Die vier Räume des Theaters (Fortsetzung): Möglichkeitsraum

Mai 30th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Die vier Räume des Theaters (Fortsetzung): Möglichkeitsraum § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Vor­ab: Die­se Posts zu den Thea­ter­räu­men sind Work in Pro­gress. Ver­su­che, etwas kon­se­ku­tiv auf den Punkt zu brin­gen. Nichts Fer­ti­ges.

Den Mög­lich­keits­raum von den Zuse­hern und ihren Sitz­plkät­zen zu tren­nen, die Inter­ak­ti­on also durch “die Ram­pe” (Laza­ro­wicz) zu sepa­rie­ren, ver­leiht den Zuse­hen­den Sicher­heit — eine Sicher­heit, die ver­lo­ren gehen kann, wenn der Mög­lich­keits­raum beginnt, sich um sie her­um aus­zu­brei­ten. Die Ver­dun­ke­lung des Zuse­her­rau­mes zu Beginn der “Vor­stel­lung”, als wür­den die Lider geschlos­sen, um den Traum als Traum und “Es ist nur ein Traum — ich darf ihn wei­ter träu­men” kon­su­mier­bar zu machen, voll­zieht die­se Tren­nung eben­so wie der Vor­hang und der ritu­el­le Applaus gegen­über den Mög­lich­keits­spie­lern. Bleibt nur das Saal­licht an — bleibt das Lid also geöff­net, wan­delt sich schon die Tren­nung. Der Zuse­her fühlt sich in sei­nem Zuse­hen ertappt und bemerkt, dass er im Spiel­raum auf dem Prä­sen­tier­tel­ler sitzt — obwohl er die ande­ren doch auf dem Prä­sen­tier­tel­ler erwar­te­te. Umso mehr, wenn der Mög­lich­keits­raum die Büh­ne ver­lässt, die Mög­lich­keits­spie­ler in den Zuse­her­raum klet­tern und die Wirk­lich­keit der Zuse­her nicht mehr zu über­se­hen ist. Zuletzt aber hebt die Auf­he­bung von Ram­pe und Licht­dif­fe­renz noch mehr auf, ver­mag bis ins Bedroh­li­che zu kip­pen, wenn der Zuse­her sich schlag­ar­tig umfan­gen sieht von Mög­lich­kei­ten, denen gegen­über sich zu ver­hal­ten er nicht gelernt hat. Wäh­rend außer­halb des Mög­lich­keits­rau­mes der Umgang und das Spiel mit­ein­an­der hoch kodi­fi­ziert ist (sei es vom gere­gel­ten anein­an­der vor­bei­ge­hen, Hand­schlag, Glä­ser­pros­ten) ist im Mög­lich­keits­raum alles mög­lich. Und wo alles mög­lich (sprich: kon­tin­gent) zu wer­den beginnt, ist kei­ne Sicher­heit mehr. Zugleich aber ent­steht die Frei­heit des Zuse­hen­den, wenn er die Mög­lich­kei­ten, die sich ihm bie­ten, ergreift. Die Mög­lich­keit zur frei­en Bewe­gung, zum Hier­her- und Dahin­hö­ren. Zum Weg­ge­hen und Wie­der­kom­men. Der Zuse­her wird nie selbst Teil des Mög­lich­keits­rau­mes. Dazu ist er auf bestimm­te Inter­ak­tio­nen des Spiel­rau­mes zu sehr fest­ge­legt. Und sein Ein­bau (oder der Ein­bau von Tie­ren) in den Mög­lich­keits­raum mar­kiert nur immer die Dif­fe­renz noch ach­drück­li­cher zwi­schen denen im Mög­lich­keits­raum und denen außer­halb.

Nach­trag: Der Mög­lich­keits­raum als Frei­raum kor­re­spon­diert dem Zuse­her­raum als Unfrei­raum. Das ist eine Fest­stel­lung, kei­ne Kri­tik. Es ist eine all­täg­li­che Ver­traut­heit, sich in Unfrei­räu­men zu bewe­gen. In der Ubahn, im Lini­en­bus, im Flug­zeug. Im Staat.

