Das Postdrama

Januar 22nd, 2016 § 0 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Immer wieder verwundern sich Gesprächspartner über den Namen dieser Seite. Fragen, ob das denn auf das „postdramatische Theater“ anspiele und das doch seltsam sei, weil postdramatisches Theater doch epochal nach (also zeitlich dahinter) isoliert geschriebenen und komplett und geschlossen aufgeführten Dramen situiert sei. Es also doch seltsam sei, dass jemand, der solche isoliert geschriebenen zusammenhängenden Texte (manchen nennen diese Texte gar „Dramen“) produziere, sich an diese gegenwärtige Theaterkonzeption anschließe. Da das ja doch gerade das Gegenteil sei und sich im Übrigen postdramatische Theatermacher für alles möglich interessieren – aber sicher nicht für isoliert geschriebene zusammenhängende „geschlossene“ Texte, die ja doch „Werke“ von „Autoren“ und damit eben das Gegenteil von usw. Und ob ich denn wohl „Werke“ … und „Autor“ … wo ich doch geschrieben habe, dass …

Das ist verständlich. Der Name dieser Webseite aber nimmt nicht Bezug auf postdramatisches Theater sondern auf das Postdrama. Anfangs war die Überlegung, den Begriff „posttheatrales Drama“ einzusetzen. Das war zu lang. Und blöd. Und so wurde es das Postdrama. Das ist kürzer. An dieser Stelle mögen wortwitzgeneigte Leser sämtliche Späße mit dem „Post“-Begriff durchkichern. Das Postdrama ist der Text, der nach dem Drama kommt, das es zugleich noch ist und nicht mehr ist. „Die alte Form des Dramas ermöglicht es nicht, die Welt so darzustellen, wie wir sie heute sehen.“ (Brecht) Das ist ein Schritt.

Man könnte verlangen, das für das Postdrama ein Manifest geschrieben werde. Ich mag keine Manifeste. Deswegen hier also » Weiterlesen «

Dercon, Renner, Peymann, Castorf – Der Sturm im Berliner Wasserglas

April 9th, 2015 § 2 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

DAMIT ETWAS KOMMT MUSS ETWAS GEHEN
DIE ERSTE GESTALT DER HOFFNUNG IST DIE FURCHT
DIE ERSTE ERSCHEINUNG DES NEUEN DER SCHRECKEN
(Heiner Müller, ehemaliger Leiter des BE)

 

Viel ist es nicht, was zur Zeit bekannt ist über die Zukunftsplanung der Berliner Volksbühne – deswegen lässt sich trefflich spekulieren, diskutieren, polemisieren, agitieren.

Berichtet wird am 26.03. im Tagesspiegel, es gäbe das Gerücht, die Berliner Kulturverwaltung, personifiziert durch den Kulturstaatssekretär Tim Renner, plane die Leitung der Volksbühne ab 2017 an Chris Dercon zu geben. Dercon solle als Kurator fungieren, Erfahrung sei ihm nicht abzusprechen, allerdings eher im Rahmen der bildenden Kunst in einem sehr weiten Sinne. Unter Beweis gestellt hat er sie als Leiter des Hauses der Kunst in München und als Leiter der Tate Modern in London. Ob das tatsächlich eine konkrete Planung ist, ob es sich um Ideen und Gespräche handelt oder um überwiegend substanzlose Spekulation ist gegenwärtig nicht wirklich klar. Hindert aber auch nicht an tosenden Stellungnahmen. Im Gegenteil.

Die Spekulationsblase

In der Welt schreit es direkt nach „Rettung“ vor dem Kurator Dercon. Auf nachtkritik wird die erste Meldung wenig kommentiert, erst nachdem Claus Peymann am 1. April einen offenen Brief (PDF) an den Kultursenator und Regierenden Bürgermeister Michael Müller verschickt, kommt die Debatte in Gang (hier): Untergang der Volksbühne im Besonderen, der (Berliner) Kultur im Allgemeinen hie – Aufbruch und Interesse da. Und die neueste Meldung über ein Peymann-Interview auf nachtkritik setzt gerade an, das argumentative Florett durch die Keule zu ersetzen.

