Buchkritik: „Der Kulturinfarkt“ am Verwaltungsfuzzistammtisch

März 16th, 2012 § 2 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

So, jetzt hab ichs gele­sen: „Der Kul­tur­in­farkt“ von Die­ter Hasel­bach, Armin Klein, Pius Knö­sel und Ste­phan Opitz.  Schnur­ri­ges Büch­lein. Vier Ver­wal­tungs­fuz­zis tref­fen sich in der Knei­pe Wirt­schaft und kot­zen sich ein­fach mal rich­tig aus. Der Eine zieht über Ver­wal­tung und För­de­rung vom Leder. Der Ande­re ent­deckt sei­ne Lie­be zur markt­li­be­ra­len Öko­no­mie (und lang­weilt alle damit). Der Nächs­te lässt sei­ne unglück­li­che Ver­gan­gen­heit an Ador­no aus. Und der Vier­te ver­sucht, sein gesell­schaft­li­ches Anlie­gen irgend­wie refor­mu­liert zu ret­ten. Das Gan­ze zer­fällt nicht nur sti­lis­tisch. Auch inhalt­lich sind sich die apo­ka­lyp­ti­schen Schrei­ber offen­bar ziem­lich uneins. Man ist sosehr über­zeugt von der eige­nen Mei­nung, dass man nicht mehr merkt, dass man gar nicht einer Mei­nung ist. War­um sie das in ein Buch und einen gemein­sa­men Text zwin­gen muss­ten – schlei­er­haft. Die skan­da­li­sier­te Etat­hal­bie­rung ist eigent­lich eher ver­nach­läs­sig­bar. Ansons­ten lus­ti­ge Aus­fäl­le gegen ein Gebil­de, dass sie „die Kul­tur“ nen­nen, die es aber lei­der nicht gibt. Es sei denn, man eini­ge sich dar­auf, Kul­tur sei alles, was in öffent­li­chen Hau­halts­do­ku­men­ten unter der Posi­ti­on „Kunst und Kul­tur“ zu fin­den ist. Zitat: „Dabei kri­ti­sie­ren wir weder Per­so­nen noch Pro­jek­te noch Insti­tu­tio­nen als Ein­zel­ne; wir benut­zen sie höchs­tens zur Illus­tra­ti­on.“ (173) Sol­che Gene­ra­li­sie­run­gen und unver­bind­li­che All­ge­mein­hei­ten haben zwar den Vor­teil, immer irgend­was oder irgend­wen zu tref­fen, aber lei­der nie das Gan­ze, das sie zu beschrei­ben behaup­ten. Man­gels kon­kre­ter Objek­te läuft der Rant ins Lee­re. Das tut er gele­gent­lich kurz­wei­lig und nicht unin­spi­rie­rend. Gele­gent­lich hohl, dümm­lich oder gezwun­gen. Und kann – um beim feuil­le­to­nis­tisch auf­ge­grif­fe­nen » Wei­ter­le­sen «

Macht und Digitaldemokratie – ein erster Versuch: Demokratie ist das Problem für eine Lösung

März 8th, 2012 § 6 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Nur den Begriff „Par­ti­zi­pa­ti­on“ in den Raum zu rülp­sen und sich danach um eine tech­no­lo­gi­sche Lösung wie Adho­cra­cy zu bemü­hen, ist dem Pro­blem der Demo­kra­tie unan­ge­mes­sen. „Pro­blem“ ist hier inso­fern bewusst als Begriff gewählt, als Demo­kra­tie noch nie eine Lösung, son­dern das Pro­blem für eine Lösung war, die dem Pro­blem vor­aus­ging. Das heißt: Demo­kra­tie als Pro­blem ent­steht erst, wenn die Lösung nicht mehr hin­nehm­bar ist, die dem Pro­blem vor­aus­ging. Demo­kra­tie macht aus einer Lösung ein Pro­blem. Und stellt die Pro­ble­ma­tik auf Dau­er. Demo­kra­tie ist das Pro­blem das bleibt, um die Lösung zu ver­mei­den, die dem Pro­blem vor­aus­ging.

Die Lösung heißt: Macht­aus­übung und Herr­schaft – zu die­ser Lösung ver­hält sich Demo­kra­tie des­we­gen als Pro­blem, als sie die ein­fa­che Lösung wie es die » Wei­ter­le­sen «

Interview mit Sony Music Chef zeigt: Musikindustrie hat Gesetzgeber vor den Karren gespannt — und findet Internet jetzt dufte.

