Bild(ende Kunst) in der Netzgesellschaft — Von der Documenta zur unDocumenta

August 4th, 2011 Kommentare deaktiviert für Bild(ende Kunst) in der Netzgesellschaft — Von der Documenta zur unDocumenta Autor: Ulf Schmidt

Um den sich wan­deln­den Umgang der (ehe­ma­li­gen) Rezi­pi­en­ten mit Kunst­wer­ken, die Ver­schie­bung vom Kunst-Kon­su­men­ten hin zum Pro­sue­men­ten lebens­welt­lich zu exem­pli­fi­zie­ren, hat­te ich mei­nem kur­zen Kom­men­tar­wech­sel mit Dirk Baecker noch Fol­gen­des hin­zu­ge­fügt:

Viel­leicht als anek­do­ti­sche Ergän­zung dazu eine Beob­ach­tung bei der letz­ten Docu­men­ta: Waren zuvor Besu­cher auf­ge­for­dert, sich kon­tem­pla­tiv oder mit ande­ren Besu­chern dis­kur­siv zu den Wer­ken zu ver­hal­ten, so ließ sich bei der letz­ten Docu­men­ta (sic!) beob­ach­ten, dass die Besu­cher kei­nes­falls mehr pas­siv vor den Wer­ken ver­harr­ten, son­dern mit­hil­fe von Han­dy und Digi­tal­ka­me­ras Bil­der von Bil­dern und Objek­ten mach­ten, die sie in der Fol­ge viel­leicht nicht zu indi­vi­dua­li­sier­ten Docu­men­tas im Netz mach­ten, aber doch zu ihren je eige­nen Aus­stel­lun­gen und Kunst­samm­lun­gen. Als han­de­le es sich um musi­ka­li­sche und fil­mi­sche „Raub­ko­pi­en“ wer­den die Besu­cher zu „Urhe­bern“ von Kunst-Mesh-Ups, die sich hin­ter­her auf flickr, bei der nächs­ten Docu­men­ta ver­mut­lich auf Face­book, G+ und wo auch immer fin­den, gesha­red, kom­men­tiert und gelik­ed wer­den. Das Publi­kum tritt damit (zum gro­ßen Unbe­ha­gen eines Anhän­gers der alten Kul­tur­tech­nik der Betrach­tung von Kunst­wer­ken) damit in einen Zwi­schen­raum ein zwi­schen Kunst­werk­pro­du­zen­ten und Kunst­werkre­zi­pi­en­ten. Sind die­se Fotos Kunst? Doku­men­tie­ren sie Kunst? Doku­men­tie­ren sie die Anwe­sen­heit des Rezi­pi­en­ten auf der Docu­men­ta? Wird das Netz zu einer Docu­men­ta 2.0? Mir gelingt dar­auf noch kei­ne siche­re Ant­wort.

Kul­tur­in­dus­trie unter (Nach-)druck

Die­ses Foto­gra­fen-Sze­na­rio nun ging mir nicht mehr aus dem Kopf, weil sich hier m.E. Span­nen­des beob­ach­ten lässt. Musik-, Film und Druck­in­dus­trie sind bereits seit  den letz­ten Jahr­zehn­ten des 20. Jahr­hun­derts an den Umgang mit Kopi­en gewohnt. Seit Ton­band, Musi­cas­set­te, iPod, seit VHS und Foto­ko­pie­rer ist das Pro­blem der tech­ni­schen Kopier­bar­keit des Kunst­werks viru­lent. Wirt­schaft­li­che Ein­bu­ßen und der Ver­such sie zumin­dest teil­wei­se durch GEMA, VG Wort usw. zu kom­pen­sie­ren inklu­si­ve.

Ton ohne knap­pe und ver­kauf­ba­re Ton­trä­ger

Mit der kon­se­quen­ten Digi­ta­li­sie­rung und Ver­net­zung sind die­se „Krea­tiv­in­dus­tri­en“ einer­seits in wei­te­re Schwie­rig­kei­ten gera­ten, weil die sich abzeich­nen­de Ablö­sung der Inhal­te von ihrer Bin­dung an phy­si­sche Trä­ger­me­di­en (Buch, DVD, Ton­trä­ger) und die damit ein­her­ge­hen­de undendli­che Ver­viel­fäl­ti­gung, die gar kei­ne Ver­viel­fäl­ti­gung ist, weil jeder mit jedem die „Ori­gi­nal­da­tei“ tauscht und sie dabei zugleich behält. Wer einem ande­ren ein Buch lieh, hat­te das Buch nicht mehr. Wer einem ande­ren eine Film­da­tei gibt, behält sie selbst. Das hebelt das Gesetz der öko­no­mi­schen Knapp­heit aus.

Die Ver­göt­te­rung des Ori­gi­nals

Zum Leit­sym­bol öko­no­mi­scher Knapp­heit aller­dings wur­de durch den Kunst­markt des 20. Jahr­hun­derts das Werk der bil­den­den Kunst. Simp­les Kopie­ren oder Ver­viel­fäl­ti­gen war aus­ge­schlos­sen. Die weni­gen Ein­zel­fäl­le von „Fäl­schun­gen“ sind Legen­de. Nun tut sich aber in die­sem Sek­tor Ent­schei­den­des, das ver­mut­lich weit über die blo­ßen Ver­viel­fäl­ti­gungs­phä­no­me­ne der ande­ren Küns­te hin­aus­geht.

