Die Mediengesellschaft nach Loriot

August 23rd, 2011 § Kommentare deaktiviert für Die Mediengesellschaft nach Loriot § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Man kann ein Buch dar­über schrei­ben. Oder sich das hier anschau­en.

Von der Internation zur Netion: Überlegungen zum Raum des Politischen und zur postdramatischen Opensourcokratie

August 18th, 2011 § 4 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

In der neu­es­ten ARD/Z­DF-Online­stu­die bin ich über einen Ver­tip­per gestol­pert, der mir sehr gefiel:

Nicht nur die gele­gent­li­che zeit­ver­setz­te Nut­zung von Fern­seh­sen­dun­gen oder Aus­schnit­ten dar­aus via Inter­nat hat sich seit 2008 von 14 Pro­zent auf 29 Pro­zent ver­zwei­facht, … (hier Sei­te 4f.)

Das „Inter­nat“ ist ein wun­der­ba­res Bild für die tra­di­tio­nel­le, doku­ment­ba­sier­te Nati­on: Räum­li­ches Zusam­men­woh­nen unter Auf­sicht von Auto­ri­tä­ten, Zugangs- und Aus­gangs­be­schrän­kun­gen und auto­ri­tä­re Fest­le­gun­gen sowohl der For­men und Regeln sowohl des Zusam­men­le­bens als auch des­sen, was zu leh­ren und zu ler­nen, zu wis­sen und zu kön­nen ist. Die Nati­on war (und ist noch) ein Inter­nat, Inter­na­tio­na­li­tät die Zusam­men­ar­beit von Inter­na­ten. (N.B.: Viel­leicht ist es gar kein Zufall, dass die erfolg­reichs­te Roman­se­rie der letz­ten Jah­re gera­de in einem Inter­nat spielt, einem letz­ten zau­ber­haf­ten Traum die­ser nur noch als his­to­ri­sche Wohl­fühl­re­mi­nis­zenz tau­gen­den Lebens­form). Die Leit­dif­fe­ren­zen, die die­ses Inter­nat aus­mach­ten, wer­den nun von der Inter­ne­tio­na­li­tät kas­siert: Raum­gren­zen, Auto­ri­täts­po­si­tio­nen, ver­bind­li­che Regeln und Wahr­hei­ten fin­den sich nicht vor-geschrie­ben in der Neti­on. Weni­ger Orga­ni­sa­ti­on, ist sie eher Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on oder Auto­po­ie­sis. Die herr­schen­de Lehr­mei­nung wird zur geteil­ten Mei­nung, die ver­bind­li­che Erzäh­lung wird, wie letz­tens geschrie­ben, in einem Geflecht von Erzäh­lun­gen auf­ge­löst, die zwar noch erzählt wer­den, für die es aber immer schwie­ri­ger wird, sich durch­zu­set­zen. Noch mag zeit­ver­setz­tes Anse­hen der Mas­sen­me­di­en einen Rest sol­cher Erzähl­macht im Inter­nat zei­gen. Aber – aller lita­nei­haft wie­der­hol­ten Beteue­run­gen in der ARD/Z­DF-Stu­die zum Trotz – es wird mehr und meh­re eine Erzäh­lung unter vie­len ande­ren. In der Stu­die heisst es auch (hier auf Sei­te 15):

Wenn es dar­um geht, ein Mas­sen­pu­bli­kum zu mobi­li­sie­ren, reicht kein Medi­um an das Fern­se­hen her­an.

Das ist natür­lich eine wun­der­ba­re Ver­dre­hung der Tat­sa­chen – denn Mas­sen­me­di­en mobi­li­sie­ren natür­lich nicht wirk­lich. Es reicht viel­mehr kein ande­res Medi­um an die Fähig­keit der Mas­sen­me­di­en her­an, die Mas­sen zu immo­bi­li­sie­ren. Man sitzt still im Inter­nat ein­ge­sperrt und glotzt fern.

