Dieser Herr Köhler!

April 29th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Dieser Herr Köhler! § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich bin geneigt alle Scher­ze auf Kos­ten des Bun­des­prä­si­den­ten wenn nicht zurück­zu­neh­men, so doch ein Scherz­mo­ra­to­ri­um zu ver­hän­gen — ange­sichts eini­ger Pas­sa­gen sei­ner heu­ti­gen Rede. Ich erlau­be mir, dar­aus zu zitie­ren:

Zu mei­nem Lieb­lings­the­ma Wirtschaft+Gesellschaft:

Wir brau­chen ers­tens Finanz­märk­te unter dem Pri­mat demo­kra­ti­scher Poli­tik und im Dienst der Gesamt­wirt­schaft. Wir brau­chen zwei­tens eine Wirt­schaft im Diens­te der gesam­ten Gesell­schaft. Und wir brau­chen drit­tens ein gesell­schaft­li­ches Mit­ein­an­der, zu dem alle bei­tra­gen. Das sind drei Gestal­tungs­auf­ga­ben, die uns nie­mand abnimmt. Sie ver­lan­gen den Mut der Poli­tik, die Ein­sicht der Bür­ger und die Bereit­schaft zur demo­kra­ti­schen Selbst­be­stim­mung.

Zu mei­nem Lieb­lings­the­ma “Ende des Wachs­tums”:

Bis zur Stun­de ver­las­sen wir uns dar­auf, dass vor allem Wirt­schafts­wachs­tum hel­fen wird, mit dem Schul­den­pro­blem fer­tig zu wer­den. Man­che emp­feh­len sogar, dafür zunächst noch mehr Schul­den zu machen. Ich glau­be, das ist ein schlech­ter Rat, dem wir auf kei­nen Fall fol­gen soll­ten. Er wür­de uns in eine aus­sichts­lo­se Schul­den­fal­le füh­ren, weil sich für die ent­wi­ckel­ten Volks­wirt­schaf­ten Gren­zen des Wachs­tums nicht mehr über­se­hen las­sen.

Lei­der wirds zum Ende hin dann doch immer weni­ger mutig. Aber lesens­wert ists alle­mal. Die Rede gibts hier.

Nochmal Onkel Hotte (mit Update)

April 29th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Nochmal Onkel Hotte (mit Update) § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Nach­dem ich letz­tens hier ja schon der Fra­ge nach­ging, wo sich denn der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent des Spar­kas­sen­ver­ban­des und Direk­tor des IWF und heu­ti­ge Bun­des­prä­si­dent Horst Köh­ler wohl her­um­trei­ben möge (was dazu führ­te, dass ich ihn kurz dar­auf im Fern­se­hen sehen durf­te — naja, viel­leicht nicht die­ses beschei­de­nen Blogs wegen …) fra­ge ich mich jetzt: War­um haben wir denn eigent­lich einen Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler zum Bun­des­prä­si­den­ten gewählt — wenn er in Zei­ten von Finanz­kri­sen und tau­meln­den Euro­staa­ten nichts von sich hören lässt? Wenn die blei­er­ne Kanz­le­rin schon alle Frak­tio­nen im Kon­sens ein­bin­den will, die Grie­chen­lad-Pro­ble­ma­tik also im poli­ti­schen Ein­ver­neh­men ver­zö­gert wer­den soll und nicht im Par­tei­en­streit, dann könn­te sich doch wohl auch der prä­si­dia­le Wirt­schaf­ter mel­den und deut­li­che Wor­te dar­über sagen, was jetzt sei­ner Mei­nung nach zu tun wäre. Ich fänds fein. Kei­ne Ahnung ob dabei Sinn­vol­les her­aus käme. Aber hören wol­len würd ich ihn schon. Oder viel­leicht lädt er zum nächs­ten Büh­nen-Tru­bi­nal zusam­men mit attac und HWS (Hans Wer­ner Sinn­los) in sein beschei­de­nes Schloss — inklu­si­ve Live-Web­über­tra­gung …? Das wär was.