Die Vier Räume des Theaters (Fortsetzung): Denkraum

Mai 30th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Die Vier Räume des Theaters (Fortsetzung): Denkraum § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Denk­raum ist Thea­ter, sofern die Mate­ria­li­tät des­sen, was im Erfah­rungs­raum zu erle­ben ist, nicht im Sinn auf­geht. Sosehr das kon­trast­rei­che Schwarz­weiß der Schrift und die Auf­for­de­rung zu gedank­li­cher Klar­heit dazu bei­ge­tra­gen hat, dass Schrei­ber und Leser sich (bis Der­ri­da kam) in der Sicher­heit wie­gen konn­ten, an einem gemein­sa­men “Sinn” zu arbei­ten unter Hint­an­stel­lung eben die­ser Mate­ria­li­tät, hat Thea­ter schon immer durch sein Schwan­ken zwi­schen dem ein­fa­chen, nicht sinn­ge­la­de­nen Daseins eines Steins in der Wüs­te und der ober­fläch­li­chen (von der Thea­ter­se­mio­tik tot­ge­rit­te­nen) Zei­chen­haf­tig­keit nur zu Den­ken geben kön­nen. Ein Den­ken, das zwi­schen Sinn und (man möge das uralte Wort­spiel ver­zei­hen) Sinn­lich­keit schwankt. Ein Den­ken, das sich ver­liert und wie­der­ge­winnt. Ein Den­ken, das auf der einen Sei­te in Schrifts­in­nig­keit umschla­gen könn­te doch nie­mals wird, auf der ande­ren Sei­te in die Sinn­lo­sig­keit eines rhyth­mi­schen Gym­nas­tik. Die­se Labi­li­tät im Denk­raum zeich­net Thea­ter aus. Weil es kein Medi­um ist und gleich­zei­tig medi­al arbei­ten kann. Aber eben nicht mime­tisch-medi­al. Son­dern sinn­me­di­al.

Die vier Räume des Theaters: Möglichkeitsraum, Denkraum, Erfahrungsraum, Spielraum. Ein Gedankenspiel.

Mai 29th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Die vier Räume des Theaters: Möglichkeitsraum, Denkraum, Erfahrungsraum, Spielraum. Ein Gedankenspiel. § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Mög­lich­keits­raum: Als Raum im Raum ist Thea­ter nur Thea­ter wenn Mög­li­ches wirk­lich, Wirk­li­ches anders mög­lich wird. Die Unter­bre­chung des sozia­len Raum­kon­ti­nu­ums durch die Dif­fe­renz zwi­schen Vor­stel­lern und Zuse­hern eröff­net die­sen Mög­lich­keits­raum, der durch sei­ne Öff­nung das Mög­li­che zeigt. Tra­di­tio­nell kann der Mög­lich­keits­raum etwa der Fik­ti­ons­raum sein, der Raum, der zwar da aber anders als da, weil eben anders mög­lich, ist. Die Büh­ne, die nicht die Büh­ne, son­dern der Hof Däne­marks sein kann. Zugleich aber kann die­se Büh­ne Büh­ne und nicht Däne­mark sein. Zeigt aber als Büh­ne wie­der ein Mög­li­ches, das jeder­zeit anders sein könn­te, und das so ist, wie es ist, weil auf der Büh­ne ande­res mög­lich war und ist.

Denk­raum: Indem der Mög­lich­keits­raum Mög­li­ches mög­lich zeigt, gibt er zum  Den­ken Anlass. Sei es nur, dass es so sein könn­te. Dass es so ist, das es anders ist oder noch nicht ein­mal anders ist, weil auch das Nicht­an­de­re natür­lich mög­lich ist – dass lässt den­ken. Und die­ses Den­ken schwankt jeder­zeit hin­über, mal zum Bloß­den­ken, mal zum Fast­nicht­den­ken im Erfah­rungs­raum.

Erfah­rungs­raum: Ist Thea­ter sofern ohne jedes Sinn­li­che Thea­ter nicht sein kann. Dadurch aber, dass die­ses Sinn­li­che sich im Mög­lich­keits­raum befin­det, ist das » Wei­ter­le­sen «

Bundessparwehr

Mai 27th, 2010 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Bun­des­um­gangs­spra­che­kriegs­mi­nis­ter und Frei­herr zu Gut­ten­berg will bei der Bun­des­wehr spa­ren (sagt SpOn), indem eini­ge klei­ne­re Stand­or­te gestri­chen wer­den. Ich hät­te fol­gen­de Vor­schlä­ge: Kabul, Kun­duz, Mazar-i-Sharif, Feyzabad, Ter­mez.

Das wür­de jähr­lich 3 Mil­li­ar­den Euro spa­ren (sagt mana­ger-maga­zin hier). Wär vie­len Men­schen gehol­fen.

