Zusammengefasst: Der notwendige Paradigmenwechsel im Finanzsystem (repost schuldundschein.de)

April 15th, 2013 Kommentare deaktiviert für Zusammengefasst: Der notwendige Paradigmenwechsel im Finanzsystem (repost schuldundschein.de) Autor: Ulf Schmidt

Als eine Art Abschluss und For­de­rungs­fa­zit aus den letz­ten Mona­ten und der Arbeit an “Schuld und Schein” hier nun eine (vor­läu­fi­ge?) Zusam­men­fas­sung des­sen, was sich mei­nes Erach­tens als Fol­ge der soge­nann­ten Finanz­kri­se und der zuneh­men­den Digi­ta­li­sie­rung des Geld­ver­kehrs sagen lässt und ändern muss.

Wer möch­te, kann sich die­sen rela­tiv lan­gen Text auch hier her­un­ter­la­den Der Para­dig­men­wech­sel im Finanz­sys­tem. Oder ein­fach wei­ter­le­sen hier.

Die Ent­be­sit­zung durch Gira­li­sie­rung

Seit der zuneh­men­den Gira­li­sie­rung des Zah­lungs­ver­kehrs, der Ver­le­gung also real­welt­li­cher Zah­lun­gen von der Über­ga­be phy­si­scher Bank­no­ten hin zur bar­geld­lo­sen Zah­lung durch Über­wei­sung oder elek­tro­ni­sche Bezah­lung, fin­det eine Ent-Besit­zung der Men­schen statt. Sie mögen zwar Eigen­tü­mer des Gel­des sein, dass ihnen gehört, dass sie als Lohn aus­ge­zahlt, als Miet­zins über­wie­sen, als Geschäfts­ein­nah­me bezahlt wird – fak­tisch sind sie abr gezwun­gen, es in den Besitz einer pri­vat­wirt­schaft­li­chen Bank zu über­ge­ben. Das Gehalt wird nicht dem Arbeit­neh­mer aus­ge­hän­digt, son­dern der Bank über­wie­sen. Di Mie­te wird nicht vom Mie­ter dem Ver­mie­ter über­ge­ben, son­dern von einem Kon­to zum ande­ren über­wie­sen. Das Geschäft erhält kei­ne Bezah­lung, son­dern der Kauf­be­trag wird bar­geld­los sei­nem Kon­to gut­ge­schrie­ben. Fak­tisch wan­deln sich also die Spar- und Kre­dit­in­sti­tu­te zu den zen­tra­len und zuneh­mend exklu­si­ven Orten der Abwick­lung des Zah­lungs­ver­kehrs. Erst für grö­ße­re Beträ­ge, mit der Zeit aber für Zah­lun­gen in jeder Höhe. Das ist zwar prak­tisch – ver­leiht den Ban­ken aber einen unver­sieg­ba­ren Geld­zu­fluss. Sie set­zen sich zuneh­mend in den besitz (nicht ins Eigen­tum!) des gesam­ten Gel­des in gira­ler, digi­ta­ler oder Buch­geld­form.

Dass die Men­schen gezwun­gen wer­den, einem Pri­vat­un­ter­neh­men ihre Gehäl­ter usw. über­wei­sen zu las­sen, ist eine Unge­heu­er­lich­keit, die in die­ser Form offen­bar nicht bewusst­seins­fä­hig ist. War­um wird es nicht Auto­her­stel­lern, Kau­gum­mi­her­stel­lern über­wie­sen? War­um gera­de Ban­ken? Von denen es dann ent­we­der (noch) phy­sisch abge­holt wer­den muss, oder denen (mehr oder min­der gebüh­ren­pflich­ti­ge) Auf­trä­ge zur Wei­ter­ga­be erteilt wer­den?

