Das Prinzip Jago — Text-Download, Trailer, Kritiken

Oktober 9th, 2016 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Wer sich für das Arbeits­er­geb­nis des Esse­ner Wri­ters Rooms, den Stück­text von “Das Prin­zip Jago” inter­es­siert, kann ihn hier direkt und in vol­ler Län­ge als PDF her­un­ter­la­den: Down­load-Link via Web­sei­te des Schau­spiel Essen.

Einen klei­nen Ein­druck von der Insze­nie­rung ver­mit­telt der Trai­ler des Schau­spiel Essen:

Eini­ge Kri­ti­ken:

In Thea­ter Heu­te 10/2016 ist zudem ein Inter­view mit den Betei­lig­ten des Esse­ner Wri­ters Room Vol­ker Lösch, Vera Ring, Oli­ver Schmaering und mir zu lesen. Der Arti­kel ist hier (kos­ten­pflich­tig) online zu fin­den. Oder in der Okto­ber-Print­aus­ga­be.

Abbau der Sozialbürokratie – der blinde Fleck der Diskussion ums bedingungslose Grundeinkommen?

Januar 28th, 2016 § Kommentare deaktiviert für Abbau der Sozialbürokratie – der blinde Fleck der Diskussion ums bedingungslose Grundeinkommen? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Das Kon­zept des Bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens scheint an der Zeit zu sein und ver­spricht, in nähe­rer Zukunft nicht nur zuneh­mend öffent­lich dis­ku­tiert zu wer­den, son­dern auch stei­gen­de Wahr­schein­lich­keit auf Rea­li­sie­rung zu bekom­men: es heißt gele­gent­lich, die kürz­lich bekannt gewor­de­ne geplan­te Initia­ti­ve der Fin­ni­schen Regie­rung sei ein Schritt zum Grund­ein­kom­men. In der Schweiz wird dem­nächst ein Volks­ent­scheid mit dem (angeb­li­chen) Ziel eines Grund­ein­kom­mens abge­hal­ten wer­den. In Deutsch­land gibt es nicht nur wach­sen­de Initia­ti­ven und Bewe­gun­gen, die auch in den vor­han­de­nen poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen Gehör und Befür­wor­ter fin­den. Son­dern es mel­den sich auch ein­fluss­rei­che Wirt­schafts­ver­tre­ter zu Wort, (Tele­kom, Davos), die dem Kon­zept etwas abge­win­nen kön­nen. Es soll hier außer acht blei­ben, dass „Bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men“ ein gan­zen Bün­del von Kon­zep­ten (hier ein recht fun­dier­ter Über­blick über eini­ge Kon­zep­te von Ronald Blasch­ke aus dem Jahr 2008) umfasst, die in ihrem Umfang, ihren Aus­wir­kun­gen und Zie­len extrem unter­schied­lich sind: zwi­schen neo­li­be­ra­lem Sozi­al­kahl­schlag und eman­zi­pa­to­ri­scher Sozi­al­uto­pie. Ins­ge­samt und auf­grund der kon­zep­tio­nel­len Viel­falt bleibt das BGE des­we­gen umstrit­ten. Ein Ele­ment, das aber gera­de­zu bedin­gungs­los von allen Model­len posi­tiv ange­führt wür­de, ist der damit (angeb­lich) mög­li­che (weit­ge­hen­de) Abbau der soge­nann­ten Sozi­al­bü­ro­kra­tie. Also jener Ver­wal­tung, die heu­te für die Bewil­li­gung und Beschei­dung der Anträ­ge zustän­dig ist. Die­ser Bestand­teil der Uto­pie soll hier in den Blick genom­men wer­den – weil die aus­blei­ben­de Dis­kus­si­on, ob das wün­schens­wert ist, ein blin­der Fleck ist, der weit weni­ger selbst­ver­ständ­lich auf Zustim­mung hof­fen kann, befasst man sich damit.

(Cap­tatio Ben­evo­len­tiae: Nicht alle Begrif­fe im fol­gen­den Text sind scharf defi­niert, noch wer­den sie in einem stren­gen Sin­ne oder in Anleh­nung an bestimm­ten wis­sen­schaft­li­chen Sprach­ge­brauch ver­wen­det. Das ist ein Man­ko. Aber ein hof­fent­lich akzep­ta­bles.)

