Commerzbankchef findet: Anleger haben zu viel Geld {Updated)

Oktober 30th, 2011 § Kommentare deaktiviert für Commerzbankchef findet: Anleger haben zu viel Geld {Updated) § permalink; Autor: Ulf Schmidt

In einer Zeit, da Medi­en und ver­öf­fent­lich­te Poli­ti­ker sich die Schlag­zei­len und Näch­te um die Ohren hau­en, um ver­schul­de­ten Län­dern Geld zur Ver­fü­gung zu stel­len, ist das fol­gen­de, gera­de hier auf SpOn gefun­de­ne Zitat des Com­merz­bank­chefs Bles­sing von skur­ri­ler Inter­ess­anz:

Es gebe außer­dem im Moment zu viel Liqui­di­tät im Markt, sag­te Bles­sing, “und des­halb sehr vie­le Anla­ge­gel­der. Wir müs­sen zuse­hen, wie wir lang­sam wie­der Liqui­di­tät aus dem Markt neh­men kön­nen”.

Das Pro­blem der Märk­te scheint nach Bles­sing also zu sein, dass Com­merz­bank-Kun­den — denn das sind die Anle­ger — über zu viel Geld ver­fü­gen. Das Pro­blem ist also nicht etwa Knapp­heit von Geld (wie man­che zu glau­ben schei­nen, die sich » Wei­ter­le­sen «

Bundestrojaner und polizeiliches Spekulantentum

Oktober 10th, 2011 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Bei Klaus Kus­an­wo­s­ky fin­det sich hier ein Bei­trag über den Bun­destro­ja­ner, der nicht nur lesens­wert ist, son­dern gleich­zei­tig inter­es­san­te Erwei­te­run­gen zulässt, führt man ihn eng mit Kusanow­skys Aus­füh­run­gen zum Doku­ment in der Moder­ne. Wäh­rend Kusanow­sky sich auf das Paar Freiheit/Sicherheit im Bezug auf das staat­li­che Gewalt­mo­no­pol wid­met, scheint mir die Fort­füh­rung mit dem Blick auf den „Kri­mi­nel­len“, von dem er spricht, den er aber nicht wei­ter defi­niert, viel­ver­spre­chend.

Hät­te die Poli­zei es mit Kri­mi­nel­len zu tun, wären die Pro­ble­me erheb­lich gerin­ger. Der „Kri­mi­nel­le“ aber ist das Ergeb­nis eines Doku­men­ta­ti­ons­pro­zes­ses mit heut­zu­ta­ge höchst gere­gel­ten Ver­fah­rens­wei­sen zur Erzeu­gung des Doku­ments „Kri­mi­nell“: Gemeint ist der Gerichts­pro­zess, der durch Rich­ter durch­ge­führt das Ver­fah­ren umfasst, aus einem Beschul­dig­ten oder „Ange­klag­ten“ einen doku­men­tier­ten Kri­mi­nel­len also Tat­schul­di­gen zu machen. Bereits hier – und das ist viel­leicht für den Doku­ment­be­griff selbst nicht ganz unin­ter­es­sant – ist zu sehen, dass die Doku­men­te der Moder­ne nie­mals der Cha­rak­ter der end­gül­ti­gen Gül­tig­keit tra­gen kön­nen, son­dern nur hohe Pro­ba­bi­li­tät, die durch wei­te­re Gerichts­in­stan­zen über­prüf­bar sein muss. Die Beru­fungs­in­stanz führt das Doku­men­ta­ti­ons­ver­fah­ren erneut durch. Die Revi­si­ons­in­stanz wie­der­um über­prüft ledig­lich, ob die Ver­fah­rens­durch­füh­rung der Vor­in­stanz Doku­menter­zeu­gungs­ge­recht ope­rier­te oder nicht. Dar­in liegt ein wich­ti­ger Zug der Moder­ne. Sie erzeugt Doku­men­te – aber mit dem gleich­zei­ti­gen Bewusst­sein, dass das Doku­ment nicht gül­tig sein könn­te oder zu einem spä­te­ren Zeit­punkt (etwa durch das Auf­tau­chen neu­er Bewei­se durch neu zuge­las­se­ne Beweis­ver­fah­ren wie den DANN-Test) als ungül­tig erscheint, weil es noch immer von der Vor­aus­set­zun­gen, aus denen her­aus es erzeugt wur­de, abhän­gig bleibt.