März 5th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Interview mit Sony Music Chef zeigt: Musikindustrie hat Gesetzgeber vor den Karren gespannt — und findet Internet jetzt dufte. § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Vor eini­gen Tagen war in der Welt Online hier ein Inter­view mit dem Sony Music Inter­na­tio­nal Chef Edgar Ber­ger zu lesen, das sowohl in den Äuße­run­gen span­nend, wie auch in den Impli­ka­tio­nen ver­blüf­fend ist. Zeigt es doch mehr als deut­lich, dass die Musik­in­dus­trie in den letz­ten andert­halb Jahr­zehn­ten die Gesetz­ge­bung vor den eige­nen Kar­ren gespannt oder gezerrt hat, um eine man­gel­haf­te Anpas­sung des eige­nen, über­hol­ten Geschäfts­mo­dells zu ver­mei­den. Andert­halb Jahr­zehn­te wur­den Musik­fans abge­mahnt, kri­mi­na­li­siert oder gar vom Netz abge­schnit­ten — weil die Musik­in­dus­trie es geschafft hat, durch mas­si­ve Lob­by­ar­beit Par­la­men­ta­ri­ern den nahen­den Unter­gang der Kul­tur zu pro­phe­zei­en. Neben einem weid­li­chen Ent­set­zen mei­ner­seits, führt es doch auch zu der ganz kla­ren Kon­se­quenz, dass ande­re Indus­tri­en wie Film­fir­men oder Ver­la­ge kei­ne Chan­ce haben dür­fen, den sel­ben Rechts­miss­brauch zu wie­der­ho­len.

Das Inter­net ist für die Musik­in­dus­trie ein gro­ßer Glücks­fall, oder bes­ser gesagt: Das Inter­net ist für uns ein Segen.

Das sag­te Edgar Ber­ger wört­lich. Bedro­hung? Unter­gang? Segen! Ach was? Und war­um ist das so?

Wir haben im Netz inzwi­schen welt­weit mehr als 500 Musik­händ­ler wie iTu­nes oder Ama­zon, die kaum noch etwas mit den frü­he­ren Musik­lä­den zu tun haben. Die­se Diens­te sind von über­all erreich­bar, jeden Tag für 24 Stun­den. Und sie haben kei­ne Platz­pro­ble­me, weil sie kei­ne Rega­le brau­chen. Außer­dem schaf­fen sozia­le Netz­wer­ke ganz neue Ver­bin­dun­gen zwi­schen Musik­stars, Fans und Pro­du­zen­ten. Wir kön­nen auf die­sen Weg viel ziel­ge­nau­er wer­ben.

Dol­les Ding, die­ses Inter­netz. Noch dol­ler, dass die Musik­in­dus­trie 15 Jah­re braucht, um das zu ver­ste­hen. Die Musik­in­dus­trie macht jähr­lich Umsät­ze von 5 Mil­li­ar­den Euro im Inter­net. Etwa ein Drit­tel des Gesamt­ge­schäf­tes, so Ber­ger, ist heu­te digi­tal. Und jetzt kommts:

Die Welt: War­um hat sich die Indus­trie denn mehr als zehn Jah­re Zeit für die­se Anpas­sung gelas­sen?

Edgar Ber­ger: Es dau­er­te, bis neue Geschäfts­mo­del­le ent­wi­ckelt waren und die kri­ti­sche Mas­se erreicht war.

Mir hauts vor Ver­blüf­fung fast die Fin­ger von der Tas­ta­tur. Ber­ger sagt hier nichts ande­res, als: Hey Leu­te, scha­de, dass wir euch über 10 Jah­re straf­recht­lich ver­fol­gen muss­ten — aber hey, wir muss­ten halt mal biss­chen nach­den­ken. Und damit in der Zwi­schen­zeit kei­ne Fak­ten geschaf­fen wer­den, muss­tet ihr mal klei­ne » Wei­ter­le­sen «

Die Blackfacing-Theaterdebatte: Das Politische im Ästhetischen (postdramatiker auf nachtkritik.de)