Fak­tisch han­delt es sich bei Geld­ein­la­gen bei Ban­ken um Kre­di­te: Der Ein­le­ger erklärt sich bereit, der Bank einen Kre­dit zu gewäh­ren. Heu­te braucht er nicht ein­mal die­se Bereit­schaft zu erklä­ren, er wird dazu gezwun­gen. Und er geht damit ein Risi­ko ein, wie die letz­ten Wochen zeig­ten. Das Risi­ko, das die Bank, wie jedes ande­re pri­vat­wirt­schaft­li­che Unter­neh­men auch, plei­te gehen kann. Dann ist die unge­woll­te Kre­dit­ein­la­ge weg. Die Kre­dit­ein­la­ge mit­hin, die nicht bewusst und wil­lent­lich getä­tigt wur­de um – wis­send um das Risi­ko der Kre­dit­ver­ga­be – damit einen bestimm­ten Vor­teil zu erzie­len.

Die Aus­plün­de­rung des Gemein­we­sens

Staat­li­che Versh­cul­dung hat durch mas­si­ve Mei­nungs­ma­che inter­es­sier­ter Krei­se, einen schlech­ten Ruf bekom­men. Man lebe über sei­ne Ver­hält­nis­se, erar­bei­te kei­nen Wohl­stand, son­dern lebe und pro­fi­tie­re auf Pump und der­glei­chen mehr. Dass das nicht nur ein läss­li­cher Irr­tum ist, son­dern eine gera­de­zu kri­mi­nel­le Irre­füh­rung der Öffent­lich­keit ist schnell ein­seh­bar.

Der Staat, jahr­zehn­te­lang dif­fa­miert von neo­li­be­ra­len Mei­nungs­füh­rern und in sei­nem Ein­fluss zurück­ge­drängt, ist die Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit des Gemein­we­sens. Er wird von sei­nen Bür­gern gewählt, um die Geschick­te des Gemein­we­sens zu ord­nen, zu regeln und zu steu­ern, wie es für das gedeih­li­che und fried­li­che Zusam­men­le­ben not­wen­dig ist. Dazu gehört auch, durch Geld­aus­ga­ben neben den viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben der sozia­len Absi­che­rung sowie der Gewähr­leis­tung des inne­ren und äuße­ren Frie­dens, bau­li­che Ein­rich­tun­gen zu schaf­fen, die den Bür­gern zugu­te kom­men. Kran­ken­häu­ser, Kin­der­gär­ten, Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten, Stra­ßen, Ver­sor­gung mit Was­ser und Strom, För­de­rung von zukunfts­wei­sen­den Tech­no­lo­gi­en und Infra­struk­tu­ren, die aus pri­va­ter Hand allei­ne zunächst nicht zu stem­men sind.

Das dafür in die Hand genom­me­ne Geld wird nicht etwa in einem schwar­zen Loch ver­schwin­den. Es wird an Arbeit­neh­mer bezahlt, die bei der Errich­tung arbei­ten und fließt teil­wei­se als Ein­kom­mens­steu­er wie­der zurück an den Staat, teil­wei­se als Mehr­wert­steu­er, die die Arbeit­neh­mer ent­rich­ten, wenn sie aus ihrem Gehalt Waren und Dienst­leis­tun­gen bezah­len. Zudem fließt es in den Kauf von Mate­ria­li­en, wovon direkt Umsatz- und Mehr­wert­steu­er zurück­fließt an den Staat. Und da auch die­se Mate­ria­li­en wie­der von Arbeit­neh­mern her­ge­stellt wur­den, fließt ein wei­te­rer Anteil als Ein­kom­men­steu­er zurück. Ein Groß­teil der Inves­ti­tio­nen also fließt sehr schnell und direkt oder all­mäh­lich wie­der in staat­li­che Kas­sen zurück. Je höher die Inves­ti­tio­nen sind, des­to höher die Rück­flüs­se. Einen Teil der Inves­ti­tio­nen also durch Ver­schul­dung zu bezah­len ist völ­lig risi­ko­los, weil das Geld wie­der zurück­kommt.