End­li­che und unend­li­che Dis­kus­si­on

Zu den Kern­fä­hig­kei­ten der immo­bi­li­sie­ren­den Inter­na­ti­on gehör­te es, Dis­kus­sio­nen dra­ma­tisch auf­zu­be­rei­ten, auf den binä­ren Ent­schei­dungs­punkt zuzu­spit­zen und dann durch Ent­schei­dung zu been­den. Die Viel­falt des Stim­men- und Erzäh­lungs­ge­wirrs ist nichts Neu­es. Die Inter­na­ti­on führ­te nur einen Pro­zess ein, der eben die Grau­tö­ne in Schwarz/Weiß über­führ­te und dann Schwarz oder Weiß, Schwarz oder Rot als Kern­al­ter­na­ti­ven her­aus­stell­te. Die­se Reduk­ti­on fand ins­be­son­de­re über die mög­lichst öffent­li­che Debat­te (in Par­la­men­ten oder Mas­sen­me­di­en) statt. Erst wird debat­tiert, dann kann abge­stimmt wer­den. Und damit ist fest-gesetzt was Gesetz wird. Die­se Fähig­keit eig­net der Neti­on nicht, in der die Debat­ten aus­ufern durch ten­den­zi­ell unend­li­che Ver­meh­rung der Debat­ten­teil­neh­mer, Debat­ten­platt­for­men und Debat­ten­bei­trä­ge. Das ist das Pro­blem, das sich mit der ent­ste­hen­den Neti­on auf­tut und das nicht ein­fach » Wei­ter­le­sen «

Von der dokumentarischen Erzählung zur Spekulation: Börsencrashs, Medienhypes, Ende des Dramas

August 14th, 2011 § 2 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Von dem weiss­gar­nix-Mit­blog­ger Frank Lüb­ber­ding ist in der FAZ hier  ein Arti­kel zu lesen, in dem er mit gewis­ser Wut Medi­en Mit­schuld gibt an den Ver­wer­fun­gen an der Bör­se. Dabei scheint er die­se Behaup­tung ansatz­wei­se für unge­heu­er­lich oder skan­da­lo­gen zu hal­ten. Mit einer For­mu­lie­rung, die hier aus dem Blog stam­men könn­te, schreibt er:

Die Finanz­märk­te wer­den aber als ein […] Dra­ma insze­niert. […]Die Medi­en lau­schen jedem State­ment und posau­nen es in die Welt. Um die inhalt­li­che Rele­vanz sol­cher Stel­lung­nah­men geht es nicht. Die größ­te Posau­ne in die­sem Orches­ter ist der Online-Ticker. […]  Jedes Kata­stro­phen-Sze­na­rio bekommt sei­ne Plau­si­bi­li­tät, weil es mit den Erwar­tun­gen des Publi­kums über­ein­stimmt. Es ist süch­tig gewor­den nach Neu­ig­kei­ten. So machen die Medi­en aus der Vola­ti­li­tät eines Han­dels­ta­ges ein Dra­ma, das sich bes­tens ver­mark­ten lässt

Und als eine Art Quint­essenz lässt sich lesen:

Medi­en und Märk­te leben in einer sym­bio­ti­schen Bezie­hung.

Das klingt nach einer klu­gen Ein­sicht – aber das Rab­bit Hole geht tie­fer, als Lüb­ber­ding zumin­dest an die­ser Stel­le andeu­tet. Es ist kein Zufall, dass der Begriff der Spe­ku­la­ti­on sowohl in der  Finanz­welt wie in der Medi­en­welt gera­de als Gesamt­zu­stands­be­schrei­bung die­nen kann. Sowohl die media­le als auch die finanz­markt­li­che Spe­ku­la­ti­on lässt sich von unsor­tier­ten Neu­ig­kei­ten (Lüb­ber­dings Live-Ticker) und Gerüch­ten zum Han­deln ver­lei­ten. Der Bör­sia­ner kauft oder ver­kauft, der Jour­na­list haut eine ver­kauf­ba­re oder nicht-ver­kauf­ba­re Mel­dung raus.

