Von der Krise zur Disruption — und dann?

April 21st, 2010 Kommentare deaktiviert für Von der Krise zur Disruption — und dann? Autor: Ulf Schmidt

Ich habe hier im Blog ja bereits gele­gent­lich (etwa hier, hier, und vor allem hier, hier und hier) die The­se vor­ge­tra­gen, dass ich nicht an die “Finanz­kri­se” als eigent­li­ches Pro­blem, son­dern höchs­tens als Ober­flä­chen­phä­no­men glau­be. Eine beacht­li­che Wel­le auf einer weit grö­ße­ren. Egal ob mans als “Ende der Arbeit” (Rif­kin) Digi­ta­le Dis­rup­ti­on oder Abwärts­wachs­tum beschreibt — ich glau­be nicht dar­an, dass das Ende der Finanz­kri­se in einen Zustand führt, wie er etwa 2008 bestand. Oder 2000. Oder 1990. Und ich glau­be auch nicht, dass die Ver­ant­wor­li­chen in Poli­tik und Wirt­schaft das glau­ben. Dafür tre­ten inzwi­schen zu vie­le Skep­ti­ker des Wachs­tums-Glau­bens auf. Heu­te kam mir auf SpOn ein Arti­kel unter, der eine Stu­die von Bos­ton Con­sul­ting (im Auf­trag des mana­ger maga­zin) dar­stellt. Dort heißt es ganz am Ende:

Die BCG-Stu­die kommt zu dem Ergeb­nis, dass die bis­lang in Deutsch­land domi­nie­ren­den Bran­chen den Wohl­stand nicht län­ger sichern kön­nen, unab­hän­gig vom tat­säch­li­chen Kon­junk­tur­ver­lauf. Wachs­tums­po­ten­tia­le gibt es der Unter­su­chung zufol­ge in neu­en, for­schungs­in­ten­si­ven Berei­chen, etwa Umwelt­tech­no­lo­gi­en, aber auch Bio- und Nano­tech­no­lo­gie. (hier)

Als Fol­ge rech­net BCG lus­tig drauf­los und pro­phe­zeit den Ver­lust hun­dert­tau­sen­der Arbeits­plät­ze. Die­ser läs­si­ge Hin­weis auf “Wachs­tums­bran­chen” kann natür­lich nicht akzep­tiert wer­den als ech­te Idee, was dage­gen zu machen ist. BCG hat offen­bar kei­ne Ide­en (N.B. ich habe die Stu­die aller­dings nicht gele­sen!).  Aber viel­leicht wird es Zeit für eine brei­te Debat­te, wie das “Ende der Arbeit” wirk­lich auf­ge­scho­ben oder auf gerech­te Wei­se bewäl­tigt wird. Anders gesagt: Was geschieht mit Mil­lio­nen Men­schen (ins­ge­samt dann etwa 5–6 Mil­lio­nen), die mit Sicher­heit in Deutsch­land schlicht und ein­fach auf dem soge­nann­ten Arbeits­markt kei­nen Platz mehr haben und fin­den wer­den? Egal wie vie­le “nie­der­wer­ti­ge Arbei­ten” sich die Kochs die­ser Welt im Kampf gegen “spät­rö­mi­sche Deka­denz” auch ein­fal­len las­sen mögen. Was?

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