Die vier Räume des Theaters: Möglichkeitsraum, Denkraum, Erfahrungsraum, Spielraum. Ein Gedankenspiel.

Mai 29th, 2010 Kommentare deaktiviert für Die vier Räume des Theaters: Möglichkeitsraum, Denkraum, Erfahrungsraum, Spielraum. Ein Gedankenspiel. Autor: Ulf Schmidt

Mög­lich­keits­raum: Als Raum im Raum ist Thea­ter nur Thea­ter wenn Mög­li­ches wirk­lich, Wirk­li­ches anders mög­lich wird. Die Unter­bre­chung des sozia­len Raum­kon­ti­nu­ums durch die Dif­fe­renz zwi­schen Vor­stel­lern und Zuse­hern eröff­net die­sen Mög­lich­keits­raum, der durch sei­ne Öff­nung das Mög­li­che zeigt. Tra­di­tio­nell kann der Mög­lich­keits­raum etwa der Fik­ti­ons­raum sein, der Raum, der zwar da aber anders als da, weil eben anders mög­lich, ist. Die Büh­ne, die nicht die Büh­ne, son­dern der Hof Däne­marks sein kann. Zugleich aber kann die­se Büh­ne Büh­ne und nicht Däne­mark sein. Zeigt aber als Büh­ne wie­der ein Mög­li­ches, das jeder­zeit anders sein könn­te, und das so ist, wie es ist, weil auf der Büh­ne ande­res mög­lich war und ist.

Denk­raum: Indem der Mög­lich­keits­raum Mög­li­ches mög­lich zeigt, gibt er zum  Den­ken Anlass. Sei es nur, dass es so sein könn­te. Dass es so ist, das es anders ist oder noch nicht ein­mal anders ist, weil auch das Nicht­an­de­re natür­lich mög­lich ist – dass lässt den­ken. Und die­ses Den­ken schwankt jeder­zeit hin­über, mal zum Bloß­den­ken, mal zum Fast­nicht­den­ken im Erfah­rungs­raum.

Erfah­rungs­raum: Ist Thea­ter sofern ohne jedes Sinn­li­che Thea­ter nicht sein kann. Dadurch aber, dass die­ses Sinn­li­che sich im Mög­lich­keits­raum befin­det, ist dasSinn­li­che nicht ein­fach nur sinn­lich und da. Son­dern es ist als vor­han­de­nes Sinn­li­ches, ein ver­wirk­lich­tes Mög­li­ches, das auch anders hät­te sein kön­nen. Und die­ses inten­si­ve „so ist es“ schwankt ins „hät­te anders sein kön­nen“ und wie­der zurück.

Spiel­raum: Anders als die Medi­en ist der Mög­lich­keits­raum auch Spiel­raum, in dem nicht nur abge­schlos­sen von dem Zuse­her­raum gespielt wird, son­dern eben bewusst mit dem Zuse­her­raum. Ein dop­pel­tes Spiel also, das spielt, es wüss­te nicht, dass es ein Jen­seits des Mög­lich­keits­rau­mes gibt (das illu­sio­nä­re Spiel), und das zugleich sich doch die­sem Jen­seits (auch in der illu­sio­närs­ten Guck­kas­ten­büh­ne) bewusst zuwen­det. Und sei es nur, um gese­hen, gehört und ver­stan­den zu wer­den.

In die­sen vier Raum­di­men­sio­nen (und viel­leicht in noch meh­re­ren) spielt sich Thea­ter wohl ab. Wei­te­res ist dem nach­zu­den­ken. Auch wenn es viel­leicht nicht ganz neu erscheint.

Jeden­falls kann nur in sträf­li­cher theo­re­ti­scher Ver­nach­läs­si­gung von einer die­ser Dimen­sio­nen abge­se­hen wer­den. Der theôros hat die vier Räu­me zu beschau­en.

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