Die Welt im Zeitalter ihrer technischen Referenzierbarkeit #MediaDivina

März 17th, 2013 § 6 comments Autor: Ulf Schmidt

Welt wird nicht repro­du­ziert im tech­ni­schen (Fernseh-)Zeitalter, ver­liert auch nicht ihre Aura. Sie wird viel­mehr zitier­bar – und ver­wan­delt dabei, wie es jedes Zitat tut, die zitier­te Welt in eine Auto­ri­tät. Aura­ti­zi­tät. Und pro­du­ziert zugleich eine bedeu­tungs­lo­se Welt.

Fern­se­hen ist nicht (allein) auf die Signi­fi­kanz sprach­li­cher Zei­chen ange­wie­sen, die immer schon unter dem Vor­zei­chen der Abwe­sen­heit stand und nur die vor­ma­li­ge Anwe­sen­heit des Schrei­bers als schrift­li­che Spur der Geschrie­ben-habens bzw. Geschrie­ben-Seins durch … andeu­tungs­wei­ser ver­bürgt. Fern­se­hen kann die Signi­fi­kanz nut­zen – und tut es in dem Maße, wie es dar­um geht, die Abwe­sen­heit in das Anwe­sen­de des Bil­des hin­ein­zu­brin­gen. Wo es also etwa dar­um geht das Abs­trak­te, Idea­le oder Ide­el­le ins Bild zu brin­gen, ohne es sicht­bar zu machen, es also auf­zu­la­den.

Fern­se­hen erfüllt zudem den Traum der an der Unzu­läng­lich­keit sprach­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on seit alters Ver­zwei­feln­den, mit Din­gen spre­chen zu kön­nen, die zu Zei­chen ihrer selbst in der Abbil­dung wer­den. Nen­nen wir die­se Funk­ti­on die refe­ren­ti­el­le Funk­ti­on, in der das Zei­chen auf das zeigt, von dem es redet und in der es selbst zugleich zeigt, wovon es redet. Es weist nicht nur auf das Gezeig­te wie der aus­ge­streck­te Zei­ge­fin­ger. Son­dern es weist das Gezeig­te zugleich auf als Bild. Und die­ses Bild oszil­liert nun­mehr unauf­hör­lich zwi­schen dem Sta­tus, Zei­gen­des und Gezeig­tes zu sein.

So wie das Zitat zugleich Aus­schnitt aus einem ande­ren Text und prä­sen­tier­ter Ein­schub in einen Text ist, einer­seits auf sei­ne Her­kunft ver­weist (jeden­falls sofern die Regeln guten, etwa wis­sen­schaft­li­chen Zitie­rens, ange­wandt wer­den) und gleich­zei­tig im zitie­ren­den Text als Teil steht, zugleich also dort ist und hier, so ist das Fern­seh­bild als Zitat zugleich Ver­weis auf ein Dort und Hier, als es zugleich Nach­bild jenes Herr­schers dort (und vor allem auch: damals) und Herr­scher­bild hier (und jetzt) ist. Der Kame­ra­mann geht „da“ hin, damit das, was er sieht, hier ist. Und spä­tes­tens auf der Ebe­ne der Netz­haut des Wahr­neh­men­den beginnt, die theo­re­tisch her­ge­stell­te Dif­fe­renz von „da und damals“ und „hier und jetzt“ zu ver­schwim­men und zu ver­lö­schen.

Das Da-Bild ist über­all hier, wo das Da im Bild zitiert und das Bild prä­sen­tiert, zur Prä­senz, zum Prä-Sen­sus gebracht wird und das Damals-Bild ist sowohl (poten­zi­ell) immer, als auch (aktu­ell) gera­de jetzt – ein­ge­schränkt nur und so lan­ge, wie die Min­der­zahl der Kanä­le des Fern­se­hens dafür sorgt, dass nicht alle Da-Bil­der par­al­lel hier, nicht alle Damals-Bil­der gleich­zei­tig jetzt hier und jetzt sein kön­nen, son­dern redak­tio­nell aus­ge­wählt wer­den müs­sen. Der Zuschau­er ist ein poten­zi­ell alles-jetzt-Seher.