Märk­te und Medi­en – und Poli­tik

Das selt­sa­me sin­gu­la­re tan­tum „die Märk­te“ lebt mit dem ande­ren sin­gu­la­re tan­tum „die Medi­en“ nicht nur in einer sym­bio­ti­schen Bezie­hung. Viel­mehr sind media­le und märkt­li­che Spe­ku­la­ti­on letz­ten Endes das­sel­be. „Die Märk­te“ reagie­ren auf Mel­dun­gen der Medi­en. Es gibt kei­nen Tra­der­saal ohne Ticker und Lauf­bän­der, die aus Medi­en­in­hal­ten gespeist wer­den. Ähn­lich den ein­ge­blen­de­ten Akti­en­kur­sen fun­gie­ren die durch­lau­fen­den Mel­dun­gen aus den unter­schied­li­chen Quel­len und Ecken der Welt als Hand­lungs­grund­la­ge für Tra­der. „Die Märk­te“ hän­gen ab von „den Medi­en“. Zugleich lie­fern sie wie­der­um Mel­dun­gen für „die Medi­en“. Gera­de in schein­bar kri­sen­haf­ten  Situa­tio­nen wie in den letz­ten Wochen kon­zen­trie­ren sich „die Medi­en“ auf die Han­dels­ver­läu­fe an der Bör­se. „Der DAX“ wird mit sei­nen Bewe­gun­gen zum Haupt­ge­gen­stand der Live-Ticke­rei. Dabei ist der DAX sel­ber nichts als ein kom­mu­ni­ka­ti­ons­er­mög­li­chen­des Kon­strukt. Wie ande­re Indi­ces auch, bil­det er eine mehr oder min­der zufäl­li­ge Aus­wahl von Unter­neh­mens-Akti­en­wer­ten ab und gene­riert damit einen zeit­lich dar­stell­ba­ren Ver­lauf. Er hat kei­ne Aus­sa­ge – es sei denn, er wird in eine Erzäh­lung inte­griert. Die Erzäh­lung der gesamt­wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on und Ent­wick­lung etwa. Die­se Erzäh­lung erzäh­len „die Medi­en“. Und sie erzäh­len sie im poli­ti­schen Umfeld und lei­ten dar­aus Hand­lungs­auf­for­de­run­gen an „die Poli­tik“ ab. Etwa die­je­ni­ge, die Staats­ver­schul­dung zu kor­ri­gie­ren.

Die “Ent­kopp­lung von der Real­wirt­schaft”

Gele­gent­lich lässt sich in Kom­men­ta­ren die Dia­gno­se oder die Kri­tik lesen und hören, dass „die Märk­te“ sich von der Real­wirt­schaft abge­kop­pelt hät­ten. Dar­in schwingt die Erwar­tung mit, dass der Akti­en­wert eines Unter­neh­mens gefäl­ligst sei­ne wirt­schaft­li­che Situa­ti­on wie­der zu spie­geln habe. Als wäre der Akti­en­wert eine Art Wirt­schafts­ther­mo­me­ter, das in einer quan­ti­fi­zier­ten Anga­be unum­stöß­lich zeigt, wel­chen Wert ein Unter­neh­men hat. So naiv das schon immer gewe­sen sein mag – die­se Kop­pe­lung ist nur eine der mög­li­chen Kop­pe­lun­gen. Not­wen­dig war und ist sie nicht. Denn der Wert einer Aktie wird nicht von einer Rating­kom­mi­si­on bestimmt, son­dern von Han­deln­den Akteu­ren, die den Preis der Aktie unter sich aus­ma­chen. Die gele­gent­li­che auf­ge­reg­te Ver­blüf­fung, dass Kur­se „fun­da­men­tal gesun­der“ oder „grund­so­li­der Unter­neh­men“, die viel­leicht sogar kon­stan­ten Gewinn abwer­fen, sinkt, wäh­rend Phan­ta­sie­un­ter­neh­men wie die­je­ni­gen der High­tech-Bub­b­le vor der Jahr­tau­send­wen­de, ins Uner­mess­li­che stei­gen, zeigt die noch vor­han­de­ne Nai­vi­tät bei eini­gen Beob­ach­tern. Sie sind den alten Erzähl­for­men noch ver­haf­tet. Sie glau­ben noch an das Dra­ma.

