Wenn Mammons Hammer kreist II: Theatersterben in Belanglosigkeit?

Januar 30th, 2011 § Kommentare deaktiviert für Wenn Mammons Hammer kreist II: Theatersterben in Belanglosigkeit? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Och Mönsch – da waren sie doch poli­tisch so brav. Haben sich nicht wei­ter ein­ge­mischt in Poli­tik. Haben brav an der Platz­aus­nut­zung gear­bei­tet. Haben mit weni­gen Aus­nah­men die Stadt­obe­ren nicht in Erklä­rungs- oder Recht­fer­ti­gungs­not gebracht. „Poli­ti­sche“ Dimen­sio­nen hat­ten allen­falls die Etat­ver­hand­lun­gen mit dem Käm­me­rer. Das Con­trol­ling über­nahm – wie in ande­ren Wirt­schafts­be­trie­ben auch – die Füh­rung. More or less. „Poli­ti­sche“ Debat­ten im Thea­ter waren ledig­lich die For­de­run­gen, „die Poli­tik“ möge doch bit­te mehr Geld bereit­stel­len. Ganz freund­lich. Oder „kul­tur­po­li­ti­sche“ Debat­ten über die all­ge­mei­ne Wichtich­keit von Kunst im All­ge­mei­nen. Thea­ter neben­bei im Beson­de­ren. Gehe direkt zum Käm­me­rer. Begib dich direkt dort­hin.

Und dann das! Die gute Tat wird nicht belohnt. Nein. Den Thea­tern wird der Kit­tel gekürzt, bis es an die Haut geht. Man streicht hier eine Spar­te, legt dort zusam­men, schafft GmbH’s, kürzt da und dort (nacht­kri­tik hat hier eine schö­ne Chro­nik). Und die Thea­ter? Jam­mern. Schi­cken ihre Emis­sä­re zu Wup­per­ta­ler Demons­tra­tio­nen. Und – ste­hen recht allei­ne im Regen. So rich­tig mag nie­mand sich ihren Pro­tes­ten anschlie­ßen. War­um auch?

Ihr schert uns nur, wenn ihr uns rasiert!

Jahr­zehn­te­lang haben sich Thea­ter nicht dar­um geküm­mert, dass den Bewoh­nern die­ses Lan­des der Arsch finan­zi­ell rasiert wur­de. Seit Kohl’s gei­zig-mora­li­scher Wen­de, Lambs­dorffs Ver­neo­li­be­ra­li­sie­rung wer­den die erstrit­te­nen und erar­bei­te­ten Besitz­stän­de anders (oder gar nicht) unter den Men­schen ver­teilt. Seit Schrö­ders Agen­da wur­den die Dau­men­schrau­ben erneut ange­zo­gen. Und Mer­kels gran­dio­se Idee, plei­te­ge­hen­de Ban­ken mög­lichst von Klein­steu­er­zah­lern ret­ten zu las­sen, war nur ein kon­se­quen­ter wei­te­rer Akt. Die Thea­ter haben sich im Wesent­lich dar­um nicht geschert. Man hat­te ja doch noch so viel an Heb­bel, Tsche­chow, Ibsen, Strind­berg, Goe­the, Schil­ler, Les­sing, Shake­speare zu ent­de­cken – um von den gan­zen tof­fen Roma­nen ganz zu schwei­gen, die sich auf die Büh­ne brin­gen las­sen. Da bleibt natür­lich wenig Zeit, sich mit der eige­nen Zeit zu beschäf­ti­gen. War­um Hart­zIV  wenns doch auch Hen­ry­IV, war­um Mer­kels Ban­ker wenns doch noch Schil­lers Räu­ber gibt? Das jeden­falls zei­gen uns die Charts des Deut­schen Büh­nen­ver­eins: » Wei­ter­le­sen «

Citizen Empowerment in Afrika: Tunisia People and Cyber Revolution (Video)

Januar 25th, 2011 § 4 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ein Video ver­sucht dar­zu­stel­len, dass die Geschwin­dig­keit der Ver­än­de­rung (oder Revo­lu­ti­on) In Tune­si­en ins­be­son­de­re den neu­en elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­en zu ver­dan­ken ist.

