Ein paar Gedanken zum Livestreaming von Schauspieltheater #theaterstream

Dezember 11th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Ein paar Gedanken zum Livestreaming von Schauspieltheater #theaterstream § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Gestern Abend wurde in der Boell-Stiftung über die Frage: „Schauspiel im Livestream – Fluch oder Segen“ diskutiert. Dafür hatte ich mir im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht, mit denen ich mein Podiums-Statement bestreiten wollte. Nach dem grandiosen Stream aus dem Schauspiel Dortmund mit Kay Voges‘ Inszenierung von Sarah Kanes „4.4. Psychose“ hab ich dann entschieden, nur relativ knapp einige wenige Überlegungen daraus anzubringen. Die ganze Sache deswegen jetzt hier:

Reaktionen auf die Frage: „Theater-Streaming- Ja oder Nein?“ oder: „I can haz livestream?“

Die erste Reaktion: Ja klar, sofort. Die Technik ist da, es ist eine großartige Chance zur Öffnung von Theatern in den digitalen Raum, die Möglichkeit die Teilhabe zu erweitern, Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht im Theaterraum anwesend sein können oder wollen Zugang zu verschaffen – immerhin ist die Access-Thematik einer der wichtigsten Bestandteile der utopischen Erzählung vom Internet. Abwesende Zuschauer bekommen Zugang, können in unterschiedlichen Orten halb-anwesend sein, Theatermacher können sich von anderen Theatermachern inspirieren lassen. Klingt toll.

Die zweite Reaktion: Wenn ihr es macht, macht es vernünftig. Die nervigen „Kameraheinis“ drei Tage vor der Premiere ein paar Minuten rein- und ihr Equipment aufbauen lassen, dann die Sache irgendwie ins Netz bringen, ist ein » Weiterlesen «

„Theater der digitalen Gesellschaft“ – Vortrag auf dem Branchentreff der freien darstellenden Künste am 24.10.2014

November 18th, 2014 § Kommentare deaktiviert für „Theater der digitalen Gesellschaft“ – Vortrag auf dem Branchentreff der freien darstellenden Künste am 24.10.2014 § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich habe vergessen, den Text online zu stellen. Das gilt es, jetzt nachzuholen für alle, die nachlesen möchten. Der erste Teil des Textes ist eine kürzere, leicht überarbeitete Version des Mannheimer und Dortmunder Vortrages. Im letzten Teil dann mehr zum Freien und Stadttheater.
Hier ist der Vortrag als PDF.

Theater als Gesellschaftslabor (mit Bruno Latour): die „kostbare kleine Institution“

Juli 29th, 2014 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im Vortrag zum agilen Theater hatte ich als vorläufige Arbeitsdefinition von Theater angegeben, es sei „ein Ort der Gesellschaft in der Gesellschaft, an dem sich in Gesellschaft über Gesellschaft ästhetisch reflektieren lässt.“ Zudem gab es den Verweis auf Dirk Baeckers sehr schöne Formulierung vom Theater als „Labor der praktischen Vernunft“ (in: Wozu Theater?). Bei der Lektüre von Bruno Latours Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft ist mir nun eine Passage untergekommen, die sich zur Präzisierung dieser Formulierungen eignet, wiewohl das Originalzitat dafür eine kleinen Verdrehung hin zu Theater bedarf.

Latour beschreibt hier als 5. Unbestimmtheit des ANT-Soziologen die Praxis des Verfertigens soziologischer Berichte und argumentiert – verkürzt gesagt – für eine geduldige, kleinteilige, entfakttende, nicht vorschnell ins Erklären abdriftende Form der nahen, fast  schriftstellerischen Verfertigung von „guten“ Texten. Und was er gelegentlich von solchen ANT-soziologischen Texten schreibt, lässt sich nahezu 1:1 auch auf Theater (oder vielleicht zunächst Theatertexte) übertragen. Er schreibt über den textlich Berichtenden:

Er bietet eine künstliche Stätte an (den textlichen Bericht) {oder die Bühne; U.S.}, der für ein bestimmtes Publikum etwa die Frage lösen könnte, zu welcher gemeinsamen Welt man gehört. Versammelt um das ‚Laboratorium‘ des Textes {Bühne; U.S.} fangen Autoren wie auch Leser vielleicht damit an, die beiden Mechanismen sichtbar zu machen, die zum einen für die Pluralität der zu berücksichtigenden Assoziationen verantworlich sind, zum anderen für die Stabilisierung oder Vereinheitlichung der Welt, in der sie leben möchten. Einerseits ist es nur ein Text aus Papierbögen, von einem Tinten- oder Laserstrahl geschwärzt. Andererseits eine kostbare kleine Institution, um das Soziale für alle seine Beteiligten zu repräsentieren, oder genauer, zu re-präsentieren, das heißt, um es ihnen von neuem zu präsentieren, ihm eine Performanz, eine Form zu geben. Das ist nicht viel, aber mehr zu verlangen heißt of, weniger zu bekommen. Viele ‚machtvolle Erklärungen‘ mögen sich als weniger überzeugend herausstellen als schwächere. {S. 241f.; Anmerkungen in geschweiften Klammern von mir; U.S.}

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„Theater der digitalen Gesellschaft“ – Vortrag beim NRW Theatertreffen 2014

Juni 13th, 2014 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im Folgenden ist der Vortrag als PDF zu finden und herunterzuladen, den ich bei der Eröffnungsveranstaltung des NRW Theatertreffens 2014 in Dortmund die Ehre und das Vergnügen hatte zu halten. Zusätzlich stelle ich hier noch einmal den längeren Vortrag „Auf dem Weg zum agilen Theater“ (gehalten auf der Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft 2014 in Mannheim) zur Verfügung. Außerdem die von mir aus den Statistiken des Deutschen Bühnenvereins für die Theater in Nordrhein-Westfalen zusammengestellten Zahlen in einer Excel-Datei zum Download.

>>Der Dortmunder Vortrag kann hier heruntergeladen werden.Die Präsentations-Bilder sind ebenfalls in diesem PDF zu finden.

>>Die Excel-Datei mit den Bühnenvereins-Zahlen für Nordrhein-Westfalen kann hier heruntergeladen werden. Ich hoffe, die Beschriftungen sind einigermaßen verständlich. Sollten in dieser Datei trotz aller Sorgfalt Übertragungsfehler vorkommen, bitte ich dafür um Entschudligung und um Hinweis, damit ich korrigieren kann.

>>Wer den längeren Vortrag aus Mannheim mit den Ausführungen über die agile Organisation herunterladen möchte, wird hier fündig.

>>Und dies sind die Mannheimer Präsentations-Slides:

 

>>Außerdem ist der Mannheimer Vortrag auch in einer leicht geänderten Form auf nachtkritik.de zu finden: Auf dem Weg zum agi­len Thea­ter.

Konferenz „Theater und Netz“ startet jetzt – mit Livestream #theaterundnetz

Mai 8th, 2013 § Kommentare deaktiviert für Konferenz „Theater und Netz“ startet jetzt – mit Livestream #theaterundnetz § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Nach fast einem Dreivierteljahr der Vorarbeit mit  Esther Slevogt und Christian Rakow von nachtkritik.de, Christian Roemer und seinem Team von der Boell-Stiftung und Milena Mushak von der Bundeszentrale für politische Bildung ist es jetzt so weit: Die Konferenz Theater und Netz startet. Und ist im Live-Stream auf nachtkritik.de zu sehen.

Heute Abend suchen Claus Peymann und Marina Weisband nach Gemeinsamkeiten und Berührungspunkten zwischen Theater- und Netzkultur. Und morgen werden in sechs Panels Gespräche über Netzgesellschaft, partizipative und interaktive Theaterformen, über Theater im Netz, Kritik im Netz und die Kritiker in der Crowd geführt. Ich freue mich darauf, die beiden letztgenannten Panels zu moderieren. Zusätzlich werden in Praxis-Workshops (komplett ausgebucht) Grundlagen-Techniken und -Wissen über Social Media Platformen und das Community-Management vermittelt. Das gesamte Programm, eine Übersicht über die Panelteilnehmer und Moderatoren gibts auf der Konferenz-Webseite.

Und man sollte es kaum glauben: Auch bei Konferenzen kann man Lampenfieber haben.