Peymann beschwert sich, keinen Termin bei Renner bekommen zu haben, schmäht Renner als ‚unerfahrenen und überschätzen Mann’ und als „größte Fehlbesetzung des Jahrzehnts“ – unter anderem mit Hinweis auf seine Initiative zum Live-Streaming von Theateraufführungen. Renner schlägt zurück und weist darauf hin, dass Peymann nicht mehr der Jüngste sei (hier Bericht der Berliner Zeitung) – ein alter Mann, dessen Theater ihn nicht besonders interessiere. Was wiederum Peymann provoziert, über Renner herzuziehen. Auf nachtkritik wird wiedergegeben:

„Jung, frisch, ein bisserl dumm, immer nett lächelnd und auf Rhythmus aus“. Er habe sich ein paarmal mit ihm getroffen, „der weiß vom Theater nix“. (…) Peymanns Fazit: „Der Renner muss weg. Und der Bürgermeister muss die Kulturagenda abgeben, er kann es nicht!“ Auch sein eigener Nachfolger, Oliver Reese, „unterscheide sich äußerlich nur unwesentlich von Renner“, beide verkörpern denselben Phänotyp.

Harte Nummer. Peymann mit Castorf (der in der ZEIT vor einigen Wochen „Visionslosigkeit“ der Berliner Kulturpolitik diagnostizierte) versus Renner und Müller. Dazwischen Dercon und letztlich auf Reese. Eine Macho-Schlammschlacht im Kultur-Vatikan. Kurienkardinal Peymann als » Weiterlesen «

Ein paar Gedanken zum Livestreaming von Schauspieltheater #theaterstream

Dezember 11th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Ein paar Gedanken zum Livestreaming von Schauspieltheater #theaterstream § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Gestern Abend wurde in der Boell-Stiftung über die Frage: „Schauspiel im Livestream – Fluch oder Segen“ diskutiert. Dafür hatte ich mir im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht, mit denen ich mein Podiums-Statement bestreiten wollte. Nach dem grandiosen Stream aus dem Schauspiel Dortmund mit Kay Voges‘ Inszenierung von Sarah Kanes „4.4. Psychose“ hab ich dann entschieden, nur relativ knapp einige wenige Überlegungen daraus anzubringen. Die ganze Sache deswegen jetzt hier:

Reaktionen auf die Frage: „Theater-Streaming- Ja oder Nein?“ oder: „I can haz livestream?“

Die erste Reaktion: Ja klar, sofort. Die Technik ist da, es ist eine großartige Chance zur Öffnung von Theatern in den digitalen Raum, die Möglichkeit die Teilhabe zu erweitern, Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht im Theaterraum anwesend sein können oder wollen Zugang zu verschaffen – immerhin ist die Access-Thematik einer der wichtigsten Bestandteile der utopischen Erzählung vom Internet. Abwesende Zuschauer bekommen Zugang, können in unterschiedlichen Orten halb-anwesend sein, Theatermacher können sich von anderen Theatermachern inspirieren lassen. Klingt toll.

Die zweite Reaktion: Wenn ihr es macht, macht es vernünftig. Die nervigen „Kameraheinis“ drei Tage vor der Premiere ein paar Minuten rein- und ihr Equipment aufbauen lassen, dann die Sache irgendwie ins Netz bringen, ist ein » Weiterlesen «

„Theater der digitalen Gesellschaft“ – Vortrag auf dem Branchentreff der freien darstellenden Künste am 24.10.2014

November 18th, 2014 § Kommentare deaktiviert für „Theater der digitalen Gesellschaft“ – Vortrag auf dem Branchentreff der freien darstellenden Künste am 24.10.2014 § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich habe vergessen, den Text online zu stellen. Das gilt es, jetzt nachzuholen für alle, die nachlesen möchten. Der erste Teil des Textes ist eine kürzere, leicht überarbeitete Version des Mannheimer und Dortmunder Vortrages. Im letzten Teil dann mehr zum Freien und Stadttheater.
Hier ist der Vortrag als PDF.