Februar 22nd, 2012 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ges­tern erschien auf nachtkritik.de (hier) ein Arti­kel von mir zu der in thea­teraf­fi­nen und anti­ras­sis­ti­schen Kri­sen im Netz hef­tig geführ­ten Debat­te zum The­ma “Black­fa­cing”, der Pra­xis also, wei­ße Dar­stel­ler durch Gesichts­be­ma­lung “Schwar­ze” dar­stel­len zu las­sen. Die Erbit­tertheit die­ser in zahl­lo­sen Kom­men­ta­ren und Bei­trä­gen aus­ge­tra­ge­nen Dis­kus­si­on war­tet mit der eini­ger­ma­ßen über­ra­schen­den Situa­ti­on auf, dass bei­de Sei­ten sich in der Ableh­nung des Ras­sis­mus zutiefst einig sind, auf der einen Sei­te aber ras­sis­ti­sche Prak­ti­ken von Anti­ras­sis­ten ange­pran­gert und nach­voll­zieh­bar begrün­det wer­den, ande­rer­seits sich Thea­ter­leu­te mit Ver­weis auf “harm­lo­se” Thea­ter­tra­di­tio­nen ver­tei­di­gen, für die eben­so­gu­te Argumn­te ins Feld zu füh­ren sind. In dem Arti­kel unter­neh­me ich — mit einer Vol­te über die Luhmann’sche Figur des “Unter­schieds, der einen Unter­schied macht” — den Ver­such, die gemein­sa­me Quel­le von Ras­sis­mus und einer rol­len­zen­trier­ten Thea­ter­tra­di­ti­on frei­zu­le­gen, mit dem Ziel zu einer gründ­li­che­ren Refle­xi­on der Fra­ge­stel­lung und mög­li­chen Kon­se­quen­zen für Thea­ter­pra­xis zu kom­men.

Da der Arti­kel umfang­reich ist und sich ver­mut­lich hier im Blog schlecht lesen lässt, gibt es ihn hier als PDF-Down­load.

Um die Debat­te un das ewi­ge Kri­sen in sich ähneln­den Kom­men­ta­ren nicht über zusätz­li­che Platt­for­men zu zer­streu­en, deak­ti­vie­re ich in die­sem Pos­ting aus­nahms­wei­se die Kom­men­tar­funk­ti­on und lade zu Kom­men­tar und Dis­kus­si­on auf nachtkritik.de ein.

Nach­trag: Inzwi­schen ist ein inter­es­san­ter wei­te­rer Text von Jür­gen Bau­er zu der Dis­kus­si­on auf nachtkritik.de (hier) erschie­nen, der sich mit den Erschei­nungs­for­men von Black­fa­cing dif­fe­ren­ziert aus­ein­an­der setzt.

Wer hier lesen möch­te, kann das im Fol­gen­den tun: » Wei­ter­le­sen «

Sokrates und die Datei – die UnWesen der Philosophie

Februar 13th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Sokrates und die Datei – die UnWesen der Philosophie § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Hei­deg­ger dia­gnos­ti­zier­te als Pro­blem der abend­län­di­schen Meta­phy­sik, dass sie das Sein als Anwe­sen ver­stan­den habe. Dem war schon in mei­ner Dis­ser­ta­ti­on ent­ge­gen gehal­ten wor­den, dass in der Figur des Sokra­tes in den Schrif­ten Pla­tons die Figur gewor­de­ne Idee, die Sokra­tes ist, sich eben nicht durch Anwe­sen­heit, son­dern durch A-Prä­senz aus­zeich­net. Der „tote“ Sokra­tes ist da und nicht da. Er west weder an noch ab – er west un. Sokra­tes ist damit das Unwe­sen der Phi­lo­so­phie, der­je­ni­ge, der nicht wesen kann und Nicht­we­sen ist. Er ist res cogi­ta­ta der res cogi­tans, die den Namen Pla­ton trägt und (un)zweifelhaft der geis­ti­ge Urhe­ber der Dia­lo­ge, in denen Sokra­tes auf­tritt. Er ist res inex­ten­sa, inso­fern er nicht mate­ri­ell ist, denn als Spur in den Schrif­ten Pla­tons. Dar­in, als res cogi­ta­ta inex­ten­sa, gleicht Sokra­tes der digi­ta­len Datei.

Klar soweit?

Unware, Ungeld, Digitalökonomie (Teil 2): Könnte Griechenland sich durch Filesharing retten?