Die­se Sozi­al­bü­ro­kra­tie ist zwei­fel­los nicht nur ein Ärger­nis für die Hil­fe­be­dürf­ti­gen. Sie ist durch die Maß­nah­men der letz­ten Jah­re zuneh­mend zu einer Kon­troll- und Über­wa­chungs­in­sti­tu­ti­on umge­baut wor­den, die die Antrag­stel­ler und Leis­tungs­be­rech­tig­ten nicht unter­stützt, son­dern eher kujo­niert bis an der Rand der Ent­wür­di­gung durch absur­de „Mit­wir­kungs­pflich­ten“. Das mag nicht jeder glau­ben, ins­be­son­de­re » Wei­ter­le­sen «

Maischberger gestern — oder mit der AfD in die Argument Clinic

Januar 28th, 2016 § Kommentare deaktiviert für Maischberger gestern — oder mit der AfD in die Argument Clinic § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Der Ablauf der gest­ri­gen Maisch­ber­ger-Sen­dung “Tabu­par­tei AfD – Deutsch­land auf dem Weg nach rechts?” wur­de von den Mony Pythons vor über 40 Jah­ren hell­sich­tig vor­ge­spielt. Alle Betei­lig­ten hiel­ten sich an das Vor­bild.

Ein Aus­zug aus dem Dia­log, der die Situa­ti­on hübsch zusam­men­fasst:

M: I came here for a good argu­ment!
O: AH, no you didn’t, you came here for an argu­ment!
M: An argu­ment isn’t just con­tra­dic­tion.
O: Well! it CAN be!
M: No it can’t!
M: An argu­ment is a con­nec­ted series of state­ments inten­ded to esta­blish a pro­po­si­ti­on.
O: No it isn’t!
M: Yes it is! ’tisn’t just con­tra­dic­tion.
O: Look, if I *argue* with you, I must take up a con­tra­ry posi­ti­on!
M: Yes but it isn’t just say­ing ‘no it isn’t’.
O: Yes it is!
M: No it isn’t!
O: Yes it is!
M: No it isn’t!
O: Yes it is!
M: No it ISN’T! Argu­ment is an intel­lec­tu­al pro­cess. Con­tra­dic­tion is just the auto­ma­tic gain­say­ing of any­thing the other per­son says.
O: It is NOT!
M: It is!
O: Not at all!
M: It is!
(The Arguer hits a bell on his desk and stops.)
O: Thank you, that’s it.
M: (stun­ned) What?
O: That’s it. Good morning.
M: But I was just get­ting inte­rested!
O: I’m sor­ry, the five minu­tes is up. Quel­le

Ich bin mir nicht sicher, ob der AfD und den Rech­ten auf die­se Wei­se bei­zu­kom­men ist. Anders: Ich bin eher sicher, dass die­se Sket­che der fal­sche Weg sind.

In jedem Fal­le: Ein ech­tes Post­dra­ma, wenn die “Wirk­lich­keit” die “Kunst” der­art prä­zi­se nach­ahmt.

Die Deutsche Bank und wie sie die Zukunft der Arbeit sieht (spoiler: dystopisch)

Juli 9th, 2015 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Pro­gno­sen blei­ben schwie­rig — ins­be­son­de­re wenn die die Zukunft betref­fen. Und sie erzäh­len zumeist mehr über die Zeit, in der sie ent­ste­hen, als über die nähe­re oder fer­ne­re Zukunft, über die sie zu erzäh­len sich vor­neh­men oder vor­ge­ben. So vehe­ment die eige­ne sehe­ri­sche Fähig­keit auch betont wer­den mag — die Wahr­schein­lich­keit, auf empi­ri­schen Indi­zi­en begrün­det, ist doch ver­gleichs­wei­se gering, dass die­se Fähig­keit tat­säch­lich grund­sätz­lich und nach­weis­lich die­sem oder jenem Auto­ren zukommt, der dar­auf Anspruch erhebt. Das gilt natür­lich in beson­de­rem Maße für Auto­ren von Ban­ken, die sich anschi­cken die gesell­schaft­li­che Zukunft der nächs­ten Jah­re vor­her­zu­sa­gen, dabei aber nicht ein­mal in der Lage sind, die Bör­sen­kur­se der nächs­ten Minu­ten (von bevor­ste­hen­den Finanz­kri­sen, Bör­sen­crashs ganz zu schwei­gen) vor­her­zu­sa­gen.