Die Macht der Erzäh­lung

In der Hoch­zei­ten der Doku­ment­ge­sell­schaft war es Auf­ga­be der Mas­sen­me­di­en, nicht nur die als Nach­rich­ten zu prä­sen­tie­ren­den Gescheh­nis­se aus­zu­wäh­len, son­dern ins­be­son­de­re auch, eine Geschich­te dar­aus zu gene­rie­ren, die sich von „Aus­ga­be zu Aus­ga­be“ (der Zei­tung, der Radio- oder Fern­seh­nach­rich­ten­sen­dung) wei­ter erzäh­len ließ. Die­se Geschich­te setz­te aus Gescheh­nis­sen an und lei­te­te dar­aus Vor­bli­cke auf mög­li­cher­wei­se Gesche­hen­des bzw. For­de­run­gen an die Akteu­re ab, wie denn zu han­deln sei. Im Cha­os des All­tags sorgt das Medi­um für Ori­en­tie­rung. Aus den Hand­lungs­for­de­run­gen wird Druck auf ver­ant­wort­li­che poli­ti­sche Akteu­re gene­riert, indem man sich der will­fäh­ri­gen Oppo­si­ti­on bedient. Irgend­ei­ner von denen wird schon etwas for­dern, das in die media­le Sto­ry passt.

Die­se Erzähl­kunst war auch im Bereich der Bör­se gefragt. Die Kurs­be­we­gun­gen soll­ten von Zei­chen­deu­tern – den Augu­ren der römi­schen Anti­ke durch­aus ver­gleich­bar – auf­ge­nom­men und in eine Erzäh­lung ein­ge­fügt wer­den. Es sind die Erzäh­lun­gen, die jeden Abend in den Bör­sen­be­richt­erstat­tun­gen der Fern­seh­ka­nä­le statt­fin­den, eben­so die Erzäh­lun­gen in den » Wei­ter­le­sen «

Feuer in London, Finanzkrise, Erzählmacht und ctrl-Gewinn

August 10th, 2011 § Kommentare deaktiviert für Feuer in London, Finanzkrise, Erzählmacht und ctrl-Gewinn § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im Dis­kus­si­ons­thread mei­nes Gast­bei­trags auf nacht­kri­tik (hier) frag­te ein Kom­men­ta­tor, ob jene im Arti­kel gefor­der­te Kon­zen­tra­ti­on des Thea­ters auf das umge­ben­de Gesell­schaft­li­che in der Netz­ge­sell­schaft eine Poli­ti­sie­rung beinhal­te. Ich hat­te mit einem Link auf mei­nen zwei Jah­re alten Text Das Poli­ti­sche zurück ins Thea­ter (hier down­load­bar) dar­auf geant­wor­tet. Dort hat­te ich am Bei­spiel der Geschich­te­n­er­stel­lung rund um den Amok­lauf von Win­nen­den zu zei­gen ver­sucht, wie sehr sich das Poli­ti­sche gera­de in der Gene­se eines ver­bind­li­chen Dra­mas zeigt und zugleich ver­birgt – in der Dra­ma­tur­gie. Ange­sichts von Ereig­nis­sen, die das geüb­te Erzäh­len der Medi­en her­aus­for­dern und zu unter­bre­chen schei­nen, lau­fen die Print-, Radio- und Mas­sen­me­di­en gera­de­zu hys­te­risch zu einer Hoch­form auf, die sich dar­in zeigt, dass unter­schied­li­che Erzäh­lungs­an­sät­ze aus­pro­biert wer­den. Und gera­de der genaue Blick auf die­se Erzäh­lun­gen und ihre Ent­ste­hung, ihre Dra­ma­tur­gie und ihre Impli­ka­tio­nen sind es, die ein Thea­ter zu fokus­sie­ren hat, das das Poli­ti­sche auf­neh­men will.