Drama und Ideologie 8: Die Krise der politischen Erzählungen

September 9th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Drama und Ideologie 8: Die Krise der politischen Erzählungen § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Auf dem Journalisten-Branchenportal Meedia findet sich heute ein interessanter Text von Stefan Winterbauer (Hier). Darin wird die Krise des Journalismus ausnahmsweise nicht als Auflagenkrise, sondern als Krise der Erzählung beschrieben: Anlässlich der gestrigen Sendung von Frank Plasbergs „Hart aber Fair“ wird geschildert, wie die Versuche, dort zu einer gemeinsamen Erzählung des Ukraine-Konflikts zu kommen, gleichzeitig in einer „Gegenöffentlichkeit“ in den digitalen, sozialen Medien konfrontiert ist, die parallel ihre eigenen Erzählungen entwarfen. Er schreibt:

Die Gegenöffentlichkeit artikuliert sich im Zuge der Ukraine-Krise erstmals in großem Stil. Dass das Phänomen wieder verschwindet, ist unwahrscheinlich. Für die klassischen Medien ist dies eine der größten Herausforderungen der Digitalisierung. Wie können Medien ihre Glaubwürdigkeit retten oder zurückgewinnen? Wie können sie dem Publikum deutlich machen, dass es sich lohnt ihnen zu vertrauen?

Nun ist es sicherlich etwas zu kurz gegriffen zu behaupten, hier artikuliere sich eine Gegenöffentlichkeit zum ersten Mal. Die Geschichte der Gegenöffentlichkeiten ist bereits im analogen Zeitalter relativ lang (Beispiel: „Kein Blut für Öl“ im ersten Golfkrieg), wird noch erheblich umfangreicher im Digitalzeitalter – von Online-Petitionen, über Plagiats-Jäger bis hin zu den Phänomenen des Arabischen Frühlings. Trotzdem bleibt die Beschreibung des Zusammenhangs von Ukraine-Krise und erzählenden Gegenöffentlichkeiten interessant zu beobachten, die Winterbauer hier anreißt.

Die Plasberg-Sendung

Ich habe die Sendung mit dem Titel „Wladimir Putin – der gefährlichste Mann Europas? gestern gesehen – und war von Beginn an überrascht. Es saßen in der dort vorwiegend journalistische „Erzähler“: die russische Journalistin Anna Rose, der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen, der Moskauer Focus-Korrespondent Boris Reitschuster, der Journalist und Filmemacher Hubert Seipel. Zwischen ihnen der Kanzleramtschef Peter Altmeier, der nicht zuletzt Aufseher der politischen Erzähler ist: des Bundesnachrichtendienstes.

Zwischen diesen Erzählern entspann sich nun: der Kampf der Erzählungen, der auf eigenartige Weise an Akira Kurosawas Rashomon erinnerte, eines Filmes, der „den selben“ Vorfall viermal erzählen lässt, von vier unterschiedlichen Standpunkten aus und daraus vier unterschiedliche Erzählungen von etwas gewinnt, von dem es ein „dasselbe“ nicht mehr gibt.

Bei Plasberg traten sehr gezielt eingeladene journalistische Erzähler an, erzählten – und kamen zu sehr unterschiedlichen Erzählungen dessen, wovon es sicher am Ende, vermutlich aber von Anfang an kein „dasselbe“gibt. Waren hier und da Elemente auch strittig, so waren sich doch die Erzählungen im Wesentlichen darin ähnlich, dass sie viele gemeinsame Elemente verwendeten, sie aber unterschiedlich zusammenfügten, zu unterschiedlichen Erzählungen mit unterschiedlichen daraus folgenden Konsequenzen. Das im Einzelnen zu rekonstruieren, würde hier zu weit führen, zumal die einzelnen unterschiedlichen Erzählungen weitgehend schon vorher einigermaßen bekannt waren.