Immer­hin lesen wir heu­te etwas, das mei­nem öko­no­mi­schen Klein­hirn durch­aus schlüs­sig erscheint, von Hei­ner Flass­beck, der zwar kein Bun­des­prä­si­dent ist aber Direc­tor bei der UNCTAD und ehe­ma­li­ger Staats­se­kre­tär. Der Text ist beim Abend­blatt nur gegen Bezah­lung zu lesen — aber ein Aus­zug fin­det sich auf den nach­denk­sei­ten hier (nach eini­gem Scrol­len).

Wei­te­res Den­kens­wer­tes aus dem Hau­se Flass­beck fin­det sich bei weiss­gar­nix hier (Update 2015: Weiss­gar­nix-Blog inzwi­schen off­line). Scheint mir Sinn zu machen. Irgend­wie.

Herr Köh­ler? Herr Köh­ler? HERR KÖÖÖÖÖÖHLER? Hm. Scha­de.

UPDATE: Lang­sam wirds mir unheim­lich. Gera­de lese ich, dass Horst Köh­ler sich heu­te zu Grie­chen­land geäu­ßert hat. Und er wird zitiert mit:

“Die inter­na­tio­na­le Finanz­in­dus­trie und ihre Lob­by­is­ten las­sen offen­sicht­lich nichts unver­sucht, um ver­ab­re­de­te Maß­nah­men zu ver­wäs­sern. Zugleich geht das Wet­ten wei­ter, es bau­en sich schon wie­der neue Finanz­bla­sen auf.” (Quel­le)

Hm, Herr Köh­ler — Sie lesen doch nicht die­ses Blog hier? Und ist das wirk­lich ein Zitat von Ihnen — oder von der jun­gen Wagen­knecht?

Tageskritik

April 29th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Tageskritik § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Eigent­lich hat­te ich ja vor mei­ne Mei­nung zum Relaunch der Nach­kri­tik kund­zu­tun. Aber ers­tens ist die­ses unglaub­li­che Wet­ter (zusam­men mit mei­ner Lau­ne) viel zu gut für Mäke­lei­en. Zwei­tens ist mei­ne chro­ni­sche Kri­ti­kor­rhö einer aku­ten Klug­scheiß­ver­stop­fung gewi­chen. Und drit­tens ist der imho schwers­te Feh­ler, der mir vor­ges­tern ins Hirn sprang, heut schon nicht mehr da: anstel­le des etwas zer­fa­ser­ten Auf­ma­chers zum Relaunch ste­hen jetzt die Nacht­kri­ti­ken, die vor­ges­tern doch sträf­lich auf der Sei­te ver­steckt waren. Wo sie jetzt sind, gehö­ren sie hin!

Was wär sonst noch:

  • die unglaub­li­che (freund­lich gesagt) Mas­se und Dich­te an farb­lich her­vor­ge­ho­be­nen Links und seman­ti­schen Her­vor­he­bun­gen macht das Din­ge für alle aus­ser den Hard­core-Usern zum kom­plet­ten Cha­os. Emp­feh­lung: Haus­frau­en­test. Schnell 10 Leu­te von der Stra­ße holen, davor set­zen und wäh­rend sie die Sei­te erkun­den die­se Pro­ban­den erzäh­len las­sen, was sie sehen, was sie ver­mu­ten, was sie inter­es­siert. Und wann sie abbre­chen wür­den. Wenn bis­serl Geld zur Hand ist noch bes­ser: Eye-Tracking. Ihr wer­det sehen, ein Erst­be­su­cher der Sei­te wird höchst ver­wirrt wenn nicht gestresst sein und die Inhal­te kaum wahr­neh­men. Lässt sich aber ändern.
  • Es ist natür­lich höchs­te Zeit, dass die Macher und Schrei­ber Geld für ihre Arbeit bekom­men. Ich glau­be aber nicht, dass Ban­ner viel brin­gen wer­den (aus­ser noch mehr Irri­ta­ti­on). Im nächs­ten Schritt über wei­te­re und neue Wege nach­den­ken. Shop wirds auch nicht rei­ßen, glau­be ich.
  • Ich ver­mis­se simp­le Ver­brei­tungs­mög­lich­kei­ten wie Face­book-Anbin­dung und Twit­ter. Bringt viel­leicht nicht immer viel — aber der Nut­zen lohnt sich bei dem tat­säch­lich ja sehr gerin­gen Auf­wand. RSS-Feed funk­tio­niert noch nicht ver­nünf­tig.

