Theater nach Zahlen

Juni 3rd, 2010 Kommentare deaktiviert für Theater nach Zahlen Autor: Ulf Schmidt

Nur ein Gedan­ke beim Auf­wa­chen: Ist ein Thea­ter, das die ewig­sel­ben­vor­la­gen von tsche­chow­hor­vat­hib­sen­s­t­rind­ber­gund­so­wei­ter immer wie­der nur neu bebil­dert, colo­riert und aus­führt — etwas ande­res als das belieb­te Zei­chen­spiel “Malen nach Zah­len” für die Büh­ne? Ich habs mal grün aus­ge­malt. Oh, brav. Und ich ganz schwarz. Ohje, das geht aber nicht. Und ich habs schraf­fiert. Intéres­sànt! Über­malt, ich habs alles wild über­mm­al. Oh, du bist aber nicht brav. Ich hab ein Stück aus dem Mal­buch geris­sen. Du Teu­fel. Schau mal, Tan­te: Ich hab ihm einen Bart ange­malt. Och, du Racker.

Hm. Viel­leicht befin­det sich Thea­ter tat­säch­lich in einer Roh­stoff­kri­se. Weil die Tex­te feh­len, die drin­gend benö­tigt wür­den, um die Pro­duk­ti­on an demo­kra­tie­ver­tei­di­gen­der Flak­mu­ni­ti­on auf­recht zu erhal­ten. Das wür­de nach herr­schen­den Markt­ge­set­zen hei­ßen: Dass die Prei­se für hoch­we­ti­ge Roh­stof­fe (vul­go: Stü­cke) dem­nächst explo­die­ren müss­ten. Toll.

Nach­trag: Öko­lo­gisch kor­rekt könn­te man die­ses Dau­er­re­cy­cling natür­lich begrü­ßen — aber ist eine sol­che Form des Roh­stoff­spa­rens im geis­ti­gen Bereich wirk­lich sinn­voll? Das Hirn ist kein Wie­der­käu­er­or­gan.

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