Wie wird „Lon­don“ beob­ach­tet

Es ist bedau­er­lich, dass gera­de jetzt Klaus Kusanow­sky in eine Blog­pau­se abge­taucht ist, wäre doch aus sei­nem schar­fen Blick auf das Beob­ach­ten ver­mut­lich eini­ges an pro­vo­kan­ten Ein­sich­ten über die Form der Beob­ach­tung des­sen, was in Lon­don sich gera­de voll­zieht, zu erwar­ten. Wie beob­ach­ten Medi­en die Ereig­nis­se in Lon­don, Man­ches­ter und Bir­ming­ham? Wie beschrei­ben sie ihre Beob­ach­tung, wel­ches Dra­ma bau­en sie dar­aus und ver­su­chen, es als gül­ti­ge Beob­ach­tung zu eta­blie­ren? Wird die Geschich­te von Unter­pri­vi­le­gier­ten erzählt, deren unge­rich­te­te Wut sich nun­mehr „blind“ in einem Auf­stand ent­lädt – den Auf­stän­den in Los Ange­les 1992 oder der Pari­ser Ban­lieue ver­gleich­bar? Han­delt es sich um eine eng­li­sche Form der Sozi­al­pro­tes­te, wie sie auch in Spa­ni­en zu beob­ach­ten sind? Arti­ku­liert sich hier also sozia­le Ungleich­heit in flam­men­den Fana­len? Oder han­delt es sich um „Ban­den“, die die gegen­wär­ti­ge Unüber­sicht­lich­keit, die Unfä­hig­keit der som­mer­lich schläf­ri­gen Ord­nungs­au­to­ri­tä­ten aus­nut­zen, um mai­fer­tags- und hoo­li­g­an­haf­te Ran­da­le und Kra­wal­le anzu­zet­teln? Die gött­li­che Ina Berg­mann, vor­ma­li­ge Würst­chen­bu­den­be­sit­ze­rin in Lon­don und ein­zig­ar­ti­ge Nacht­jour­nal-Mode­ra­to­rin des ZDF, die ver­län­ger­tes Wach­blei­ben durch unver­gleich­li­chen Mode­ra­ti­ons­stil und Kugel­schrei­ber­ar­tis­tik belohnt, brach­te Mon­tag­abend sowohl die Refe­renz auf L.A.  und Paris wie auch die Beschrei­bung des Gesche­hens als Ban­den­kra­wall. Noch ist die Erzäh­lung nicht ganz fer­tig. Noch herrscht Unsi­cher­heit über die Ein­ord­nung. Noch ist der Raum des Poli­ti­schen offen und nicht gänz­lich defi­niert.

Spie­gel Online etwa schwankt in der Bewer­tung der Ereig­nis­se ähn­lich wie die „Märk­te“, die sich gera­de am DAX aus­tob­ten:

Am 07.08. schrieb man: „Auf­ge­brach­te Bewoh­ner setz­ten in der Nacht zum Sonn­tag min­des­tens zwei Poli­zei­wa­gen, einen Dop­pel­de­cker­bus sowie ein Gebäu­de in Brand.“ (hier)

Am 08.08.: Beob­ach­ter erklär­ten, die Poli­zei hät­te gro­ße Pro­ble­me gehabt, die Ran­da­lie­rer unter Kon­trol­le zu bekom­men. (hier)

Am 09.08.: Plün­dern­de und brand­schat­zen­de Ban­den, die in der Nacht zum Sonn­tag im Nord­lon­do­ner Stadt­teil Tot­ten­ham die Ran­da­le begon­nen hat­ten, waren schon in der Nacht zum Mon­tag in wei­te­re Stadt­tei­le wei­ter­ge­zo­gen. (hier)

