Die Tagesschau vom 8.10.2016 und Das Prinzip Jago [Updated]

Oktober 9th, 2016 § Kommentare deaktiviert für Die Tagesschau vom 8.10.2016 und Das Prinzip Jago [Updated] § permalink; Autor: Ulf Schmidt

In der Mit­te des vier­ten Aktes trägt in “Das Prin­zip Jago” der neu ernann­te Nach­rich­ten-Redak­teur Ben “Blei­ben Sie auf dem rech­ten Weg” Sützl sei­ne Leit­li­ni­en für die Nach­rich­ten der Zukunft vor. Und eine Woche nach der Esse­ner Urauf­füh­rung geriert sich die Tages­schau anläss­lich eines Vor­fal­les in Chem­nitz, als wol­le sie direkt mit der Umset­zung begin­nen.

Hier ein Aus­zug aus » Wei­ter­le­sen «

Das Prinzip Jago — Text-Download, Trailer, Kritiken

Oktober 9th, 2016 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Wer sich für das Arbeits­er­geb­nis des Esse­ner Wri­ters Rooms, den Stück­text von “Das Prin­zip Jago” inter­es­siert, kann ihn hier direkt und in vol­ler Län­ge als PDF her­un­ter­la­den: Down­load-Link via Web­sei­te des Schau­spiel Essen.

Einen klei­nen Ein­druck von der Insze­nie­rung ver­mit­telt der Trai­ler des Schau­spiel Essen:

Eini­ge Kri­ti­ken:

In Thea­ter Heu­te 10/2016 ist zudem ein Inter­view mit den Betei­lig­ten des Esse­ner Wri­ters Room Vol­ker Lösch, Vera Ring, Oli­ver Schmaering und mir zu lesen. Der Arti­kel ist hier (kos­ten­pflich­tig) online zu fin­den. Oder in der Okto­ber-Print­aus­ga­be.

Writers Room Projekt am Schauspiel Essen: “Das Prinzip Jago”

Mai 12th, 2016 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Bereits seit Ende Febru­ar 2016, also seit drei Mona­ten, ist am Schau­spiel Essen ein Wri­ters Room Pro­jekt am Start, an dem ich betei­ligt bin: zusam­men mit dem Regis­seur Vol­ker Lösch, der Esse­ner Chef­dra­ma­tur­gin Vera Ring und dem Thea­ter- und Dreh­buch­au­to­ren Oli­ver Schmaering ent­steht eine Arbeit mit dem Titel „Das Prin­zip Jago“ nach Moti­ven aus „Othel­lo“ von Shake­speare. Kei­ne Stück­be­ar­bei­tung, kei­ne Über­set­zung, kei­ne Moder­ni­sie­rung, son­dern ein von vor­ne bis hin­ten neu geschrie­be­ner Text mit eige­ner Hand­lungs- und Sze­nen­struk­tur. In einem Wri­ters Room, der Schrei­ber, Regie, Dra­ma­tur­gie, zeit­wei­se auch Büh­nen­bild (Caro­la Reu­ther) und dem­nächst even­tu­ell noch wei­te­re Kom­pe­ten­zen ver­sam­melt, um gemein­sam an einem Gemein­sa­men zu arbei­ten. Die Urauf­füh­rung wird am 1.10.2016 am Schau­spiel Essen sein.

Wor­um es bei “Das Prin­zip Jago” gehen soll und wird, ist auf der Web­sei­te des Thea­ters seit heu­te zu lesen. Unter die­sem Link.

Mein Plä­doy­er für Wri­ters Rooms an Thea­tern ist auf nacht­kri­tik zu fin­den, hier.

Wer sich für die­se Arbeits­wei­se inter­es­siert und sie aus­pro­bie­ren möch­te, kann sich für einen soeben aus­ge­schrie­be­nen Wri­ters Room an den Wie­ner Wort­stät­ten bewer­ben. Die Aus­schrei­bung ist hier zu fin­den.