Sofern aber das im Rah­men des Fern­se­hers ein­ge­kas­te­te Bild sich von der Umge­hung des Fern­se­hers unter­schei­det, einen Bruch, eine Dif­fe­renz mar­kiert, die etwa durch die Ein- und Aus­schalt­bar­keit des Fern­seh­bilds noch bestärkt wird, die als ope­ra­ti­ve Rah­mung gleich dem Rah­men des Kas­tens dient, so lan­ge behält das Fern­seh­bild noch einen Rest an Zei­chen­ver­wei­sung. Solan­ge also nicht das Sen­de­bild direkt auf die Reti­na pro­ji­ziert wird und für den Zuschau­er unab­schalt­bar und unum­schalt­bar wird, er also nicht umhin­kä­me, es für einen car­te­si­schen Traum hin­zu­neh­men, an dem er nur Zwei­fel, aus dem er aber nicht mehr erwa­chen könn­te, so lan­ge erhält und bekommt es für ihn einen Rest des Zita­tes einer Welt dort und damals, die jetzt und hier durch refe­ren­zi­el­le Zei­chen vor­ge­führt, durch signi­fi­zie­ren­de Kom­men­ta­re erhöht wird – und sorgt damit dafür, dass die Welt im Zeit­al­ter ihrer tech­ni­schen Refe­ren­zier­bar­keit als Zitier­te zur Auto­ri­tät jen­seits der bana­len Umge­bungs­welt des Fern­seh­kas­tens wird. Eine Welt, die sowohl durch die bewuss­te Aus­wahl des Sen­de­bil­des als bedeu­tend mar­kiert und durch den Kom­men­tar mit Bedeu­tung auf­ge­la­den wird. Eine Welt, die der Zuschau­er anders sieht, als jene unbe­deu­ten­de (weil nicht aus­ge­wähl­te) und bedeu­tungs­lo­se (weil unkom­men­tier­te) Welt um ihn und den Fern­se­her her­um und dazwi­schen. Die Fern­seh­welt ist auf­ge­la­den mit jener Aura der Bedeu­tung, deren Feh­len in der Welt um den Fern­se­her her­um umso schmerz­li­cher als Ent­zug sicht­bar wird, wie sie im Fern­se­her prä­sen­tiert wird.

§ 6 Responses to Die Welt im Zeitalter ihrer technischen Referenzierbarkeit #MediaDivina"

  • Fritz sagt:

    Ich fin­de die­se Gedan­ken hoch inter­es­sant, ins­be­son­de­re dass in der unver­meid­li­chen Aus­chnitt-Aus­wahl der Keim dazu liegt, dass die Bil­der “Auto­ri­tät” bekom­men, also für wich­tig und wich­tig machend gehal­ten wer­den.
    Ich hät­te nur 3 Fra­gen.
    (1) Die Zitier­bar­keit des Anblicks der Welt ist ja schon dem Foto eigen, spä­ter auch dem Film. Wo ist die Dif­fe­renz zum Fern­se­hen?
    (2) Bedarf die Ver­wand­lung der Welt in in eine Auto­ri­tät durch das Zitie­ren in Bild und Ton nicht auch noch eines spe­zi­fi­schen Bewusst­seins des Publkums, vor allem des Bewusst­seins, dass das, was ich sehe, allen gezeigt wird und von allen gese­hen wird? Und des Glau­bens, dass “alle dar­über reden”? Es gibt da ja deut­li­che Unter­schie­de im Auto­ri­täts­rang. Die Macht zur Auto­ri­täts­bil­dung ist beim Mini-Lokal­sen­der nahe bei Null, trotz glei­cher Bild­qua­li­tät. Die vol­le Hys­te­rie der “Autor­täts­gläu­big­keit” scheint nicht nur vom Appa­rat abzu­hän­gen und dem Ein­zel­nen, son­dern auch von der fern­seh­ty­pi­schen Kon­stal­la­ti­on “Bil­der, die alle sehen”. Gut zu beob­ach­ten auch am Pro­mi­sta­tus von Schau­spie­lern oder Mode­ra­to­ren, der direkt kor­re­liert mit dem Ein­druck (!) ihrer Bekannt­heit. (Aber es scheint Fakt zu sein, dass nie­mand pro­mi­nent ist (für wich­tig gehal­ten wird), der nicht im TV zu sehen war.)
    (3) Die drit­te Fra­ge liegt natür­lich nahe: Wie sieht es bei You­tube aus? Da herrscht ja ein unvor­stell­ba­res Gedrän­gel — jeder möch­te mal Auto­ri­tät sein bzw. Auto­ri­tät machen. Wirk­lich jeder: Fir­men, Teen­ager, kau­zi­ge Con­sul­tants, korea­ni­sche Karao­ke-Sän­ger etc. Die Aus­wahl fin­det dabei qua­si durchs Publi­kum selbst statt und ver­liert dadurch — trotz reich­lich Zitie­ren der Welt — die Fähig­keit, noch als wich­tig wahr­ge­nom­men zu wer­den. “Ich bin auf You­tube zu sehen” krib­belt ein biss­chen den Nar­ziss­mus, aber “Auto­ri­tät” ent­steht dabei — per se — über­haupt nicht. (Wobei beim Spei­cher-Fern­se­hen ja noch eine ande­re Deter­mi­nan­te hin­zu­kommt, die dem Fern­se­hen gera­de fehlt, näm­lich die “Ver­ewi­gung” des zitier­ten Anblicks, ähn­lich wie in Fotos und Schrift). Ist es beim Zie­ren nicht auch eine Fra­ge, wer zitiert?
    Zum Schluss will ich nur auf eins hin­wei­sen, wo mög­li­cher­wei­se auch noch ein gedank­li­ches Pro­blem lie­gen könn­te (wenn man die Ket­te geht “TV-Bild ist Zitat”, “Zitat gebiert Auto­ri­tät”, “TV-Bild gebiert Auto­ri­tät”), näm­lich dass ein Schrift­zi­tat sich nicht selbst bewei­sen kann und man sogar bei jedem Zitat wis­sen will, wo es her­kommt, um es im Zwei­fels­fall über­prü­fen zu kön­nen — man weiß sehr deut­lich, dass es “aus dem Zusam­men­hang geris­sen” ist), wäh­rend ein Blick auf die Welt im Gegen­teil eine unschlag­ba­re Wahr­heits­sug­ges­ti­on ent­hält, so dass der Betrach­ter es eben psy­chisch fast schon für die Sache selbst hält: See­ing is belie­ving. Oder anders gesagt: Gemein­hin kriegt man es nicht fer­tig, TV-Bil­der für nicht wahr zu hal­ten. Es ist viel­leicht nur eine Nuan­ce, weil die Geschich­te in semio­ti­scher Betrach­tung “oszil­liert”, aber die Auto­ri­tät kommt viel­leicht weni­ger aus dem Zitiert­wer­den als aus dem Für­wahr­hal­ten.

  • Postdramatiker sagt:

    Vie­len Dank, das freut mich. Ich wür­de dir dei­ne Fra­gen alle sehr ger­ne stan­te pede beant­wor­ten. Und tat­säch­lich lägen ver­mut­lich schon Ant­wor­ten parat, die ich letzt­lich aber unbe­frie­di­gend fin­de — wes­we­gen ich in den Pos­tings ja ver­su­che, das Rät­sel des Fern­se­hens und sei­ner gewal­ti­gen (Anziehungs-)Kraft, die eine Fern­seh­ge­sell­schaft als Nach­fol­ger der Buch­druck­ge­sell­schaft ent­ste­hen ließ, zunächst ein Stück weit offen zu hal­ten.
    Zu die­sem Rät­sel gehört auch, dass die Groß­meis­ter der Buch­druck­ge­sell­schaft, nen­nen wir sie Intel­lek­tu­el­le, Wis­sen­schaft­ler, Aka­de­mi­ker so Weni­ges und zugleich so viel Unbe­deu­ten­des über das Fern­se­hen zu sagen haben. Dass die wirk­lich lesens­wer­te “Lite­ra­tur” zum Fern­se­hen ver­mut­lich auch zwei Regal­bret­tern, die Gesamt­li­te­ra­tur in zwei Schrän­ken Platz hät­te. Auch dies offen zu hal­ten als Rät­sel.
    Um nicht gänz­lich unbe­frie­di­gend zu ant­wor­ten, ein paar ten­ta­ti­ve Gedan­ken:
    — Der Unter­schied zu Foto und Film. Viel­leicht liegt er im Auf­zeich­nungs- ver­sus Live-Cha­rak­ter. Viel­leicht mischen sich Doku­men­ta­ti­on des Bedeu­ten­den der Ver­gan­gen­heit in die eine Rich­tung, Doku­men­ta­ti­on des Jetzt mit anschlie­ßen­dem sofor­ti­gem Ver­ges­sen beim Fern­se­hen hin­ein. Inter­es­sant auch, dass Fern­se­hen natür­lich Fotos und Fil­me zei­gen kann — ver­än­dern die­se sich bei ihrem Wech­sel ins Fern­se­hen? Legt der Fern­seh­be­richt eine wei­te­re Ebe­ne dar­über? Ist der Film im fern­se­hen ein Film oder ein Bericht über einen Film? Die­se Din­ge gehen mir durch den Kopf — zu Ant­wor­ten tau­gen sie noch nicht.
    — Das “allen-Gezeigt-Wer­den”: Ver­mut­lich ein wich­ti­ger Punkt, ja. Fern­se­hen stellt ein über­re­gio­na­les Reser­voir an poten­zi­el­len Gesprächs­re­fe­ren­zen bereit. Erleb­bar auf den Schul­hö­fen der 70er und 80er Jah­re, wo das Pro­gramm des Vor­abends Gesprächs­the­ma, der Fern­seh-Depra­vier­te aus­ge­schlos­sen war. Eine his­to­risch ein­zig­ar­ti­ge Situa­ti­on, die dar­in gip­felt, dass alle Zuschau­er eines Sen­de­be­reichs gemein­sa­me “Bekann­te” haben. Vom All­gäu bis an die Nord­see. Auch hier gilbt es noch viel wei­ter zu über­le­gen. Man könn­te sich fra­gen, ob seit den 60ern die Kul­tur­na­ti­on eine Pro­gramm­na­ti­on gewor­den ist, ob also das, was man kul­tu­rel­le Iden­ti­tät zu bezeich­nen pflegt, sich wesent­lich aus dem Kon­sum der­sel­ben Kin­der­sen­dun­gen speist. Von Plum­per­quatsch über Tho­mas und Zini, die Vor­stadt­kro­ko­di­le, Ernie und Bert.
    — You­Tube eröff­net den Blick über die Media­Di­vina hin­aus. Und viel­leicht macht es ihn mög­lich. Viel­leicht ist die­se Ent­wick­lung von der Fern­seh- zur Netz­ge­sell­schaft der Schritt von der Media­Di­vina zur Media­Hu­ma­na — oder Media­Trans­hu­ma­na? Ich kann es dir nicht sagen. Aber es regt an.
    — Wahr­heit — damit rührst du natür­lich ans Fun­da­men­tals­te. Ich schla­ge mich schon seit eini­gen Tagen mit einem Pos­ting zum The­ma “Wahr­heit und Fern­se­hen” her­um. Glau­be mir — da klafft unter jedem Satz ein Riss. Auf den siche­ren Gang der Wis­sen­schaft bin ich damit noch nicht gera­ten. Denn inter­es­san­ter­wei­se mischt Fern­se­hen auf tech­nisch und his­to­risch sehr varia­ble Wei­sen Inhal­te, die zwi­schen Fakt und Fikt oszil­lie­ren.
    Inso­fern kann ich mich momen­tan nur bedan­ken für die Fra­gen und aufs Wei­ter­ma­chen hof­fen.

  • Ingmar sagt:

    “Und eben dies ist der Inter-Text: die Unmög­lich­keit, außer­halb des unend­li­chen Tex­tes zu leben — sei die­ser Text nun Proust oder die Tages­zei­tung oder der Fern­seh­bild­schirm: Das macht Buch macht den Sinn, der Sinn macht das Leben.”
    (Roland Bart­hes, Die Lust am Text)

    Wenn Schrift­zei­chen und Bild einer­seits aus­ein­an­der­fal­len und als zwei ganz unter­schied­li­che Phä­no­me­ne (d.i. der Sput, der Anwe­sen­heit einer Abwe­sen­heit) behan­delt wer­den kön­nen. Das Bild als Zei­chen (Sem), das Zei­chen als Ab- oder Urbild (idea). Bei­de fal­len zusam­men im graphein, Tele-Tech­nik zur Prä­sen­ta­ti­on des Da eines Fort.

  • Postdramatiker sagt:

    Ich fürch­te, die Reduk­ti­on ins Gewe­be der Tex­te bringt inso­fern nicht wei­ter, als zumin­dest als Behaup­tung die Live-ness der Fern­seh­über­tra­gung im Raum steht: Es geschieht jetzt. Du kannst es nur jetzt sehen. Es geschieht jetzt und da und dort bei dir. Die Mond­lan­dung fin­det jetzt statt. Dar­in zeigt sich, wenn gra­phi­sche Ver­wandt­schaft, dann die­je­ni­ge zum Tele­gra­phen, des­sen Zeu­gen­schaft nicht dar­in besteht, dass geschrie­ben wur­de, son­dern dass jetzt einer schreibt. Egal was.Und beim Fern­se­hen: dass du es nie mehr sehen kannst, wenn du es nicht jetzt schaust (ja, man müss­te über das Abspie­len von Auf­zeich­nun­gen, Wie­der­ho­lun­gen, Insze­nie­run­gen nach­den­ken — aber imho führt das über den Text hin­aus).