Jeder Relaunch ist eh ein work-in-pro­gress. Und da lässt sich noch pro­gre­die­ren, den­ke ich :-) Und jetzt zurück in die Son­ne und die Gene­sung wei­ter för­dern. Seit Ron­nie O’Sullivan bei der Snoo­ker-WM raus ist, gibts kei­nen Grund mehr, sich den Hin­tern vorm Fern­se­her platt zu sit­zen.

P.S. Hab ich jetzt am Ende doch klug­ge­schis­sen? Dann das noch: Ich lie­be Nacht­kri­tik noch immer — auch wenn das neue Kleid nicht so ganz per­fekt sitzt!

Nachtkritik relaunched

April 27th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Nachtkritik relaunched § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Nacht­kri­tik hat sich beim relaunch ein über­ar­bei­te­tes Erschei­nungs­bild gege­ben — und wies Lieb­ha­bern so geht, deren Liebs­te sich in neu­em Klei­de und neu­em Schnitt zeigt: man ist ein wenig ver­wirrt, über­rascht, neu­gie­rig. Gefällts mir? Gefällts mir nicht? Ist das noch mei­ne Liebs­te? Mit Hei­ner Mül­ler: Die ers­te Erschei­nung des Neu­en ist der Schre­cken (nun­ja, viel­leicht etwas über­post­dra­ma­ti­siert).

Aus eige­ner Erfah­rung mit Laun­ches und Relaun­ches kann ich der Redak­ti­on und den Betei­lig­ten in Front- und Backend erst mal nur Glück wün­schen und wün­schen, dass es gut ankommt. Und all­seits nach den letz­ten und ver­mut­lich auch noch kom­men­den Tagen mit Bug­fi­xing usw. gute Erho­lung und viel Ver­gnü­gen wün­schen. Die Launch­par­ty will ich nicht mit mei­nen Ein­wän­den und die­ser oder jener Ent­täu­schung stö­ren. Deren hät­te ich ein­ge. Aber dafür ist spä­ter auch noch Zeit — ich hof­fe, dass die Besu­cher die Sei­te erst mal anneh­men. Und dass das Lesen und Lesen­las­sen wei­ter geht!

Auf zur nacht­kri­tik.

Ökonomie und Moral — zwei Linktipps

April 27th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Ökonomie und Moral — zwei Linktipps § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Da das schwie­ri­ge und all­zu­oft unre­flek­tiert ange­brach­te Ver­hält­nis von Öko­no­mie und Moral (“Gier”, “Ver­trau­en” usw.) hier in Blog gele­gent­lich The­ma war, wil ich auf zwei Tex­te hin­wei­sen, die mir für eini­ge Klä­rung zu sor­gen schei­nen:

  • Bei weiss­gar­nix ein enga­gier­tes Pos­ting, das zeigt, dass die Ent­schei­dung, ob Grie­chen­land gehol­fen wer­den sol­le, eben kei­ne “mora­li­sche” sein kann (“die spa­ren nicht, die leben in Saus und Braus” bla bla), son­dern durch­aus öko­no­misch begrün­det zu wer­den ver­dient. (Auch wenn ich ein­ges ande­re Unmo­ra­li­sche dabei fän­de — egal). Hier gehts zum Pos­ting “Öko­no­mi­sche Moral­apos­tel” (Update 2015: Weiss­gar­nix-Blog inzwi­schen off­line).
  • In der Frank­fur­ter Rund­schau heu­te mor­gen ein wüten­der Leit­ar­ti­kel des vor Kur­zem beim Ban­ken­tri­bu­nal als Ver­tei­di­ger auf­ge­tre­te­nen Robert von Heu­sin­ger, der argu­men­tiert, der EU und Grie­chen­land wäre eher durch einen Aus­tritt Deutsch­lands gehol­fen denn durch den Grie­chen­lands. Span­nend. Hier gehts zum Arti­kel “Dann geht doch raus!”

Und falls noch jemand fragt, was die­se öko­no­mi­schen Lai­en­pos­ting in einem Blog zum Thea­ter zu suchen haben — der ver­steht viel­leicht nur nicht, dass nicht nur Thea­ter­schlie­ßun­gen aus wirt­schaft­li­chen Grün­den das Thea­ter an die Öko­no­mie her­an­füh­ren soll­ten — wie hier vor­ger­tra­gen. Son­dern dass das Poli­ti­sche und das Öko­no­mi­sche sich heu­te nicht mehr tren­nen las­sen. Wenn eine Deut­sche Bank einen dop­pelt und drei­mal so gro­ßen Jah­res­haus­halt hat wie die Bun­des­re­pu­blik — dann muss das Öko­no­mi­sche im Poli­ti­schen und umge­kehrt auch auf der Büh­ne in den Blick. Wür­de Shake­speare heu­te schrei­ben — er schrie­be über Vor­stands­vor­sit­zen­de anstel­le der Tha­ne Schott­lands.

Verteidigungs-Politik

April 25th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Verteidigungs-Politik § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Es wird Zeit, die Demo­kra­tie gegen die­je­ni­gen zu ver­tei­di­gen, die sie eigent­lich reprä­sen­tie­ren sol­len – dis­kur­siv und künst­le­risch!

In der Ber­li­ner Mor­gen­post (auch anders­wo, aber da fand ichs zuerst) ist zu lesen, dass der schei­den­de Wehr­be­auf­trag­te Rein­hold Rob­be Beson­de­res mit den Sol­da­ten vor­hat. Ich erlau­be mir zu zitie­ren:

“Wir müs­sen die­sen Leu­ten klar­ma­chen, dass sie in unse­rer Gesell­schaft einen beson­de­ren Stel­len­wert haben, gera­de vor dem Hin­ter­grund der zuneh­men­den Eska­lie­rung in Afgha­ni­stan”, sag­te Rob­be auf Anfra­ge der Ber­li­ner Mor­gen­post. “Die­se mensch­li­che Zuwen­dung muss orga­ni­siert wer­den.” Das will er ganz prak­tisch ange­hen. Als Bei­spiel fal­len ihm gro­ße Fuß­ball­ereig­nis­se ein. Die kön­ne man zum Anlass neh­men, um an die Sol­da­ten im Ein­satz zu den­ken. “Wie­so kann man für sie nicht ein bestimm­tes Kon­tin­gent an Kar­ten zur Ver­fü­gung stel­len, damit sie zu ver­güns­tig­ten Kon­di­tio­nen ein Fuß­ball­spiel sehen kön­nen?”, frag­te Rob­be.  (Link)

Mit „die­sen Leu­ten“ meint er, der sich ja hin­rei­chend lan­ge mit Wehr- und Ver­tei­di­gungs­po­li­tik beschäf­tigt haben soll­te, die Sol­da­ten. Das wie­der­um ver­an­lasst mich zu der Hoff­nung, dem­nächst gra­tis ins Sta­di­on zu gehen. Denn zu „die­sen Leu­ten“ gehö­re letzt­lich auch ich, da ich aus jugend­li­cher Bescheu­er­theit vor 20 Jah­ren 456 sinn­lo­se und grau­en­vol­le Tage der Wehr­pflicht geop­fert habe. Und seit­dem noch nicht offi­zi­ell ver­wei­gert – was jetzt nach­zu­ho­len wäre. Wenn ich nicht viel­leicht dadurch umsonst ins Sta­di­on käme. Oder doch nach Afgha­ni­stan …?