Interessanter ist die Beobachtung, dass eben Erzähler hier gegeneinander antreten, Journalisten, die in ihren unterschiedlichen Erzählungen (mehr oder weniger prägnant) deutlich werden lassen, dass ihre Erzählungen bestimmte Gefüge von Zusammenhängen sind, die miteinander inkompatibel sind. Es ist nicht nur ein Streit darüber, was jetzt passieren sollte. Es ist vor allem der Streit, was „Sache“ ist – und was daraus zu folgern ist. Die Konsequenz: Die Ukraine-Krise lässt in großer Deutlichkeit die Krise der Erzählungen sichtbar werden, die sich verstärkt durch die Parallelität alter und neuer Kommunikationsmittel ergibt. Es wird sichtbar, dass das alte Leit-Erzählmedium, die Media Divina Fernsehen ihre Erzählkraft verloren hat.

Denn es streiten nicht nur in der Media Divina die Erzähler, sondern – wie Stefan Winterbauer berichtet – in zahlreichen kleinen Debatten verheddern sich auch in der digitalen und sozialen Kommunikationswelt die Erzählungen ineinander, fallen in Glaubensgrüppchen auseinander und bauen sich ihre eigenen Erzählungen. Winterbauer attestiert eine „Glaubwürdigkeitskrise“ der Massenmedien, die er für relevanter hält als den Medienwandel und die Auflagenkrise der Zeitungen. Der zentrale Bestandteil dieser Diagnose allerdings ist „Glauben“ und „Glaubwürdigkeit“, weil er an etwas rührt, was Massenmedien als Erzähler immer voraussetzen, worauf sie aufbauen müssen, ohne es doch selbst herstellen zu können. Das macht diesen Sachverhalt in der hiesigen Blogposting-Reihe „Drama und Ideologie“ interessant, weil sich Anschlussfähigkeit an die Trivialitäten des Aristoteles, von denen in den letzten Postings dieser Reihe (hier, hier, hier und hier) die Rede, herstellen lässt.

Aristoteles und der politische Groschenroman

Die Erzählung ist, im Anschluss an die letzten Beiträge zu Aristoteles hier im Blog, eine Zusammenfügung von Praktiken (σύνθεσιν τῶν πραγμάτων), die Aristoteles mit dem missverständlichen Wort μῦθος bezeichnet, die von einem Gefügemacher (μυθοποιός) erstellt wird, indem Praktiken zu einem Zusammenhang gefügt werden. Dieses Gefüge hat sich dem Kriterium des Möglichen und Notwendigen (τὸ εἰκὸς τὸ ἀναγκαῖον) zu fügen. Elemente werden zu einem Zusammenhang zusammengesetzt, neue Elemente müssen, damit eine Erzählung weiter erzählt werden kann, sich in dieses Gefüge einfügen lassen.

2010 hatte Frank Schirrmacher in der FAZ (hier) einen schönen Artikel, der beschrieb „wie man ein verdammt guter Politiker wird“ – und dabei behauptete: „Politische Glaubwürdigkeit im neuen Medienzeitalter ist keine moralische, sondern eine literarische Kategorie.

In kritischer Absicht, anlässlich » Weiterlesen «

Drama und Ideologie 7: Die Unterbrechung des Gefüges

August 30th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Drama und Ideologie 7: Die Unterbrechung des Gefüges § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Man könnte nach dem Bisherigen zu dem Schluss kommen, dass Gefüge erst dann wahrnehmbar werden, wenn sie unterbrochen werden. Wenn also Theater „Ort der Gesellschaft in der Gesellschaft ist, an dem sich in Gesellschaft über Gesellschaft ästhetisch reflektieren lässt“, dann wäre also Theater jene Unterbrechung des Gefüges „Gesellschaft“, das dieses Gefüge überhaupt erst – möglich? – macht? Indem es ein Gefüge vorführt, das als Gesellschaft vorgeführt ist und bereits dadurch dass es vorgeführt wird, ein Gefüge im Gefüge ist, das eben durch diese Einfügung das umgebende Gefüge verfügbar machte.