Februar 12th, 2012 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Selbst­ver­ständ­lich muss­te ein Wirt­schafts­sys­tem, zu des­sen Grund­fak­to­ren der Besitz von Pro­duk­ti­ons­mit­teln gehört, ver­hin­dern dass ein ande­rer Anbie­ter auf dem Markt erscheint, der das­sel­be Pro­dukt bil­li­ger ver­kauft. Das ist die Quel­le des Patent- und Urhe­ber­rechts. Die­ses Wirt­schafts­sys­tem kommt in dem Moment an den Stel­len in die Kri­se, wo Pro­duk­ti­ons­mit­tel zu bil­lig oder gar kos­ten­los wer­den. Wenn dann zudem die für den Han­del die­ser Wirt­schafts­form not­wen­di­gen Ver­triebs­we­ge sich so sehr ver­bil­li­gen oder gar eben­falls umsonst wer­den, spitzt sich die Kri­se noch wei­ter zu.

Über die­se simp­len und im Netz an vie­len Stel­len zu lesen­den Beob­ach­tun­gen hin­aus lohnt sich ein genaue­rer Blick in sich ver­än­dern­den wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hän­ge, da in der Tat fun­da­men­ta­le Zusam­men­hän­ge sich auf eine Wei­se zu ver­schie­ben begin­nen, die nicht nur zu der rät­sel­haf­ten Finanz­kri­se mit der Unzahl an erklä­ren­den Erzäh­lungs­ver­su­chen füh­ren, son­dern auch an der aktu­el­len Urhe­ber­rechts­de­bat­te, ihrem Schwan­ken zwi­schen „Sicher­heit des waren­öko­no­mi­schen Han­dels“ und „frei­em geis­ti­gen Mei­nungs­aus­tausch“ zu erken­nen sind.

Finanz­in­dus­trie und die Ver­wer­tungs­in­dus­trie „geis­ti­ger“ Pro­duk­te wie Musik, Film, Tex­te sind Vor­bo­ten einer brei­te­ren Bewe­gung, die die bestehen­de Wirt­schaft zusam­men mit ihren wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Ver­ste­hern und poli­ti­schen Regu­la­to­ren in eine Situa­ti­on bringt, die ver­mut­lich wie­der als Kri­se beschrie­ben wer­den wird. Des­we­gen lohnt sich der genaue­re Blick auf die­se Vor­rei­ter­in­dus­tri­en und die ein­fluss­rei­chen Fak­to­ren des grund­sätz­li­chen Wan­dels beim Ent­ste­hen einer Digi­tal­öko­no­mie.

Fak­tor 1: Pro­duk­ti­ons­mit­tel und Dis­tri­bu­ti­ons­we­ge » Wei­ter­le­sen «

Der Aufstand der Wissenschaftler gegen die Wissenschaftsverlage beginnt

Februar 11th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Der Aufstand der Wissenschaftler gegen die Wissenschaftsverlage beginnt § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Von Mar­tin Oet­ting (Twit­ter, Blog) bekam ich einen Hin­weis auf einen aktu­el­len Arti­kel von Ulrich Herb im Frei­tag, der berich­tet, dass sich Wis­sen­schaft­ler gegen die Aus­beu­tung durch Wis­sen­schafts­ver­la­ge, in die­sem Fall den Else­vier-Ver­lag, zu weh­ren begin­nen. Ich erlau­be mir, zu zitie­ren und emp­feh­le, den Arti­kel unbe­dingt zu lesen:

Am 23. Janu­ar 2012 star­te­te der Mathe­ma­ti­ker Tyler Ney­lon einen Boy­kott­auf­ruf im Inter­net: Der Titel des Unter­fan­gens hieß „The Cost of Know­ledge“ und wer sich auf der Web­site thecostofknowledge.com seit­her zu Ney­lons Auf­ruf bekennt, ver­spricht in Zukunft kei­ne Arti­kel in den Jour­na­len des Wis­sen­schafts­ver­lags Else­vier mehr zu publi­zie­ren. Die Unter­zeich­ner ver­pflich­ten sich zudem, kei­ne ein­ge­reich­ten Arti­kel mehr zu begut­ach­ten oder als Her­aus­ge­ber für den Ver­lag tätig zu sein. Als Grund für sei­ne har­sche Kam­pa­gne nennt Ney­lon Else­viers rück­sichts­lo­se Preis- und Ver­kaufs­po­li­tik – und das Ver­hält­nis des Ver­lags zu offe­nem Wis­sen. Und vie­le Wis­sen­schaft­ler tei­len die­se Kri­tik: Bereits mehr als 4.500 For­scher haben die Erklä­rung unter­zeich­net.

{…}

Wis­sen­schafts­ver­la­ge aller­dings ent­eig­nen nicht nur die Urhe­ber der Infor­ma­tio­nen durch den Über­trag der exklu­si­ven Ver­wer­tungs­rech­te, sie » Wei­ter­le­sen «

Pay (with) attention — Ein gangbares Urhebervergütungsmodell für die Digitalökonomie?

