Die diagnostische Paranoia des Psychiaters – Überwachen und diagnostizieren

Juli 22nd, 2014 § Kommentare deaktiviert für Die diagnostische Paranoia des Psychiaters – Überwachen und diagnostizieren § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Eine für die gegenwärtige Überwachungs-Debatte nicht ganz uninteressante Beschreibung zweier para-noider Beobachtungsweisen findet sich bei Anselm Strauss, (Spiegel und Masken, 55f.). Es ist zu tun um die ‚tiefe Interpretation‘, die hinter dem Offensichtlichen einen verborgenen, aber eigentlichen Bedeutungsgehalt vermutet und diesen aufzuklären unternimmt, indem die offensichtlichen Artefakte als Symptome oder Wegweiser zur „tieferen“ Bedeutung genutzt werden. Interessant daran vor allem, dass Strauss (im Anschluss an Schwartz und Stanton) diese als „wissenschaftliche“ durchaus bekannte und akzeptierte Vorgehensweise im psychiatrischen Umfeld betrachtet, genauer in einem Umfeld, das es mit Schizophrenie bzw. schizophrener Para-Noia zu tun hat, damit einem Krankheitsbild, das der ärztlichen Diagnostik nicht unverwandt ist, da es ebenso offensichtliche „Daten“ zu einem ‚tiefer‘ verborgenen Gesamtzusammenhang kombiniert. Der Psychiater beschreibt dieses Krankheitsbild, das er aus den offensichtlichen „Daten“ ableitet, als Wahnvorstellung, ohne dabei vermutlich auf die Idee zu kommen, dass er dieselbe Strategie wie der soeben als wahnhaft diagnostizierte Patient anwendet. Was allerdings gerade dann noch besonders interessant wird, wenn zwei Psychiater aufeinander treffen. Strauss schreibt:

Ist die Bedeutung eines bestimmten Aktes oder einer Reihe von Akten dunkel oder ungewiss – wenn etwa ein Jugendlicher gegenüber einer Mutter ständig sarkastisch ist -, so beginnt der Wissenschaftler, Daten zu sammeln. Diese werden je nach Interesse, Ausbildung und Scharfsicht des einzelnen Forschers » Weiterlesen «

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