Kraft mit Arbeit

März 10th, 2010 Kommentare deaktiviert für Kraft mit Arbeit Autor: Ulf Schmidt

Nur der Put­zig­keit hal­ber und weils so schön zu den Moral­de­bat­ten passt und den spät­rö­mi­schen Leis­tungs­an­reiz­theo­re­men, die da behaup­ten, Arbeit sei letzt­lich so über­flüs­sig und unan­ge­nehm, dass man Men­schen, die kei­ne haben, den Unter­halt weit genug her­un­ter­kür­zen müs­se, das der knur­ren­de Magen sie zurück an die Stech­uhr treibt: Die Ein­las­sun­gen der Frau Kraft aus NRW zum The­ma zei­gen, wie wun­der­voll wür­de­schaf­fend doch Arbeit ist:

Sie will Lang­zeit­ar­beits­lo­se für gemein­nüt­zi­ge Arbeit etwa in Alten­hei­men oder Sport­ver­ei­nen ein­set­zen, um ihnen ein Gefühl der Wür­de wie­der­zu­ge­ben. {…}

“Wir müs­sen end­lich ehr­lich sein: Rund ein Vier­tel unse­rer Lang­zeit­ar­beits­lo­sen wird nie mehr einen regu­lä­ren Job fin­den”, begrün­de­te Kraft ihre Initia­ti­ve. Die­se Men­schen bräuch­ten ein neu­es Ange­bot, das ihnen eine “wür­de­vol­le Per­spek­ti­ve” gebe. (spOn)

Hm. Wür­de also. Per­spek­ti­ve. Du bekommst kei­ne Arbei mehr, aber wir eröff­nen eine Art Arbeits-Dis­ney­land, das dir die Simu­la­ti­on von Arbeit ver­schafft. Und wenn du blöd genug bist, nicht zu bemer­ken, dass es sich um jene Art der Simu­la­ti­on han­delt, die die Her­ren Sisy­phos und Tan­talos in Ewig­keit glück­lich mach­ten, dann wirst du dich wür­de­voll füh­len. Wer sag­te noch, man müs­se sich Sisy­phos als glück­li­chen Men­schen vor­stel­len? Frau Kraft? Nein, Albert Camus. Nun also auch Glück durch Arbeit durch Kraft.

Um die Debat­te nicht zu ver­blö­den: Die grund­sätz­li­che Pro­ble­ma­tik der Gegen­wart besteht in die­sem ambi­gen Ver­hält­nis zur Arbeit. Einer­seits die­je­ni­gen (Wes­ter­wel­le und Co.), die Arbeit für eine scheuß­li­che Stra­fe hal­ten, zu der man sich nur durch exis­ten­zi­el­le Not­la­gen ver­lei­ten lässt. Auf der ande­ren Sei­te die­je­ni­gen, die glau­ben, Arbeit sei etwas so wun­der­vol­les und wür­de­brin­gen­des, das man es lei­den­den Zeit­ge­nos­sen qua­si als das eigent­li­che Almo­sen gewäh­ren muss, um ihnen die staa­li­che Unter­stüt­zung über­haupt erst mora­lisch mög­lich zu machen (jaja, über­spitzt).

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