Und beim Suchen nach Links stol­per­te ich dann über eine die­ser groß­ar­ti­gen Wider­wär­tig­kei­ten aus den deut­schen Wirt­schafts­madras­sas, dies­mal des DIW. ich zitie­re aus einem Inter­view im Mana­ger-Maga­zin (hier):

mm: Aber muss man denn wirk­lich so weit gehen, jeden gefal­le­nen Sol­da­ten mit einem Preis­schild zu ver­se­hen? Pro totem Deut­schen ver­an­schla­gen Sie in Ihrer Stu­die 2,3 Mil­lio­nen Euro.

Brück: Wie­der sage ich: Es wäre zynisch und respekt­los, den hohen Preis den die Sol­da­ten und ihre Fami­li­en gezahlt haben, nicht in unse­re Stu­die ein­flie­ßen zu las­sen. Der Betrag von 2,3 Mil­lio­nen Euro ent­spricht dem, was in der EU auch in ande­ren Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­sen als Preis für ein Men­schen­le­ben ver­an­schlagt wird — etwa bei Inves­ti­tio­nen in die Ver­kehrs­si­cher­heit.

Wer will ange­sicht der Tat­sa­che, dass sol­che Pro­fit­mul­lahs und Wirt­schaft­s­ta­li­ban in die­sem Land die Geschi­cke erheb­lich mit­be­stim­men, noch behaup­ten, unser Pro­blem sei die spät­rö­mi­sche Deka­denz von Hartz IV-Emp­fän­gern?

Sich Gesellschaft leisten — Uraufführung in Trier am 8.6.2010 (updated)

Mai 26th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Sich Gesellschaft leisten — Uraufführung in Trier am 8.6.2010 (updated) § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ein Wütchen geht durch Theaterdeutschalnd, das Wut werden … will? kann? soll? wird?

Mai 26th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Ein Wütchen geht durch Theaterdeutschalnd, das Wut werden … will? kann? soll? wird? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Etwas tut sich im Thea­ter­staa­te Deutsch­land. Ein Wind­chen rauscht und bläht sich, will wer­den — aber was? Hier jeden­falls wars zu ver­neh­men:

  • Spa­ren­de Poli­ti­ker: fin­den Thea­ter – ins­be­son­de­re in Wup­per­tal – über­flüs­sig (hier)
  • Wup­per­tal: Die Thea­ter fin­den spa­ren­de Poli­ti­ker doof. (hier)
  • Kehl­mann (Welt­ver­mes­se­rer): fin­det Regie­thea­ter doof. hier
  • Hei­del­berg: Stü­cke­markt­ju­ry fin­det die ein­ge­reich­ten Stü­cke zu doof um aus­zei­chen­bar zu sein. (hier) N.B.: Auf ähn­li­che­Wei­se ist übri­gens auch ein Nach­wuchs­ta­lent Papst Bene­dikt XVI gewor­den …  Erst rum­dis­ku­tie­ren und dann: rat­zef­atz.
  • Stock­mann (Nils-Mom­me, Stü­cke­markt­ju­ror): fin­det Kri­ti­ker doof (hier oder hier)
  • Dös­sel (Kri­ti­ke­rin und Stock­mann-Mit­ju­ro­rin): fin­det des­we­gen Stock­mann ziem­lich doof (hier).
  • Stree­ru­witz: fin­det ange­pass­te Schrei­ber und die neo­li­be­ra­le Arbeits­ord­nung der Thea­ter und ihrer Jung­dra­ma­ti­ker doof (hier)
  • Batt­le Auto­ren: fin­den Thea­ter doof, die kei­ne Kne­te für Arbeits­leis­tung  rüber rei­chen (hier).
  • Spuh­ler (Hei­del­berg­in­ten­dant): Fin­det dass die Juro­ren lie­ber nicht hät­ten Juro­ren wer­den sol­len, wenn sie nicht jurie­ren wol­len (im Mann­hei­mer Mor­gen am 17.5.). Oder so. Und beur­teilt die Urtei­le der Nichtur­tei­len­wol­len­den (wenn ers denn auf nacht­kri­tik hier im Kom­men­tar 85 und 87 war) als …irgend­was.
  • Nicht­aus­ge­zeich­ne­te, aus­er­wäh­le Auto­ren (5): fin­den, dass die Jury den Sinn der Nach­wuchs­för­de­rung nicht ver­steht und dass der Hei­del­ber­ger Wett­be­werb, der Dra­ma­ti­ker för­dern soll (in dem von dem Auto­ren bei der Jury ver­miss­ten Ver­ständ­nis), nicht über Nach­wuchs­för­de­rung debat­tie­ren soll. (hier)
  • Die Jury (Dös­sel, Altor­fer, Stock­mann): fands offen­bar ok, Gast­au­to­ren aus Isra­el ein­zu­la­den, ihnen am Ende der Rei­se mit­zu­tei­len, dass man die Stü­cke eigent­lich schei­ße fin­det, um sie dann wie­der zu ver­ab­schie­den (Übri­gens – falls jemand mich mal nicht­aus­zeich­nen will: teilts mir bit­te brief­lich mit!)
  • Frank Kroll: fin­det spon­tan min­des­tens zwei der Hei­del­berg­nicht­preis­wür­di­gen Stü­cke ganz gut und aus­zei­chen­bar (hier Kom­men­tar 59). Und ist eh ein guter Typ. War­um bloggt er so wenig hier?
  • Chris­ti­ne Dös­sel: fin­det Spuh­ler und den Stü­cke­markt doof. Den Ver­mark­tungs­zu­sam­men­hang unan­ge­nehm. Die jurier­ten Stü­cke schlecht. Und fin­det, dass 2500 Euro für jeden ein­rei­chen­den Auto­ren super sind – und dass das eigent­lich bes­ser ist als einen mit viel zu viel Geld reich und arbeits­scheu zu machen. (noch­mal hier)
  • Botho Strauß: fin­det das Thea­ter all­ge­mein doof. Also das von nach sei­ner Zeit. Damals. (hier)
  • Tho­mas Oster­mei­er: Jahr­gang 1968 (das fin­det nachtkritik.de erwäh­nens­wert ; zudem das Geburts­jahr der Herrn Strauß – der ist 66 und damit am Beginn sei­nes Lebens, wie der Dich­ter Jür­gens wei­land sang). hier
  • Tho­mas Oster­mei­er (selbst): fin­det Strauß doof, weil der Thea­ter schmäht, obwohl er ja gar nicht alles gese­hen hat. (hier)
  • Ulrich Khuon (Inten­dant): fin­det Botho Strauß (Dra­ma­ti­ker?) doof. (hier)

