Dieser Herr Köhler!

April 29th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Dieser Herr Köhler! § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich bin geneigt alle Scherze auf Kosten des Bundespräsidenten wenn nicht zurückzunehmen, so doch ein Scherzmoratorium zu verhängen – angesichts einiger Passagen seiner heutigen Rede. Ich erlaube mir, daraus zu zitieren:

Zu meinem Lieblingsthema Wirtschaft+Gesellschaft:

Wir brauchen erstens Finanzmärkte unter dem Primat demokratischer Politik und im Dienst der Gesamtwirtschaft. Wir brauchen zweitens eine Wirtschaft im Dienste der gesamten Gesellschaft. Und wir brauchen drittens ein gesellschaftliches Miteinander, zu dem alle beitragen. Das sind drei Gestaltungsaufgaben, die uns niemand abnimmt. Sie verlangen den Mut der Politik, die Einsicht der Bürger und die Bereitschaft zur demokratischen Selbstbestimmung.

Zu meinem Lieblingsthema „Ende des Wachstums“:

Bis zur Stunde verlassen wir uns darauf, dass vor allem Wirtschaftswachstum helfen wird, mit dem Schuldenproblem fertig zu werden. Manche empfehlen sogar, dafür zunächst noch mehr Schulden zu machen. Ich glaube, das ist ein schlechter Rat, dem wir auf keinen Fall folgen sollten. Er würde uns in eine aussichtslose Schuldenfalle führen, weil sich für die entwickelten Volkswirtschaften Grenzen des Wachstums nicht mehr übersehen lassen.

Leider wirds zum Ende hin dann doch immer weniger mutig. Aber lesenswert ists allemal. Die Rede gibts hier.

Nochmal Onkel Hotte (mit Update)

April 29th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Nochmal Onkel Hotte (mit Update) § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Nachdem ich letztens hier ja schon der Frage nachging, wo sich denn der ehemalige Präsident des Sparkassenverbandes und Direktor des IWF und heutige Bundespräsident Horst Köhler wohl herumtreiben möge (was dazu führte, dass ich ihn kurz darauf im Fernsehen sehen durfte – naja, vielleicht nicht dieses bescheidenen Blogs wegen …) frage ich mich jetzt: Warum haben wir denn eigentlich einen Wirtschaftswissenschaftler zum Bundespräsidenten gewählt – wenn er in Zeiten von Finanzkrisen und taumelnden Eurostaaten nichts von sich hören lässt? Wenn die bleierne Kanzlerin schon alle Fraktionen im Konsens einbinden will, die Griechenlad-Problematik also im politischen Einvernehmen verzögert werden soll und nicht im Parteienstreit, dann könnte sich doch wohl auch der präsidiale Wirtschafter melden und deutliche Worte darüber sagen, was jetzt seiner Meinung nach zu tun wäre. Ich fänds fein. Keine Ahnung ob dabei Sinnvolles heraus käme. Aber hören wollen würd ich ihn schon. Oder vielleicht lädt er zum nächsten Bühnen-Trubinal zusammen mit attac und HWS (Hans Werner Sinnlos) in sein bescheidenes Schloss – inklusive Live-Webübertragung …? Das wär was.

Immerhin lesen wir heute etwas, das meinem ökonomischen Kleinhirn durchaus schlüssig erscheint, von Heiner Flassbeck, der zwar kein Bundespräsident ist aber Director bei der UNCTAD und ehemaliger Staatssekretär. Der Text ist beim Abendblatt nur gegen Bezahlung zu lesen – aber ein Auszug findet sich auf den nachdenkseiten hier (nach einigem Scrollen).

Weiteres Denkenswertes aus dem Hause Flassbeck findet sich bei weissgarnix hier (Update 2015: Weissgarnix-Blog inzwischen offline). Scheint mir Sinn zu machen. Irgendwie.

Herr Köhler? Herr Köhler? HERR KÖÖÖÖÖÖHLER? Hm. Schade.