Intui­tiv wür­de ich dem fol­gen — lei­der gibt das Video aber kei­ne Hin­wei­se, wie tat­säch­lich die­se Medi­en genutzt wur­den. Mich wür­de schon inter­es­sie­ren, ob die (zeit­wei­se gesperr­ten Soci­al Net­works) tat­säch­lich wesent­li­che Platt­for­men waren, die für die rasan­te Ver­brei­tung des Auf­stands gesorgt haben? Die fran­zö­si­sche » Wei­ter­le­sen «

Wenn Mammons Hammer kreist I: Gute Nacht, Nachtkritik?

Januar 23rd, 2011 § Kommentare deaktiviert für Wenn Mammons Hammer kreist I: Gute Nacht, Nachtkritik? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Wäh­rend das Netz aller­or­ten dar­über pala­vert, ob Zei­tungs- und Medi­en­häu­ser durch ein Leis­tungs­schutz­recht geschützt wer­den sol­len vor dem Nie­der­gang (aktu­el­le Zah­len kom­men­tiert Knüwer), ob nicht Zei­tun­gen dann den Leis­tern, über die sie berich­ten, viel­leicht eben­falls für deren Leis­tung ein Ent­geld zah­len müss­ten (also etwa den Thea­tern, wie Nig­ge­mei­er meint), scheint Gott Mam­mon Fak­ten zu schaf­fen. Gera­de kreist sein töd­li­cher Ham­mer über den Köp­fen der geschätz­ten und von etwa hier mir beju­bel­ten Nacht­kri­ti­kre­dak­ti­on. Hier gibt es ein Video mit Esther Sle­vogt, die (nach ermü­den­den Aus­füh­run­gen über die Spiralblock-„Affäre“) ein wenig über die Unter­neh­mung erzählt.

Die Reak­ti­on von Nacht­kri­tik auf die schlech­te wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der Redak­ti­on: seit eini­gen Wochen wird ein Spen­den­auf­rauf mal mehr mal weni­ger pro­mi­nent auf der Start­sei­te vor­ge­hal­ten, um User zu Unter­stüt­zern zu machen. Das ist sym­pa­thisch aber geschei­tert.

Quo Vadis, Jour­na­lis­mus?

Die Fra­ge, die sich dar­aus ablei­tet, lau­tet: Wenn denn die tra­di­tio­nel­len (Print-)Zeitungsverlage dar­nie­der gehen – wie kann sich qua­li­ta­tiv wer­ti­ger bis hoch­wer­ti­ger Jour­na­lis­mus noch finan­zie­ren. Und mit finan­zie­ren ist an die­ser Stel­le gemeint: Das all­täg­li­che Über­le­ben derer sicher­stel­len, die einen so gro­ßen Teil ihres Tages in die Erstel­lung der Inhal­te inves­tie­ren, dass sie kei­ner tra­di­tio­nel­len Geld­ar­beit nach­ge­hen kön­nen. Und nacht­kritk ist schon rela­tiv weit gegan­genl in Sachen Kos­ten­sen­kun­gen: rela­tiv lächer­li­che Hono­ra­re für die Auto­ren, kei­ne Rei­o­se­kos­ten, wenig Gehalt für die Fest­an­ge­stell­ten. Man spart wo es geht. (Selbst)Ausbeutung? Na sicher!

Nun ist im Web inzwi­schen aller­or­ten die Mei­nung durch­ge­setzt: Was im Netz ist, kost nichts. Wer ins Netz arbei­tet, kriegt nichts. Des­we­gen erwar­te ich für die­ses post­dra­ma­ti­sche Blog hier kei­ner­lei Ent­gelt. Auch wenn ich hof­fe, irgend­wann eine Lebens­fi­nan­zie­rung u fin­den, die aus die­ser Tätig­keit (und dem Schrei­ben) mehr macht, als eine Urlaubs-, Wochen­end- und Nacht­be­schäf­ti­gung. Die Pro­ble­ma­tik von Nacht­kri­tik ist also gar so weit nicht von der ande­rer Auto­ren ent­fernt. User lie­ben hoch­wer­ti­ge Inhal­te – bezah­len wol­len sie aber nicht dafür. Das ist so. Bezahl­pflicht für Nacht­kri­tik wäre das Todes­stünd­lein der Sei­te.

