Das Beben der Medialität

März 14th, 2010 Kommentare deaktiviert für Das Beben der Medialität Autor: Ulf Schmidt

Ers­te Vor­be­mer­kung: Im Win­ter 2004/5 beb­te die Erde irgend­wo auf dem Meer. Das Beben ver­ur­sach­te eine gigan­ti­sche Wel­le, brei­tet sich aus und brach­te hun­dert­tau­sen­de Men­schen um. Nicht das Ereig­nis hat getö­tet — die Wel­le, die dadurch aus­ge­löst wur­de, töte­te.

Zwei­te Vor­be­mer­kung: Im Jah­re 1755 zer­stör­te ein Erd­be­ben am Fest­tag Aller­hei­li­gen gro­ße Tei­le des streng katho­li­schen und gläu­bi­gen Lis­sa­bon und töte­te bis zu 100.000 Men­schen. Beson­ders  Kir­chen stürz­ten ein, das Rot­licht­vier­tel Alfa­ma aber blieb ver­gleichs­wei­se ver­schont. Die Fra­ge, wie ein all­mäch­ti­ger und güti­ger Gott die­ses tun oder zulas­sen konn­te, setz­te eine Debat­te in Gang, die als Auf­klä­rung die geis­ti­gen Grund­la­gen Euro­pas fun­da­men­tal ver­än­der­te.

Drit­te Vor­be­mer­kung: Am 11.9.2001 star­ben etwa 3.000 Men­schen als Flug­zeu­ge in die Tür­me des World Tra­de Cen­ter, das Pen­ta­gon und ein frei­es Feld stürz­ten. Durch Fern­seh- und Radio­über­tra­gung wur­de die gesam­te Welt in Schock­star­re ver­setzt.

Vier­te Vor­be­mer­kung: Im Sep­tem­ber 2008 muss­te die Bank Leh­mann Bro­thers Insol­venz anmel­den. Die Mel­dung brei­te­te sich in Blit­zes­schnel­le welt­weit aus und stürz­te die welt­wei­te Finanz­wirt­schaft und in der Fol­ge die Gesamt­wirt­schaft in eine tie­fe Kri­se. Mil­lio­nen Men­schen wur­den arbeits­los. Ende der Vor­be­mer­kun­gen.

Das Erd­be­ben von Lis­sa­bon Leh­man

Die Medi­en­de­bat­te scheint ein biss­chen aus dem Inter­es­se der Öffent­lich­keit (jeden­falls mei­nem) gerutscht zu sein. Baudril­lard und Co. hat­ten ihre “Kon­junk­tur” in den 80ern und 90ern. Simu­la­cren, Simu­la­tio­nen, McLu­han — ein biss­chen in die Jah­re gekom­men. Lang­wei­lig. Selbst James Bond konn­te sich nur noch mit etwas bemüh­ter Dra­ma­tur­gie dem Medi­en­za­ren gegen­über­stel­len. Das ist fatal. Denn die letz­ten bei­den gro­ßen Kri­sen (9/11 und Leh­mann — wenn nicht auch noch die New Eco­no­my Bla­se und ihr Plat­zen) sind media­le Kri­sen gewe­sen. Nicht ein­zel­ne gra­vie­ren­de Ereig­nis­se haben die­se Kri­sen ver­ur­sacht: Die ein­stür­zen­den World Tra­de Cen­ter waren in sich selbst kei­ne welt­kri­ti­schen Zie­le. Eben­so wenig war die Plei­te von Leh­mann an sich selbst ein kata­stro­pha­ler wirt­schaft­li­cher Scha­den. Die ein­sturz­be­droh­ten Ban­ken waren vor der Leh­mann-Plei­te in etwa genau­so ver­schul­det wie nach­her — jeden­falls sind es nicht die finan­zi­el­len Ver­lus­te der Leh­mann-Plei­te gewe­sen, die ande­re Ban­ken wie Hypo­Real, HSH, LBBW an den Rand des Abgrunds brach­ten. Und die New Eco­no­my ist auch nicht an sub­stan­zi­el­len Mel­dun­gen geschei­tert. Viel­mehr sind es die media­len Mör­der­wel­len gewe­sen, die rund um die Welt zogen und die Men­schen mit sich ris­sen. Die Infor­ma­ti­ons­wel­len haben getö­tet. Soweit die zuge­spitz­te The­se. Und es lei­tet sich dar­aus die Fra­ge ab: Wie umge­hen mit die­sen Wel­len. Und wie wei­te­re Tote umge­hen?