Und wer 8 Minu­ten Zeit hat, sich anzu­se­hen, wie in einem Zeit­raum von gut zwei Wochen (!) eine (!) Epi­so­de von Brea­king Bad ent­stand, der kann hier schau­en:

Maischberger gestern — oder mit der AfD in die Argument Clinic

Januar 28th, 2016 § Kommentare deaktiviert für Maischberger gestern — oder mit der AfD in die Argument Clinic § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Der Ablauf der gest­ri­gen Maisch­ber­ger-Sen­dung “Tabu­par­tei AfD – Deutsch­land auf dem Weg nach rechts?” wur­de von den Mony Pythons vor über 40 Jah­ren hell­sich­tig vor­ge­spielt. Alle Betei­lig­ten hiel­ten sich an das Vor­bild.

Ein Aus­zug aus dem Dia­log, der die Situa­ti­on hübsch zusam­men­fasst:

M: I came here for a good argu­ment!
O: AH, no you didn’t, you came here for an argu­ment!
M: An argu­ment isn’t just con­tra­dic­tion.
O: Well! it CAN be!
M: No it can’t!
M: An argu­ment is a con­nec­ted series of state­ments inten­ded to esta­blish a pro­po­si­ti­on.
O: No it isn’t!
M: Yes it is! ’tisn’t just con­tra­dic­tion.
O: Look, if I *argue* with you, I must take up a con­tra­ry posi­ti­on!
M: Yes but it isn’t just say­ing ‘no it isn’t’.
O: Yes it is!
M: No it isn’t!
O: Yes it is!
M: No it isn’t!
O: Yes it is!
M: No it ISN’T! Argu­ment is an intel­lec­tu­al pro­cess. Con­tra­dic­tion is just the auto­ma­tic gain­say­ing of any­thing the other per­son says.
O: It is NOT!
M: It is!
O: Not at all!
M: It is!
(The Arguer hits a bell on his desk and stops.)
O: Thank you, that’s it.
M: (stun­ned) What?
O: That’s it. Good morning.
M: But I was just get­ting inte­rested!
O: I’m sor­ry, the five minu­tes is up. Quel­le

Ich bin mir nicht sicher, ob der AfD und den Rech­ten auf die­se Wei­se bei­zu­kom­men ist. Anders: Ich bin eher sicher, dass die­se Sket­che der fal­sche Weg sind.

In jedem Fal­le: Ein ech­tes Post­dra­ma, wenn die “Wirk­lich­keit” die “Kunst” der­art prä­zi­se nach­ahmt.

Das Postdrama

Januar 22nd, 2016 § Kommentare deaktiviert für Das Postdrama § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Immer wie­der ver­wun­dern sich Gesprächs­part­ner über den Namen die­ser Sei­te. Fra­gen, ob das denn auf das „post­dra­ma­ti­sche Thea­ter“ anspie­le und das doch selt­sam sei, weil post­dra­ma­ti­sches Thea­ter doch epo­chal nach (also zeit­lich dahin­ter) iso­liert geschrie­be­nen und kom­plett und geschlos­sen auf­ge­führ­ten Dra­men situ­iert sei. Es also doch selt­sam sei, dass jemand, der sol­che iso­liert geschrie­be­nen zusam­men­hän­gen­den Tex­te (man­chen nen­nen die­se Tex­te gar „Dra­men“) pro­du­zie­re, sich an die­se gegen­wär­ti­ge Thea­ter­kon­zep­ti­on anschlie­ße. Da das ja doch gera­de das Gegen­teil sei und sich im Übri­gen post­dra­ma­ti­sche Thea­ter­ma­cher für alles mög­lich inter­es­sie­ren – aber sicher nicht für iso­liert geschrie­be­ne zusam­men­hän­gen­de „geschlos­se­ne“ Tex­te, die ja doch „Wer­ke“ von „Auto­ren“ und damit eben das Gegen­teil von usw. Und ob ich denn wohl „Wer­ke“ … und „Autor“ … wo ich doch geschrie­ben habe, dass …

Das ist ver­ständ­lich. Der Name die­ser Web­sei­te aber nimmt nicht Bezug auf post­dra­ma­ti­sches Thea­ter son­dern auf das Post­dra­ma. Anfangs war die Über­le­gung, den Begriff „post­thea­tra­les Dra­ma“ ein­zu­set­zen. Das war zu lang. Und blöd. Und so wur­de es das Post­dra­ma. Das ist kür­zer. An die­ser Stel­le mögen wort­witz­ge­neig­te Leser sämt­li­che Spä­ße mit dem „Post“-Begriff durch­ki­chern. Das Post­dra­ma ist der Text, der nach dem Dra­ma kommt, das es zugleich noch ist und nicht mehr ist. „Die alte Form des Dra­mas ermög­licht es nicht, die Welt so dar­zu­stel­len, wie wir sie heu­te sehen.“ (Brecht) Das ist ein Schritt.

