Das Politische in der Dramatik — ein spannender Diskussionsbeginn

Juni 16th, 2010 Kommentare deaktiviert für Das Politische in der Dramatik — ein spannender Diskussionsbeginn Autor: Ulf Schmidt

Irgend­wo auf den Mühl­heim-Sei­ten von nacht­kri­tik, in die ich mich (lei­der!) nur zufäl­lig ver­irrt bzw. gefun­den habe, fand ich (hier) einen sehr span­nen­den Dis­kus­si­ons­an­satz zum The­ma poli­ti­sche Reflek­tiert­heit von Dra­men, “phä­no­me­no­lo­gi­sche” clo­se descrip­ti­on ver­sus begriff­lich-sys­te­ma­tisch struk­tu­rier­tem Den­ken von Zusam­men­hän­gen. Dis­ku­tan­ten immer­hin Oli­ver Bukow­ski, Nis-Mom­me Stock­mann und der Kri­ti­ker Chris­ti­an Rakow, des­sen (jeden­falls aktu­ell) letz­ten Satz ich in sei­ner Stoß­rich­tung nur voll unter­stüt­zen und bejah­ren kann.

In einem hal­te ich die aktu­el­le Ent­wick­lung wirk­lich für pro­ble­ma­tisch: im (öko­no­misch for­cier­ten) Zwang, klei­ne Zei­chen zu pro­du­zie­ren, die allen­falls rau­nend auf exem­pla­ri­sche Zusam­men­hän­ge ver­wei­sen. Das degra­diert Kunst auf Dau­er zum x-belie­bi­gem, ephe­me­ren Gebrauchs­gut, zu dem man “Ja, so isses” sagt und anschlie­ßend lie­ber über­legt, zu wel­chem Ita­lie­ner man jetzt essen gehen möch­te.

Und wenn ich dann bei der Abschluss­dis­kus­si­on in Mül­heim höre, dass man die­se klein­tei­li­ge pop-up Mach­art für einen neu­en Schub an Poli­ti­sie­rung, für eine neue Form von “Gewicht” in der Gegen­warts­dra­ma­tik nimmt, dann hört genau dort mein Rela­ti­vis­mus auf. Nein, Poli­tik heißt, Zusam­men­hän­ge den­ken zu wol­len, und nicht allein Frag­men­te von Bedeut­sam­keit anzu­rei­ßen. Und das kön­nen im Übri­gen auch rea­lis­ti­sche Wer­ke, da gebe ich Oli­ver Bukow­ski Recht. Dis­kurs­fes­tig­keit ist nicht allein dem “Dis­kurs­thea­ter” vor­be­hal­ten. (ebd)

Sol­che Debat­ten bräuch­te es aus­führ­li­cher, begriffs­fes­ter, kon­kre­ter und in durch­aus schär­fe­rer Zuspit­zung. Eben­so die Bereit­schaft, zu einem fast schon pathe­tisch anmu­ten­den, aber voll­kom­men und in jeder Hin­sicht zu begrü­ßen­den Satz wie dem hier fett her­vor­ge­ho­be­nen. Cha­peau, Herr Rakow! Dass ich mit der For­mu­lie­rung “Beschrei­bun­gen von Wirk­lich­keit” enor­me Schwie­rig­kei­ten habe, sei den­noch bemerkt.

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