Nicht “die Medi­en” sind schuld

Natür­lich geht es nicht um ein­zel­ne fehl­ge­lei­te­te Medi­en. BILD-Zei­tung und Ber­lus­co­ni mal ganz bei­sei­te. Sie sind ein Pro­blem, aber nicht das wirk­li­che Pro­blem. (Übri­gens sind die­se bei­den auch eher Betrof­fe­ne, weil sie selbst von der nächs­ten Wel­le weg­ge­spült wer­den könn­ten, der Soci­al Media Wel­le — sie­he unten). Es geht auch gar nicht so sehr um das Pro­blem einer fehl­ge­lei­te­ten oder kri­tik­wür­di­gen Grund­strö­mung der Medi­en (jeden­falls nicht zunächst). Es geht um die glo­ba­li­sier­te Media­li­tät selbst. Jene Netz­schicht, die rund um den Erd­ball gespon­nen ist und in der sich Mel­dun­gen in Licht­ge­schwin­dig­keit aus­brei­ten. In der eine Neu­ig­keit aus Man­hat­tan schnel­ler in Syd­ney bekannt ist als in Brook­lyn. In der eine ein­zi­ge Foto­gra­fie oder ein ein­zi­ger Film in Mil­li­ar­den Augen und Köp­fe drin­gen kann. In Echt­zeit. In der die gesam­te Welt gleich­zei­tig vor Fern­se­hern sitzt, um Olym­pia und Fuß­ball zu schau­en. In der Unter­neh­mens­nach­rich­ten in Echt­zeit über­all ver­füg­bar, Akti­en­kur­se in Echt­zeit bekannt sind, Akti­en­käu­fe in Mil­li­se­kun­den abge­schlos­sen wer­den kön­nen. Und die gan­ze Welt schlag­ar­tig in pani­sche Star­re ver­fällt, weil zwei Hoch­häu­ser ein­stür­zen. Die­se Rea­li­täts­schicht der Media­li­tät ist es, die dazu zwingt, Medi­en zum Ge-Stell in Hei­deg­gers Sin­ne zu machen. Ein Hin­ge­stell­tes, dem sich fra­gend zu stel­len ist. Oder so (eigent­lich inter­es­siert mich Hei­deg­ger dabei weni­ger als die Media­li­tät).

Luh­manns Rea­li­täts­kon­struk­ti­on

Luh­manns “Rea­li­tät der Mas­sen­me­di­en” hat wun­der­bar les­bar die Rea­li­täts­kon­struk­ti­on der Mas­sen­me­di­en in den Vor­der­grund gerückt. Die kri­ti­sche Per­spek­ti­ve ist dabei aller­dings nicht, dass die Kon­struk­ti­on als Kon­struk­ti­on auf­ge­deckt und einer “Rea­li­tät” gegen­über­ge­stellt wür­de (im Sin­ne eines: Die Medi­en lügen doch eh alle nur). Son­dern die not­wen­di­ge Kon­stru­iert­heit des Welt­bil­des durch die Medi­en. Wers noch nicht gele­sen hat, möge es tun: “Die Mas­sen­me­di­en erzeu­gen eine tran­szen­den­te Illu­si­on.” (Luh­mann, Rea­li­tät der Mas­sen­me­di­en, 14). Ist so. Punk­tum. Und es ist auch so, dass die­se Rea­li­täts­kon­struk­ti­on gewis­sen Kon­struk­ti­ons­re­geln (unter ande­rem dem jour­na­lis­ti­schen Codex, der maxi­ma­len Län­gen­gren­zen für Nach­rich­ten­bei­trä­ge, Regeln des guten und hand­werk­lich sau­be­ren Schnit­tes, Cadra­ge, Kom­men­tar, der Inte­grier­bar­keit in ein Gesamt­bild usw.) unter­liegt. Das heißt aber nicht, dass den Mas­sen­me­di­en unbe­dingt (jeden­falls nicht allen!) Mani­pu­la­ti­on vor­ge­wor­fen wer­den kann — weil Mani­pu­la­ti­on der Grund­pro­zess die­ser Kon­struk­ti­on ist. Und für Luh­mann ist (das lässt sich hier lei­der nicht dis­ku­tie­ren — wie­wohl es reizt) jede “Rea­li­tät” eine Kon­struk­ti­on. Span­nen­der sind sei­ne Aus­füh­run­gen zur “Themen”-Werdung von Inhal­ten. Wie ent­spin­nen sich Geschich­ten, wie rei­hen sich Sen­dun­gen anein­an­der, wel­che Kar­rie­ren haben “The­men” — und wie ent­ste­hen sie. War­um wird die eine Mel­dung zum The­ma, die ande­re bleibt Mel­dung? Wun­der­bar lesens­wert die Aus­füh­run­gen über die von Luh­mann fest­ge­stell­ten inter­nen Mecha­nis­men der Nach­rich­ten­me­di­en usw.