Es scheint, dass Nacht­kri­tik mit der für Idea­lis­mus typi­schen Nai­vi­tät an den Start gegan­gen ist. Wir machen mal – um Geld küm­mern wir uns spä­ter. Das Beschis­se­ne dar­an ist: Der Bäcker, der Ver­mie­ter, der Schus­ter, der Hos­ter der Nacht­kri­ti­ker will jetzt schon Geld. Und jetzt. Und jetzt. Und jetzt wie­der.

Mam­mons Ham­mer

Nach dem Nie­der­gang der tra­di­tio­nel­len, print­ba­sier­ten Mas­sen­me­di­en (Zei­tun­gen, Zeit­schrif­ten …), die selbst­ver­ständ­lich wirt­schaft­lich ori­en­tier­te Unter­neh­men sind und schon immer waren, scheint die Visi­on von funk­tio­nie­ren­den Online­me­di­en eine Illu­si­on. Das Geld, das Ver­la­ge in Zei­tun­gen ver­lie­ren, wer­den sie zukünf­tig in digi­ta­len Medi­en nicht ein­neh­men kön­nen – da mag Döpf­ner das iPad anbe­ten, solan­ge er will (“Jeder Ver­le­ger soll­te sich ein­mal am Tag hin­set­zen, beten und Ste­ve Jobs dafür dan­ken, dass er mit die­sem Gerät die Ver­lags­in­dus­trie ret­tet.” Welt). Durch (Banner-)Werbung wer­den die Rück­gän­ge an Print­wer­bung nicht kom­pen­siert. Punk­tum.

Ich habe kei­ne gro­ße Lust, mich in die Leis­tungs­schutz­de­bat­te ein­zu­mi­schen – weil sie eine Phan­tom­de­bat­te ist. Wenn ein Kind im Brun­nen liegt, muss man nicht über Brun­nen­ab­de­ckun­gen reden. Son­dern den Bestat­ter rufen – denn die­ses Kind ist längst ertrun­ken. Nur post­mor­ta­le Refle­xe sind noch zu sehen. Das alte Geschäfts­mo­dell ist per­du. Und wo ist das neue Geschäfts­mo­dell? Heißt: Wie las­sen sich fähi­ge, erfah­re­ne und unbe­stech­li­che Jour­na­lis­ten finan­zie­ren? Wer­den die GEZ-finan­zier­ten Öffent­lich-Recht­li­chen die Medi­en der Zukunft sein? Einem Modell der Kir­chen­steu­er gleich also durch „Haus­halts­ab­ga­ben“ finan­ziert und pseu­do-kirch­li­che Auto­no­mie genie­ßen? Oder gibt es einen gesell­schaft­li­chen Kon­sens, der die­se gesell­schaft­li­che Funk­ti­on als so wich­tig ein­schätzt, dass aus gesell­schaft­li­cher Kraft her­aus die Finan­zie­rung gesi­chert wird (kei­ne Ahnung, wie das gehen soll – durch Nacht­kri­tik-Spen­den oder flattr oder ähn­li­ches geht’s nicht).

Übri­gens: Dies­mal liegt Mam­mons Ham­mer nicht in den Hän­den der Ban­ken, son­dern in den Hän­den der Kon­su­men­ten und Leser. Es wer­den nicht die bösen Agen­ten des Finanz­ka­pi­ta­lis­mus sein, die Nacht­kri­tik platt machen (könn­ten) son­dern es sind die Men­schen, die kei­ne Zei­tun­gen mehr kau­fen, die zugleich für zei­tungs­ar­ti­ge Inhal­te im Netz nicht bezah­len wol­len. Die Macht der Kon­su­men­ten rich­tet sich – gegen sie selbst?