Man könn­te ver­lan­gen, das für das Post­dra­ma ein Mani­fest geschrie­ben wer­de. Ich mag kei­ne Mani­fes­te. Des­we­gen hier also » Wei­ter­le­sen «

Dercon, Renner, Peymann, Castorf – Der Sturm im Berliner Wasserglas

April 9th, 2015 § 2 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

DAMIT ETWAS KOMMT MUSS ETWAS GEHEN
DIE ERSTE GESTALT DER HOFFNUNG IST DIE FURCHT
DIE ERSTE ERSCHEINUNG DES NEUEN DER SCHRECKEN
(Hei­ner Mül­ler, ehe­ma­li­ger Lei­ter des BE)

 

Viel ist es nicht, was zur Zeit bekannt ist über die Zukunfts­pla­nung der Ber­li­ner Volks­büh­ne – des­we­gen lässt sich treff­lich spe­ku­lie­ren, dis­ku­tie­ren, pole­mi­sie­ren, agi­tie­ren.

Berich­tet wird am 26.03. im Tages­spie­gel, es gäbe das Gerücht, die Ber­li­ner Kul­tur­ver­wal­tung, per­so­ni­fi­ziert durch den Kul­tur­staats­se­kre­tär Tim Ren­ner, pla­ne die Lei­tung der Volks­büh­ne ab 2017 an Chris Der­con zu geben. Der­con sol­le als Kura­tor fun­gie­ren, Erfah­rung sei ihm nicht abzu­spre­chen, aller­dings eher im Rah­men der bil­den­den Kunst in einem sehr wei­ten Sin­ne. Unter Beweis gestellt hat er sie als Lei­ter des Hau­ses der Kunst in Mün­chen und als Lei­ter der Tate Modern in Lon­don. Ob das tat­säch­lich eine kon­kre­te Pla­nung ist, ob es sich um Ide­en und Gesprä­che han­delt oder um über­wie­gend sub­stanz­lo­se Spe­ku­la­ti­on ist gegen­wär­tig nicht wirk­lich klar. Hin­dert aber auch nicht an tosen­den Stel­lung­nah­men. Im Gegen­teil.

Die Spe­ku­la­ti­ons­bla­se

In der Welt schreit es direkt nach „Ret­tung“ vor dem Kura­tor Der­con. Auf nacht­kri­tik wird die ers­te Mel­dung wenig kom­men­tiert, erst nach­dem Claus Pey­mann am 1. April einen offe­nen Brief (PDF) an den Kul­tur­se­na­tor und Regie­ren­den Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler ver­schickt, kommt die Debat­te in Gang (hier): Unter­gang der Volks­büh­ne im Beson­de­ren, der (Ber­li­ner) Kul­tur im All­ge­mei­nen hie – Auf­bruch und Inter­es­se da. Und die neu­es­te Mel­dung über ein Pey­mann-Inter­view auf nacht­kri­tik setzt gera­de an, das argu­men­ta­ti­ve Flo­rett durch die Keu­le zu erset­zen.

Pey­mann beschwert sich, kei­nen Ter­min bei Ren­ner bekom­men zu haben, schmäht Ren­ner als ‚uner­fah­re­nen und über­schät­zen Mann’ und als „größ­te Fehl­be­set­zung des Jahr­zehnts“ – unter ande­rem mit Hin­weis auf sei­ne Initia­ti­ve zum Live-Strea­ming von Thea­ter­auf­füh­run­gen. Ren­ner schlägt zurück und weist dar­auf hin, dass Pey­mann nicht mehr der Jüngs­te sei (hier Bericht der Ber­li­ner Zei­tung) – ein alter Mann, des­sen Thea­ter ihn nicht beson­ders inter­es­sie­re. Was wie­der­um Pey­mann pro­vo­ziert, über Ren­ner her­zu­zie­hen. Auf nacht­kri­tik wird wie­der­ge­ge­ben:

“Jung, frisch, ein bis­serl dumm, immer nett lächelnd und auf Rhyth­mus aus”. Er habe sich ein paar­mal mit ihm getrof­fen, “der weiß vom Thea­ter nix”. (…) Pey­manns Fazit: “Der Ren­ner muss weg. Und der Bür­ger­meis­ter muss die Kul­tur­agen­da abge­ben, er kann es nicht!” Auch sein eige­ner Nach­fol­ger, Oli­ver Ree­se, “unter­schei­de sich äußer­lich nur unwe­sent­lich von Ren­ner”, bei­de ver­kör­pern den­sel­ben Phä­no­typ.

Har­te Num­mer. Pey­mann mit Cas­torf (der in der ZEIT vor eini­gen Wochen „Visi­ons­lo­sig­keit“ der Ber­li­ner Kul­tur­po­li­tik dia­gnos­ti­zier­te) ver­sus Ren­ner und Mül­ler. Dazwi­schen Der­con und letzt­lich auf Ree­se. Eine Macho-Schlamm­schlacht im Kul­tur-Vati­kan. Kuri­en­kar­di­nal Pey­mann als » Wei­ter­le­sen «

Theater als Gesellschaftslabor (mit Bruno Latour): die “kostbare kleine Institution”

Juli 29th, 2014 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im Vor­trag zum agi­len Thea­ter hat­te ich als vor­läu­fi­ge Arbeits­de­fi­ni­ti­on von Thea­ter ange­ge­ben, es sei “ein Ort der Gesell­schaft in der Gesell­schaft, an dem sich in Gesell­schaft über Gesell­schaft ästhe­tisch reflek­tie­ren lässt.” Zudem gab es den Ver­weis auf Dirk Baeckers sehr schö­ne For­mu­lie­rung vom Thea­ter als “Labor der prak­ti­schen Ver­nunft” (in: Wozu Thea­ter?). Bei der Lek­tü­re von Bru­no Latours Eine neue Sozio­lo­gie für eine neue Gesell­schaft ist mir nun eine Pas­sa­ge unter­ge­kom­men, die sich zur Prä­zi­sie­rung die­ser For­mu­lie­run­gen eig­net, wie­wohl das Ori­gi­nal­zi­tat dafür eine klei­nen Ver­dre­hung hin zu Thea­ter bedarf.

Latour beschreibt hier als 5. Unbe­stimmt­heit des ANT-Sozio­lo­gen die Pra­xis des Ver­fer­ti­gens sozio­lo­gi­scher Berich­te und argu­men­tiert — ver­kürzt gesagt — für eine gedul­di­ge, klein­tei­li­ge, ent­fakt­ten­de, nicht vor­schnell ins Erklä­ren abdrif­ten­de Form der nahen, fast  schrift­stel­le­ri­schen Ver­fer­ti­gung von “guten” Tex­ten. Und was er gele­gent­lich von sol­chen ANT-sozio­lo­gi­schen Tex­ten schreibt, lässt sich nahe­zu 1:1 auch auf Thea­ter (oder viel­leicht zunächst Thea­ter­tex­te) über­tra­gen. Er schreibt über den text­lich Berich­ten­den:

