Tippfehler lässt Weltmärkte einbrechen

Mai 7th, 2010 § 2 comments Autor: Ulf Schmidt

Ges­tern schmier­te der Dow in Minu­ten­schnel­le um 10% ab. Einen gewal­ti­ge­ren Ein­bruch hat es in sol­che kur­zer Zeit noch nie zuvor gege­ben. Und kurz dar­auf hüpf­te er wie­der nach oben — nicht ohne die Spiel­er­ge­mein­de in Panik und Schre­cken ver­setzt zu haben. Was gesche­hen ist: ein ein­zel­ner Akti­en­händ­ler hat sich bei einem Ver­kaufs­auf­trag ver­tippt (SpOn). Statt 16 Mil­lio­nen ver­kauf­te er 16 Mil­li­ar­den Akti­en (bei weiss­gar­nix dada­zu hier eine sehr fei­ne Glos­se). Und lös­te welt­weit Kurs­ein­brü­che aus. Klingt eigent­lich ganz put­zig. Aber von dem dabei ver­nich­te­ten Buch­geld hät­te Grie­chen­land ver­mut­lich locker alle Schul­den zurück­zah­len und eine Brü­cke von Athen nach Kre­ta bau­en kön­nen.

Dow Jones am 6.5.2010

Ab und Auf

Die Cha­os­theo­rie warn­te, dass Schmet­ter­lings­flü­gel­schlä­ge im bra­si­lia­ni­schen Regen­wald Stür­me in Mit­tel­eu­ro­pa aus­lö­sen­kön­nen. Eine Klei­ni­gik­eit ver­gli­chen mit einem Bör­sen­händ­ler, der aus Dösig­keit, Vor­satz oder aus wel­chem Grund auch immer die Welt­bör­sen (und Welt­wirt­schaft?) zum Zusam­men­bruch füh­ren kann. Die hal­be Welt wird in Auf­ruhr ver­setzt, um Ter­ro­ris­ten zu jagen, die Spreng­stoff­an­schlä­ge ver­üben — wann aber schaf­fen es die­sel­ben Staa­ten, sich gegen die Gefah­ren zu ver­bün­den, die von die­sen völ­lig unbe­herrsch­ba­ren Finanz­märk­ten aus­ge­hen? Rei­chen ein durch Com­pu­ter zum Bör­sen­crash mutier­ter Kurz­sturz am Schwar­zen Mon­tag 1987, die Schrott­pa­pier-Sub­prime-Kri­se (Papie­re für die War­ren Buf­fett den schö­nen Titel Finan­ci­al Wea­pons of Mass Dest­ruc­tion fand) der ver­gan­ge­nen Jah­re, die Asi­en-Kri­se, die gegen­wär­ti­gen Tur­bu­len­zen noch immer nicht aus, um genau­so ener­gisch vor­zu­ge­hen, wie nach dem 11.September 2001? Bun­des­wehr an die Wall-Street? Natür­lich sind sol­che Ver­glei­che sinn­los — aber ich glau­be immer noch, dass die Gefah­ren aus die­sen Märk­ten grö­ßer sind als die­je­ni­gen durch Ter­ro­ris­ten und Atom­bom­ben.

Quous­que tan­dem, Ange­la, abu­te­re pati­en­tia nos­tra?

Cete­ro cen­seo Kasi­no­ka­pi­ta­lis­mus esse delen­dam.

§ 2 Responses to Tippfehler lässt Weltmärkte einbrechen"

  • Postdramatiker sagt:

    Wär ja zu schön, wenn man so schnell wüss­te, was es denn war. Inzwi­schen wird der Tipp­feh­ler demen­tiert. Aber was wars dann? Alle rät­seln. Und machen die Trans­ak­tio­nen in der frag­li­chen hal­ben Stun­de rück­gän­gig — was beson­ders alle die­je­ni­ge freu­en wird, die wirk­lich kau­fen oder ver­kau­fen woll­ten und auf die Kurs­ent­wick­lung reagier­ten. Ich lach mich tot, was das für ein kopf­lo­ser Hüh­ner­hau­fen ist, der da die Macht hat, die Welt(wirtschaft) ins Ver­der­ben zu stür­zen. Als wür­den am JFK-Air­port Blin­de als Flug­lot­sen ein­ge­setzt.
    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/dowjones142.html

  • Postdramatiker sagt:

    Höhö — und nun steht auch den Bör­sen­zau­ber­lehr­lin­gen offen­bar das Was­ser bis zum Hals und sie rufen nach Meis­ter Staat: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,693805,00.html .
    Ich bin für den Ein­marsch in Absur­di­stan.

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