Jeden­falls – und damit will ich den all­ge­mei­nen Teil been­den – wird nacht­kri­tik auf dem fal­schen Bein erwischt, eben­so wie die Leser. Denn in den letz­ten Jahr­zehn­ten schon hat ein Öko­no­mis­mus gesell­schaft­lich um sich gegrif­fen und auch die Kul­tur erfasst (ich hab schon in den spä­ten 80ern stu­den­ti­sche Arti­kel ver­fasst die sich gegen die „Sub­ven­ti­ons­kür­zun­gen“ gegen­über Thea­tern rich­te­ten …) – der weder von Kul­tur­schaf­fen­den, noch von insti­tu­tio­nel­len Ver­tre­tern, noch offen­bar von nacht­kri­tik ernst genom­men wur­de. Die Kul­tur hat sich nicht dafür inter­es­siert, wie den Vie­len lang­sam das Was­ser abge­dreht wur­de – jetzt inter­es­sie­ren sich die vie­len einen Scheiß­dreck dafür, dass Thea­tern und Thea­ter­zei­tun­gen das Was­ser bis zum Hal­se steht. Hät­tet ihr euch mal um den Tur­bo-Öko­no­mis­mus geküm­mert! Viel­leicht ist es noch nicht zu spät.

Die haus­ge­mach­ten Pro­ble­me

Nacht­kri­tik hat (wie bereits ange­deu­tet) auf ihrer Sei­te vie­les falsch gemacht, kaum einen Feh­ler aus­ge­las­sen. Die relaunch­te Web­sei­te ist eine Kata­stro­phe. Gegen das » Wei­ter­le­sen «

Von der dramatischen Differenzgesellschaft zur Netzgesellschaft und Netzpolitik

Januar 22nd, 2011 § Kommentare deaktiviert für Von der dramatischen Differenzgesellschaft zur Netzgesellschaft und Netzpolitik § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Oder: die Über­füh­rung von Poli­fe­renz in Dif­fe­renz und zurück

Die gele­gent­lich vor­ge­tra­ge­ne Behaup­tung, das Poli­ti­sche sei die Sphä­re des fun­da­men­ta­len Gegen­sat­zes gehört auf den Prüf­stand, ist so ein­fach nicht ste­hen zu las­sen. Letz­tens hat­te ich in Sachen Schmitt und Laclau/Mouffe ja schon dazu gepos­tet. Was mich noch nicht wirk­lich befrie­digt. Denn einer­seits ist die Dia­gno­se des grund­sätz­lich vor­han­de­nen gesell­schaft­li­chen Kon­flikts tri­vi­al im Hin­blick auf Bewe­gun­gen wie Klas­sen­kämp­fe, poli­ti­sche Wahl­kämp­fe, Apart­heid, Geschlech­ter­dis­kri­mi­nie­run­gen usw. Ande­rer­seits hal­ten die­se gene­ra­li­sier­ten Dif­fe­ren­zen einer genaue­ren Beob­ach­tung nur dann stand, wenn der Beob­ach­ter die Augen so weit zusam­men­kneift, bis er nur noch Schwarz-Weiß Unter­schie­de sieht.

Das Drit­te und die disper­sen Par­tei­en

Nicht nur scheint regel­mä­ßig dort, wo eine Dif­fe­rent zu fin­den ist, ein aus­ge­schlos­se­nes, von der Dif­fe­renz nicht erfass­tes ter­ti­um zu geben. Sei es der Arbeits­lo­se, Beam­te oder Frei­be­ruf­ler bei Marx, der Par­ti­san im Krieg, der Nicht­wäh­ler oder die Kir­che in der Demo­kra­tie, der Homo­se­xu­el­le in der machis­ti­schen Gesell­schaft, der „Bas­tard“ in der Apart­heid und Aris­to­kra­tie usw. Son­dern viel­mehr erbringt schon das genaue­re Hin­schau­en, dass unter­halb die­ser Dif­fe­ren­zen wie­der­um eine Viel­zahl von Strö­mun­gen und Abschat­tun­gen vor­lie­gen, die inner­halb einer jeden Par­tei wie­der­um für unter­schied­li­che Strö­mun­gen (also Unter­tei­lun­gen) sor­gen, die mit­un­ter inner­par­tei­lich weni­ger Zusam­men­halt haben, als mit benach­bar­ten Strö­mun­gen der „Geg­ner“. Was aller­dings sich wie­der­um in selb­st­ähn­li­chen Sub­dif­fe­ren­zie­run­gen in die Tie­fe hin­ab führt bis hin zu klei­nen Freun­des- oder Inter­es­sen­krei­sen. Und zeigt, dass die bei­den Sei­ten der Dif­fe­renz alles ande­re als homo­ge­ne Ein­hei­ten sind – es sei denn, sie wür­den mit Gewalt homo­ge­ni­siert (und gar uni­for­mi­siert).