Er bie­tet eine künst­li­che Stät­te an (den text­li­chen Bericht) {oder die Büh­ne; U.S.}, der für ein bestimm­tes Publi­kum etwa die Fra­ge lösen könn­te, zu wel­cher gemein­sa­men Welt man gehört. Ver­sam­melt um das ‘Labo­ra­to­ri­um’ des Tex­tes {Büh­ne; U.S.} fan­gen Auto­ren wie auch Leser viel­leicht damit an, die bei­den Mecha­nis­men sicht­bar zu machen, die zum einen für die Plu­ra­li­tät der zu berück­sich­ti­gen­den Asso­zia­tio­nen ver­ant­wor­lich sind, zum ande­ren für die Sta­bi­li­sie­rung oder Ver­ein­heit­li­chung der Welt, in der sie leben möch­ten. Einer­seits ist es nur ein Text aus Papier­bö­gen, von einem Tin­ten- oder Laser­strahl geschwärzt. Ande­rer­seits eine kost­ba­re klei­ne Insti­tu­ti­on, um das Sozia­le für alle sei­ne Betei­lig­ten zu reprä­sen­tie­ren, oder genau­er, zu re-prä­sen­tie­ren, das heißt, um es ihnen von neu­em zu prä­sen­tie­ren, ihm eine Per­form­anz, eine Form zu geben. Das ist nicht viel, aber mehr zu ver­lan­gen heißt of, weni­ger zu bekom­men. Vie­le ‘macht­vol­le Erklä­run­gen’ mögen sich als weni­ger über­zeu­gend her­aus­stel­len als schwä­che­re. {S. 241f.; Anmer­kun­gen in geschweif­ten Klam­mern von mir; U.S.}

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“Theater der digitalen Gesellschaft” — Vortrag beim NRW Theatertreffen 2014

Juni 13th, 2014 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im Fol­gen­den ist der Vor­trag als PDF zu fin­den und her­un­ter­zu­la­den, den ich bei der Eröff­nungs­ver­an­stal­tung des NRW Thea­ter­tref­fens 2014 in Dort­mund die Ehre und das Ver­gnü­gen hat­te zu hal­ten. Zusätz­lich stel­le ich hier noch ein­mal den län­ge­ren Vor­trag “Auf dem Weg zum agi­len Thea­ter” (gehal­ten auf der Jah­res­ta­gung der Dra­ma­tur­gi­schen Gesell­schaft 2014 in Mann­heim) zur Ver­fü­gung. Außer­dem die von mir aus den Sta­tis­ti­ken des Deut­schen Büh­nen­ver­eins für die Thea­ter in Nord­rhein-West­fa­len zusam­men­ge­stell­ten Zah­len in einer Excel-Datei zum Down­load.

»Der Dort­mun­der Vor­trag kann hier her­un­ter­ge­la­den wer­den.Die Prä­sen­ta­ti­ons-Bil­der sind eben­falls in die­sem PDF zu fin­den.

»Die Excel-Datei mit den Büh­nen­ver­eins-Zah­len für Nord­rhein-West­fa­len kann hier her­un­ter­ge­la­den wer­den. Ich hof­fe, die Beschrif­tun­gen sind eini­ger­ma­ßen ver­ständ­lich. Soll­ten in die­ser Datei trotz aller Sorg­falt Über­tra­gungs­feh­ler vor­kom­men, bit­te ich dafür um Ent­schud­li­gung und um Hin­weis, damit ich kor­ri­gie­ren kann.

»Wer den län­ge­ren Vor­trag aus Mann­heim mit den Aus­füh­run­gen über die agi­le Orga­ni­sa­ti­on her­un­ter­la­den möch­te, wird hier fün­dig.

»Und dies sind die Mann­hei­mer Prä­sen­ta­ti­ons-Sli­des:

 

»Außer­dem ist der Mann­hei­mer Vor­trag auch in einer leicht geän­der­ten Form auf nachtkritik.de zu fin­den: Auf dem Weg zum agi­len Thea­ter.

Die Trierer proben den Aufstand – eine Laien(theater)kritik

Juni 22nd, 2013 § Kommentare deaktiviert für Die Trierer proben den Aufstand – eine Laien(theater)kritik § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Dass es einen FC Bay­ern Mün­chen gibt, ist kein Ein­wand gegen Fei­er­abend- und Ama­teur­fuß­ball in zahl­lo­sen ört­li­chen Ver­ei­nen. Und dass letz­te­re nicht auf dem Niveau des Ers­te­ren spie­len, eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Denn die zahl­lo­sen loka­len Ver­ei­ne haben eine ande­re lokal-gesell­schaft­li­che Funk­ti­on, als die Cham­pi­ons League Sport­ler.