Aber hier und mir geht es letzt­lich um ande­res, unter­halb die­ser tran­szen­den­ta­len Illu­si­on lie­gen­des. Näm­lich die glo­ba­le Ver­net­zung der Medi­en, und die Ein­schlä­ge der sym­bo­li­schen Akte, in der die “Gegen­stän­de” der Nach­richt zurück­tre­ten hin­ter die sym­bo­li­sche Macht. In der die Mel­dung nicht ist, dass ein Staats­prä­si­dent ermor­det wird — son­dern der Selbst­mord­an­schlag auf Namen­lo­se in der Fer­ne. In der es nicht dar­um geht, dass der zen­tra­le Schluss­stein eines Wirt­schafts­ge­bäu­des zusam­men­bricht (das wäre Ein­schlä­ge im Ratio­na­len) — son­dern der Zusam­men­bruch eines eigent­lich aus­tausch­ba­ren Insti­tu­tes. Als Jür­gen Schnei­der in Frank­furt auf­flog und Plei­te mach­te, riss er unzäh­li­ge mit­tel­stän­di­sche Sub­un­ter­neh­mer in den Abgrund. Aber er brach­te die Welt­wirt­schaft nicht ins Wan­ken. Die Leh­mann-Plei­te wird ver­mut­lich nicht all­zu vie­le Exis­ten­zen ver­nich­tet haben — ich jeden­falls habe davon nicht viel mit­be­kom­men. Aber sie hat die Welt­wirt­schaft fast umge­ris­sen. Schnei­der ist ein loka­les Beben mit lokal Betrof­fe­nen. Ohne media­le Zwi­schen­kunft (mit Luh­mann könn­te man über Geld als Medi­um … las­sen wir hier). Leh­man ist ein glo­ba­ler Medi­ents­u­na­mi. (Ich bin lei­der nicht tief genug in der Mate­rie, um behaup­ten zu kön­nen, dass die finan­zi­el­len Impli­ka­tio­nen der Leh­man-Plei­te in etwa gleich der Enron-Plei­te waren, die aller­dings nicht die Welt­wirt­schaft bedroh­te).