Mau­rice Gau­chet: Tei­lung und Tota­li­ta­ris­mus

Zufäl­li­ger­wei­se bin ich beim Her­um­le­sen in Lefort-Tex­ten in einem Reader-Bei­trag gelan­det, von dem ich annahm (Lese­feh­ler­hal­ber) er sei von Lefort, zudem er sich weit­ge­hend auch so „anfühlt“. Je wei­ter ich damit kam, des­to mehr hat der Text elek­tri­siert. Es han­delt sich um Mau­rice Gau­chets  Die Tota­li­tä­re Erfah­rung und das Den­ken des Poli­ti­schen (hier ent­hal­ten). Ich habe noch nie von Gau­chet, einem Schü­ler von Lefort und Cas­to­ria­dis gehört. Aber nach dem Arti­kel scheint das ein Feh­ler zu sein. Zunächst beginnt er damit zu zei­gen, wie der Traum von der Homo­ge­ni­sie­rung der Tei­lung in den Tota­li­ta­ris­mus führt, der selbst wie­der­um eine Tei­lung (wider Wil­len) her­vor­bringt.

Gau­chet pos­tu­liert die „Not­wen­dig­keit, die Gesell­schaft von ihrer Tei­lung aus zu den­ken“ (209) und attes­tiert Marx einen blin­den Fleck in dem „Pos­tu­lat des sekun­dä­ren und auf­lös­ba­ren Cha­rak­ters der gesell­schaft­li­chen Tei­lung“ (210). Er hält dage­gen, dass ein sol­cher Staat ohne gesell­schaft­li­che Tei­lung ein tota­li­tä­rer Staat sein muss, der gewalt­tä­tig für die Homo­ge­ni­sie­rung sorgt (und man kann hin­zu­fü­gen: der die Tei­lung ledig­lich stra­ti­fi­ziert, indem er Herr­schen­de und Beherrsch­te teilt wie in der DDR). Das leuch­tet ein:

[Der Tota­li­ta­ris­mus] trägt das Schei­tern als Bedin­gung sei­ner Durch­set­zung in sich, inso­fern er sich nur durch das hin­durch her­stellt, was ihm » Wei­ter­le­sen «

Berlin 21.–23.1. Gorki-Theater und Der Freitag: “Der Teilhabekapitalismus und sein Ende”

Januar 17th, 2011 § Kommentare deaktiviert für Berlin 21.–23.1. Gorki-Theater und Der Freitag: “Der Teilhabekapitalismus und sein Ende” § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich wollt, ich wär ein Ber­li­ner: dann wäre ich am 21. bis 23. Janu­ar im Maxim Gor­ki Thea­ter zu fin­den, das zusam­men mit dem Frei­tag dann ein Spe­cial “mass­nah­men gesell­schaft­li­cher teil­ha­be” ver­an­stal­tet. Unter ande­rem mit Oskar Negt (The­ma: Zei­ten des Zorns. Der neue Pro­test und die deut­sche Demo­kra­tie”) und Vor­trä­gen und Dis­kus­sio­nen zu dem The­ma “Der Teil­ha­be­ka­pi­ta­lis­mus und sein Ende”. Zudem ein Kon­zert “The John­ny Cash Song­book” und die Insze­nie­rung von Stein­becks “Früch­ten des Zorns”. Wär ich ein Ber­li­ner — ich wär da. Bin ich aber lei­der nicht. Scha­de.