Nachtrag zur Thalia-Spielplanwahl: Interview Joachim Lux

April 13th, 2013 § Kommentare deaktiviert für Nachtrag zur Thalia-Spielplanwahl: Interview Joachim Lux § permalink; Autor: Ulf Schmidt

In einem gestern vom Deutschlandradio Kultur gesendeten Interview nimmt der Thalia-Intendant Joachim Lux noch einmal Stellung zu der Spielplanwahl, mit der vor anderthalb Jahren die Spielzeit 12/13 teilweise durch das Publikum gestaltet werden sollte. Die Beruhigung aller Gemüter durch die verstrichene Zeit tut der Sache offenbar gut. In dem Interview sind durchaus einige anregende Gedanken zu finden. (Interview hier als Text hier als Audio)

„Kunst und Demokratie passen einfach nicht zusammen.“

Das ist eine enorm steile These, die Lux mit der Autonomie des Künstlersubjekts begründet, das tue, was es selbst wolle, während Demokratie darin bestünde, das man tue, was andere wollten. Das klingt einleuchtend – und findet sich ja auch bestätigt in der Forschungsarbeit von Daniel Ris, der herausfand, dass sich die Theaterinstitutionen zwar in der Demokratie befinden und zur Demokratie verhalten, in ihrer internen Organisation aber dazu tendieren, nicht nur weitgehend auf demokratische Mitbestimmung zu verzichten, sondern auch ökonomische Handlungsmuster an den Tag legen, die in gleicher Weise in der freien Wirtschaft realisiert auf breite Ablehnung stoßen würden. Darüber hatte ich » Weiterlesen «

Die Finanzmärkte sind die eigentliche Piratenpartei #MediaDivina

April 9th, 2013 § Kommentare deaktiviert für Die Finanzmärkte sind die eigentliche Piratenpartei #MediaDivina § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im Posting zur Funktion des Wetterberichts für das Fernsehen hatte ich damit geschlossen, dass das Börsengeschehen inzwischen funktional die Position des Wetterberichts übernimmt. Denkt man das konsequent weiter, zeigt sich noch etwas anderes Interessantes.

Währen die Piraten noch darüber diskutieren, wie Partizipation am besten organisiert werden, wie Menschen eingebunden werden können und wie aus den heterogenen Meinungen der Vielen einfache Resultate, die als Handlungsgrundlage dienen, destilliert werden können, während also die Piraten noch reden und dabei darüber reden, wie man am besten miteinander redet – handeln die Finanzmärkte. Partizipativ. Mit unglaublich (zerstörerischer) politischer Macht, die sich aktuell gar konkretisiert in der Ablehnung der Demokratie auf einem » Weiterlesen «

Das Urheberrecht in der Werbeindustrie – Einspruch Euer Ehren #adc12

Mai 13th, 2012 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Jetzt hat auch der Art Directors Club (ADC), der Kreativverband der Werbeindustrie (dessen Mitglied ich bin)  zur Urheberrechtsdebatte Stellung bezogen. Und sich ziemlich blamiert.

Ich hatte den letzten Tagen das Vergnügen, als Juror für den ADC Dialogwerbearbeiten des letzten Jahres unter Kreativgesichtspunkten mit zu jurieren. Nette Sache. Bei der gestrigen Preisverleihung hatte ich dann das noch grössere Vergnügen, wenn nicht die Ehre, die großartige Anzeige des ADC zum Tod Vicco von Bülows zu laudatieren.
Weit weniger vergnüglich, um nicht zu sagen ärgerlich unreflektiert fand ich dagegen die Stellungnahme des ADC Vorstandssprechers Jochen Rädeker zum Urheberrecht. Mit pathetischem Unterton forderte er ein starkes Urheberrecht zum Schutz der Kreativen. Es könne ja wohl nicht sein, dass sich jeder einfach ohne Bezahlung kreative Leistung downloade.
Das ist enorm dumm. Aus zwei Gründen:

  1. Dürfte der Werbeindustrie nicht daran gelegen sein, die Leistungen ihrer Kreativen, von Textern, Designern, Drehbuchautoren, Musikern, Programmieren nach Prinzipien des geistigen Eigentums der Schöpfer behandeln zu lassen. Wäre ja nett, wenn ein Texter gegen ein Unternehmen zu Felde zöge weil seine Headline oder sein Claim nicht in der von ihm/ihr geschaffenen Form erscheint, wenn Drehbücher vom Kunden oder Vorgesetzten umgeschrieben, Musik verhunzt wird. Von finanziellen Ansprüchen an die Verwerter wollen wir mal schweigen.
    Richtig ärgerlich daran ist, dass eigentlich die Werbeindustrie schon lange mit nach-urheberrechtlichen Prinzipien arbeitet. Werbemaßnahmen enstehen seit » Weiterlesen «

Der Bühnenverein auf der re:publica – ein Kasperltheater #rp12

Mai 3rd, 2012 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Wie letztens gepostet, haben die Intendanten im Deutschen Bühnenverein ein Experiment unternommen, um einen Fuß ins kalte Netz zu strecken. Zusammen mit Jovoto wurde ein „Creative Crowdsourcing“ Projekt gestartet, bei dem die Plattform-Mitglieder keine geringere Frage beantworten sollten, als  „Was ist das Theater der Zukunft?„. Das hat natürlich einiger Vordiskussionen bedurft im Kreis der Intendanten. Eine Klausurtagung mit eingeladenen Experten. Und Abstimmungsrunden, was man denn sinnvoll findet und was nicht. Solche Dinge wollen reiflich überlegt sein.

Zum Ergebnis lässt sich so wahnsinnig viel nicht sagen. Einige der auf der Veranstaltung vorgestellten Ideen waren einigermaßen originell oder schräg. Richtig angekommen sind sie bei den Theaterleuten, die die Ideen vorstellten, nicht. Letztlich, so hieß es, sei das Publikum so digital ja noch nicht, sondern informiere sich über Theater eher aus der gedruckten Zeitung. Weswegen man die „neuen Medien“ mit Fingerspitzengefühl anpacken müsse. Selbst wenn man aus Fairnessgründen keine weiteren verbalen Auffälligkeiten wiedergibt, lässt sich schon hier ein ganz fundamentales Problem feststellen. Die Theaterleute auf dem Podium haben die Relevanz der – mit ca. 20 Jahren sicher nicht mehr „neuen“ Medien – nicht erkannt. Sie geben sich mit dem Printpublikum zufrieden, ohne darüber nachzudenken, das dieses mit den Zeitungen selbst verschwinden könnte.

Der Ideenwettbwerb hatte für die panelanwesenden Theaterleute in etwa die praktische Relevanz wie der Malwettbewerb eines Sparkassenverbandes. Hübsche Dinge – aber doch nichts fürs Tagesgeschäft. Marketing und Werbung könne man sicher mit cleveren Ideen anreichern, um „junge Leute“ (eine grauenvolle Formulierung von älteren Herrschaften, die die Welt nicht mehr verstehen) besser zu erreichen. Aber der Auftrag des Theaters sei ja nun doch, tradierte Inhalte in neue Gewänder zu kleiden. Das tue man ja schon. Etwa indem Figuren nur als Projektionen auf der Bühne präsent sein lasse. Und twittern und posten auf Facebook – tue man ja auch schon. Aber da könne man sicher noch etwas mehr tun. In Sachen Werbung.

Das wirkliche Desaster aber …

Auf der re:publica versammeln sich etwa 4.000 kreative, gesellschaftsinteressierte, politisch interessierte, in vielerlei Sinne kreative, vorwärts denkende und avantgardistische Köpfe. Und von diesem 4.000 haben es gerade einmal gut 30 (Panelteilnehmer und Orgateam abgezogen) in die Veranstaltung geschafft. In Zahlen: Dreißig. Eine zeitlich relativ gut gelegene (Warten auf die Lobo-Sause) Veranstaltung über das Theater lockt gerade einmal 30 Zuhörer an. Vielleicht sind die Theaterleute schon zu sehr gewohnt vor leeren Sälen zu spielen – der Saal 4 auf der re:publica bot geschätze 300 Sitzplätze – als dass es ihnen noch auffiele: Die katastrophale und gähnende Leere aber war ein überdeutliches Statement der „jungen Leute“ dazu, was sie vom Theater halten. Und wenn Theaterleute nicht beginnen zu verstehen, dass Theater in der entstehenden Netzgesellschaft (das Wort fiel immerhin einmal) nicht heißt, andere Werbung zu machen, die PR twittern zu lassen und noch ein paar Projektoren mehr aufzustellen, sondern dass es vielmehr darum geht, als gesellschaftliche und sich als gesellschafts“kritisch“ verstehende Institution die künstlerische und intellektuelle Auseinandersetzung zu suchen, die eigenen künstlerischen Mittel und organisatorischen Prozesse zu überprüfen, grundsätzlich und umfassen infrage zu stellen und gegebenenfalls neu zu erfinden, kurz: Theater in der Netzgesellschaft zu werden – dann werden die Theater über kurz oder lang so leer sein, wie heute Saal 4 auf der re:publica. Und das haben sie auch so verdient.