Februar 11th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Pay (with) attention — Ein gangbares Urhebervergütungsmodell für die Digitalökonomie? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

In einer Arti­kel von Kon­rad Lisch­ka auf Spon (hier) fin­det sich eine Bemer­kung, die es m.E. erlaubt, eine Visi­on für die zukünf­ti­ge Ent­loh­nung von Urhe­bern zu erar­bei­ten. Zwar  krankt m.E. Lisch­kas Arti­kel grund­sätz­lich in sei­nem Tenor an der Unschär­fe von Urhe­ber- und Ver­wer­tungs­recht, im Ver­lauf fin­det sich aber die fol­gen­de, m.E. wei­ter­füh­ren­de Bemer­kung:

…Apple, Face­book, Goog­le, Mega­u­pload, Spo­ti­fy und all die ande­ren Mak­ler ver­wer­ten in der einen oder ande­ren Form die Wer­ke von Urhe­bern. Vie­le alte Ver­wer­ter aus der Unter­hal­tungs­bran­che bezah­len die meis­ten Urhe­ber schlecht und weni­ge sehr gut. Die­ses Ver­hal­ten gilt bei Kri­ti­kern der “Con­tent­ma­fia” als Aus­beu­tung. Aller­dings bezah­len vie­le neue Ver­wer­ter im Web — etwa Mega­u­pload — Urhe­bern gar nichts. Bei ihnen sehen die Kri­ti­ker der “Con­tent­ma­fia” dann aber über die Aus­beu­tung hin­weg und loben die Inno­va­tio­nen, die nur lei­der mit dem über­hol­ten Urhe­ber­recht kol­li­die­ren.

Das ist für mich über­zeu­gend: Die benann­ten Digi­tal­un­ter­neh­men ste­hen an der Stel­le tra­di­tio­nel­ler Ver­wer­ter wie Ver­la­ge, Musik­un­ter­neh­men, Film­un­ter­neh­men. Sie pro­fi­tie­ren in gewal­ti­gem Umfang von den Inhal­ten, die sie bereit­stel­len. Las­sen wir die tra­di­tio­nel­len Ver­wer­ter ein­mal gedank­lich außen vor und stel­len sie auf die letz­tens ange­mahn­te Abraum­hal­de der Geschich­te – so stellt sich die Fra­ge nach Urhe­ber- und Ver­wer­tungs­recht anders. Sie lau­tet: Wie kön­nen die geis­ti­gen Urhe­ber, die Krea­ti­ven und Jour­na­lis­ten, für ihre Arbeit von die­sen Ver­wer­tern „ange­mes­sen ver­gü­tet“ wer­den – wie es das Urhe­ber­rechts­ge­setz vor­sieht?

Das ist gar so schwie­rig nicht. You­Tube lebt von den Fil­men, die von Usern ein­ge­stellt wer­den. Mega­u­pload wäre nichts ohne die Datei­en, die von Usern hoch­ge­la­den wer­den. Und auch Face­book wäre nur eine blau­wei­ße Wüs­te, wür­den nicht die Mit­glie­der wie wild Inhal­te mit ihren Freun­den tei­len. Ich hat­te hier schon vor eini­ger Zeit aus­ge­führt, dass ich das aktu­el­le, kun­den­da­ten­ba­sier­te Geschäfts­mo­dell von Face­book eher für ein Über­gangs­phä­no­men hal­te und davon aus­ge­he, dass Face­book zukünf­tig über die – noch rela­tiv wenig bekann­ten und genutz­ten – Face­book Credits sei­ne größ­te Chan­ce hat, zu einem digi­ta­len Bezahl­sys­tem zu wer­den. Ohne die­se Debat­te in aller Tie­fe zu füh­ren, lässt sich doch spe­ku­la­tiv ein Geschäfts­mo­dell ent­wi­ckeln, an dem sowohl Face­book wie auch Urhe­ber in brei­ter Mas­se par­ti­zi­pie­ren kön­nen. Die­se klei­ne Spin­ne­rei möch­te ich hier wie­der­ge­ben, um der Urhe­ber­rechts­de­bat­te viel­leicht eine zukunfts­wei­sen­de Dimen­si­on zu geben, anstatt immer nur Abwehr­schlach­ten » Wei­ter­le­sen «