Mit Lai­en­thea­ter ist es eine ähn­li­che Sache. Gewöhnt an die Hoch­äm­ter der Büh­nen­kunst in pro­fes­sio­nel­len Häu­sern, kann man recht schnell zu einer ent­täusch­ten Ein­schät­zung sol­cher Thea­ter­ak­ti­vi­tä­ten kom­men und sich gelang­weilt oder frus­triert abwen­den. Man kann sich aber auch den Eigen­ge­set­zen die­ser viel­leicht nicht ein­mal im empha­ti­schen Sin­ne „künst­le­ri­schen“, son­dern lokal gemein­schaft­li­chen Form wid­men.

Die Trie­rer Pro­duk­ti­on „Stadt in Auf­ruhr“, pro­du­ziert für und gezeigt im Rah­men des Fes­ti­vals „Maxi­mie­rung Mensch 4:Mensch Marx“ der Uni­ver­si­tät und des Thea­ters Trier, ist ein sol­cher Anlass, die Bewer­tungs­kri­te­ri­en pro­fes­sio­nel­len Büh­nen­thea­ters zurück­zu­stel­len, um sich dem wid­men zu kön­nen, was da tat­säch­lich an Span­nen­dem geschah. Das soll hier ver­sucht wer­den, wes­halb es sich hier eigent­lich nicht um eine Kri­tik han­delt, son­dern um eine Lai­en­kri­tik.

Es fan­den sich mehr als 60 Trie­rer (mei­ne Zäh­lung – Ver­an­stal­ter­an­ga­ben über 100) unter Anlei­tung der GRUPPE INTERNATIONAL zusam­men, um „Stadt in Auf­ruhr“ zu geben. Nicht auf einer Büh­ne, son­dern indem die Stadt selbst zur Büh­ne ver­wan­delt, das Publi­kum zum Spa­zier­gän­ger in einer Stadt­füh­rung wur­de. Erschien der Beginn noch auf übli­chem Lai­en-Niveau, wan­del­te sich die Akti­on spä­ter plötz­lich in Ande­res.

Die ers­ten Akte: Von damals

Ers­te Spiel­stät­te war die Kunst­bau­stel­le „Tuf­ta­po­lis“, ein etwas her­un­ter­ge­kom­me­ner Aben­teu­er­spiel­platz, auf dem Kin­der in Kos­tü­men des Micha­el aus Lön­ne­ber­ga, Bat­man, Robin und Pip­pi Lang­strumpf Klein­grup­pen eine Füh­rung gaben und den Besu­chern gesprä­chig erzähl­ten, was das damals alles war. „Damals“ (so ver­stand ich) ist das Trier der Gegen­wart, denn die Insze­nie­rung sie­del­te sich in der Zukunft des Jah­res 2025 (in Anknüp­fung an ein gera­de ver­öf­fent­lich­tes Stra­te­gie­pa­pier „Trier Zukunft 2025“ der Stadt) an  – einer durch­aus dys­to­pi­schen, durch­öko­no­mi­sier­ten und in einer ver­elen­de­ten und zutiefst in Reich und Arm gespal­te­nen Stadt.

Durch Sei­ten­gas­sen, an denen sich Bau­an­kün­di­gun­gen für Enter­tain­ment Cen­ter fan­den, ging es zum zwei­ten Akt, einen Gara­gen­hof. Dort wur­de das Publi­kum (geschätzt über 100 Zuschau­er) auf­ge­teilt auf ver­schie­de­ne Gara­gen, in denen ver­klei­de­te Ein­zel­dar­stel­ler ver­arm­te Trie­rer gaben, die von einer gemein­schaft­li­chen Aldi-Plün­de­rung erzähl­ten. Wei­ter dann auf einen Park­platz, auf dem vier Dar­stel­ler sich als Opfer staat­li­cher Gewalt der jün­ge­ren Gegen­wart (Athen, Tune­si­en) und der ent­fern­te­ren Trie­rer Ver­gan­gen­heit (ein 1848 von der Poli­zei in Trier getö­te­te Revo­lu­tio­när) gaben und ihre Geschich­te erzähl­ten.