Ich: fin­de es groß­ar­tig, dass sich in Thea­ter­deutsch­land was regt. Zar­te Wut­pflänz­chen zwar erst, die sich noch etwas unge­lenk an den Kreis­saal­nach­barn aus­pro­bie­ren, bevor sie lau­fen ler­nen. Aber wenn die­se Wut dann grö­ßer wird, die Augen und Ohren öff­net und den Tha­liakreis­saal hin­term Eiser­nen ver­lässt und ans Tages­licht tritt – dann kann Thea­ter viel­leicht wer­den, was es sein muss: (Für alle Lite­ra­tur­lieb­ha­ber: Ich wechs­le jetzt gewalt­sam das sprach­li­che Bild) Die » Wei­ter­le­sen «

Koch geht …

Mai 25th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Koch geht … § permalink; Autor: Ulf Schmidt

… in die Knei­pe. Ach nee: in die Wirt­schaft. Ich dach­te, er wär von da eh nur aus­ge­lie­hen.

Mit den unsterb­li­chen Wor­ten des (mir ) unbe­kann­ten Dich­ters:

Der Koch lief in die Wirt­schaft und stahl dem Dieb ein Ei.

Da nahm der Dieb die Kel­le — und schlug den Koch ent­zwei.

Naja denn — Rot­stift heil!

P.S. Ein wun­der­ba­res Edi­to­ri­al vom gott­glei­chen Mar­tin Son­ne­born anläss­lich der Wahl 2003 sei hier zur Lek­tü­re emp­fo­gh­len — aller­dings distan­zie­re ich mich expli­zit von jed­we­der Form der Ver­glimp­fung des Herrn Koch. (Hier gehts zum “Hes­sen-Hit­ler; via Spie­gel­fech­ter)

Wachstumsmythen, Schuldenbremsen — Kasperlkochtheater

Mai 17th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Wachstumsmythen, Schuldenbremsen — Kasperlkochtheater § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Eigent­lich soll­te die­ses Blog aus der Wirt­schafts­the­ma­tik mal wie­der ein wenig her­aus­kom­men. Ich wolll­te über eine ande­re, min­des­tens eben­so drin­gen­de The­ma­tik schrei­ben: Die bedro­hung der Frei­heit durch die Netz­pri­va­ti­sie­rungs­ver­su­che von Apple, Face­book, Goog­le. Das kommt noch.