Digitalökonomie: Die gemeinsame Quelle der Krisen von Finanzindustrie und Urheberrecht (Teil 1)

Februar 10th, 2012 § Kommentare deaktiviert für Digitalökonomie: Die gemeinsame Quelle der Krisen von Finanzindustrie und Urheberrecht (Teil 1) § permalink; Autor: Ulf Schmidt

In Sich Gesell­schaft leis­ten hat­te ich ein Gedan­ken­ex­pe­ri­ment zum Aus­gangs­punkt genom­men, um eine rela­tiv kom­ple­xe Ver­suchs­an­ord­nung durch­zu­spie­len: Eine waren­lo­se Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft ver­han­delt dar­über, wie alle mög­li­chen und weni­ger mög­li­chen Dienst­leis­tun­gen mit­ein­an­der ver­re­chen­bar gemacht wer­den: Vom Essen­ko­chen über die Kon­ver­sa­ti­on bis hin zum Sex. Das führ­te letzt­lich rela­tiv schnell dazu, dass ein kom­ple­xes Gewe­be aus Schuld­ver­schrei­bun­gen ent­stand, in dem jeder ein­zel­ne Akteur bei jedem ande­ren ver­schul­det ist, die­se kom­pli­zier­ten Ver­schul­dungs­me­cha­nis­men den letzt­li­chen Zusam­men­halt stif­ten. Da bei einem völ­li­gen Ver­zicht auf Waren­öko­no­mie auch die Ernäh­rung kei­ne trei­ben­de Grund­kraft für das Wirt­schaf­ten und den han­deln­den Aus­tausch sein kann, blieb letzt­lich nichts ande­res als das kör­per­li­che Begeh­ren und die phy­si­sche Repro­duk­ti­on als unhin­ter­geh­ba­res Movens für den hoch­gra­dig irra­tio­na­len und » Wei­ter­le­sen «

Machen Datenschützer Facebook platt — oder eben doch nicht?

Dezember 9th, 2011 § Kommentare deaktiviert für Machen Datenschützer Facebook platt — oder eben doch nicht? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Bei Nico Lum­ma (dis­clo­sure: Mit dem zusam­men ich zu den Gründuns­mit­glie­dern von D64 – Zen­trum für digi­ta­len Fort­schritt gehö­re) fin­det sich heu­te hier ein sehr pro­non­cier­ter Blog­post zu der gest­ri­gen Erklä­rung des Düs­sel­dor­fer Krei­ses, des Zusam­men­schlus­ses aller Daten­schutz­be­hör­den der Län­der, die hier nach­zu­le­sen ist.

Zwi­schen­be­mer­kung: Wie­wohl beruf­lich mit Face­book beschäf­tigt, feh­len mir umfas­sen­de tech­ni­sche Hin­ter­grün­de, die mich zu einem tat­säch­lich fun­dier­ten Stand­punkt hin­sicht­lich der Fra­ge befä­hi­gen, was wo wie Face­book mit den durch Inte­gra­ti­on sei­ner Soci­al Plug­ins wie des Like-But­tons tat­säch­lich für Daten sam­melt und wie die­se Daten genau ver­wer­tet wer­den. So weit ich sehe, gibt es eini­ge, die dazu durch­aus fun­dier­te­res Wis­sen haben, lese ich aber die Erklä­rung der Daten­schüt­zer, scheint auch selbst in die­sem Kreis nie­mand wirk­lich genau zu wis­sen, was Face­book damit tut. Es heißt dort, dass „Anbie­ter deut­scher Web­sites, {…} in der Regel kei­ne Erkennt­nis­se über die Daten­ver­ar­bei­tungs­vor­gän­ge haben kön­nen, die bei­spiels­wei­se durch Soci­al Plug­ins aus­ge­löst wer­den …“. Zu einem gro­ßen Teil speist sich also die Vehe­menz der Debat­te auch aus der Tat­sa­che der man­geln­den Trans­pa­renz, die auf der einen Sei­te zu der Unter­stel­lung miss­bräuch­li­cher oder bös­wil­li­ger Ver­wen­dung füh­ren, auf der ande­ren Sei­te zu einem „die wer­den schon nicht“ füh­ren muss. Ende der Zwi­schen­be­mer­kung.

Lum­ma schüt­tet in sei­nem Blog­post das Daten­schüt­zer­kind mit dem Bade aus – und das repro­du­ziert sich in den Kom­men­ta­ren zu sei­nem Pos­ting. Da es mei­nes » Wei­ter­le­sen «

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