Warum mit Luhmann keine Gesellschaft zu machen ist

Januar 16th, 2011 § 5 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ein recht knap­pes Pos­ting von Kusanow­sky auf Face­book erlaubt mir nun end­lich, klar zu beob­ach­ten, wel­chen Kar­di­nal­feh­ler ich in der Sys­tem­theo­rie Luh­manns beob­ach­te. Das Pos­ting sag­te:

(Auch bei wave­tank als Kom­men­tar hier zu fin­den)

Und der Kar­di­nal­feh­ler ist dar­in zu beob­ach­ten, dass das Zitat nahe­legt, es sei eine Gesell­schaft, die die Gesell­schaft beob­ach­tet: „Die Gesell­schaft hat sich selbst zur Umwelt. Dar­in besteht die Gesell­schaft der Gesell­schaft.“ Tat­säch­lich ist es kei­ne Gesell­schaft. Die For­mu­lie­rung radiert (ich wür­de behaup­ten: sys­te­ma­tisch moti­viert) die Tat­sa­che aus, dass die Ichs nie zum Wir wer­den (jen­seits des grö­len­den Pöbels nach einem gewon­nen Fuß­ball­spiel und ähn­li­cher reli­giö­ser Ver­zü­ckungs­ge­le­gen­hei­ten). Dass der Beob­ach­ter also nie­mals Teil einer Beob­ach­tungs­ge­sell­schaft wird, son­dern immer nur allei­ne beob­ach­tet. Die grund­le­gen­de Ein­sam­keit des Beob­ach­ters wird sys­te­ma­tisch aus­ge­blen­det  wenn es heißt, die Gesell­schaft sei die Umwelt der Gesell­schaft, die sie beob­ach­te. Die Gesell­schaft gibt es nicht außer­halb der Beob­ach­tung des Beob­ach­ters, der sich dann lesend bei der (oder nach der) Beob­ach­tung der Gesell­schaft beob­ach­ten las­sen muss. (Falls jeman­den die Asser­t­o­rik die­ser Dar­le­gung stört, möge er sich ger­ne die Frei­heit her­aus­neh­men, den Text statt kon­sta­tiv ger­ne fakul­ta­tiv oder kon­di­tio­nal zu lesen; natür­lich ist dem Ver­fas­ser der gegen­wär­tig ver­brei­te­te Glau­ben an die fun­da­men­ta­le Kon­tin­genz bekannt, der selbst aller­dings selbst­ver­ständ­lich nicht weni­ger kon­tin­gent ist als die Behaup­tung der Determiniertheit/Prädestination der Welt – die selbst wie­der­um behaup­ten könn­te, das die gegen­wär­tig herr­schen­de Kon­tin­genz­be­ob­ach­tung deter­mi­niert und prä­de­sti­niert ist).

Die Beob­ach­tung des ein­sa­men Beob­ach­ters wird nie Gesell­schaft

Wollt man genau­er for­mu­lie­ren, müss­te das Buch „Die Gesell­schaft der Gesell­schaft“ nicht nur hei­ßen „Die Gesell­schaft der Sozio­lo­gie“ son­dern „Die Gesell­schaft des Sozio­lo­gen“ oder gar „Die Gesell­schaft des Luh­manns“. Ein sol­cher Luh­mann (ein Beob­ach­tungs­kon­strukt des Lesers zwei­ter Ord­nung) kann nicht teil einer Gesell­schaft wer­den, solan­ge er sie beob­ach­tet – wäh­rend er zugleich natür­lich dadurch, dass er das, was er beob­ach­tet, als Gesell­schaft beob­ach­tet, untrenn­bar in der Gesell­schaft (als theo­ros) ent­hal­ten ist. Er müsst sich in die Gesell­schaft bege­ben, die er dann nicht mehr beob­ach­ten kann, weil es dann die Gesell­schaft der Beob­ach­tung PLUS sei­ner selbst ist – also nicht mehr die beob­ach­te­te Gesell­schaft. Eine Art des Nar­ziss­mus.  Damit löst er zwar für sich das Erkennt­nis­pro­blem, weil der Beob­ach­ter auf bei­den Sei­ten der erkennt­nis­theo­re­ti­schen Glei­chung auf­taucht (enth’ousiasmos nann­te man das in alten Zei­ten: Die Din­ge sind im Betrach­ter, der Betrach­ter in den Din­gen). Wer mit Hegel mar­schiert mag das ganz in Ord­nung fin­den, da es einer schö­nen Dia­lek­tik gleicht. Von außen beob­ach­tet nimmt es aber nur Lich­ten­bergs Apho­ris­mus über das Buch wie­der auf: „Ein Buch ist ein Spie­gel, wenn ein Affe hin­ein­sieht, so kann » Wei­ter­le­sen «