UPDATE: Langsam wirds mir unheimlich. Gerade lese ich, dass Horst Köhler sich heute zu Griechenland geäußert hat. Und er wird zitiert mit:

„Die internationale Finanzindustrie und ihre Lobbyisten lassen offensichtlich nichts unversucht, um verabredete Maßnahmen zu verwässern. Zugleich geht das Wetten weiter, es bauen sich schon wieder neue Finanzblasen auf.“ (Quelle)

Hm, Herr Köhler – Sie lesen doch nicht dieses Blog hier? Und ist das wirklich ein Zitat von Ihnen – oder von der jungen Wagenknecht?

Tageskritik

April 29th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Tageskritik § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Eigentlich hatte ich ja vor meine Meinung zum Relaunch der Nachkritik kundzutun. Aber erstens ist dieses unglaubliche Wetter (zusammen mit meiner Laune) viel zu gut für Mäkeleien. Zweitens ist meine chronische Kritikorrhö einer akuten Klugscheißverstopfung gewichen. Und drittens ist der imho schwerste Fehler, der mir vorgestern ins Hirn sprang, heut schon nicht mehr da: anstelle des etwas zerfaserten Aufmachers zum Relaunch stehen jetzt die Nachtkritiken, die vorgestern doch sträflich auf der Seite versteckt waren. Wo sie jetzt sind, gehören sie hin!

Was wär sonst noch:

  • die unglaubliche (freundlich gesagt) Masse und Dichte an farblich hervorgehobenen Links und semantischen Hervorhebungen macht das Dinge für alle ausser den Hardcore-Usern zum kompletten Chaos. Empfehlung: Hausfrauentest. Schnell 10 Leute von der Straße holen, davor setzen und während sie die Seite erkunden diese Probanden erzählen lassen, was sie sehen, was sie vermuten, was sie interessiert. Und wann sie abbrechen würden. Wenn bisserl Geld zur Hand ist noch besser: Eye-Tracking. Ihr werdet sehen, ein Erstbesucher der Seite wird höchst verwirrt wenn nicht gestresst sein und die Inhalte kaum wahrnehmen. Lässt sich aber ändern.
  • Es ist natürlich höchste Zeit, dass die Macher und Schreiber Geld für ihre Arbeit bekommen. Ich glaube aber nicht, dass Banner viel bringen werden (ausser noch mehr Irritation). Im nächsten Schritt über weitere und neue Wege nachdenken. Shop wirds auch nicht reißen, glaube ich.
  • Ich vermisse simple Verbreitungsmöglichkeiten wie Facebook-Anbindung und Twitter. Bringt vielleicht nicht immer viel – aber der Nutzen lohnt sich bei dem tatsächlich ja sehr geringen Aufwand. RSS-Feed funktioniert noch nicht vernünftig.

Jeder Relaunch ist eh ein work-in-progress. Und da lässt sich noch progredieren, denke ich :-) Und jetzt zurück in die Sonne und die Genesung weiter fördern. Seit Ronnie O’Sullivan bei der Snooker-WM raus ist, gibts keinen Grund mehr, sich den Hintern vorm Fernseher platt zu sitzen.

P.S. Hab ich jetzt am Ende doch kluggeschissen? Dann das noch: Ich liebe Nachtkritik noch immer – auch wenn das neue Kleid nicht so ganz perfekt sitzt!

Nachtkritik relaunched

April 27th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Nachtkritik relaunched § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Nachtkritik hat sich beim relaunch ein überarbeitetes Erscheinungsbild gegeben – und wies Liebhabern so geht, deren Liebste sich in neuem Kleide und neuem Schnitt zeigt: man ist ein wenig verwirrt, überrascht, neugierig. Gefällts mir? Gefällts mir nicht? Ist das noch meine Liebste? Mit Heiner Müller: Die erste Erscheinung des Neuen ist der Schrecken (nunja, vielleicht etwas überpostdramatisiert).

Aus eigener Erfahrung mit Launches und Relaunches kann ich der Redaktion und den Beteiligten in Front- und Backend erst mal nur Glück wünschen und wünschen, dass es gut ankommt. Und allseits nach den letzten und vermutlich auch noch kommenden Tagen mit Bugfixing usw. gute Erholung und viel Vergnügen wünschen. Die Launchparty will ich nicht mit meinen Einwänden und dieser oder jener Enttäuschung stören. Deren hätte ich einge. Aber dafür ist später auch noch Zeit – ich hoffe, dass die Besucher die Seite erst mal annehmen. Und dass das Lesen und Lesenlassen weiter geht!