Ein wei­te­rer Teil aller­dings die­ses Gel­des wird als Spar­ein­la­ge bei Ban­ken lie­gen. Aus lan­ger Tra­di­ti­on her­aus sind es nun die Ban­ken, die die­se Spar­ein­la­gen nut­zen (und durch Buch­geld ver­meh­ren), um dar­aus Staa­ten Kre­dit zu gewäh­ren. Und zwar gegen eini­ger­ma­ßen saf­ti­ge Zin­sen. Die Ban­ken neh­men also das Geld der Spa­rer, das die­se hart erar­bei­tet haben, ver­lei­hen es zu höhe­ren Zin­sät­zen, als sie selbst den Ein­le­gern zah­len, an das Gemein­we­sen, damit die­ses wie­der­um Geld für das Gemein­we­sen aus­ge­ben kann. Staat und Bür­ger sor­gen damit in die­sem Kreis­lauf dafür, dass Ban­ken Geld ver­die­nen. Die Fra­ge lau­tet: War­um?

Die his­to­ri­sche Linie

In der Ver­gan­gen­heit mag die­ses Vor­ge­hen durch­aus sinn­voll gewe­sen sein. Auf Ban­ken lager­ten nur „Spar-„-Einlagen von ver­mö­gen­den Bür­gern. Der Staat war noch nicht Orga­ni­sa­ti­on des Gemein­we­sens, son­dern die Insti­tu­ti­on der Fürs­ten und Köni­ge, die im wesent­li­chen ihren eige­nen Haus­halt im Auge hat­ten, Inves­ti­tio­nen in das Gemein­we­sen nur inso­weit leis­te­ten, wie es unbe­dingt not­wen­dig war. Erst in neue­rer Zeit ist die Funk­ti­on des Staa­tes dahin­ge­hend umge­schwenkt, dass er sich auf das Gemein­we­sen in ers­ter Linie kon­zen­triert und durchs eine Aus­ga­ben etwa Infra­struk­tur für das Gemein­we­sen schafft. Ban­ken orga­ni­sier­ten zuvor die Zusam­men­fas­sung von Geld­ka­pi­tal, das sie dann wie­der dem fürst­li­chen Staat (oder Unter­neh­men) ver­füg­bar mach­ten. Der gemei­ne Bür­ger hat­te dar­an kei­ner­lei Anteil: Er hat­te kei­ne Ein­la­gen bei der Bank und er pro­fi­tier­te wenig von den Aus­ga­ben des Staa­tes.

Mit der Neu­be­stim­mung der staat­li­chen Auf­ga­ben und der Gira­li­sie­rung des Geld­we­sens ändert sich die­ser Zusam­men­hang fun­da­men­tal: Jeder Bür­ger ist dazu genö­tigt, sein Geld Ban­ken zur Ver­fü­gung zu stel­len. Und die staat­li­che Haupt­auf­ga­be ist es, das Gemein­we­sen aus­zu­stat­ten und aus­zu­rüs­ten. Dafür sorgt er mit hoher Steu­er­be­las­tung, die es in der Geschich­te in die­sem Umfang wohl nie­mals gege­ben haben mag – jeden­falls nicht mit anhal­ten­der brei­ter Akzep­tanz. Die Spar­gut­ha­ben in wach­sen­der Höhe aber sind ihm erst auf dem Umweg über Pri­vat­ban­ken zugäng­lich: Es sind die Spar­ein­la­gen der Bür­ger, die von den Ban­ken an den Staat ver­lie­hen wer­den (jeden­falls zum Teil). Und die auf ihrem Weg von den Spar­kon­ten der Bür­ger zurück zu ihrem Gemein­we­sen den Ban­ken Pro­fi­te besche­ren.

Der Aus­blick in eine ande­re Zukunft

Es sind eine gan­ze Rei­he von als unver­brüch­li­chen Dog­men, die die­sen Pro­zess flan­kie­ren. Und die es schlicht und ein­fach über den Hau­fen zu wer­fen gilt. Das Ziel muss sein, dass das Gemein­we­sen gemein­schaft­lich und auf das Gemein­wohl aus­ge­rich­tet das Gemein­we­sen finan­ziert, wäh­rend zugleich ein pri­va­ter Ban­ken­sek­tor sich wie­der frei und unab­hän­gig, aber auch frei von Zwangs­ein­la­gen, um eige­nes wirt­schaft­li­ches Han­deln küm­mern kann. Dafür fol­gen­de For­de­run­gen:

1. Das Zah­lungs­sys­tem aus pri­va­ter in die Hand des Gemein­we­sens über­tra­gen

Solan­ge Bür­ger nicht ent­schie­den haben, dass sie nach Abwä­gung von Gewinn­mög­lich­keit und Risi­ko bereit sind, einer Pri­vat­bank zum gewinn­ori­en­tier­ten Wirt­schaf­ten zu über­ge­ben, müs­sen sie die Mög­lich­keit haben, auch im Digi­tal­zeit­al­ter ihr Geld an nicht-pri­vat­wirt­schaft­li­cher Stel­le zu lagern und Zah­lun­gen abzu­wi­ckeln. Dafür gilt es, eine staat­li­che Bank mit End­kun­den­funk­ti­on zu schaf­fen. Geeig­net dafür sind die Zen­tral­ban­ken, in Deutsch­land also die Bun­des­bank. Die­se ist zu beauf­tra­gen und zu ermäch­ti­gen, führ ihre Bür­ger elek­tro­ni­sche Kon­ten ein­zu­rich­ten, bereit­zu­stel­len und für den Zah­lungs­ver­kehr aus­zu­rüs­ten.

Jeder Bür­ger hat mit sei­ner Geburt ein sol­ches Kon­to zu erhal­ten, das ihm jeder­zeit und unab­hän­gig von sei­ner Ein­kom­mens- und Lebens­si­tua­ti­on bereit­steht, um Zah­lungs­vor­gän­ge auf digi­ta­lem Wege abzu­wi­ckeln und sein Geld hier in elek­tro­ni­scher Form zu spei­chern.

Dafür wird ihm etwa his­to­risch Ein­ma­li­ges gewährt: nicht nur kann er sein Geld hier sicher auf­be­wah­ren, son­dern er erhält dafür noch eine Ver­zin­sung, die in der Nähe der Infla­ti­ons­ra­te liegt. Durch ban­ken­ei­ge­ne oder poli­ti­sche Steue­rung wird der Abstand des Zins­sat­zes von der Infla­ti­ons­ra­te fest­ge­legt und bestimmt, ob sie höher oder nied­ri­ger ist, als dies. Damit las­sen sich inter­es­san­te Steue­rungs­mög­lich­kei­ten des Kon­sum- und Spar­ver­hal­tens bewir­ken. Wer­den die Zin­sen höher ange­setzt als die Infla­ti­ons­ra­te, wird der Kon­sum gebremst, sind sie erheb­lich nied­ri­ger als die Infla­ti­ons­ra­te kann der Kon­sum ange­regt wer­den.

Da die Zen­tral­ban­ken für die Geld­men­ge zustän­dig sind, kann das für die Ver­zin­sung not­wen­di­ge zusätz­li­che Geld durch Beschluss des Bank­ra­tes erzeugt wer­den, was wie­der­um nur mehr oder min­der infla­ti­ons­aus­glei­chend der Fall ist.

Dem Bür­ger ist damit Wahl­frei­heit gege­ben, die der­je­ni­gen der Ver­gan­gen­heit nahe­kommt, als er ent­schei­den konn­te, ob er sin Geld für Zah­lungs­zwe­cke liqui­de hal­ten und even­tu­ell unter dem Kopf­kis­sen lagern woll­te, oder ob er sich an eine pri­vat­wirt­schaft­li­che Bank wen­den woll­te, um sein Geld gewinn­brin­gend aber risi­ko­be­haf­tet der Bank als Kre­dit zu gewäh­ren und damit anzu­le­gen. Der Geld­ei­gen­tü­mer bekommt wie­der Ver­fü­gungs­ge­walt über sein Geld­ei­gen­tum, der Schritt zu einer Pri­vat­bank ist wie­der frei.