Den­noch die Lek­tü­re wert ist der Text über die Zukunfts­as­sich­ten des soge­nann­ten Arbeits­mark­tes von der Deut­schen Bank, genau­er: Deut­sche Bank Rese­arch, über den vor eini­gen Wochen bereits in der FAZ (hier) berich­tet wur­de und der nun online zu lesen ist. Der Ver­fas­ser » Wei­ter­le­sen «

Abschaffung des Bargelds II: Entmachtung des Bürgers

Juni 14th, 2015 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im ers­ten Teil des Bei­trags war geschil­dert wor­den, wie die bevor­ste­hen­de Abschaf­fung des Bar­gelds die Bür­ger auf Gedeih und Ver­derb den Geschäfts­ban­ken aus­lie­fert. In die­sem Teil soll nun gezeigt wer­den, dass die aktu­ell dis­ku­tier­te Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ein Witz gegen das ist, was mit der Bar­geld­ab­schaf­fung bevor­steht. Hell­hö­rig dürf­te dabei machen, dass „Exper­ten“, die die Bar­geld­ab­schaf­fung for­dern, ins­be­son­de­re damit argu­men­tie­ren, dass damit Kri­mi­nel­le (ins­bes. Dro­gen­händ­ler) und Steu­er­hin­ter­zie­her getrof­fen wer­den. (z.B. hier). » Wei­ter­le­sen «

Abschaffung des Bargelds I: Enteignung des Bürgers

Juni 13th, 2015 § Kommentare deaktiviert für Abschaffung des Bargelds I: Enteignung des Bürgers § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Seit eini­gen Wochen meh­ren sich Stim­men, die die end­gül­ti­ge Abschaf­fung des Bar­gelds for­dern (Peter Bofin­ger), ernst­haft erwä­gen oder mit unter­schied­li­chen Argu­men­ten ableh­nen (Roland Tichy, Hei­ner Flass­beck). Zugleich fin­det sich eine ver­gleichs­wei­se brei­te poli­ti­sche Öffent­lich­keit, die die soge­nann­te Vor­rats­da­ten­spei­che­rung kri­ti­siert oder akti­vis­tisch bekämpft – ohne offen­bar zu ahnen, dass sich hin­ter der Bar­geld-Debat­te eine Art der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung und Ermäch­ti­gung des Staa­tes (und der Ban­ken) ver­birgt, als sie sich in ihren ärgs­ten Alb­träu­men aus­ma­len könn­ten. War­um das so ist – das soll die­ser zwei­tei­li­ge Arti­kel aus­füh­ren. Im ers­ten Teil wird die Ver­schie­bung beschrie­ben, die sich im Ver­hält­nis zwi­schen Geschäfts­ban­ken und Bür­gern ein­stellt. Im zwei­ten, mor­gen fol­gen­den Teil, die Ver­än­de­rung, die sich im Ver­hält­nis zwi­schen Regie­rung und Bür­gern dadurch ein­stellt und die bei genau­er Betrach­tung nicht nur eine Umde­fi­ni­ti­on von “Frei­heit” hin zu der Frei­heit ist, frei­weil­lig an einem Ermitt­lungs­ver­fah­ren teil­zu­ha­ben, das nicht nicht statt­fin­den und dem sich zu ent­zie­hen unmög­lich ist, son­dern auch zu einer Bewe­gung weg von einem demo­kra­ti­schen Staats­we­sen führt. » Wei­ter­le­sen «

“Theater der digitalen Gesellschaft” — Vortrag auf dem Branchentreff der freien darstellenden Künste am 24.10.2014

November 18th, 2014 § Kommentare deaktiviert für “Theater der digitalen Gesellschaft” — Vortrag auf dem Branchentreff der freien darstellenden Künste am 24.10.2014 § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich habe ver­ges­sen, den Text online zu stel­len. Das gilt es, jetzt nach­zu­ho­len für alle, die nach­le­sen möch­ten. Der ers­te Teil des Tex­tes ist eine kür­ze­re, leicht über­ar­bei­te­te Ver­si­on des Mann­hei­mer und Dort­mun­der Vor­tra­ges. Im letz­ten Teil dann mehr zum Frei­en und Stadt­thea­ter.
Hier ist der Vor­trag als PDF.

Digitale Agenda 25 Jahre zu spät. Was nun?