Gewonnen hat am Ende übrigens – Hamlet. Kein Witz. Vorgestellt wurde eine „argumented (sic!) reality“ app fürs iPad, mit der User interaktiv … äh … irgendwie entscheiden können, woran Hamlet stirbt. Oder so. Egal. Der Gewinner darf sich freuen, das Preisgeld sei ihm gegönnt. Realisiert wird das vermutlich nicht. Und wenn doch: Geld bekommt er vermutlich nicht dafür.  Außer dem Preisgeld.

Erfreulicherweise ergab sich nach diesem Kasperlethater eine spannende Unterhaltung mit Christian Römer von der Boell-Stiftung, bei der ich am 25. Mai an einer Podiumsveranstaltung zum Urheberrecht teilnehmen werde, und @twena Tina Lorenz, auf deren Vortrag „Theater und digitale Medien – ein Trauerspiel“ morgen um 11.15 ich mich sehr freue. Dieses Posting ist als Folge dieses Gesprächs zu verstehen.

Leseempfehlung für „Kulturinfarkt“-Geschädigte

März 17th, 2012 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Leider wird die Aufmerksamkeit in der Kulturdebatte gerade durch das von mir zuletzt hier und auf nachtkritik verissene „Kulturinfarkt„-Buch geprägt. Dagegen möchte ich eine Lesempfehlung aussprechen, die zeigt, dass der Themenkomplex nicht nur polemisch zugespitzt angegangen werden, sondern intelligent und vielschichtig reflektiert werden kann – und tatsächlich in „der Kultur“ reflektiert wird. Ich meine das Jahrbuch 2011 des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft: Digitalisierung und Internet, das den Kongress „netz. macht. kultur.“ dokumentiert und sogar im Vortrag von Bernd Neumann die Reichweite der gedanklichen, praktischen und institutionellen Herausforderung aufreißt:

Das Internet hat die Art und Weise revolutioniert, wie wir an Informationen gelangen, Informationen verarbeiten und mitinander kommunizieren. Es ermöglicht neue Geschäftsmodelle, ist eine faszinierende Quelle gesellschaftlicher Teilhabe an Kunst und Kultur und auch ein großer Arbeitsmarkt. Wir befinden uns mitten in der größten technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzung seit der Entwicklung des Buchdrucks, deren Auswirkungen sich heute noch gar nicht richtig überblicken lassen. (102)

Die zahlreichen Beiträge dieses Bandes machen das aktuelle, zukunftsweisende Spannungsfeld von Kulturpolitik in der Netzgesellschaft auf, erforschen und reflektieren es, ohne sich bloß polemisch abzuarbeiten. Hier geht es um Partizipation und Offenheit, neue Formen von Kulturvermittlung, Institutionen, Förderung und Kunstschaffen – auch wenn der permanente Disput ums Urheberrecht etwas nervtötend ist, weil er nicht wirklich zu einer gangbaren Vision gelangt. Die Beiträge stellen sich der Gegenwart und der Zukunft. Und sie befragen Bestehendes und denken über Neuerungen im Bestehenden nach. Wer also interessiert daran ist, wie sich Kunst und Kultur in Bewegung bringen lassen, wo die Probleme und Herausforderungen, wo aber auch die spannenden Tendenzen zu finden sind, der sollte lieber das lesen.

Zum Beispiel Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung, der seine Behörde revolutionieren will:

Es reicht nicht, die aufgeworfenen Fragen auf kultur- und » Weiterlesen «

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