Drama und Ideologie 4

August 18th, 2014 Kommentare deaktiviert für Drama und Ideologie 4 Autor: Ulf Schmidt

Wenn es so wäre, dass die unter dem Namen von Aris­tot­les in „περὶ ποιητικῆς“ zusam­men­schrie­be­nen, syn­the­ti­sier­ten Tri­via­li­tä­ten zutref­fend sind – was wäre dann der Dra­ma­ti­ker ande­res als ein Syn­the­si­zer? Ein sol­cher, der aller­dings nicht etwa Vor­han­dens syn­the­ti­siert, son­dern das Syn­the­ti­sier­te in der Syn­the­se erzeugt. Das unter­schei­det den Ver­fer­ti­ger vom His­to­ri­en­schrei­ber:

Klar ist aus dem Gesag­ten, dass die Arbeit des Ver­fer­ti­gers nicht ist, das Ent­stan­de­ne zu sagen, son­dern Ent­ste­hen-Kön­nen­des nach dem Mög­li­chen oder Not­wen­di­gen. Der His­to­ri­en­schrei­ber und der Ver­fer­ti­ger unter­schei­den sich nicht dar­in, dass der eine metrisch, der ande­re nicht­me­trisch schreibt. (Man könn­te Hero­dots ins Metrum set­zen und sie wären um nichts weni­ger His­to­rie mit oder ohne Metrum). Viel­mehr unter­schei­det sie, dass der eine das Ent­stan­de­ne sagt, der ande­re das Ent­ste­hen-Kön­nen­de. Des­we­gen ist die Ver­fer­ti­gung phi­lo­so­phi­scher und edler als die His­to­ri­en­schrei­be­rei. Die Ver­fer­ti­gung sagt eher das All-Gemei­ne, der His­to­ri­en­schrei­ber das Ein­zel­ne. (φανερὸν δὲ ἐκ τῶν εἰρημένων καὶ ὅτι οὐ τὸ τὰ γενόμενα λέγειν, τοῦτο ποιητοῦ ἔργον ἐστίν, ἀλλ᾽ οἷα ἂν γένοιτο καὶ τὰ δυνατὰ κατὰ τὸ εἰκὸς τὸ ἀναγκαῖον. γὰρ ἱστορικὸς καὶ ποιητὴς οὐ τῷ ἔμμετρα λέγειν ἄμετρα διαφέρουσιν [1451β]εἴη γὰρ ἂν τὰ Ἡροδότου εἰς μέτρα τεθῆναι καὶ οὐδὲν ἧττον ἂν εἴη ἱστορία τις μετὰ μέτρου ἄνευ μέτρων): ἀλλὰ τούτῳ διαφέρει, τῷ τὸν μὲν τὰ γενόμενα [5] λέγειν, τὸν δὲ οἷα ἂν γένοιτο. διὸ καὶ φιλοσοφώτερον καὶ σπουδαιότερον ποίησις ἱστορίας ἐστίν: μὲν γὰρ ποίησις μᾶλλον τὰ καθόλου, δ᾽ ἱστορία τὰ καθ᾽ ἕκαστον λέγει.)

To be con­ti­nued. May­be.

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