Zugleich ist er nicht gezwun­gen, um am Zah­lungs­ver­kehr in digi­ta­ler Form teil­zu­neh­men, sich einer pri­vat­wirt­schaft­li­chen Spar- und Kre­dit­in­sti­tu­ti­on aus­zu­lie­fern, die im Fal­le ihres Unter­gan­ges nicht nur die als Anla­gen gemein­ten Beträ­ge ver­nich­tet, son­dern zugleich die für die zah­lungs­mä­ßi­ge Geld­zir­ku­la­ti­on vor­ge­se­he­nen Geld­be­trä­ge mit ins Ver­der­ben reißt.

Die­sen unglaub­li­chen Skan­dal, dass Bür­ger zwangs­wei­se den Ban­ken auch mit ihrem Zah­lungs­ver­kehr aus­ge­lie­fert wer­den, gilt es zu been­den.

2. Finan­zie­rung des Gemein­we­sens durch die Bür­ger

Waren es frü­her nur ver­mö­gen­de Anle­ger, so sind durch die zuneh­men­de Gira­li­sie­rung ten­den­zi­ell alle Bür­ger dar­an betei­ligt, Ban­ken Kapi­tal zur Ver­fü­gung zu stel­len, aus denen Inves­ti­tio­nen für das Gemein­we­sen und damit wie­der für die Bür­ger gelis­tet wer­den. Je brei­ter die bür­ger­schaft­lich Basis die­ses ver­füg­ba­ren Gel­des bei Ban­ken ist, des­to höher müs­sen die Ansprü­che an die Gemein­wohl­bin­dung der Ver­wen­dung sein. Es kann nicht sein, dass die Ein­la­gen der Bür­ger ver­wen­det wer­den, um durch Lebens­mit­tel­spe­ku­la­tio­nen dafür zu sor­gen, dass die Bür­ger mit ihrem abge­zwun­ge­nen Geld ihren eige­nen Lebens­un­ter­halt ver­teu­ern.

Auch wenn es gegen die zen­trals­ten Dog­men über­haupt ver­sto­ßen mag: Die Spar­gut­ha­ben der Bür­ger müs­sen dem Gemein­we­sen als direk­ter Fun­dus zur schul­den­fi­nan­zier­ten Inves­ti­tio­nen ver­füg­bar gemacht wer­den. Der Reich­tum aller Bür­ger zusam­men ist der Reich­tum des Gemein­we­sens. Und die­sen Reich­tum zum Gemein­wohl aller ein­zu­set­zen ohne ihn aller­dings im Wege der Steu­er zu beschlag­nah­men, ist die gro­ße Her­aus­for­de­rung der Zukunft. Ein Staat kann nicht arm sein, in dem alle Bür­ger reich sind. Und der Staat kann nicht allei­ne durch steu­er­li­che Teil­ent­eig­nung der Bür­ger sei­ne Auf­wän­de stem­men – zumin­dest nicht, wes es ande­re Wege gibt. In Deutsch­land lie­gen der­zeit knapp 5 Bil­lio­nen Euro als Spar­ein­la­gen bei Pri­vat­ban­ken, die damit zumeist Pro­jek­te finan­zie­ren, die nicht pri­mär im Inter­es­se des Gemein­wohls, son­dern im Inter­es­se der Bank und ihrer Share­hol­der lie­gen. Noch ein­mal: Solan­ge die Share­hol­der und frei­wil­li­gen Ein­le­ger allei­ni­ge Anle­ger bei der Bank waren, war das sinn­voll und legi­tim. Es ist nicht mehr sinn­voll und legi­tim, wenn alle Bür­ger dazu genö­tigt wer­den, ihr Geld als Buch­geld im Wege von Ein­la­gen den Ban­ken ver­füg­bar zu machen.