Die Wel­len­welt der Media­li­tät

Die media­le Nach­richt schlägt in  der Ord­nung des Ima­gi­nä­ren ein. Das media­le Ereig­nis ist aus der Ord­nung des Sym­bols — als logi­sche Kon­se­quenz. Nicht das berich­te­te Ereig­nis selbst und als sol­ches hat Ein­fluss auf das Leben der Zuschau­er. Es ent­fal­tet erst als sym­bo­li­sche Mög­lich­keit sei­ne Kraft — und zwar in der Ima­gi­na­ti­on des Zuschau­ers. Weder das WTC noch der Tsu­na­mi in Thai­land noch die Selbst­mord­at­ten­ta­te isla­mis­ti­scher Fun­da­men­ta­lis­ten haben die­se Direkt­aus­wir­kung — so vie­le Tote sie auch immer ver­ur­sa­chen. Im Gegen­teil: Die Betrof­fe­nen und ihre direk­ten Ange­hö­ri­gen wer­den sich die­sen Bil­dern ver­mut­lich nicht aus­set­zen. Erst das Sym­bo­li­sche, was durch das Ereig­nis trans­por­tiert wird: die Ver­letz­lich­keit des Men­schen, die All­macht von Ter­ro­ris­ten, die Fra­gi­li­tät des Sicher­heits­ge­fühls, die Labi­li­tät des Wirt­schafts­sys­tems machen die­se Bil­der zu welt­wei­ten Mel­dun­gen. Es ist das Sym­bo­li­sche, das sich über die Medi­en­wel­len aus­brei­tet und sei­ne Wir­kung an jedem Ort der Welt ent­fal­tet. Und es ist die Ima­gi­na­ti­on, die emp­fäng­lich ist für die­se Bot­schaf­ten. Anders gesagt: Die Phan­ta­sie — nicht die Ratio oder das Den­ken. Denn der Zuschau­er nimmt nicht Fak­ten ent­ge­gen — er nimmt das Sym­bo­li­sche wahr und sieht ent­we­der sei­ne eige­ne Begrenzt­heit in einer mög­li­chen ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on. Oder er erkennt die Fra­gi­li­tät des Gesamt­sys­tems in dem er lebt. Das eben ist der Ver­gleichs­grund für das Erd­be­ben von Lis­sa­bon. Die­se Sym­bo­le brin­gen die Grund­la­gen der Welt jen­seits lokal begrenz­ter See­be­ben ins Schwan­ken. Und sie sind dem ver­nünf­ti­gen Nach­den­ken nur begrenzt greif­bar, weil sie dazu nei­gen, es emo­tio­nal zu unter­lau­fen und die Grund­la­gen des Den­kens bzw. des In-der-Welt-Seins angrei­fen. Media­le Kri­sen sind (wie auch die Ban­ken­kri­sen) Kri­sen des Ver­trau­ens.

Nun brei­ten sich die­se Medi­en­wel­len aber nicht nur zu Zei­ten von sym­bol­fä­hi­gen oder sym­bol­haf­ten Ereig­nis­sen welt­weit aus. Son­dern die Wel­len­welt der Medi­en ist auf Dau­er­sen­dung. Und sie hat selbst dann, wenn sie sich nicht zu Medi­alts­u­na­mis addiert zumin­dest eine oder meh­re­re Strö­mun­gen, die von nicht gerin­ger Wir­kung sind. Eine die­ser Strö­mun­gen ist das Pri­mat des Wirt­schafts­den­kens, das in den letz­ten Pos­tings der Wis­sen­schaft und Wirt­schaft, ins­be­son­de­re aber der Wirt­schafts- und Gesell­schafts­wis­sen­schaft ange­krei­det wur­de. Bei des­sen Betrach­tung aber die Media­li­tät ver­mut­lich viel wich­ti­ger ist.

Die Wirt­schafts­strö­mung der Medi­en­wel­le.

Stei­le aber sehr simp­le The­se: Die Mas­sen­me­di­en ver­stär­ken das Pri­mat der Wirt­schaft, weil sie in den letz­ten 10–15 Jah­ren ihre eige­ne Wirt­schaft­lich­keit immer stär­ker zu spü­ren bekom­men. Schmerz­lich. Nun waren Zei­tun­gen noch nie­mals unko­m­erzi­el­le Ver­an­stal­tun­gen. Es gab schon immer Medi­en­mo­gu­le — und es war schon immer erklär­tes Ziel von Her­aus­ge­bern und Ver­la­gen, Geld mit Zei­tun­gen zu ver­die­nen.

Aber seit­dem die so genann­ten Neu­en Medi­en das bestehen­de Sys­tem nach­hal­tig durch­ein­an­der brin­gen, gan­ze Medi­en­kon­zer­ne an den Abgrund gera­ten, Redak­tio­nen ver­klei­nert, zusam­men­ge­legt, auf­ge­löst wer­den, dringt die Fra­ge der Wirt­schaft­lich­keit in jeden Redak­teurs­kopf ein. Jeder Schrei­ber hat nun — wie bewusst auch immer — als her­aus­ra­gen­des Ziel die Pro­fi­ta­bi­li­tät sei­nes Tuns im Kopf. Und sei es nur, um zu ret­ten, was an Redak­ti­on und Unab­hän­gig­keit noch zu ret­ten ist. Und mit einem sol­cher­lei wirt­schafts­ori­en­tier­ten, ver­mut­lich ganz und gar nicht angst- oder sor­gen­frei­en All­tag ist halt schlecht anders den­ken als wirt­schaft­lich. Ver­ständ­lich. Aber nicht akzep­ta­bel: Ist also die Fra­ge, ob die Welt­wirt­schafts­kri­se eine simp­le Fol­ge der Medi­en­kri­se ist …?