August 31st, 2014 § Kommentare deaktiviert für Digitale Agenda 25 Jahre zu spät. Was nun? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Lans­gam scheint sich — bei­spiels­wei­se im Buch­markt — Panik breit zu machen, ange­sichts der schein­bar über­mäch­ti­gen Kon­kur­renz. Wie es dazu kam, war­um die­se Über­macht schein­bar so über­mäch­tig ist, und welch alten euro­pi­schen Stär­ken in die­ser Situa­ti­on hilf­reich sein kön­nen, davon han­delt die­ses sehr lan­ge Pos­ting.

Digi­ta­le Agen­den

Vor knapp zwei Wochen hat die Regie­rung der Bun­des­re­pu­blik Neu­land also eine soge­nann­te “Digi­ta­le Agen­da” beschlos­sen. Dass das ein jäm­mer­li­ches Gebil­de ist, wur­de an vie­ler­lei Stel­le bere­reits bemerkt. Wie jäm­mer­lich es tat­säch­lich » Wei­ter­le­sen «

“Theater der digitalen Gesellschaft” — Vortrag beim NRW Theatertreffen 2014

Juni 13th, 2014 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im Fol­gen­den ist der Vor­trag als PDF zu fin­den und her­un­ter­zu­la­den, den ich bei der Eröff­nungs­ver­an­stal­tung des NRW Thea­ter­tref­fens 2014 in Dort­mund die Ehre und das Ver­gnü­gen hat­te zu hal­ten. Zusätz­lich stel­le ich hier noch ein­mal den län­ge­ren Vor­trag “Auf dem Weg zum agi­len Thea­ter” (gehal­ten auf der Jah­res­ta­gung der Dra­ma­tur­gi­schen Gesell­schaft 2014 in Mann­heim) zur Ver­fü­gung. Außer­dem die von mir aus den Sta­tis­ti­ken des Deut­schen Büh­nen­ver­eins für die Thea­ter in Nord­rhein-West­fa­len zusam­men­ge­stell­ten Zah­len in einer Excel-Datei zum Down­load.

»Der Dort­mun­der Vor­trag kann hier her­un­ter­ge­la­den wer­den.Die Prä­sen­ta­ti­ons-Bil­der sind eben­falls in die­sem PDF zu fin­den.

»Die Excel-Datei mit den Büh­nen­ver­eins-Zah­len für Nord­rhein-West­fa­len kann hier her­un­ter­ge­la­den wer­den. Ich hof­fe, die Beschrif­tun­gen sind eini­ger­ma­ßen ver­ständ­lich. Soll­ten in die­ser Datei trotz aller Sorg­falt Über­tra­gungs­feh­ler vor­kom­men, bit­te ich dafür um Ent­schud­li­gung und um Hin­weis, damit ich kor­ri­gie­ren kann.

»Wer den län­ge­ren Vor­trag aus Mann­heim mit den Aus­füh­run­gen über die agi­le Orga­ni­sa­ti­on her­un­ter­la­den möch­te, wird hier fün­dig.

»Und dies sind die Mann­hei­mer Prä­sen­ta­ti­ons-Sli­des:

 

»Außer­dem ist der Mann­hei­mer Vor­trag auch in einer leicht geän­der­ten Form auf nachtkritik.de zu fin­den: Auf dem Weg zum agi­len Thea­ter.

Aufspaltung und Stabilisierung der Demokratie durch Fernsehen #MediaDivina

Juni 28th, 2013 § Kommentare deaktiviert für Aufspaltung und Stabilisierung der Demokratie durch Fernsehen #MediaDivina § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ein Sky­po­nat mit Klaus Kusanow­sky bringt mich dazu einen Gedan­ken her­un­ter­zu­schrei­ben, der mir schon län­ger durch den Kopf geht und der Teil eines grö­ße­ren Pro­jek­tes mit dem Arbeits­ti­tel „Moni­to­ri te salut­ant – Über­wa­chen und Fern­se­hen“ ist. Näm­lich den Fol­gen­den:

Nip­kows „elek­tri­sches Tele­skop“, als das das Fern­se­hen hier bereits mehr­fach beschrie­ben wur­de (hier und hier), leis­tet die Aus­stan­zung aus dem poten­zi­ell wahr­nehm­ba­ren Kon­ti­nu­um durch das Kame­ra­ob­jek­tiv, die Mar­kie­rung eines Aus­schnit­tes als her­aus­ra­gend und zugleich die Über­tra­gung die­ses Bil­des in einen unmar­kier­ten Raum, d.h. in Räu­me, in denen Zuschau­er vor ihren Hei­li­gen­schrei­nen die Nach­rich­ten ver­fol­gen.