Die gött­li­chen Gerichts­ur­tei­le des Vor­mit­tel­al­ters such­ten nach Letzt­gül­tig­keit – indem sie Gott zumu­te­ten, in einen erwart­ba­ren Ablauf (das Ver­bren­nen eines Kör­pers im Feu­er) ein­zu­grei­fen und gegen natur- und men­schen­wis­sen­schaft­li­che Erfah­rung wun­der­tä­tig die Nicht­schuld zu bewei­sen. Erst in den Pro­zes­sen der Inqui­si­ti­on wur­de die­ses Ver­fah­ren inso­weit abge­wan­delt, dass der Beschul­dig­te not­wen­dig ein Geständ­nis able­gen muss­te, um voll­gül­tig ver­ur­teil­bar zu sein. Dass das nicht in blut­rüns­ti­gen Fol­ter­or­gi­en wahn­sin­ni­ger Inqui­si­to­ren mün­de­te, » Wei­ter­le­sen «

Spielzeitstart – Ein paar nicht einmal mehr wütende Gedanken dazu

Oktober 5th, 2011 § Kommentare deaktiviert für Spielzeitstart – Ein paar nicht einmal mehr wütende Gedanken dazu § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Es ist ruhig gewor­den hier auf dem Blog. Das hat vor­der­grün­dig damit zu tun, dass ich ziem­lich beschäf­tigt bin mit Din­gen, die wenig mit Thea­ter, dafür mehr mit der Finan­zie­rung des all­ge­mei­nen Lebens­be­darfs zu tun haben. Eigent­lich aber kom­me ich beim Nach­den­ken dar­über, war­um mir auch die Moti­va­ti­on fehlt, das eine oder ande­re, was halb geschrie­ben oder noch ganz im Kopf ist, zu ver­fer­ti­gen und zu pos­ten zu einer (mich selbst)) ziem­lich depri­mie­ren­den Fol­ge­rung.

Was es so um und über Thea­ter zu lesen und zu hören gibt, inter­es­siert mich nicht. Gar nicht. Es reicht nicht ein­mal hin, mich dar­über auf­zu­re­gen, mich damit aus­ein­an­der zu set­zen, oder Ande­res vor­zu­stel­len oder zu for­dern.

Die Spiel­zeit­er­öff­nun­gen und Vor­bli­cke sind von einer sol­chen Belang­lo­sig­keit und ermü­den­den Arro­ganz, die Berich­te dar­über von sol­cher pflicht­er­fül­len­den Abar­bei­tung geprägt, dass ich nicht weiß, was über­haupt am Thea­ter mir eine Visi­on geben könn­te, die mich nicht nur in Aktu­el­les zöge, son­dern mir eine Vor­stel­lung davon gibt, war­um ich mich län­ger­fris­tig damit beschäf­ti­gen soll­te. Wor­an liegt das?

Spiel­zeit­vor­schau­en

In dem wider bes­se­res Wis­sen und zur Unfreu­de zukünf­ti­ger Umzugs­hel­fer erwor­be­nen Jahr­buch Thea­ter Heu­te fin­det sich zwei­er­lei Ernüch­tern­des wenn nicht Absto­ßen­des:

  1. Ein paar Leu­te wur­den dazu auf­ge­for­dert, sich rund um den Begriff der Wut auf­zu­pum­pen. Hübsch aus­ge­dacht. Ohne Erfolg. Es will nicht so recht Wut wer­den. Man merkt den Bei­trä­gen die an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­ne Auf­re­gung an, schlech­te Schauschrei­be­rei. Wut? Wor­über? Dies oder jenes. Aber für mehr als ein paar Zei­len reicht die Wut nicht. „Sag mal was Wüten­des – und dann leg dich wie­der hin“.
  2. Tra­di­tio­nell schal­ten die Häu­ser hier ihre 1/1 Anzei­gen. Tra­di­tio­nell ste­hen da die Pro­duk­tio­nen, die übers Jahr geplant sind. War ja schon immer so. Kann also wei­ter so gehen. Oder nicht? Reicht es in einer Zeit galop­pie­ren­den Rele­vanz­ver­lusts der Thea­ter noch aus, ein­fach run­ter­zu­schrei­ben, was gespielt wird und einen Jung­gra­fi­ker an eine mög­lichst schrä­ge Gestal­tung zu hocken? Die die Unles­bar­keit mög­lichst auf ganz neue Ebe­nen hebt? Wofür ste­hen die­se Thea­ter? War­um soll das, was da auf­ge­lis­tet wird, ange­se­hen oder besucht wer­den? Sich am Klemp­ner­sor­ti­ments­ka­ta­log für Badar­ma­tu­ren zu ori­en­tie­ren, die sich erschöpft in der Auf­lis­tung der ver­füg­ba­ren Pro­duk­te, setzt vor­aus, dass » Wei­ter­le­sen «

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