Storytelling, mythos, plot, Fabel — did TV kill the drama?

Juni 5th, 2010 Kommentare deaktiviert für Storytelling, mythos, plot, Fabel — did TV kill the drama? Autor: Ulf Schmidt

Viel­leicht ist das Dra­ma seit nun­mehr 2 oder 3 Jahr­zehn­ten in der Kri­se, weil sei­ne Macher noch nicht bemerkt und reflek­tiert haben, dass es ihnen längst geraubt wur­de. Jen­seits einer rein for­ma­lis­ti­schen Debat­te könn­te doch die nüch­ter­ne Fest­stel­lung lau­ten, dass die dra­ma­ti­sche Form der Moder­ne, des Natu­ra­lis­mus, Rea­lis­mus und was auch immer — jeden Abend auf zahl­lo­sen Fern­seh­pro­gram­men zu sehen ist. Mag zwi­schen “Unter uns” oder GZSZ und Tsche­chow auch ein qua­li­ta­ti­ver Unter­schied bestehen — die dra­ma­ti­sche Dihe­ge­se ist nicht so weit von­ein­an­der ent­fernt. Irgend­wann wird schon eine Fol­ge gelau­fen sein, die funk­tio­niert wie Tsche­chow. Oder Ibsen. Oder wer auch immer. Und wenn sie nicht gelau­fen ist — dann kommt sie irgend­wann — schon wegen der “…im deut­schen Sprach­raum so gelieb­ten, tsche­chow­schen Dia­log­mus­ter…” (Stree­ru­witz hier)

Die Kri­se der Male­rei, die die Foto­gra­fie aus­lös­te, die Kri­se des Kinos durch das Fern­se­hen — ist die ent­spre­chen­de Kri­se des Thea­ter­tex­tes bereits in den Köp­fen der Thea­ter­au­to­ren UND der Dra­ma­tur­gi­en, Ver­la­ge, bei Regis­seu­ren und Schau­spie­lern ange­kom­men? Jen­seits blo­ßer Ver­wei­ge­rung durch post­dra­ma­ti­schen Büh­nen­jahrmakt? Wo läuft die Debat­te über ein Sto­ry­tel­ling, einen (aris­to­te­li­schen) Begriff des mythos als sys­the­sis prag­ma­tôn, den plot, die brecht­sche Fabel — die unter den Gege­ben­hei­ten der Gegen­wart zu reflek­tie­ren unter­nimmt, was dem Thea­ter eigen ist (“dem” Thea­ter nicht im Sin­ne eines Wesens­ker­nes übri­gens), was nur Thea­ter könn­te. Nicht um im Sin­ne eines Mar­ke­ting eine Markt­lü­cke zu öff­nen und zu besit­zen. Son­dern um die Kraft von Thea­ter wie­der frei­zu­set­zen. Sodaß die poli­ti­schen Spar-taner es nicht all­zu ein­fach haben bei Bud­get­strei­chen und Thea­ter­schlie­ßen. Weil Thea­ter etwas erzählt oder erfahr­bar macht, was weder TV noch Kino noch ande­re Küns­te bes­ser, schnel­ler, ein­fa­cher könn­ten. Ich ver­mis­se eine Debat­te ums Post­dra­ma. Oder bin ich blind und sehe nur nicht, wo sie wirk­lich ernst­haft geführt wird?

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