>Es gibt keine monologische Macht. Macht setzt erst ein, wo Kommunikation im Dialog ansetzt. Das heißt: In genau dem Moment, wo ein Dialog beginnt. Bereits in diesem ersten Beginn ist die Macht im Spiel. Es ist die Zumutung, reden zu dürfen und hören zu müssen. Oder reden zu müssen und hören zu dürfen. Dieser Zusammenhang ist zukünftig weiter auszuloten, im ersten Agang ist sie lediglich zu plausibilisieren und lebensweltlich zu fundieren.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Die Macht des Telefons</strong></p>
<p>Es ist egal, um welche Form der Kommunikation es sich handelt, welche Kommunikationstechnologien im Spiel sind. Macht setzt ein sowohl bei mündlicher, wie bei schriftlicher oder fernmündlicher Kommunikation. Sie ist auch im Netz am Werke. Auch hier im Blog.</p>
<p>Einfach zu verstehen ist das Machtverhältnis am Phänomen des Telefonierens. Das laute Schellen des Telefons in einer Wohnung oder am Arbeitsplatz ist ein Appell (im Französischen ist „appeler“ sogar die Vokabel für den Anruf). Es ist der Appell zum Eintritt in die Kommunikation, dem sich zu entziehen schwer ist. Das klingelnde Telefon übt eine Form von Macht auf den Angerufenen aus, wirkt wie eine Fernbedienung, die den Angerufenen dazu bringt, die aktuelle Tätigkeit zu unterbrechen, sich vielleicht zu erheben und zum Telefon zu gehen und den Hörer abzuheben, um sich (ggf. mit dem Namen) zu melden.  Der Anrufer hat also die Macht, den Angerufenen zu diesem Akt zu veranlassen.</p>
<p>Der Angerufene kann es natürlich unterlassen, sich zu erheben, setzt sich damit aber der Möglichkeit aus, Wichtiges zu verpassen. Dafür wurden zwei technologische Problemlösungen eingeführt, deren rasche Verbreitung dafür zeugen, dass sie eine fundamentale Bedürftigkeit adressieren: Der Anrufbeantworter und die Rufnummernanzeige. Jetzt wechselt das Machtverhältnis insofern, als der Angerufene beim Blick auf die Rufnummer abwägen kann, ob er dem Appell des Anrufers Gehör geschenkt oder ihn ins Leere laufen lässt. Der Anrufbeantworter gibt zudem die Möglichkeit, sich zunächst mit dem Thema des Appells zu beschäftigen, um dann zu entscheiden, ob eine Reaktion wie der Rückruf angemessen ist. Darin allerdings liegt wieder eine Doppeldeutigkeit, kann doch der Appellierende den Wunsch nach Rückruf hinterlassen und damit dafür sorgen, dass der Nichtrückruf zum Affront wird. Wer es wagen kann, den Rückruf zu unterlassen, wer es nicht wagen kann, ist bereits zutiefst in Machtverhältnisse eingelassen. Wer kann wen dazu bringen, was zu tun. Dieses dem Klassischen sehr ähnliche Machtverhältnis weist sich also bereits unterhalb dessen, was in der Klassik als Entscheidung verstanden wird, als solches aus.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Die Macht der Kommunikation</strong></p>
<p>Wer wen ansprechen darf, wer reagieren oder nicht reagieren muss ist ebenso ein Machtverhältnis im mündlichen wie schriftlichen Kommunikationsversuch, wie es ein Machtverhältnis ist, wer reden muss und wer schweigen darf. Oder wer reden darf und wer schweigen muss. Eindeutigkeit gibt es hier nicht – aber an der Verteilung von Gehör und Gehorsam, davon, wer das Sagen hat oder Wortführer ist, entspinnen sich bereits Machtverhältnisse, die sich gesellschaftlich verkomplizieren und ausdifferenzieren, wenn es darum geht, inhaltliche Diskussionen zu führen oder Entscheidungen zu treffen.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Der Machtkampf mit dem Netz</strong></p>
<p>Dieses Grundverhältnis von Macht in dr Kommunikation gilt es zu reflektieren, wenn es um die Macht neuer Kommunikationsformen und –mittel geht, wie es etwa das Internet ist. Der Ruf, gehört zu werden, ist der stärkste Ruf, der gerade als Appell an die Herrschaft als institutionalisierte Macht) zu vernehmen ist. Ob die Herrschaft (als Regierung und politisches Establishment) hören muss, was „die Netzgemeinde“ zu sagen hat, ist eine Machtfrage, die diejenige wiederholt, die oben am Beispiel des Telefonats holzschnittartig exemplifiziert wurde. Ebenso die Frage, ob „die Netzgemeinde“ hören muss auf jene Regularien und Vorschriften,  die aus der Herrschaft ins Netz als Gesetze gesagt werden. Es handelt sich um einen Machtkampf zwischen „Poltik“ und „Netzgemeinde“, der erst angegangen und gegebenenfalls entschärft oder aufgelöst werden kann, wenn er als Machtkampf verstanden ist. Die Aufforderung an die politische Herrschaft „Hört uns auf unseren Plattformen zu“ prallt an die Gegenforderung „Wir richten euch neue Plattformen ein, wo ihr reden dürft“.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Demokratie des Hörens und Sagens</strong></p>
<p>Das gesamte demokratische Problem lässt sich reformulieren als ein komplexes Ensemble von Gehör finden und Gehorsam leisten, das erste oder letzte Wort haben können, gehört werden müssen, die Stimme erheben oder abgeben können. Vom behördlichen Antrag über das gerichtliche Verhör, vom parlamentarischen Rederecht bis zur anwaltlichen Schweigepflicht, von der Aussageverweigerung bis zur Antragsabweisung, von der Rechtsprechung bis zur Vorschriftmissachtung spannt sich dieses Feld auf. Und weit darüber hinaus. All diese Institutionen und institutionalisierten Prozesse organisieren Machtverhältnisse und machen sie in einer Form gemeinverträglich, dass (möglichst) alle das Urteil fällen, Gehör zu finden oder finden zu können. In der Diktatur hat nur einer das Sagen, der Rest Gehorsam zu leisten. Aus dieser einfachen Lösung macht Demokratie ein Problem, das sie fortlaufend reproduziert, verfeinert, überarbeitet, ändert, anpasst. Der Ruf nach „Partizipation“ ist hier nur eine neue Herausforderung, die nichts anderes sagt, als: Hört uns zu. Und die Gefahr läuft, auf die Gegenfrage: Ok, was habt ihr zu sagen?“ nur in Schweigen zu verfallen.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Wohin führt das?</strong></p>
<p>In Konsequenz soll es zu einer kommunikationstheoretischen Theorie der Macht führen (für die Luhmanns &#8220;Macht&#8221;-Buch einige intressante Hinweise gibt), die im Anschluss in der Lage ist, nicht nur zu verstehen, wie und wo eine neue Kommunikationsweise, neue Kommunikationsformen und -technologien in das bestehende Gefüge von Macht und Herrschaft hineinragen und eingreifen, sondern die ebenso ermöglicht, das traditionelle Gebilde in seinen Verästelungen und Ziselierungen netzgesellschaftlich und digitaldemokratisch zu addressieren und das Problem der Demokratie damit erneut auf Dauer zu stellen, anstatt es lösen zu wollen. Idealiter wird dies in einigen weiteren Postings hier geschehen.</p>
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