Digitale Disruption 2

November 22nd, 2009 Kommentare deaktiviert für Digitale Disruption 2 Autor: Ulf Schmidt

Neben dem Kul­tur­bruch, den die Dis­rup­ti­on beschreibt, steht auch die wirt­schaft­li­che Dis­rup­ti­on, für die der Name Defla­ti­on zu schwach wäre, im Rau­me. Die Dis­in­ter­me­dia­ti­on, der Weg­fall von Tei­len der Wert­schöp­fungs­ket­te, der aus den Ket­ten wie­der die Zwei­er­be­zie­hung mit­tel­al­ter­li­cher Wochen­märk­te im glo­ba­len Dorf des Net­zes ent­ste­hen lässt, führt zu einem gewal­ti­gen Kos­ten­sturz in der Pro­duk­ti­on und Dis­tri­bu­ti­on der Wirt­schaft. Digi­ta­li­sier­ba­re Güter las­sen sich direkt vom Her­stel­ler­rech­ner auf den Kun­den­rech­ner oder das iPho­ne über­tra­gen. Nicht­di­gi­ta­li­sier­ba­re Güter bedür­fen des sta­tio­nä­ren Han­dels nicht mehr, son­dern wer­den vir­tu­ell im Inter­net feil­ge­bo­ten. Und im Zwei­fels­fall erst her­ge­stellt, nach­dem sie kon­fi­gu­riert und bestellt wur­den. Die­ses „On Demand“ Sys­tem, von dem IBM schon seit einem hal­ben Jahr­zehnt spricht, ist allent­hal­ben Rea­li­tät. Im KfZ-Bau sowie­so. Aber auch in allen ande­ren Berei­chen. Noch nicht bei den Lebens­mit­teln. Aber ansons­ten nahe­zu über­all.

Und das heißt: Die Kos­ten­spi­ra­le dreht sich rasant abwärts. Die Maschi­nen pro­du­zie­ren effi­zi­en­ter. Die Abtei­lun­gen von F+E über Pro­duk­ti­on über Lager­lo­gis­tik über Lie­fer­lo­gis­tik und Preis­ge­stal­tung ist dabei, sich in ein gemein­sa­mes gewal­ti­ges IT-Sys­tem zu inte­grie­ren, bei dem die Regis­trier­kas­se die Bestel­lung in Auf­trag gibt (tut sie schon), die Pro­duk­ti­ons­pla­nung dar­aus die Bestel­lung an Mate­ri­al und die Per­so­nal­pla­nung ablei­tet (tut sie schon, nennt sich ERP), die Logis­tik wie­der­um die nöti­gen Trans­port­mit­tel bucht und ihre Wege plant. Das gesam­te ver­netz­te Sys­tem sorgt für einen Grad an Effi­zi­enz, wie es nicht mal bei den Hein­zel­männ­chen geherrscht haben dürf­te. Und der Grad der Auto­ma­ti­sie­rung schrei­tet dabei so schnell vor­an, dass kei­ne Zeit bleibt, die frei­wer­den­den Mit­ar­bei­ter sinn­voll anders ein­zu­set­zen. Raus, raus. Das ist das Sze­na­rio. Ganz frei von Fata­lis­mus: Es ist unum­kehr­bar. Weil nie­mand bereit ist, die kon­se­quent höhe­ren Kos­ten zu bezah­len. Die Dis­rup­ti­on sorgt für abstür­zen­de Waren­prei­se, abstür­zen­de Mit­ar­bei­ter­zah­len, abstür­zen­de Löh­ne. Die ganz sich durch Schul­den finan­zie­ren­de Schön­fär­be­rei muss an ihr Ende kom­men. Denn nur dann ist das, was in der Digi­ta­len Dis­rup­ti­on gang- und gestalt­bar.

Wem wird die Zukunft gehö­ren? Nicht West­eu­ro­pa, nicht Nord­ame­ri­ka. Ver­mut­lich auch nicht Süd­ame­ri­ka oder Chi­na und Indi­en. Afri­ka wird die Zukunft gehö­ren. Die gegen­wär­ti­ge Schwä­che Afri­kas: das Feh­len star­rer tra­di­tio­nel­ler west­li­cher Gesell­schaftstruk­tu­ren und man­geln­de Infra­struk­tur wer­den zum Vor­teil, wenn die­se Alt­be­stän­de nur noch rück­zu­bau­en­de oder zu unter­hal­ten­de Alt­las­ten sein wer­den wie Ruhr­koh­le, Fest­netz­te­le­fon­lei­tun­gen oder Medi­en­kon­zer­ne. Zu wün­schen ist, dass Negro­pon­tes „One Lap­top per Child“ Unter­neh­men Nach­fol­ger und Unter­stüt­zer genug fin­det, um die­se Phan­ta­si­en zu rea­len Mög­lich­kei­ten wer­den zu las­sen.

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