Auf zur nachtkritik.

Ökonomie und Moral – zwei Linktipps

April 27th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Ökonomie und Moral – zwei Linktipps § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Da das schwierige und allzuoft unreflektiert angebrachte Verhältnis von Ökonomie und Moral („Gier“, „Vertrauen“ usw.) hier in Blog gelegentlich Thema war, wil ich auf zwei Texte hinweisen, die mir für einige Klärung zu sorgen scheinen:

  • Bei weissgarnix ein engagiertes Posting, das zeigt, dass die Entscheidung, ob Griechenland geholfen werden solle, eben keine „moralische“ sein kann („die sparen nicht, die leben in Saus und Braus“ bla bla), sondern durchaus ökonomisch begründet zu werden verdient. (Auch wenn ich einges andere Unmoralische dabei fände – egal). Hier gehts zum Posting „Ökonomische Moralapostel“ (Update 2015: Weissgarnix-Blog inzwischen offline).
  • In der Frankfurter Rundschau heute morgen ein wütender Leitartikel des vor Kurzem beim Bankentribunal als Verteidiger aufgetretenen Robert von Heusinger, der argumentiert, der EU und Griechenland wäre eher durch einen Austritt Deutschlands geholfen denn durch den Griechenlands. Spannend. Hier gehts zum Artikel „Dann geht doch raus!“

Und falls noch jemand fragt, was diese ökonomischen Laienposting in einem Blog zum Theater zu suchen haben – der versteht vielleicht nur nicht, dass nicht nur Theaterschließungen aus wirtschaftlichen Gründen das Theater an die Ökonomie heranführen sollten – wie hier vorgertragen. Sondern dass das Politische und das Ökonomische sich heute nicht mehr trennen lassen. Wenn eine Deutsche Bank einen doppelt und dreimal so großen Jahreshaushalt hat wie die Bundesrepublik – dann muss das Ökonomische im Politischen und umgekehrt auch auf der Bühne in den Blick. Würde Shakespeare heute schreiben – er schriebe über Vorstandsvorsitzende anstelle der Thane Schottlands.

Verteidigungs-Politik

April 25th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Verteidigungs-Politik § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Es wird Zeit, die Demokratie gegen diejenigen zu verteidigen, die sie eigentlich repräsentieren sollen – diskursiv und künstlerisch!

In der Berliner Morgenpost (auch anderswo, aber da fand ichs zuerst) ist zu lesen, dass der scheidende Wehrbeauftragte Reinhold Robbe Besonderes mit den Soldaten vorhat. Ich erlaube mir zu zitieren:

„Wir müssen diesen Leuten klarmachen, dass sie in unserer Gesellschaft einen besonderen Stellenwert haben, gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Eskalierung in Afghanistan“, sagte Robbe auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Diese menschliche Zuwendung muss organisiert werden.“ Das will er ganz praktisch angehen. Als Beispiel fallen ihm große Fußballereignisse ein. Die könne man zum Anlass nehmen, um an die Soldaten im Einsatz zu denken. „Wieso kann man für sie nicht ein bestimmtes Kontingent an Karten zur Verfügung stellen, damit sie zu vergünstigten Konditionen ein Fußballspiel sehen können?“, fragte Robbe.  (Link)

Mit „diesen Leuten“ meint er, der sich ja hinreichend lange mit Wehr- und Verteidigungspolitik beschäftigt haben sollte, die Soldaten. Das wiederum veranlasst mich zu der Hoffnung, demnächst gratis ins Stadion zu gehen. Denn zu „diesen Leuten“ gehöre letztlich auch ich, da ich aus jugendlicher Bescheuertheit vor 20 Jahren 456 sinnlose und grauenvolle Tage der Wehrpflicht geopfert habe. Und seitdem noch nicht offiziell verweigert – was jetzt nachzuholen wäre. Wenn ich nicht vielleicht dadurch umsonst ins Stadion käme. Oder doch nach Afghanistan …?

