Mission Statement

Oktober 11th, 2009 Kommentare deaktiviert für Mission Statement Autor: Ulf Schmidt

Post­dra­ma­ti­ker ist ein Blog, das es mit Thea­ter erns­ter meint als mit der Wah­rehit (wo nötig). Post­dra­ma­ti­ker for­dert: die Aus­ein­an­der­set­zung. Eleng­chos und Pole­m­os. Streit, wo Streit nötig ist, weil im unbe­dach­ten Wort des Strei­tes gele­gent­lich Unge­dach­tes her­vor­bricht, das in der bedenk­li­chen Situa­ti­on beden­kens­wert oder schon denk­bar ist. Post­dra­ma­ti­ker for­dert nicht nur die Aus­ein­an­der­set­zung mit und den Streit um die Bei­trä­ge hier. Post­dra­ma­ti­ker for­dert ins­be­son­de­re die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Bestehen­den. Sei es Thea­ter oder Gesell­schaft. Die bedin­gungs­lo­se Affir­ma­ti­on und orna­men­ta­le Umspie­lung des Bestehen­den mag solan­ge gerecht­fer­tigt sein, wie das bejah­te Bestehen­de bestehen bleibt. Nun zeigt sich aber, dass das Bestehen­de nicht nur kei­nen Bestand hat, son­dern sich ändert. Und so affir­miert die Affir­ma­ti­on des Bestehen­den in der Wie­der­ho­lung eben nicht das Bestehen­de son­dern das schon ver­lo­re­ne und wird tra­di­tio­na­lis­tisch, rück­stän­dig, ver­al­tet. Also muss das Bestehen­de dar­auf befragt wer­den, ob es noch Bestand hat, haben kann und soll. Die Welt„ auf die sich das bestehen­de Thea­ter bezieht, exis­tiert nicht mehr. Da nun aber jeder­zeit eine Grup­pe for­dern wird, das Bestehen­de bestehen zu las­sen (wie­wohl es schon nicht mehr bestand haben mag), eine ande­re (viel­leicht noch nicht in Thea­tern ein­ge­wan­der­te) Grup­pe for­dert, das Bestehen­de möge Neu­es ent­ste­hen und dem Ent­ste­hen Platz geben las­sen, ist um das Bestehen­de eine Aus­ein­an­der­set­zung zu füh­ren. Wenn nicht ein Streit. Post­dra­ma­ti­ker for­dert die­sen Streit. Ende der Frie­dens­pflicht. Anfang der Aus­ein­an­der­set­zung.

Post­dra­ma­ti­ker heißt auch: Über­le­ben in Geröll­fel­dern, an Text­wän­den, an denk­firn- und tra­di­ti­ons­pa­tin­abe­deck­ten Hän­gen.  Heißt: Aus­rut­scher, Abstür­ze als Pro­gramm. Heißt: alles außer aus­ge­tre­te­ne Pfa­de. Heißt: den Ort fin­den, wo die Lini­en zusam­men­lau­fen. Den höchs­ten Aus­sichts­punkt. Ohne künst­li­chen Süß- oder Sauer­stoff. Kein Expe­di­ti­ons- son­dern rei­ner Alpin­stil. Heißt: Line­ar­stil durch­bre­chen, thea­tra­le Raum­ord­nung zum letz­ten Mal auf­he­ben. Heißt ver­ste­hen, dass der Gedan­ke des Net­zes ver­mut­lich die Ord­nung der Geschich­te ablöst, ablö­sen wird oder bereits abge­löst hat. Post­dra­ma­ti­ker heißt: nicht Geschich­te schrei­ben son­dern Net­ze. Im Übri­gen ist Post­dra­ma­ti­ker kei­ne natür­li­che, son­dern eine künst­li­che Per­son.

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