Der drit­te Akt: Der Auf­stand beginnt

Span­nend wur­de es direkt im Anschluss. Die Dar­stel­ler misch­ten sich unter die Zuschau­er-Spa­zier­gän­ger, drück­ten Dut­zen­den von ihnen Demo-Pla­ka­te mit der » Wei­ter­le­sen «

Die Baumol’sche “Kostenkrankheit” der Theater und der Ökonomismus

Juni 17th, 2013 § 2 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

In Istan­bul und Stutt­gart wer­den Park-Natur­oa­sen tap­fer ver­tei­digt – wäh­rend die Abhol­zung von thea­tra­len Kul­tur­oa­sen in Trier, Des­sau und anders­wo ver­gleichs­wei­se still über die Büh­ne gehen. Wäh­rend wir vor dem Fern­se­her hockend täg­lich Bil­der sehen, wie in Istan­bul Park­an­la­gen gegen den Zugriff des Staa­tes ver­tei­digt wer­den und die Zen­tral­macht in die Kri­se gerät, scheint in Deutsch­land die Fäl­lung der deut­schen Thea­ter­land­schaft weit­ge­hend unspek­ta­ku­lär abzu­lau­fen. Wird eine, auch nur als inner­städ­ti­sche Par­kin­sze­nie­rung vor­han­de­ne, Um- oder Lebens­welt ange­grif­fen, sind Bevöl­ke­run­gen – wie schon in Stutt­gart vor eini­gen Jah­ren – bereit auf die Bar­ri­ka­den zu gehen und die Macht dazu zu zwin­gen, sich zur Sicht­bar­keit zu ent­stel­len, Schlag­stö­cke, Trä­nen­gas, Was­ser­wer­fer ein­zu­set­zen. Hin­ge­gen sind Angrif­fe auf die gesell­schaft­li­che Mit­welt und ihre Insti­tu­tio­nen weit­ge­hend wider­stands- und pro­test­frei. Das Leben oder die Lebens­grund­la­ge von Men­schen ein­zu­schrän­ken mag hin­ge­hen – aber wehe, es geht Parks und Bäu­men an die Bor­ke. Wäre gele­akt wor­den, dass die USA ein welt­wei­tes Ent­lau­bungs­pro­jekt unter dem Namen Prism gestar­tet hät­te: Mil­lio­nen wären auf den Stra­ßen. Die Aus­spä­hung der welt­wei­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on – zieht nur eine iro­nisch-lar­mo­yan­te Melan­cho­lie nach sich. Oder fin­det gar Befür­wor­ter in bedeu­ten­dem Umfang (die sicher­lich anders reagier­ten, wäre bekannt gewor­den, dass deut­sche Finanz­äm­ter sämt­li­che Geld­strö­me und Kon­ten aus­spio­nier­ten … aber das ist ein ande­res The­ma.

In Trier, Sach­sen-Anhalt und anders­wo sind die Thea­ter­in­sti­tu­tio­nen in ihrer Exis­tenz bedroht. Dage­gen steht man ein biss­chen auf: Zeich­net Online-Peti­tio­nen (immer­hin ein erkleck­li­cher Teil der Trie­rer Bevöl­ke­rung „unter­schreibt“ gegen die dis­ku­tier­te Ver­stüm­me­lung oder Hin­rich­tung des dor­ti­gen Drei­spar­ten­hau­ses) oder ver­an­stal­tet Pro­test­ak­tio­nen (etwa in Des­sau und Eis­le­ben). Von bedeu­ten­den Pro­tes­ten, wie wei­land noch zur Schlie­ßung des Schil­ler­thea­ters, ist kaum zu reden. Umwelt­ver­tei­di­gung ruft die Men­schen auf die Stra­ße – Mit­welt­ver­tei­di­gung kaum.

Um es vor­weg zu sagen: ich bin mit den kon­kre­ten Ver­hält­nis­sen in Trier und Des­sau eben­so wenig ver­traut, wie mit denen in Istan­bul. Es sind für mich ledig­lich medi­al ver­mit­tel­te Vor­gän­ge. Aber das, was in den Medi­en zu fin­den ist und wie sich Medi­en dazu posi­tio­nie­ren, kann als Anhalts­punkt die­nen, um die fol­gen­de, ins All­ge­mei­ne gehen­de Stel­lung­nah­me zu ermög­li­chen.