Scherze beiseite. Was stellt dieser Mann, dieser Kampfrobbe sich eigentlich vor. Und inwieweit ist ihm das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bekannt. Es herrscht in Deutschland  die allgemeine Wehrpflicht. Und deren Auftrag ist die Landesverteidigung. Die Landesverteidigung. Die Landesverteidigung. Die Landesverteidigung. Muss ich‘s nochmal wiederholen? „Diese Leute“ dürfen in unserer Gesellschaft keinen besonderen Stellenwert haben. Sie sind diese Gesellschaft. Sie sind Staatsbürger in Uniform. Sie sind Gleiche unter Gleichen. Warum sollen sie verbilligt in die Stadien? Soll sich vielleicht das nichtuniformierte Stadion noch erheben? Und brüllen „Wir grüßen die gefallenen und noch nicht gefallenen Todgeweihten?“

Die in den letzten Tagen immer häufiger zu hörende und lesende Forderung von politischer Seite, die deutsche Öffentlichkeit habe die deutschen Soldaten solidarisch zu unterstützen, ihr Heldentum anzuerkennen, damit sie auch schön stolz sein dürfen, für etwas zu sterben, von dem sie nicht wissen, was es ist. Klar gilt Mitgefühl und bürgerschaftliche Solidarität den armen Schweinen, die laut der bleiernen Kanzlerin Merkel in „ständiger Angst“ (so sagte sie in ihrer Regierungserklärung) leben. Aber daraus die Forderung abzuleiten, man habe sie auch noch schön zu bestärken an der Heimatfront – anstatt zu fordern, dass sie sofort zurückgeholt werden, ist der Gipfel der Demokratieverachtung: Haltet die Schnauze und jubelt, um einen Einsatz emotional möglich zu machen, der nichts » Weiterlesen «

weissgarnix bei den Ökonomen

April 24th, 2010 § Kommentare deaktiviert für weissgarnix bei den Ökonomen § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Da von mir immer gerne gelesen und auch viel informierter in ökonomischen Dingen möchte ich hier nur kurz eine Leseempfehlung für einen Text zum Thema Griechenland bei weissgarnix mit dem Titel „Sparen bis zum Bürgerkrieg“ aussprechen. Hier (Update 2015: Weissgarnix-Blog inzwischen offline)ist er zu finden.

Rettungsschirm für Griechenland Brothers?

April 23rd, 2010 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Für heute Abend kündigt die Tagesschau einen Brennpunkt mit dem seriös-abgewogenen Titel „Ruiniert Griechenland Europa?“ an. Selbstverständlich fehlt einem (zudem noch immer nicht fitten) Kleinhirn wie mir sämtliche (Aus-)Bildung, um die Situation des Staatshaushaltes dieses Landes einschätzen zu können. Also verbreite ich mich darüber auch nicht und orakele auch nicht darüber herum, was jetzt „das Beste“ wäre. Aber einen Vorschlag gäbs zu machen: Wenn denn nun vor anderthalb Jahren Staaten Milliarden aufgebracht haben (bzw. versprachen, dass sie aufgebracht werden werden), um Banken zu retten, weil es sich um „systemrelavante“ Häuser handele, die zudem noch „Too big to fail“ seien – wärs dann jetzt nicht an der Zeit für den Gegenzug der Bankenwirtschaft. Sollten Deutsche Bank, Commerzbank, IKB, WestLB, AIG, Bank of America nicht einen Rettungsschirm über Griechenland spannen. Die Banken stellen Milliarden zur Verfügung, verbilligen die Kredite. Griechenland darf seine „toxischen Kredite“ auslagern (hatte hier ja schonmal Liechstenstein als „Bad Country“ vorgeschlagen  …). Und alle leben glücklich und zufrieden bis an irgendein Ende.

Natürlich wirds so nicht laufen – und ich wette, es findet sich jemand, der auch diese Rechnung bezahlen wird. Und das wird wiederum wer sein …? Na? Hat was mit Steuern vom Arbeitslohn zu tun …! Wobei mich zumal die Zinsen erheblich stören, die wiederum wer kassiert? … Na? … Genau die … Banken. Wahnsinn. Wer gründet mit mir die Brecht-Bank?

Nachtrag – ein sauberer Anlass nicht bis nach der Krise mit einem weiteren „Trubinal“ (Nein, das ist kein Schreibfehler) zu warten, sondern umgehend eins in einem Theater abzuhalten.

Von der Krise zur Disruption – und dann?