Auch am 09.08.: War­um explo­diert die Gewalt in Eng­land? Das Gefäl­le zwi­schen Arm und Reich wird immer grö­ßer, eth­ni­sche Min­der­hei­ten füh­len sich gezielt schi­ka­niert. Eine gan­ze Gene­ra­ti­on sieht sich abge­hängt — und ist geeint im Hass auf Eli­ten und Poli­zei. (hier)

Beim Blog­ger chris­ti­an­so­eder fin­det der Zusam­men­prall der Erzäh­lun­gen ein einem ein­zi­gen Tweet Platz:

Es ist nicht ein­fach ein Wech­sel des Beschrei­bungs­vo­ka­blu­ars – son­dern jede die­ser Beschrei­bun­gen insti­tu­iert ten­den­zi­ell ein Dra­ma, des­sen nächs­te Schrit­te bereits mehr oder min­der unaus­ge­spro­chen mit­schwin­gen. Die dra­ma­ti­schen For­men sind zu sehr eta­bliert, um das zu über­se­hen. Mit „auf­ge­brach­ten Bewoh­nern“ ist anders zu ver­fah­ren, als mit „plün­dern­den Ban­den“. Dabei geht es gar nicht dar­um, wer oder was die Betei­lig­ten „wirk­lich“ oder „in Wahr­heit“ sind. Das lässt sich von hier aus sowie­so nicht beur­tei­len (das macht die Macht der Tele-Medi­en aus). Zudem lässt sich schein­bar auch kein „Anfüh­rer“ befra­gen, der erklä­ren könn­te, wel­chen Kol­lek­tiv­mo­ti­ven die Akti­vi­tä­ten fol­gen.  Es lässt sich aber sehr wohl erken­nen, wel­che poli­ti­schen Dimen­sio­nen dahin­ter ste­cken: Das Dra­ma der „auf­ge­brach­ten Bewoh­ner“ zöge nach sich eine Dia­gno­se des » Wei­ter­le­sen «

Bild(ende Kunst) in der Netzgesellschaft — Von der Documenta zur unDocumenta

August 4th, 2011 § Kommentare deaktiviert für Bild(ende Kunst) in der Netzgesellschaft — Von der Documenta zur unDocumenta § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Um den sich wan­deln­den Umgang der (ehe­ma­li­gen) Rezi­pi­en­ten mit Kunst­wer­ken, die Ver­schie­bung vom Kunst-Kon­su­men­ten hin zum Pro­sue­men­ten lebens­welt­lich zu exem­pli­fi­zie­ren, hat­te ich mei­nem kur­zen Kom­men­tar­wech­sel mit Dirk Baecker noch Fol­gen­des hin­zu­ge­fügt:

Viel­leicht als anek­do­ti­sche Ergän­zung dazu eine Beob­ach­tung bei der letz­ten Docu­men­ta: Waren zuvor Besu­cher auf­ge­for­dert, sich kon­tem­pla­tiv oder mit ande­ren Besu­chern dis­kur­siv zu den Wer­ken zu ver­hal­ten, so ließ sich bei der letz­ten Docu­men­ta (sic!) beob­ach­ten, dass die Besu­cher kei­nes­falls mehr pas­siv vor den Wer­ken ver­harr­ten, son­dern mit­hil­fe von Han­dy und Digi­tal­ka­me­ras Bil­der von Bil­dern und Objek­ten mach­ten, die sie in der Fol­ge viel­leicht nicht zu indi­vi­dua­li­sier­ten Docu­men­tas im Netz mach­ten, aber doch zu ihren je eige­nen Aus­stel­lun­gen und Kunst­samm­lun­gen. Als han­de­le es sich um musi­ka­li­sche und fil­mi­sche „Raub­ko­pi­en“ wer­den die Besu­cher zu „Urhe­bern“ von Kunst-Mesh-Ups, die sich hin­ter­her auf flickr, bei der nächs­ten Docu­men­ta ver­mut­lich auf Face­book, G+ und wo auch immer fin­den, gesha­red, kom­men­tiert und gelik­ed wer­den. Das Publi­kum tritt damit (zum gro­ßen Unbe­ha­gen eines Anhän­gers der alten Kul­tur­tech­nik der Betrach­tung von Kunst­wer­ken) damit in einen Zwi­schen­raum ein zwi­schen Kunst­werk­pro­du­zen­ten und Kunst­werkre­zi­pi­en­ten. Sind die­se Fotos Kunst? Doku­men­tie­ren sie Kunst? Doku­men­tie­ren sie die Anwe­sen­heit des Rezi­pi­en­ten auf der Docu­men­ta? Wird das Netz zu einer Docu­men­ta 2.0? Mir gelingt dar­auf noch kei­ne siche­re Ant­wort.

