Ätschivederci Leistungsschutzrecht

Juni 28th, 2010 Kommentare deaktiviert für Ätschivederci Leistungsschutzrecht Autor: Ulf Schmidt

Heu­te fin­det die Anhö­rung des Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums zum The­ma Leis­tungs­schutz­recht (wiki­pe­dia) statt. Zei­tungs­ver­le­ger, IT- und Online-Ver­bän­de dis­ku­tie­ren mit­ein­an­der und mit dem Minis­te­ri­um die Fra­ge, ob und in wel­cher Wei­se die Leis­tun­gen von Zei­tungs­ver­la­gen im digi­ta­len Zeit­al­ter geschützt wer­den kön­nen. Ins­be­son­de­re was Zita­te (Copy+Paste, Abtip­pen — auch umfor­mu­liert?) und Über­nah­men angeht. Bei Car­ta (hier) wird die­se Ver­an­stal­tung live beb­loggt.

Da ich mir das Wochen­en­de über eini­ge Gedan­ken zum The­ma Leis­tungs­schutz, Urhe­ber­recht (wiki­pe­dia), Copy­right (wiki­pe­dia) usw. gemacht habe, ver­lin­ke ich auf die Debat­te. Und wer­de hof­fent­lich so weit kom­men, mei­nen Gedan­ken­gang in den nächs­ten Tagen wie­der­zu­ge­ben.

Mir ist — soviel vor­ab — aber zuneh­mend deut­lich, dass es für dias her­kömm­li­che Ver­lags­mo­dell kei­ner­lei Zukunft gibt. Die künst­li­che Unter­schei­dung zwi­schen Jour­na­lis­ten und Blog­gern (ein Kate­go­ri­en­feh­ler, der Kom­pe­tenz gegen Ver­triebs­platt­form stellt — ist ein blog­gen­der Jour­na­list ein blog­gen­der Jour­na­list oder schlie­ßen sich Jour­na­lis­mus und Blog­ger­tum aus?), der krampf­haf­te Ver­such sich an Zita­ten fest­zu­klam­mern und online zu ver­bie­ten, was off­line kein Pro­blem ist (wenn ich jeman­dem die Zei­tung lei­he, schen­ke, vor­le­se usw.) und der per­ma­nen­te Ver­such Urhe­ber­schaft und Ver­wer­tungs­recht (wiki­pe­dia) mit­ein­an­der  zu ver­man­schen und der Öffent­lich­keit in die Augen und Ohren zu schmie­ren, deu­ten dar­auf hin. So auch ein Ver­lags­ju­rist:

12.55h Ver­lags­ju­rist: Das gin­ge nur, wenn uns alle Jour­na­lis­ten aus­schließ­li­che Rech­te ein­räu­men wür­den. Genau das wür­den aber weder die Jour­na­lis­ten­ge­werk­schaf­ten noch die Ver­la­ge wol­len.

So ist es, das Allein­ver­wer­tungs­recht der Print­ver­la­ge ist ein Wunsch­traum. Die “Blog­ger” sind eine ande­re Ver­triebs­platt­form als die Print­zei­tun­gen. Und Jour­na­lis­ten tun gut dar­an, sich nicht auf das sin­ken­de Papier­schiff­chen allein zu ver­las­sen. Zei­tungs­ver­la­ge  müs­sen ver­ste­hen, dass ihr Ver­brei­tungs­mo­no­pol für Nach­rich­ten dahin schwin­det und sie sich ganz ande­ren “Kon­kur­ren­ten” gegen­über­se­hen. Dass die Ver­la­ge im Online-Sek­tor nur 200 Mil­lio­nen im Ver­gleich zu 9 Mil­li­ar­den im Print­be­reich erwirt­schaf­ten macht das auch dem letz­ten Zweif­ler deut­lich. Denn durch wel­ches Recht der Welt gau­ben die Zei­tungs­er­la­ge ihren Umsatz online ver­fünf­und­vier­zig­fa­chen zu kön­nen? Lächer­lich.

P.S. Und ein für alle Mal abge­wöh­nen kön­nen sich die Print-Herr­schaf­ten den her­ab­las­sen­den Blick auf Blog­ger. Klar gibt es hau­fen­wei­se Blogs, die aus schlech­ter Infor­miert­heit, dump­fer Mei­nung, Kat­zen­bil­dern oder was weiß ich bestehen. Aber bit­te sehr — Blitz Illu, Cou­pé, die Dicker­chen Para­de (hier) und der Stür­mer sind (oder waren) alle­samt Papier­pro­duk­te. Ver­wech­selt inhalt­li­che Qua­li­tät (vulo­go: Jour­na­lis­mus der Schrei­ber) nicht mit dem Medi­um!

UPDATE

Ein poin­tier­ter Arti­kel zum Leis­tungs­schutz­recht “Das Leis­tungs­schutz­recht ist ein Segen für das Netz” von Wolf­gang Michal auf Car­ta hier.

Wei­te­res Live­blog­ging für netzpolitik.org von Mat­thi­as Schind­ler hier oder hier.

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