Die Zen­tral­bank, als Bank des Gemein­wohls, muss also befä­higt wer­den, die Ein­la­gen der Bür­ger nach demo­kra­ti­schen Ver­fah­ren und Regu­la­ri­en dem Staat als Kre­dit ver­füg­bar zu machen. Die 5 Bil­lio­nen Spar­ein­la­gen (oder jeden­falls ein bedeu­ten­der Teil, der dann bei der Zen­tral­bank lie­gen wird), ist ein Fun­dus, aus dem der Staat zu befä­hi­gen ist, gemein­wohl­ori­en­tier­te Pro­jek­te per Ver­schul­dung zu lösen. Der Staat ver­schul­det sich bei sei­nen besit­zen­den Bür­gern, um damit Gemein­wohl­auf­ga­ben zu erle­di­gen. Er zahlt dafür der Zen­tral­bank Zin­sen, die wie­der­um an die Bür­ger wei­ter­ge­ge­ben wer­den kön­nen. Das heißt: Die Zin­sen für die Staats­schul­den flie­ßen nicht an Ban­ken und ihre Share­hol­der, son­dern an die­je­ni­gen, die den Reich­tum erar­bei­tet haben, der zur Finan­zie­rung von Zukunfts­auf­ga­ben dient, die ihnen selbst zugu­te kom­men.

War­um sol­len die Bil­lio­nen­sum­men, die unbe­wegt auf Spar­kon­ten lie­gen, nicht von Staat gelie­hen wer­den, um damit Kran­ken­häu­ser, Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten, Stra­ßen und eine sau­be­re Ener­gie­zu­kunft zu bau­en? Gelie­hen – nicht durch Steu­ern weg­ge­nom­men. Der Kreis­lauf schließt sich ohne Umweg über Ban­ken: der Statt finan­ziert Pro­jek­te, wovon Ein­kom­mens- und Mehr­wert­steu­er gezahlt wer­den, die direkt wie­der an den Staat zurück­flie­ßen und damit die Schul­den­til­gung ermög­li­chen. Der Schul­den­berg erhöht sich nur undra­ma­tisch in der Nähe der Infla­ti­on – wobei die Zen­tral­bank auch hier wie­der durch Zins­steue­rung die Mög­lich­keit hat, den Umfang der Ver­schul­dung direkt zu begren­zen.

Exkurs: Was hie­ße das für Grie­chen­land?

Wie ist die Situa­ti­on in Grie­chen­land? Der Staat blu­tet aus, die Steu­er­ein­nah­men bre­chen ein, Unter­neh­men bre­chen zusam­men, di Arbeits­lo­sig­keit explo­diert. Das Gemein­we­sen liegt auf lan­ge Zeit dar­nie­der. Auf der ande­ren Sei­te gibt es nicht gerin­ge grie­chi­sche Bank­gut­ha­ben. Die­se lie­gen auf Pri­vat­ban­ken, die das Geld – mit Sicher­heit nicht in Grie­chen­land anle­gen wer­den. Sie rin­gen es ins Aus­land, kau­fen Häu­ser in Ber­lin oder was auch sonst, ent­zie­hen es dem grie­chi­schen Gemein­we­sen. Und zwar nicht nur das Geld von Groß­in­ves­to­ren, son­dern von allen Anle­gern und Spa­rern, von allen Teil­neh­mern des Zah­lungs­sys­tems let­zen Endes. Die rie­chen kön­nen nicht anders, als ihr Geld zu Pri­vat­ban­ken zu tra­gen, die dann alles unter­neh­men, das Geld ins Aus­land zu brin­gen, um dort Ren­di­ten zu erwirt­schaf­ten, die in Grie­chen­land nicht erzielt wer­den kön­nen. Womit zugleich die Lage in Grie­chen­land noch ver­schärft wird. Eine töd­li­che Spi­ra­le.

Die Alter­na­ti­ve: Den Bür­gern Grie­chen­lands wird der Weg eröff­net, ihr Geld ohne Risi­ko des Total­ver­lusts bei einer Bank­plei­te sicher bei der Zen­tral­bank ein­zu­zah­len und dort lie­gen zu las­sen – sogar mit einem klei­nen Zins. Die­se Geld stellt die grie­chi­sche Zen­tral­bank wie­der­um gegen Zin­sen (die nied­ri­ger sind als die­je­ni­gen des soge­nann­ten frei­en Kapi­tal­markts) dem grie­chi­schen Staat zur Ver­fü­gung, der dar­aus Inves­ti­tio­nen wie oben genannt vor­nimmt, aber viel­leicht zusätz­lich ver­gleich­bar einer deut­schen „Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau“ genau defi­nier­te Kre­di­te an Pri­vat­un­ter­neh­men ver­gibt.