Scher­ze bei­sei­te. Was stellt die­ser Mann, die­ser Kampf­rob­be sich eigent­lich vor. Und inwie­weit ist ihm das Grund­ge­setz der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bekannt. Es herrscht in Deutsch­land  die all­ge­mei­ne Wehr­pflicht. Und deren Auf­trag ist die Lan­des­ver­tei­di­gung. Die Lan­des­ver­tei­di­gung. Die Lan­des­ver­tei­di­gung. Die Lan­des­ver­tei­di­gung. Muss ich‘s noch­mal wie­der­ho­len? „Die­se Leu­te“ dür­fen in unse­rer Gesell­schaft kei­nen beson­de­ren Stel­len­wert haben. Sie sind die­se Gesell­schaft. Sie sind Staats­bür­ger in Uni­form. Sie sind Glei­che unter Glei­chen. War­um sol­len sie ver­bil­ligt in die Sta­di­en? Soll sich viel­leicht das nicht­uni­for­mier­te Sta­di­on noch erhe­ben? Und brül­len „Wir grü­ßen die gefal­le­nen und noch nicht gefal­le­nen Tod­ge­weih­ten?“

Die in den letz­ten Tagen immer häu­fi­ger zu hören­de und lesen­de For­de­rung von poli­ti­scher Sei­te, die deut­sche Öffent­lich­keit habe die deut­schen Sol­da­ten soli­da­risch zu unter­stüt­zen, ihr Hel­den­tum anzu­er­ken­nen, damit sie auch schön stolz sein dür­fen, für etwas zu ster­ben, von dem sie nicht wis­sen, was es ist. Klar gilt Mit­ge­fühl und bür­ger­schaft­li­che Soli­da­ri­tät den armen Schwei­nen, die laut der blei­er­nen Kanz­le­rin Mer­kel in „stän­di­ger Angst“ (so sag­te sie in ihrer Regie­rungs­er­klä­rung) leben. Aber dar­aus die For­de­rung abzu­lei­ten, man habe sie auch noch schön zu bestär­ken an der Hei­mat­front – anstatt zu for­dern, dass sie sofort zurück­ge­holt wer­den, ist der Gip­fel der Demo­kra­tie­ver­ach­tung: Hal­tet die Schnau­ze und jubelt, um einen Ein­satz emo­tio­nal mög­lich zu machen, der nichts » Wei­ter­le­sen «

weissgarnix bei den Ökonomen

April 24th, 2010 § Kommentare deaktiviert für weissgarnix bei den Ökonomen § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Da von mir immer ger­ne gele­sen und auch viel infor­mier­ter in öko­no­mi­schen Din­gen möch­te ich hier nur kurz eine Lese­emp­feh­lung für einen Text zum The­ma Grie­chen­land bei weiss­gar­nix mit dem Titel “Spa­ren bis zum Bür­ger­krieg” aus­spre­chen. Hier (Update 2015: Weiss­gar­nix-Blog inzwi­schen off­line)ist er zu fin­den.

Rettungsschirm für Griechenland Brothers?