Die “neue Wel­le” der Soci­al Media

Span­nend — um zum vor­läu­fi­gen Abschluss die­ses The­mas zu kom­men — ist nun­mehr, dass noch bevor die Wel­len­welt der Media­li­tät wirk­lich ver­stan­den und für das All­tags­ver­ständ­nis der Men­schen hand­hab­bar wur­de, bereits eine ent­schei­den­de Ver­än­de­rung durch die Mög­lich­keit eige­ner Publi­ka­ti­on im Netz ein­trat. So wie hier, in die­sem Blog. Noch vor 15 Jah­ren wäre unmög­lich gewe­sen, was heu­te mög­lich ist. Dass poten­zi­ell Mil­li­ar­den Men­schen auf die­sen Text hier zugrei­fen kön­nen. Dass sich Mei­nungst­s­u­na­mis bil­den, wie es die Cha­os­theo­rie über das Wet­ter beschrieb. Der Schmet­ter­lings­flü­gel­schlag, der einen Orkan aus­lö­sen kann — in einem ande­ren Teil der Welt. “Ripp­le Effect” wird es in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­theo­rie genannt, wenn ein Mensch einen Stein ins Was­ser wirft, der klei­ne Wel­len bil­det — und sich mit einer Viel­zahl wei­te­rer klei­ner Wel­len genau so trifft, dass sich ihre Höhe addiert zu einer gro­ßen Wel­le. Abge­se­hen davon, dass das die wirt­schaft­li­che Panik bestehen­der Medi­en noch wei­ter ver­schärf­ten wird — bil­den sich neue Mach­zen­tren (wobei es kei­ne Zen­tren mehr gibt), die in kür­zes­ter Zeit per Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on über SMS-Lis­ten, Twit­ter, Blogs usw. eine media­le Reich­wei­te erzie­len wie sie vor zwei Jahr­zehn­ten nur die größ­ten Mas­sen­me­di­en oder die sym­bo­lischs­ten The­men. Ist die­ses nur ein sym­bo­li­sches The­ma? Ist also die­se dis­si­pa­ti­ve sym­bo­li­sche Ord­nung ledig­lich eine Nach­richt, die dem Ein­schlag ins WTC ent­spricht? Sind die Mel­dun­gen über Twit­ter-Grass­root-Jour­na­lism aus dem Iran ledig­lich sym­bo­li­sche Anschlä­ge auf das Ver­trau­en in die eige­ne Macht von Macht­ha­bern? Oder bil­det sich hier gera­de eine neue Medi­en­welt her­aus, die sich dezen­tral selbst orga­ni­siert und ihre The­men durch Klicks und Ret­weets bil­det?

Haben wir es — um den Arti­kel zu schlie­ßen und dabei das The­ma offen zu las­sen: mit dem nächs­ten Beben namens Twit­ter zu tun? Oder ist Twit­ter und Co. nur eine Mel­dung der tra­di­tio­nel­len Medi­en, mit dem sie ein Ver­trau­en in nach­hal­ti­gen Zwei­fel brin­gen. Bringt sich mit ihren Mel­dun­gen über Twit­ter die Medi­en­welt selbst ins Wan­ken? Lässt hier Zeus selbst den Olymp beben? Das wären die zukünf­tig zu beob­ach­ten­den Fra­gen.

Zuvor aber gilt es die Media­li­tät in den Blick zu neh­men. Und — welch Über­ra­schung — ich glau­be, dass nur Thea­ter in der Lage ist, die Media­li­tät zu reflek­tie­ren. Weil Thea­ter im Gegen­satz zu Buch, Zei­tung, Radio, Fern­se­hen, Inter­net, Blog, Twit­ter usw. einen gewal­ti­gen Vor­teil hat. Thea­ter ist kein Medi­um.

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