Ob das den Absturz Grie­chen­lands voll­stän­dig brem­sen und umkeh­ren wür­de, ver­mag ich nicht zu sagen, aber klar ist:

- das grie­chi­sche Gemein­we­sen hät­te Geld zur Ver­fü­gung, das es in Grie­chen­land selbst aus­gibt

- die­ses Geld wür­de in den Taschen der Grie­chen lan­den, die die­se Inves­ti­ti­ons­maß­nah­men rea­li­sie­ren

- sie gehen mit die­sem Geld ein­kau­fen

- die grie­chi­sche Bin­nen­wirt­schaft wür­de mas­siv ange­kur­belt, das Geld flös­se nicht aus Grie­chen­land ab, die Grie­chen hät­ten einen siche­ren Geld­auf­be­wah­rungs­ort

Wer die­sen Vor­teil nicht sieht, der ist ent­we­der blind oder Ban­ker.

3. Abschot­tung des Wäh­rungs­sek­tors gegen die Bank­ge­schäf­te

Pri­vat­ban­ken sind nicht befugt Geld zu schaf­fen. Die­ses Recht und die­se Auf­ga­be obliegt ein­zig den Zen­tral­ban­ken. Was fak­tisch völ­lig hin­fäl­lig ist, da die Buch­geld­pro­duk­ti­on der Pri­vat­ban­ken im Digi­tal­zeit­al­ter längst eine Form der Geld­pro­duk­ti­on ist, die nicht mehr kon­trol­lier­bar ist durch Zen­tral­ban­ken. Die explo­si­ons­ar­ti­ge Ver­meh­rung der glo­ba­len Geld­men­gen zeugt davon. Denn das Buch­geld ist nicht mehr von der „rea­len“ Wäh­rung zu unter­schei­den.

Wäh­rend bereits die oben genann­te For­de­rung der Schaf­fung eines End­kun­den­ge­schäfts bei Zen­tral­ban­ken mit all den mög­li­chen dar­aus fol­gen­den Steue­rungs­mög­lich­kei­ten die Zen­tral­ban­ken weder mit mehr macht ver­sieht, macht es Sinn, Wäh­rung und Bank­buch­geld noch strik­ter von­ein­an­der zu tren­nen, indem das Buch­geld eine eige­ne Wäh­rungs­ein­heit bekommt – ver­gleich­bar dem ECU der Ver­gan­gen­heit. Eine rei­ne Rech­nungs­wäh­rung, in die jedes eige­leg­te Geld umge­rech­net wird, in der jedes Buch­geld geführt wird, das erst beim Kon­takt mit der Zen­tral­bank oder bei der phy­si­schen Aus­zah­lung wie­der in Euro zurück kon­ver­tiert wird.

Bricht die­ses Buch­geld­sys­tem zusam­men – blie­be die Wäh­rung davon unbe­hel­ligt. Es gin­gen viel­leicht die Wäh­rung­s­ei­la­gen bei den Ban­ken ver­lo­ren, mehr aber nicht. Die gewal­ti­gen Ein­schlä­ge durch tau­meln­de Ban­ken blie­ben aus, denn alles, was hier ver­nich­tet wür­de, wäh­rend Ban­ken-Wäh­run­gen. Die Wäh­rung des Gemein­we­sens wäre wei­test­ge­hend unbe­trof­fen.

Fazit

Wer die Ver­än­de­run­gen im Finanz­sys­tem nicht begreift, die in den letz­ten Jahr­zehn­ten begon­nen haben und sich nun aus­zu­wir­ken begin­nen und wer die dar­aus fol­gen­den Schrit­te nicht unter­nimmt, der wird zuse­hen und erklä­ren müs­sen, wie das gesam­te Finanz­sys­tem in den nächs­ten Jah­ren in sich zusam­men bre­chen wird. Wer das nicht will, wird radi­kal neu und unor­tho­dox den­ken und han­deln müs­sen. Viel­leicht so wie oben beschrie­ben. Viel­leicht auch ganz anders. Aber schnell.

 

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