April 23rd, 2010 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Für heu­te Abend kün­digt die Tages­schau einen Brenn­punkt mit dem seri­ös-abge­wo­ge­nen Titel “Rui­niert Grie­chen­land Euro­pa?” an. Selbst­ver­ständ­lich fehlt einem (zudem noch immer nicht fit­ten) Klein­hirn wie mir sämt­li­che (Aus-)Bildung, um die Situa­ti­on des Staats­haus­hal­tes die­ses Lan­des ein­schät­zen zu kön­nen. Also ver­brei­te ich mich dar­über auch nicht und ora­ke­le auch nicht dar­über her­um, was jetzt “das Bes­te” wäre. Aber einen Vor­schlag gäbs zu machen: Wenn denn nun vor andert­halb Jah­ren Staa­ten Mil­li­ar­den auf­ge­bracht haben (bzw. ver­spra­chen, dass sie auf­ge­bracht wer­den wer­den), um Ban­ken zu ret­ten, weil es sich um “sys­tem­re­la­van­te” Häu­ser han­de­le, die zudem noch “Too big to fail” sei­en — wärs dann jetzt nicht an der Zeit für den Gegen­zug der Ban­ken­wirt­schaft. Soll­ten Deut­sche Bank, Com­merz­bank, IKB, WestLB, AIG, Bank of Ame­ri­ca nicht einen Ret­tungs­schirm über Grie­chen­land span­nen. Die Ban­ken stel­len Mil­li­ar­den zur Ver­fü­gung, ver­bil­li­gen die Kre­di­te. Grie­chen­land darf sei­ne “toxi­schen Kre­di­te” aus­la­gern (hat­te hier ja schon­mal Liechs­ten­stein als “Bad Coun­try” vor­ge­schla­gen  …). Und alle leben glück­lich und zufrie­den bis an irgend­ein Ende.

Natür­lich wirds so nicht lau­fen — und ich wet­te, es fin­det sich jemand, der auch die­se Rech­nung bezah­len wird. Und das wird wie­der­um wer sein …? Na? Hat was mit Steu­ern vom Arbeits­lohn zu tun …! Wobei mich zumal die Zin­sen erheb­lich stö­ren, die wie­der­um wer kas­siert? … Na? … Genau die … Ban­ken. Wahn­sinn. Wer grün­det mit mir die Brecht-Bank?

Nach­trag — ein sau­be­rer Anlass nicht bis nach der Kri­se mit einem wei­te­ren “Tru­bi­nal” (Nein, das ist kein Schreib­feh­ler) zu war­ten, son­dern umge­hend eins in einem Thea­ter abzu­hal­ten.

Von der Krise zur Disruption — und dann?

April 21st, 2010 § Kommentare deaktiviert für Von der Krise zur Disruption — und dann? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich habe hier im Blog ja bereits gele­gent­lich (etwa hier, hier, und vor allem hier, hier und hier) die The­se vor­ge­tra­gen, dass ich nicht an die “Finanz­kri­se” als eigent­li­ches Pro­blem, son­dern höchs­tens als Ober­flä­chen­phä­no­men glau­be. Eine beacht­li­che Wel­le auf einer weit grö­ße­ren. Egal ob mans als “Ende der Arbeit” (Rif­kin) Digi­ta­le Dis­rup­ti­on oder Abwärts­wachs­tum beschreibt — ich glau­be nicht dar­an, dass das Ende der Finanz­kri­se in einen Zustand führt, wie er etwa 2008 bestand. Oder 2000. Oder 1990. Und ich glau­be auch nicht, dass die Ver­ant­wor­li­chen in Poli­tik und Wirt­schaft das glau­ben. Dafür tre­ten inzwi­schen zu vie­le Skep­ti­ker des Wachs­tums-Glau­bens auf. Heu­te kam mir auf SpOn ein Arti­kel unter, der eine Stu­die von Bos­ton Con­sul­ting (im Auf­trag des mana­ger maga­zin) dar­stellt. Dort heißt es ganz am Ende:

Die BCG-Stu­die kommt zu dem Ergeb­nis, dass die bis­lang in Deutsch­land domi­nie­ren­den Bran­chen den Wohl­stand nicht län­ger sichern kön­nen, unab­hän­gig vom tat­säch­li­chen Kon­junk­tur­ver­lauf. Wachs­tums­po­ten­tia­le gibt es der Unter­su­chung zufol­ge in neu­en, for­schungs­in­ten­si­ven Berei­chen, etwa Umwelt­tech­no­lo­gi­en, aber auch Bio- und Nano­tech­no­lo­gie. (hier)