Sehr Lesenswert: O.Garofalos Masterarbeit über „Sich Gesellschaft leisten“ (Download)

Januar 5th, 2011 § Kommentare deaktiviert für Sehr Lesenswert: O.Garofalos Masterarbeit über „Sich Gesellschaft leisten“ (Download) § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Eine sehr span­nen­de Erfah­rung, eine wis­sen­schaft­li­che Arbeit über sich selbst bzw. über einen eige­nen Text zu lesen. Ins­be­son­de­re eine so schlaue und reflek­tier­te wie die Mas­ter­ar­beit von Oli­vi­er Garo­fa­lo „Der regu­lier­te Mensch in Ulf Schmidts Thea­ter­text sich Gesell­schaft leis­ten“. Die Arbeit ist als Mas­ter­ar­beit am ger­ma­nis­ti­schen Lehr­stuhl von Fran­zis­ka Schüß­ler an der Uni Trier ent­stan­den. Dort war ja im Rah­men des Fes­ti­vals Maxi­mie­rung Mensch Sich Gesell­schaft leis­ten (teil)uraufgeführt und zum Gegen­stand der wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­on bei der Tagung gewor­den.

Garo­fa­lo kon­zen­triert sich auf die regu­lie­ren­den Prin­zi­pi­en in Sich Gesell­schaft leis­ten und nutzt Fou­cault als Optik für die Betrach­tung des Tex­tes. Das funk­tio­niert imho ziem­lich gut. Die Arbeit legt die unter­schied­li­chen Dimen­sio­nen der Regu­lie­rung und der Ver­schnü­rung der Per­so­nen in Ver­trags­ge­flech­ten frei und spürt ihnen prä­zi­se nach.

Ich will gar nicht erst ver­su­chen, den Inhalt der Arbeit zusam­men­zu­fas­sen. Oli­vi­er Garo­fa­lo hat mir erlaubt, sei­ne Arbeit hier zu ver­lin­ken und zum Down­load frei anzu­bie­ten. Dafür herz­li­chen Dank. Und ich kann die Lek­tü­re nach­drück­lich emp­feh­len. Es sind vie­le Gedan­ken und Refe­ren­zen dar­in, derer ich mir gar nicht bewusst war bzw. auf die ich erst im Nach­hin­ein reflek­tie­ren kann. Hier kann der Text her­un­ter­ge­la­den wer­den.

Falls ein Thea­ter hier mit­liest, das einen cle­ve­ren und enga­gier­ten Dra­ma­tur­gen sucht: Garo­fa­lo ist jetzt mit dem Stu­di­um fer­tig ….! Ich stel­le ger­ne einen Kon­takt her!

Neues aus dem Maschinenraum: Großformatdrucker für neuen Text da!

Januar 4th, 2011 § Kommentare deaktiviert für Neues aus dem Maschinenraum: Großformatdrucker für neuen Text da! § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Nach­dem das Aus­dru­cken von Sich Gesell­schaft leis­ten schon ein grö­ße­res Pro­blem war und auf A3 auch nur zu mit­tel­mä­ßi­ger Les­bar­keit führ­te — brauchts für den Mari­entha­ler Dachs eine ver­nünf­ti­ge Lösung. Einen A1 Dru­cker aus dem Hau­se Hew­lett-Packard. Desi­gn­jet 488CA. Gebraucht gekauft. Mich traf ein mit­tel­schwe­rer Bllitz, als der Lie­fe­rant mit einer 1.80 lan­gen Kis­te in Form eines Kin­der­s­args dastand, die ich mit ihm zusam­men kaum die Trep­pe rauf­be­kom­men hab:

Jetzt aber ist die Maschi­ne aus­ge­packt, auf­ge­baut, ver­staut. Und wenn ich mor­gen schaf­fe, ein Parallel/USB Kabel zu besor­gen und es schaf­fe, den Trei­ber unter VISTA zu instal­lie­ren — kann end­lich die Über­nah­me der Zet­tel­wän­de in die Datei begin­nen mit nach­fol­gen­dem Wie­der­aus­druck zur Neu­ver­zet­te­lung.

Ver­zet­teln ist eh das bes­te.

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