Die Facebook-Frage (Teil 10): Zukunftsspekulation zum Abschluss

Februar 23rd, 2011 Kommentare deaktiviert für Die Facebook-Frage (Teil 10): Zukunftsspekulation zum Abschluss Autor: Ulf Schmidt

Nie­mand ver­mag heu­te zu sagen, was Face­book in 2,5 10 Jah­ren sein wird. Goog­le oder Second Life – nächs­ter Phö­nix oder nächs­ter Rohr­kre­pie­rer. Das hängt aller­dings nicht allein vom Nut­zer­ver­hal­ten ab. Viel­mehr hat es Face­book in der Hand, mehr und bes­se­res zu machen und lang­fris­tig leben­dig zu blei­ben. Dazu sind Shop-Inte­gra­tio­nen wie gegen­wär­tig begon­nen oder Face­book Deals sicher nur epi­so­di­sche Wege. Face­book wird kei­ne Shop­ping-Mall. Und es wird auch kei­ne wei­te­rer Grou­pon Klon.

Ich erlau­be mir eine Spe­ku­la­ti­on: Die Zukunft von Face­book wird damit ste­hen und fal­len, ob sie es schaf­fen, den Open­Graph über die blo­ße Ver­lin­kung von Web­sei­ten durch „Freun­des­hand“ (per Like But­ton) aus­zu­deh­nen auf ein „Buy“-Button basier­tes Bezahl­sys­tem. Das heißt: Wie jetzt jeder­mann auf sei­ner Web­sei­te oder sei­nem Blog ein „Like“ inte­griert, wird zukünf­tig ein „Buy“ oder „Pay“ inte­griert sein. Bezahl­sys­tem – gibt’s doch schon? Aber nur sol­che, die ent­we­der rela­tiv auf­wän­dig sind (Ein­ga­be der Kre­dit­kar­ten­da­ten über die ver­schie­dens­ten Web­sei­ten in die ver­schie­dens­ten mehr oder min­der zuver­läs­si­gen Sys­te­me) oder Min­dest­um­sät­ze vor­se­hen. Der iTu­nes Store macht vor, wie ein­fach ein sol­ches Sys­tem sein könn­te. Nur hat Apple noch nicht kapiert, wohin sie mit ihrem Payment-Sys­tem wirk­lich gelan­gen könn­ten. Und Apple hat nicht die Mit­glie­der­ba­sis wie Face­book.

Der Vor­teil eines sol­chen „Pay“-Buttons: Der User braucht sei­ne per­sön­li­chen Zah­lungs­da­ten nicht an den Web­sei­ten­be­trei­ber her­aus­zu­ge­ben. Die­ser erhält ledig­lich die Über­wei­sung von Face­book auf sein Face­book-Credits Kon­to. Ob es sich um Cent-Bruch­tei­le han­delt oder um 1000€. Der Kun­de zahlt von sei­nem Credits-Kon­to. Es han­delt sich also um eine Trans­ak­ti­on inner­halb von Face­book.

Ein sol­ches Sys­tem ist inter­es­sant für Blogs – jen­seits des flattr-Krüp­pels. Hier las­sen sich Mikro­be­trä­ge ganz ein­fach abrech­nen. Auch hal­be Cents. Durch schlich­te Ein­bin­dung des „Pay“ But­tons.

Es ist inter­es­sant für Klein­ver­käu­fer, die kei­nen eBay Shop betrei­ben oder betrei­ben wol­len. Sie brau­chen ledig­lich eine simp­le Web­sei­te ohne eShop-Anbin­dung.  Und sie pro­fi­tie­ren zugleich davon, dass die bereits beglück­ten Kun­den als ver­trau­ens­stei­gern­de Maß­nah­me für zukünf­ti­ge Kun­den als Refe­ren­zen abge­bil­det wer­den kön­nen (Neben der „Fan-Box“ also die „We alre­ady bought“ Box).

Dadurch wird Face­book mit der eige­nen Wäh­rung „Face­book Credits“ übri­gens sofort zu einem Finanz­rie­sen. Denn ent­we­der muss das Face­book Credits Kon­to im Vor­aus auf­ge­füllt wer­den. Dann ver­fügt Face­book über gigan­ti­sche Beträ­ge. Oder Face­book rech­net die Zah­lun­gen monat­lich wie ein Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men ab. Dann braucht Face­book gigan­ti­sche Sum­men. Es han­delt sich um eine Wäh­rung, die frei kon­ver­ti­bel zu allen ande­ren Welt­wäh­run­gen sein muss. Und Face­book setzt die Wech­sel­kur­se fest. Eine gigan­ti­sche Macht ent­steht. Ich hat­te vor eini­ger Zeit ja schon dar­über geb­loggt. Ich hal­te die­ses Sze­na­rio für das Wahr­schein­lichs­te. Und dann wer­den sich nicht nur Goog­le und Co, son­dern auch die gesam­te Finanz­welt und wäh­rungs­ho­heit­li­che Regie­run­gen warm anzie­hen dür­fen.

Viel­leicht bleibt es ein Gedan­ken­spiel – aller­dings zeigt ein sol­ches Spiel, wel­che Macht in dem Rie­sen Face­book schlum­mert. 600 Mil­lio­nen Mit­glie­der sind es zur­zeit. Bald wird es 1/5, ¼, viel­leicht die hal­be Welt­be­völ­ke­rung sein. Die dann mit der Wäh­rung „Face­book Credits“ ihre Geschäf­te tätigt. Das in Ver­bin­dung mit den für Afri­ka schon bekann­ten Mobi­le Ban­king Mecha­nis­men, die hier beschrie­ben wur­den, könn­te die Welt radi­ka­ler ver­än­dern, als es sich die wil­des­ten post­dra­ma­ti­schen Phan­ta­si­en aus­ma­len kön­nen.

Und dann reden wir viel­leicht noch ein­mal über die Macht von Face­book.

 

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