Vielleicht nur eine Variante von Foucaults » Weiterlesen «

Drama und Ideologie 6: Die Verschachtelung der Gefügemacher

August 30th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Drama und Ideologie 6: Die Verschachtelung der Gefügemacher § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Interessant an der Gefügemacherei, der μυθοποίησις des Dramas, ist die Verschachtelung unterschiedlicher Gefüge in Gefügen. Insbesondere das Fernsehen hat hier gewaltige Neuerungen herbeigeführt, indem nicht nur ein unsichtbarer Gefügemacher im Hintergrund das Gefüge gefügt haben kann, wie etwa im traditionellen Begriff des Dramas der vierten Wand, das als ein Gefüge abläuft, sondern indem etwa ein Gefügemacher als Voice-Over-Erzähler sich unsichtbar, aber hörbar über das Gefüge legt, diese Voice-Over-Stimme aber selbst wieder ein in das Gesamtgefüge (die filmische Montage) Gefügtes, Hinzugefügtes vielleicht, das nunmehr aus scheinbar zwei » Weiterlesen «

Drama und Ideologie 5

August 30th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Drama und Ideologie 5 § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Wenn „Drama“ ein Formbegriff ist, oder Drama Form ist – was ist dann ein Dramatiker? Jemand, der sich mit Gegenständen befasst, die zum Sachgebiet „Drama“ gehören oder (was auch immer das wäre, ist zu klären) als „dramatisch“ qualifiziert werden können? So wie ein Vogelkundler sich vor Allem mit Vögeln befasst? Also mit Gegenständen, die der Qualifikation „Drama“ gehorchen, wie dieser mit Gegenständen, die unter den Begriff „Vogel“ fallen? Was wäre dann dieser Gegenstand, der Drama » Weiterlesen «

Drama und Ideologie 4

August 18th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Drama und Ideologie 4 § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Wenn es so wäre, dass die unter dem Namen von Aristotles in „περὶ ποιητικῆς“ zusammenschriebenen, synthetisierten Trivialitäten zutreffend sind – was wäre dann der Dramatiker anderes als ein Synthesizer? Ein solcher, der allerdings nicht etwa Vorhandens synthetisiert, sondern das Synthetisierte in der Synthese erzeugt. Das unterscheidet den Verfertiger » Weiterlesen «

Drama und Ideologie 3

August 18th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Drama und Ideologie 3 § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Es ist höchst bedauerlich: aber es scheint tatsächlich, als wäre seit Aristoteles nichts Bemerkenswertes mehr über Drama geschrieben worden. Dass es scheint, als ließe sich nichts Bemerkenswertes hinzufügen, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass in diesem Büchlein unter dem Namen des Aristoteles ein Haufen von Platituden und Trivialitäten versammelt und formuliert, aufgezeichnet wurde. Trotzdem macht es noch immer Sinn, sich mit diesen Trivialitäten zu beschäftigen

Das kleine Büchlein, in dem sich das Bemerkenswerte findet, trägt den Titel „περὶ ποιητικῆς“. Man übersetzt gerne „Von der Dichtkunst“. Oder ähnlich. Vielleicht ist es hilfreicher, etwas näher an der Titelvokabel zu bleiben, beim „ποιεῖν“ und zu übersetzen „Von der Verfertigung“ oder „Vom Machen“. Es geht in diesem Fragment ums Machen. Aristoteles setzt sich mit Gemachtem, Verfertigtem auseinander. Mit einem speziellen Verfertigten, unter anderem der τραγῳδία, die er dezidiert in ihrer Verfertigtheit in den Blick nimmt. In die θεωρία, die Betrachtung, Beobachtung. Er konzentriert sich » Weiterlesen «

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