Postdramatik und Transmedia storytelling

August 3rd, 2010 § 2 comments Autor: Ulf Schmidt

In einem Pos­ting von Tho­mas Knüwer (hier) bin ich über das enorm inter­es­san­te Kon­zept von “Trans­me­dia sto­ry­tel­ling” gestol­pert. Das ist und ist zugleich nichts Neu­es. Neu ist es inso­fern, als es bis­he­ri­gen Medi­en­ver­knüp­fun­gen (Roma­fi­gur im Kino­film, in Fern­sehseh­rie, in Comic, im Radio — den­ken wir an Super­man besi­pi­els­wei­se) eine sehr sehr span­nen­de Dre­hung gibt. Ich zitie­re Knüwer:

Eine TV-Serie wird künf­tig nicht mehr nur eine TV-Serie sein. Sie ist gleich­zei­tig ein Comic­heft, ein Video­spiel, eine Flut von Inter­net-Sei­ten. Was mög­lich ist, zeig­te “Heroes”: Die Serie um Men­schen, die unver­hofft zu Super­kräf­ten kom­men, fand wäh­rend ihrer US-Aus­strah­lung mul­ti­me­di­al statt. Da konn­ten Fans über mög­li­che neue Super­kräf­te bestim­men, die Comic-Hef­te auf dem Bild­schirm waren tat­säch­lich zu haben, wer eine bei­läu­fig in der Hand­lung auf­tau­chen­de Tele­fon­num­mer wähl­te, lan­de­te tat­säch­lich bei einem Anruf­be­ant­wor­ter jener Fir­ma, die in der Hand­lung auf­tauch­te. Und natür­lich hat­te die schon eine Home­page. Auch die BBC ver­sucht sich schon in die­sem Feld, ihr Sci­ence-Fic­tion-Dau­er­bren­ner “Dr. Who” bekommt ver­stärkt Video­spiel-Able­ger.

Nicht ganz neu ist ein sol­ches Kon­zept, weil es in gro­ßen “Alter­na­te Rea­li­ty Games” (Wiki­pe­dia) bereits mit gigan­ti­schem Erfolg prak­ti­ziert wur­de. Vor zwei oder drei Jah­ren hat mich selbst ein groß­ar­ti­ges, über Web­sei­ten und Han­dy gespiel­tes Game von Stel­la Artois gefes­selt. Das Span­nen­de dar­an ist die Phan­ta­sie­welt, die im Kopf ent­steht. Das Netz an Rea­li­tät, des sich über die Rea­li­tät legt. Der Film “The Game” mit Micha­el Dou­glas gibt eine gute Vor­stel­lung von einem sol­chen Spiel im Extrem. Und als “vira­le Mar­ke­ting­kam­pa­gne” bewarb War­ner den Film “The Dark Knight” mit einem genia­len trans­me­dia­len Alter­na­te Rea­li­ty “Game”:

Bevor ich jetzt ver­ges­se, was ich eigent­lich sagen woll­te: Trans­me­dia­les Thea­ter. Trans­me­dia­les — aber post­dra­ma­ti­sches Thea­ter. Will hei­ßen: Ein Thea­ter, das sich eben nicht (wie es sich auf­drängt) rund um Per­so­nen oder Figu­ren wei­ter­so­innn­pt. Son­dern ein tras­me­dia­les Thea­ter, das Web ein­bin­det, ohne nur simp­le Live­streams anzu­bie­ten. Das Mobile­pho­nes, ver­schie­den­för­mi­ge Web­sei­ten und unter­schied­li­che For­men der Trans­me­dia­li­tät nutzt. Das Live-Ver­bin­dun­gen zwi­schen Web und Thea­ter schafft — und zwar auf eine Art, das es Sinn macht und nicht nur “Zuga­be” ist. Das sich aber (das wäre die Her­aus­for­de­rung) aber auch kein Schil­ler­stra­ßen-Impro­thea­ter wird. Das viel­leicht im Thea­ter statt­fin­det und dort diee Trans­me­dia­li­tät erfahr­bar und nutz­bar macht. Und trotz­dem einen Zusam­men­hang stif­tet. Tex­tu­ell.

Dazu fällt mir ein Hin­weis von kusanow­sky auf http://politik.netzkompetenz.at/ ein, den er mir letz­te Woche geschicckt hat. Eine kon­ven­tio­nel­le Tagung, die per Video­cha­t/Stream-Anbuin­dung durch Netz­be­woh­ner ange­rei­chert wird. In die Rich­tung — und noch viel wei­ter muss es gehen.

To be con­ti­nued.

§ 2 Responses to Postdramatik und Transmedia storytelling"

  • Ben sagt:

    Der Ver­weis auf Super­man ist jedoch falsch. Die Über­tra­gung einer Figur wie Super­man auf ver­schie­de­ne Medi­en nennt sich trans­me­dia bran­ding (nach Geoff­rey Long). Bezeich­nend ist dafür, dass jedes Medi­um dabei ein eige­nes Uni­ver­sum kre­iert, in dem ledig­lich Figu­ren und ein­zel­ne Plot-Ele­men­te über­nom­men wer­den. Das trans­me­dia sto­ry­tel­ling hin­ge­gen geht von einem Uni­ver­sum aus, das sich auf ver­schie­de­ne Medi­en erstreckt. Gäbe es Super­mans Kind­heit nur als Serie, sei­ne Hel­den­ta­ten nur als Comic und sei­ne Lie­bes­ge­schich­ten nur als Kino­fil­me, dann wäre das eine trans­me­dia­le Nar­ra­ti­on.

  • Postdramatiker sagt:

    Ok, macht Sinn. Hast du gute Bei­spie­le für Trans­me­dia-Sto­ry­tel­ling?

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