  • Ingmar sagt:

    “Es geschieht jetzt. Du kannst es nur jetzt sehen. Es geschieht jetzt und da und dort bei dir.”

    Das hic et nunc ist natür­lich bei einer Live-Über­tra­gung und deren Plus­aquam-Prä­senz noch­mal eine ande­re als die einer Auf-Zeich­nung.

    “(ja, man müss­te über das Abspie­len von Auf­zeich­nun­gen, Wie­der­ho­lun­gen, Insze­nie­run­gen nach­den­ken — aber imho führt das über den Text hin­aus).”

    “Auf-Zeich­nung” scheint mir gera­de über den Text im ver­all­ge­mei­ner­ten Sin­ne NICHT hin­aus­zu­füh­ren, son­dern die struk­tu­rel­len Ana­lo­gi­en deut­li­cher her­aus­zu­brin­gen. (“es gibt kein außer­halb des tex­tes” usw.)

    Dort wo das von Dir rekla­mier­te “es fin­det JETZT statt” Statt hat, unter­schei­det sich Fern­se­hen eben gera­de nicht von Warhneh­mung und Beob­ach­ten (die immer Tele-Visi­on ist, das Ent-fer­nen, das Annä­hern von etwas Ent­fern­tem, das Ver­ge­gen­wär­ti­gen von etwas Abwe­sen­dem?), vom Erle­ben der Wirk­lich­keit als sol­cher.
    Du kannst nie mehr sehen (egal was), wenn du nicht Jetzt siehst.

    Die­ses JETZT, die leben­di­ge Gegen­wart im Husserl­schen Sin­ne, ist aber nun gera­de das, was sich, als Zeit, jeder­zeit ent­zieht. Und was die Live-Über­tra­gung feti­schi­siert ein­zu­fan­gen sucht (ohne den Zeit-Ver­zug wirk­lich bän­di­gen zu kön­nen. Es fin­det eben schon nicht mehr Jetzt statt, son­dern hat je schon statt­ge­fun­den. Kon­sti­tu­ti­ves “zu spät..”)

  • Postdramatiker sagt:

    Beden­kens­wert. Die Über­kreu­zun­gen von Auf­zeich­nung und Liveness aber schei­nen mir ein kom­ple­xe­res Gewe­be zu eröff­nen. Ich habe gera­de einen Ver­such zu Zeit­flow und Struk­tu­rie­rung gepos­tet. Das Auf­ge­zeich­ne­te ver­wan­delt sich durch die Fern­seh­sen­dung natür­lich selbst plötz­lich in ein live-arti­ges Erleb­nis, dar­in dem Thea­ter ver­wandt, das in den text­ge­bun­de­nen Zei­ten einen vor­lie­gen­den, auf­ge­zeich­ne­ten Text nut­ze, der jeder­zeit zur Ver­fü­gung steht — zugleich aber ist die Auf­füh­rung (im Gegen­satz zur Auf­zeich­nung) an einen Zeit/Raum gebun­den und damit flüch­tig. Der Kino­film im Fern­se­hen mag auf Zel­lu­loid jeder­zeit vor­lie­gen: Solan­ge es kei­ne Auf­zeich­nungs­ge­rä­te für das Publi­kum gibt, rauscht er dahin wie eine Auf­füh­rung. Schal­test du zu spät ein, ver­passt du den Anfang unwie­der­bring­lich. Schal­test du gar nicht ein, ver­passt du die Sen­dung gänz­lich.
    Wenn du auf die Wahr­neh­mungs­ebe­ne ver­schiebst (die Wahr­neh­mung des Live im Kas­ten inner­halb eines räum­li­chen Life dar­um her­um usw.) ver­schie­ben sich die­se Ver­schrän­kun­gen wei­ter. Ich traue mir kei­ne letzt­gül­ti­ge, knap­pe Ant­wort zu. Momen­tan öff­nen sich eher Din­ge. In Serie…

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