Die­se Struk­tur ist für die demo­kra­ti­sche Ver­fas­sung von Staa­ten des spä­ten 20. Jahr­hun­derts von fun­da­men­ta­ler Bedeu­tung. Lässt man nicht allei­ne wört­lich Demo­kra­tie aus Demos, den Beherrsch­ten, und Kra­tos, den Herr­schen­den bestehen, so ist die Auf­tei­lung in die­se bei­den funk­tio­na­len Posi­tio­nen alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich. Wie kommt es, dass eine Grup­pe zu Kra­tos wird und in die­ser Funk­ti­on sta­bi­li­siert wird, wie kann der Rest sich im unmar­kier­ten Raum der Bevöl­ke­rung, des Demos, wie­der­fin­den – wenn nicht (im spä­ten 20. Jahr­hun­dert jeden­falls) durch das Fern­se­hen?

Die Ega­li­tät der Bevöl­ke­rung für den Herr­scher

Im vor­de­mo­kra­ti­schen Zeit­al­ter waren die Din­ge klar: in die Herr­schaft wur­de der Herr­scher hin­ein­ge­bo­ren, umge­ben von einer Grup­pe von poten­zi­ell Herr­schafts­fä­hi­gen, mit eige­nen (mehr oder min­der begrenz­ten) Herr­scher­be­fug­nis­sen in begrenz­ten Ter­ri­to­ri­en aus­ge­stat­tet. Der Pöbel war durch dicke Mau­ern und bewaff­ne­te Wäch­ter aus­schließ­bar. Dass über­haupt Herr­schaft statt­fand, dass abso­lu­te Macht (wenn schon kein Abso­lu­tis­mus) herrsch­te, muss­te der Herr­scher von Zeit zu Zeit aktua­li­sie­ren: Mit­tels Steu­er­ein­trei­bung und Armee­aus­he­bun­gen etwa. Oder in Zwi­schen- und Frie­dens­zei­ten durch Erlas­se und Ver­ord­nun­gen, die ver­viel­fäl­tigt in die letz­ten Win­kel des Lan­des getra­gen und dort an Kir­chen- oder Rat­haus­tü­ren gena­gelt und von Kan­zeln ver­le­sen wur­den. Dass die­sen Ver­fü­gun­gen kaum prak­ti­sche Bedeu­tung zukam, wie neue­re Stu­di­en über den Mythos des Abso­lu­tis­mus zei­gen, lag dar­an, dass der Zen­tral­herr­scher kei­ne hin­rei­chen­de Orga­ni­sa­ti­on hat­te, um die Ver­brei­tung und ins­be­son­de­re Ein­hal­tung der Ver­fü­gun­gen über­prü­fen und sich mit­tei­len zu las­sen, kei­ne loka­len Mäch­te in hin­rei­chen­der Zahl, um über­all die Ein­hal­tung durch­zu­set­zen. Die Ver­ord­nun­gen an ihren Nägeln waren der Exis­tenz­be­weis der Herr­schaft. Die Nicht­ein­hal­tung, das Quit­tie­ren eines zen­tra­len Edikts durch Ach­sel­zu­cken durch die Bevöl­ke­rung war sei­ne Schwä­che. In einem inter­es­san­ten Auf­satz schreibt Achim Land­wehr:

Die media­len Mög­lich­kei­ten der Publi­ka­ti­on und Ver­brei­tung sol­cher Befeh­le waren ver­hält­nis­mä­ßig begrenzt und bestan­den vor­nehm­lich im Aus­hang und der öffent­li­chen Ver­le­sung. Ang­sichts einer all­ge­mein als gering zu ver­an­schla­gen­den Alpha­be­ti­sie­rung kam vor allem der Ver­le­sung, ob sie nun vom Rat­haus oder von der Kir­chenkan­zel von­stat­ten ging, ein recht hoher Stel­len­wert zu. Hier stell­te sich aber ein wei­te­res, kaum zu unter­schät­zen­des und auch zeit­ge­nös­sisch bereits the­ma­ti­sier­tes Pro­blem: Wie ließ sich garan­tie­ren, daß bei­spiels­wei­se nach » Wei­ter­le­sen «

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