Zuvor aber zwei­er­lei, was die hier von Anfang an vor­ge­tra­ge­ne The­ma­tik von Wachs­tum und Ver­schul­dung noch­ein­mal auf­kom­men lässt.

Zunächst behaup­tet der all­seits unbe­lieb­te Herr Koch auf SpOn (hier), “wir” hät­ten “über unse­re Ver­hält­nis­se gelebt”. Und der bereits als “bru­talst­mög­li­cher Auf­klä­rer” in die Anna­len der Schwarz­geld­af­fä­re ein­ge­gan­ge­ne Pseu­do-Ver­mächt­nis­er­be will nun das “Ende der Behut­sam­keit” (Ver­mächt­nis­se aus­ge­nom­men). An der Bil­dung for­dert er schnel­le Schnit­te. Und die­se Sache mit der Kin­der­be­treu­ung — viel zu behut­sam. Wech damit. Schließ­lich kanns nicht so wei­ter­ge­hen, dass wir auf Pump erwor­be­nes Geld ver­ju­xen.

Zudem stol­per­te ich heu­te mor­gen in der Papier­aus­ga­be der Frank­fur­ter Rund­schau (ja, Print lebt bei mir noch ein wenig) über einen Kom­men­tar von Robert von Heu­sin­ger, dem ich wie­der mal nur zustim­men kann. Und der der Schuld­de­bat­te einen ande­ren Zun­gen­schlag gibt. Ich zitie­re:

Nach­dem nach Grie­chen­land, Spa­ni­en und Por­tu­gal auch die neue Regie­rung in Eng­land har­te Spar­maß­nah­men ver­kün­de­te und selbst Aus­tra­li­en, das im Ver­gleich präch­tig dasteht, ver­sprach, den Staats­haus­halt in Ord­nung zu brin­gen, da war es um den Mut der Anle­ger gesche­hen. Sie began­nen zu rea­li­sie­ren, dass sie nicht mehr auf das » Wei­ter­le­sen «

Finanzmarktregulierung — so vielleicht?

Mai 7th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Finanzmarktregulierung — so vielleicht? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Gehen wir von zwei Din­gen aus: auf­grund der erheb­lich bes­se­ren Gehäl­ter gehen die bes­ten Absol­ven­ten von Wirt­schafts-Madras­sas eher in den Dienst von Ban­ken und Fonds denn in den Dienst von Auf­sichts­be­hör­den. Das schafft einen gewis­sen Vor­sprung. Zum zwei­ten sorgt die schie­re Mas­se an Pro­duk­ten und ein ver­mut­lich zugleich herr­schen­der Zeit­druck dafür, dass wohl kei­ne Behör­de zur umfas­sen­den Prü­fung und “TÜV”-Untersuchung die­ser Pro­duk­te in der Lage wäre. Auch wenn Ban­ken und Co. für einen Augen­blick kei­ne kri­mi­nel­le Ener­gie, kei­ne Schmier­geld­zah­lun­gen, kein inten­si­ver Lob­by­is­mus, kei­ne Mau­sche­lei­en in einem sol­chen Ver­fah­ren unter­stellt wür­den, wäre die Prü­fung die­ser Pro­duk­te wohl eher ein Wunsch­traum. Dabei geht es ein­fa­cher. Viel ein­fa­cher. Ich hat­te letz­tens hier vom For­mel 1-Ver­gleich geschrie­ben. Mei­nes Erach­tens führt das wei­ter. Und zwar so:

Schritt 1: “For­mel 1” Ban­ken­ver­band für den Han­del von Deri­va­ten und Zer­ti­fi­ka­ten grün­den

Jedes Insti­tut und jeder Fonds, der zukünf­tig sol­che Deri­va­te und Zer­ti­fi­ka­te usw. her­aus­ge­ben, han­deln oder kau­fen will, muss Mit­glied in die­sem Ver­band sein. Jeder Han­del außer­halb ist ille­gal. Das wäre sozu­sa­gen die FIA. Die Rol­le von Ber­nie Ecclestone über­nimmt viel­leicht Herr Acker­mann.