Kul­tur­in­dus­trie unter (Nach-)druck

Die­ses Foto­gra­fen-Sze­na­rio nun ging mir nicht mehr aus dem Kopf, weil sich hier m.E. Span­nen­des beob­ach­ten lässt. Musik-, Film und Druck­in­dus­trie sind bereits seit  den letz­ten Jahr­zehn­ten des 20. Jahr­hun­derts an den Umgang mit Kopi­en gewohnt. Seit Ton­band, Musi­cas­set­te, iPod, seit VHS und Foto­ko­pie­rer ist das Pro­blem der tech­ni­schen Kopier­bar­keit des Kunst­werks viru­lent. Wirt­schaft­li­che Ein­bu­ßen und der Ver­such sie zumin­dest teil­wei­se durch GEMA, VG Wort usw. zu kom­pen­sie­ren inklu­si­ve.

Ton ohne knap­pe und ver­kauf­ba­re Ton­trä­ger

Mit der kon­se­quen­ten Digi­ta­li­sie­rung und Ver­net­zung sind die­se „Krea­tiv­in­dus­tri­en“ einer­seits in wei­te­re Schwie­rig­kei­ten gera­ten, weil die sich abzeich­nen­de Ablö­sung der Inhal­te von ihrer Bin­dung an phy­si­sche Trä­ger­me­di­en (Buch, DVD, Ton­trä­ger) und die damit ein­her­ge­hen­de undendli­che Ver­viel­fäl­ti­gung, die gar kei­ne Ver­viel­fäl­ti­gung ist, weil jeder mit jedem die „Ori­gi­nal­da­tei“ tauscht und sie dabei zugleich behält. Wer einem ande­ren ein Buch lieh, hat­te das Buch nicht mehr. Wer einem ande­ren eine Film­da­tei gibt, behält sie selbst. Das hebelt das Gesetz der öko­no­mi­schen Knapp­heit aus.

Die Ver­göt­te­rung des Ori­gi­nals

Zum Leit­sym­bol öko­no­mi­scher Knapp­heit aller­dings wur­de durch den Kunst­markt des 20. Jahr­hun­derts das Werk der bil­den­den Kunst. Simp­les Kopie­ren oder Ver­viel­fäl­ti­gen war aus­ge­schlos­sen. Die weni­gen Ein­zel­fäl­le von „Fäl­schun­gen“ sind Legen­de. Nun tut sich aber in die­sem Sek­tor Ent­schei­den­des, das ver­mut­lich weit über die blo­ßen Ver­viel­fäl­ti­gungs­phä­no­me­ne der ande­ren Küns­te » Wei­ter­le­sen «

Einladung zur Diskussion auf Nachtkritik

August 2nd, 2011 § Kommentare deaktiviert für Einladung zur Diskussion auf Nachtkritik § permalink; Autor: Ulf Schmidt

nachtkritik.de hat heu­te mor­gen hier einen län­ge­ren Text von mir zur Debat­te um das Stadt­thea­ter ver­öf­fent­licht, den unter ande­rem Dirk Baecker hier kom­men­tiert hat. Dar­auf wie­der­um eini­ge Anmer­kun­gen von mir zurück. Ich ver­wei­se hier nur auf nacht­kri­tik und lade zur dor­ti­gen Dis­kus­si­on ein.

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