Das große Drama rund ums Urheberrecht – Tag 3: Die Rettung?

Juli 27th, 2010 Kommentare deaktiviert für Das große Drama rund ums Urheberrecht – Tag 3: Die Rettung? Autor: Ulf Schmidt

Ein Ret­ter muss her. Einer muss es rich­ten — ein Hei­land. Irgend einer — kommt er? Sehen wir also. Beim Öff­nen des Vor­hangs sehen wir Heu­len und Zäh­ne­knir­schen — einer­seits. Auf der ande­ren Sei­te aber … seht selbst:

Ers­ter Akt: Urhe­ber im Elend. Ver­le­ger in der Sinn­kri­se. Rezi­pi­en­ten rezi­pie­ren mehr Wer­ke denn je zuvor. Es wird gele­sen, Musik gehört, Fil­me geschaut, Fotos geguckt wie nie zuvor in der Mensch­heits­ge­schich­te. Para­die­si­sche Zei­ten für Rezi­pi­en­ten. Alles kos­ten­los.

Zwei­ter Akt: Ein ver­ges­se­ner Frem­der taucht auf: Die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft. Ist das die Ret­tung? Auf Zugän­ge zu den Wer­ken eine Gebühr erhe­ben, die dann nach bestimm­ten Schlüs­seln ver­teilt wird an – die Urhe­ber. Die Ver­le­ger jau­len auf. Inzwi­schen haben sich sogar gigan­ti­sche Online-Por­ta­le gebil­det, die sowohl die Sor­tier­funk­ti­on der Ver­la­ge („Pro­gramm“) vor­neh­men oder von Rezi­pi­en­ten vor­neh­men las­sen („haben auch gekauft“), als auch die Wer­bung durch Mund­pro­pa­gan­da erle­di­gen las­sen. Die Ver­le­ger fal­len in Siech­tum.

Drit­ter Akt: Den Ver­le­gern fällt ein, sie könn­ten die End­ge­rä­te doch ein­fach so nut­zen, wie die alten phy­si­ka­li­schen Arte­fak­te. Zwar muss kein neu­es Buch, kei­ne Plat­te, kein Video gekauft wer­den – aber das One-fits-All-Device kann mit sei­nem Zugriff auf die Inhal­te kon­trol­liert und abge­rech­net wer­den. Die Ver­le­ger sin­gen einen Cho­ral auf das iPad. Anrüh­ren­de Sze­ne. Knie­fäl­le. Trä­nen der Freu­de.

Vier­ter Akt: Hat nicht funk­tio­niert. Es gibt zu vie­le Wege der sehr ein­fa­chen Umge­hung. Und nur eine recht schnell aus­ster­ben­de Gat­tung von Rezi­pi­en­ten ist über­haupt bereit den Ver­la­gen Geld zu zah­len (anstatt den Urhe­bern). Die ers­te Gene­ra­ti­on der Urhe­ber ist Rat- und Fas­s­ung­los. Und sorgt sich um die Zukunft. Die zwei­te Gene­ra­ti­on passt sich den neu­en Wegen an und ist – chro­nisch plei­te.

Fünf­ter Akt: Alle kom­men zur Bera­tung zusam­men und stel­len fest: Es gibt kein Urhe­ber­rechts­pro­blem. Die Urhe­ber wer­den bei der Ver­brei­tung jeder­zeit genannt. Ihre Wer­ke wer­den von mehr Men­schen häu­fi­ger gele­sen, ver­brei­ten sich schnel­ler und ein­fa­cher, ohne die Markt­zu­gangs­kon­trol­le von Lek­to­ra­ten u.ä. Sie bekom­men für Ide­en schnel­ler und brei­ter Aner­ken­nung, wer­den schnel­ler und ein­fa­cher berühmt denn je. Das ide­el­le Urhe­ber­recht aber lässt sie kein Brot kau­fen. Als Künst­ler sind sie glück­lich – als Men­schen aber hung­rig. Sie haben ein Ein­kom­mens­pro­blem.

Die Ver­le­ger sind depres­siv: Sie fin­den kei­ner­lei Weg, über­zeu­gend dar­zu­le­gen, wozu ihr gesam­ter Appa­rat noch nötig ist. Sie haben ein Recht­fer­ti­gungs­pro­blem. Die phy­si­sche Erstel­lung des Wer­kes ist über­flüs­sig gewor­den im digi­ta­len Zeit­al­ter. Die Ver­brei­tung geschieht über Online-Por­ta­le, die Bewer­bung durch Mund­pro­pa­gan­da und Sharing. Nie­mand kauft mehr ihre Pro­duk­te: Bücher, Plat­ten, Video­kas­set­ten.  Und des­we­gen hat nie­mand den Ein­druck, den Ver­le­gern etwas schul­dig zu sein – im Gegen­satz zu den Urhe­bern wie Schrift­stel­lern, Kom­po­nis­ten, Musi­kern, Foto­gra­fen, Malern, Fil­me­ma­chern und Schau­spie­lern.

Rezi­pi­en­ten füh­len sich den Urhe­bern gegen­über durch­aus ver­pflich­tet. Man ist bereit, einen Obo­lus zu zah­len. Es sei denn, man bekommt die Datei von einem Freund, der sie bezahlt hat. Oder sie ist eh frei im Netz ver­füg­bar.

Ende des drit­ten Tages. Ver­le­ger­däm­me­rung. Anbruch einer neu­en Welt­ord­nung.

Der vier­te Tag bricht an

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