Schritt 2: Ver­bands­be­wer­tung von Pro­duk­ten und Ver­band­s­haf­tung

Die­ser Ver­band hat vor allem einen Zweck: Ban­ker sol­len ande­re Ban­ken kon­trol­lie­ren, um Scha­den vom eige­nen Insti­tut fern zu hal­ten. Denn jedes Pro­dukt, das hier gehan­delt wer­den soll, muss vom Ver­band zuge­las­sen und bewer­tet wer­den. Bewer­tung heißt dabei zugleich zwei­er­lei: einer­seits erhält das Pro­dukt eine Risi­ko­ein­stu­fung in 5 oder 10 Kate­go­ri­en, die bis an poten­zi­el­le Käu­fer kom­mu­ni­ziert wird. Und die ris­kan­tes­ten Kate­go­ri­en dür­fen nicht an End­kun­den ver­kauft wer­den. Zugleich impli­ziert die Risi­ko­ka­te­go­rie die pro­zen­tua­le Haf­tung gegen­über Ver­lus­ten. Heißt: je risi­ko­är­mer der Ver­band ein Pro­dukt bewer­tet, des­to höher ist die Haf­tung, die (das ist der Witz dran) der Ver­band mit sei­nen gesam­ten Mit­glie­dern dafür über­nimmt. Heißt: der Ver­band sagt, dass ein Pro­dukt » Wei­ter­le­sen «

Tippfehler lässt Weltmärkte einbrechen

Mai 7th, 2010 § 2 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ges­tern schmier­te der Dow in Minu­ten­schnel­le um 10% ab. Einen gewal­ti­ge­ren Ein­bruch hat es in sol­che kur­zer Zeit noch nie zuvor gege­ben. Und kurz dar­auf hüpf­te er wie­der nach oben — nicht ohne die Spiel­er­ge­mein­de in Panik und Schre­cken ver­setzt zu haben. Was gesche­hen ist: ein ein­zel­ner Akti­en­händ­ler hat sich bei einem Ver­kaufs­auf­trag ver­tippt (SpOn). Statt 16 Mil­lio­nen ver­kauf­te er 16 Mil­li­ar­den Akti­en (bei weiss­gar­nix dada­zu hier eine sehr fei­ne Glos­se). Und lös­te welt­weit Kurs­ein­brü­che aus. Klingt eigent­lich ganz put­zig. Aber von dem dabei ver­nich­te­ten Buch­geld hät­te Grie­chen­land ver­mut­lich locker alle Schul­den zurück­zah­len und eine Brü­cke von Athen nach Kre­ta bau­en kön­nen.

Dow Jones am 6.5.2010

Ab und Auf

Die Cha­os­theo­rie warn­te, dass Schmet­ter­lings­flü­gel­schlä­ge im bra­si­lia­ni­schen Regen­wald Stür­me in Mit­tel­eu­ro­pa aus­lö­sen­kön­nen. Eine Klei­ni­gik­eit ver­gli­chen mit einem Bör­sen­händ­ler, der aus Dösig­keit, Vor­satz oder aus wel­chem Grund auch immer die Welt­bör­sen (und Welt­wirt­schaft?) zum Zusam­men­bruch füh­ren kann. Die hal­be Welt wird in Auf­ruhr ver­setzt, um Ter­ro­ris­ten zu jagen, die Spreng­stoff­an­schlä­ge ver­üben — wann aber schaf­fen es die­sel­ben Staa­ten, sich gegen die Gefah­ren zu ver­bün­den, die von die­sen völ­lig unbe­herrsch­ba­ren Finanz­märk­ten aus­ge­hen? Rei­chen ein durch Com­pu­ter zum Bör­sen­crash mutier­ter Kurz­sturz am Schwar­zen Mon­tag 1987, die Schrott­pa­pier-Sub­prime-Kri­se (Papie­re für die War­ren Buf­fett den schö­nen Titel Finan­ci­al Wea­pons of Mass Dest­ruc­tion fand) der ver­gan­ge­nen Jah­re, die Asi­en-Kri­se, die gegen­wär­ti­gen Tur­bu­len­zen noch immer nicht aus, um genau­so ener­gisch vor­zu­ge­hen, wie nach dem 11.September 2001? Bun­des­wehr an die Wall-Street? Natür­lich sind sol­che Ver­glei­che sinn­los — aber ich glau­be immer noch, dass die Gefah­ren aus die­sen Märk­ten grö­ßer sind als die­je­ni­gen durch Ter­ro­ris­ten und Atom­bom­ben.

Quous­que tan­dem, Ange­la, abu­te­re pati­en­tia nos­tra?

Cete­ro cen­seo Kasi­no­ka­pi­ta­lis­mus esse delen­dam.

Where am I?

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