An der Situa­ti­on, dem eher mau­en Wider­stand gegen Thea­ter­schlie­ßun­gen im Ver­gleich zu Park­ab­hol­zun­gen, sind die Thea­ter­leu­te selbst nicht unschul­dig. Dass an Thea­tern Pro­test­for­men genau in dem Augen­blick gefun­den wer­den, da es ans eige­ne Leder geht, wäh­rend alle ande­ren zer­stö­re­ri­schen Akte die schö­nen Spiel­plä­ne nicht wirk­lich aus der Bahn wer­fen, lässt den Ver­dacht eines jäm­mer­li­chen Ego­is­mus auf­kei­men. War­um soll­ten Hartz 4-Emp­fän­ger sich dafür ein­set­zen, dass Thea­ter am Leben gehal­ten wer­den – wo waren die Thea­ter, als den Hartz 4 Emp­fän­gern das Leben beschnit­ten wur­de? Wo waren damals die krea­ti­ven Wider­stands­for­men, mit denen jetzt der eige­ne Fort­be­stand gesi­chert wer­den soll? Wo ist der krea­ti­ve Wider­stand gegen Prism?

Dass die Bäu­me dage­gen sind, abge­holzt zu wer­den, ist kei­ne Über­ra­schung. Die Kunst besteht dar­in, die Men­schen gegen die Abhol­zung der Bäu­me und der Thea­ter auf den Plan zu rufen. Und zwar indem Thea­ter sei­ne eige­ne Funk­ti­on in der Gesell­schaft wie­der­ent­deckt – bevor es ihm selbst an die Bud­gets geht. Ein Thea­ter, das die „Ästhe­tik des Auf­stands“ (Leh­mann) erst ent­deckt, wenn es dar­um geht, die Macher zu ver­tei­di­gen, wird kei­ne Alli­an­zen und Ver­tei­di­ger von außer­halb fin­den, die mehr als ein müdes „Och, nö. Wär scha­de.“ als Pro­test arti­ku­lie­ren.

Aber das ist eigent­lich nicht das The­ma die­ses Pos­tings – und dann am Ende wie­der doch. Von den Bäu­men zu Bau­mol. Damit zu dem The­ma, war­um die Aus­ein­an­der­set­zung mit Öko­no­mie und Öko­no­mis­mus nicht halt machen kann beim Kampf um die eige­nen Thea­ter­etats. Und war­um ein akti­ver und krea­ti­ver Wider­stand gegen die Öko­no­mi­sie­rung der Lebens­ver­hält­nis­se zu spät kommt, wenn es erst um die Ver­tei­di­gung der eige­nen Bud­gets geht.

Das Kos­ten­di­lem­ma der „per­for­ming arts“.

Als ich am Wochen­en­de die leicht irr­sin­ni­ge Prä­sen­ta­ti­on der Unter­neh­mens­be­ra­tung ICG zur Zukunft des Trie­rer Thea­ters auf Twit­ter gesha­red habe (hier die Prä­se), bekam ich von @Fritz dan­kens­wer­ter­wei­se den Hin­weis auf eine Publi­ka­ti­on aus dem Jahr 1966: Wil­liam J. Bau­mol & Wil­liam G. Bowen: Per­for­ming Arts-The Eco­no­mic Dilem­ma: A Stu­dy of Pro­blems Com­mon to Thea­ter, Ope­ra, Music and Dance. Das Buch kos­tet anti­qua­risch lei­der über 8000 Euro – des­we­gen bin ich auf ande­re Quel­len ange­wie­sen. Etwa den von @Fritz geschick­ten Link zu James Heils­bruns Arti­kel Baumol’s Cost Disea­se (hier als PDF) und den knap­pen Wiki­pe­dia-Ein­trag zur „Baumol’schen Kos­ten­krank­heit“ hier.

Bau­mols und Bowens Aus­füh­run­gen sind von enor­mer Bri­sanz, da sie zei­gen, dass kon­ti­nu­ier­li­che Kos­ten­stei­ge­run­gen an Thea­tern kein Pro­blem ist, dem man wirk­lich begeg­nen könn­te, son­dern (und ich benut­ze die­sen Begriff für öko­no­mi­sche Zusam­men­hän­ge nur sehr ungern, hal­te ihn hier aber » Wei­ter­le­sen «

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