Als Fol­ge rech­net BCG lus­tig drauf­los und pro­phe­zeit den Ver­lust hun­dert­tau­sen­der Arbeits­plät­ze. Die­ser läs­si­ge Hin­weis auf “Wachs­tums­bran­chen” kann natür­lich nicht akzep­tiert wer­den als ech­te Idee, was dage­gen zu machen ist. BCG hat offen­bar kei­ne Ide­en (N.B. ich habe die Stu­die aller­dings nicht gele­sen!).  Aber viel­leicht wird es Zeit für eine brei­te Debat­te, wie das “Ende der Arbeit” wirk­lich auf­ge­scho­ben oder auf gerech­te Wei­se bewäl­tigt wird. Anders gesagt: Was geschieht mit Mil­lio­nen Men­schen (ins­ge­samt dann etwa 5–6 Mil­lio­nen), die mit Sicher­heit in Deutsch­land schlicht und ein­fach auf dem soge­nann­ten Arbeits­markt kei­nen Platz mehr haben und fin­den wer­den? Egal wie vie­le “nie­der­wer­ti­ge Arbei­ten” sich die Kochs die­ser Welt im Kampf gegen “spät­rö­mi­sche Deka­denz” auch ein­fal­len las­sen mögen. Was?

Bankentribunaltribunaletribunal

April 15th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Bankentribunaltribunaletribunal § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Pos­ting, da sehr lang, hier als PDF

Vor­ab: Ich habe das Ban­ken­tri­bu­nal von attac am Sams­tag eini­ge Stun­den lang online ver­folgt sowie am Sonn­tag die letz­te hal­be Stun­de gese­hen. Frei­tag nicht.

Auch vor­ab: Ich hal­te das Ban­ken­tri­bu­nal für eine Stern­stun­de der Demo­kra­tie und (mir sehr wich­tig und zum ers­te­ren unmit­tel­bar gehö­rig) des Thea­ters. Obwohl es ver­mut­lich letzt­lich geschei­tert ist.

Noch­mal vor­ab: Ich hab mir Zeit gelas­sen mit die­sem Pos­ting – weil ich zunächst rest­los begeis­tert war, dann in ver­schie­de­nen Tri­bu­na­len, die in Online- und Off­line-Publi­ka­tio­nen über das Tri­bu­nal ver­an­stal­tet wur­den, doch eini­ges Beden­kens­wer­tes fand, das ich halb bewusst ver­drängt hat­te, nun aber wür­di­gen woll­te, weil viel von der Kri­tik zutraf.

Auf Nacht­kri­tik folg­te einer eher nega­ti­ven Kri­tik von Esther Sle­vogt (hier) eine zeit­wei­se hef­ti­ge Debat­te, ins­be­son­de­re über thea­tra­le For­men sowie For­men poli­ti­schen Wider­stan­des. Ein rich­ter­lo­ses Tri­bu­nal von Anklä­gern und Ver­tei­di­gern des Tri­bu­nals also. Taz, Spie­gel und ande­re Publi­ka­tio­nen zeig­ten sich eher ent­täuscht, Wolf­gang Lieb von den nach­denk­sei­ten – Eröff­nungs­red­ner und Mit­ver­an­stal­ter – zeigt sich wie­der­um ent­täuscht von Kri­ti­ken (hier inkl. Einer Pres­se­schau). Mein Para­dox: Ich kann fast alles unter­schrei­ben, was die Kri­ti­ker vor­brin­gen – und kom­me den­noch zu einer ande­ren Schluss­fol­ge­rung.

„Tri­bu­nal“ ist offen­bar zu hoch gegrif­fen, weder for­mal noch inhalt­lich wur­de die Ver­an­stal­tung dem (in selbst­zi­tier­ter Rus­sel­scher Tra­di­ti­on) gerecht. Anklä­ger » Wei­ter­le­sen «

Where am I?

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