April 21st, 2010 § Kommentare deaktiviert für Von der Krise zur Disruption – und dann? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich habe hier im Blog ja bereits gelegentlich (etwa hier, hier, und vor allem hier, hier und hier) die These vorgetragen, dass ich nicht an die „Finanzkrise“ als eigentliches Problem, sondern höchstens als Oberflächenphänomen glaube. Eine beachtliche Welle auf einer weit größeren. Egal ob mans als „Ende der Arbeit“ (Rifkin) Digitale Disruption oder Abwärtswachstum beschreibt – ich glaube nicht daran, dass das Ende der Finanzkrise in einen Zustand führt, wie er etwa 2008 bestand. Oder 2000. Oder 1990. Und ich glaube auch nicht, dass die Verantworlichen in Politik und Wirtschaft das glauben. Dafür treten inzwischen zu viele Skeptiker des Wachstums-Glaubens auf. Heute kam mir auf SpOn ein Artikel unter, der eine Studie von Boston Consulting (im Auftrag des manager magazin) darstellt. Dort heißt es ganz am Ende:

Die BCG-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die bislang in Deutschland dominierenden Branchen den Wohlstand nicht länger sichern können, unabhängig vom tatsächlichen Konjunkturverlauf. Wachstumspotentiale gibt es der Untersuchung zufolge in neuen, forschungsintensiven Bereichen, etwa Umwelttechnologien, aber auch Bio- und Nanotechnologie. (hier)

Als Folge rechnet BCG lustig drauflos und prophezeit den Verlust hunderttausender Arbeitsplätze. Dieser lässige Hinweis auf „Wachstumsbranchen“ kann natürlich nicht akzeptiert werden als echte Idee, was dagegen zu machen ist. BCG hat offenbar keine Ideen (N.B. ich habe die Studie allerdings nicht gelesen!).  Aber vielleicht wird es Zeit für eine breite Debatte, wie das „Ende der Arbeit“ wirklich aufgeschoben oder auf gerechte Weise bewältigt wird. Anders gesagt: Was geschieht mit Millionen Menschen (insgesamt dann etwa 5-6 Millionen), die mit Sicherheit in Deutschland schlicht und einfach auf dem sogenannten Arbeitsmarkt keinen Platz mehr haben und finden werden? Egal wie viele „niederwertige Arbeiten“ sich die Kochs dieser Welt im Kampf gegen „spätrömische Dekadenz“ auch einfallen lassen mögen. Was?

Bankentribunaltribunaletribunal

April 15th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Bankentribunaltribunaletribunal § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Posting, da sehr lang, hier als PDF

Vorab: Ich habe das Bankentribunal von attac am Samstag einige Stunden lang online verfolgt sowie am Sonntag die letzte halbe Stunde gesehen. Freitag nicht.

Auch vorab: Ich halte das Bankentribunal für eine Sternstunde der Demokratie und (mir sehr wichtig und zum ersteren unmittelbar gehörig) des Theaters. Obwohl es vermutlich letztlich gescheitert ist.

Nochmal vorab: Ich hab mir Zeit gelassen mit diesem Posting – weil ich zunächst restlos begeistert war, dann in verschiedenen Tribunalen, die in Online- und Offline-Publikationen über das Tribunal veranstaltet wurden, doch einiges Bedenkenswertes fand, das ich halb bewusst verdrängt hatte, nun aber würdigen wollte, weil viel von der Kritik zutraf.

Auf Nachtkritik folgte einer eher negativen Kritik von Esther Slevogt (hier) eine zeitweise heftige Debatte, insbesondere über theatrale Formen sowie Formen politischen Widerstandes. Ein richterloses Tribunal von Anklägern und Verteidigern des Tribunals also. Taz, Spiegel und andere Publikationen zeigten sich eher enttäuscht, Wolfgang Lieb von den nachdenkseiten – Eröffnungsredner und Mitveranstalter – zeigt sich wiederum enttäuscht von Kritiken (hier inkl. Einer Presseschau). Mein Paradox: Ich kann fast alles unterschreiben, was die Kritiker vorbringen – und komme dennoch zu einer anderen Schlussfolgerung.

„Tribunal“ ist offenbar zu hoch gegriffen, weder formal noch inhaltlich wurde die Veranstaltung dem (in selbstzitierter Russelscher Tradition) gerecht. Ankläger » Weiterlesen «

Where am I?

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