Das Foto: Kopie? Ver­viel­fäl­ti­gung? Krea­ti­on?

Das Pho­to eines Bil­des, einer Skulp­tur, das Video einer Per­for­mance „ist“ nicht das Ori­gi­nal – im Gegen­satz zu einer Musik- oder Film­da­tei oder zum e-Book. Es ist auch nicht ein­fach eine Kopie, wie die Foto­ko­pie eines Buches. Und zwar aus drei Grün­den.

1. Das Pho­to als Kunst

Man müss­te den Akt des Foto­gra­fie­rens schlecht­hin als Kopie­ren der Welt (miss)verstehen, um auf die Idee zu kom­men, ein Foto kopie­re ein Kunst­werk. Bei Plas­tik und Per­for­mance käme man auf­grund des Ver­lusts der Raum- und Kör­per­di­men­si­on schon nicht auf die Idee bei­de mit­ein­an­der zu ver­wech­seln. Das abfo­to­gra­fier­te Bild könn­te man viel­leicht auf­grund der zwei­di­men­sio­nal abge­bil­de­ten Zwei­di­men­sio­na­li­tät für einen Moment damit ver­wech­seln. Und wird doch sofort auf die „Rand­be­din­gun­gen“ gewor­fen, Beleuch­tung, Stand­ort, ande­re Besu­cher, Ein­stel­lun­gen der Kame­ra, die es aus­schlie­ßen, eine tat­säch­li­che Kopie zu machen, die auch nur von wei­tem mit dem Ori­gi­nal zu ver­wech­seln wäre. Foto­gra­fie könn­te nicht Kunst sein, wenn die Rah­men­be­din­gun­gen des Foto­gra­fie­rens nicht so beein­fluss­bar wären bzw. das Ergeb­nis nicht in der Art beein­flus­sen wür­den. Zugleich kann dadurch Foto­gra­fie­ren auch nicht mehr kei­ne Kunst sein, denn jeder Foto­graf, auch der tap­pigs­te Knip­ser, muss sich mit die­sen „Rand­be­din­gun­gen“ aus­ein­an­der­set­zen, sich zu ihnen ver­hal­ten, Aus­wah­len aus der Mög­lich­kei­ten tref­fen. Und ist damit einem künst­le­ri­schen Pro­zess.

2. Das Foto als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel

Die gegen­wär­tig zu beob­ach­ten­de quan­ti­ta­ti­ve Explo­si­on der Foto­gra­fie hängt damit zusam­men, dass Fotos zu einem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel der Mas­se wird. Und zwar zu einem 1:1-Kommunikationsmittel. Fotos wer­den in Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zu­sam­men­hän­gen ein­ge­setzt – als MMS, als Face­book Upload, als Twit­pic, Instagr.am, G+ Instant Upload usw., das gesha­red, geplust, gelik­ed, ret­wee­tet, gefor­war­ded wer­den kann. Schon dar­in zeigt sich der tief­grei­fen­de kul­tu­rel­le Bruch der Netz­ge­sell­schaft: Wann in der Mensch­heits­ge­schich­te hät­te Jeder­mann in die­ser Echt­zeit­ge­schwin­dig­keit mit ört­lich nahen oder ent­fern­ten „Freun­den“ kom­mu­ni­zie­ren kön­nen, indem er ein Bild ver­wen­de­te? Wann konn­ten Men­schen in die­ser Form, d.h. so ein­fach wie  oder ein­fa­cher sogar als mit gespro­che­nen oder geschrie­be­nen Wor­ten kom­mu­ni­zie­ren kön­nen? Jeden Tag wer­den auf Face­book 100 Mil­lio­nen Bil­der hoch­ge­la­den – in den kom­mu­ni­ka­ti­ven News­stream, der Freun­de mit Freun­den ver­bin­det. Und der zugleich das Bild als kom­mu­ni­ka­ti­ven Akt der Per­son XY mar­kiert.

3. Das Foto zwi­schen Objekt und Sub­jekt

Die Kopi­en im Bereich der Musik, des Films, der Bücher hat­ten weit­ge­hend kei­nen „sub­jek­ti­ven“ Gehalt des Kopis­ten. Im Gegen­teil: Das war ja nicht das Ziel der Kopie. Erst in der Erstel­lung von Biblio- und Media­the­ken, von Lese- und Play­lis­ten stell­te sich eine Mög­lich­keit der Ver­wirk­li­chung des „Kon­su­men­ten“ ein. Und mit der Mög­lich­keit, die­se zu ver­öf­fent­li­chen und zu sha­ren (etwa via iTu­nes) wird die Indi­vi­dua­li­tät der Lis­ten­er­stel­ler ein Stück weit greif­bar. Nicht mehr stel­len Plat­ten­la­bels zusam­men, was zusam­men gehört (wer­den muss), son­dern die „Kon­su­men­ten“ wer­den zu Re-Mixern von Alben als „Ord­nern“ oder „Wie­der­ga­be­lis­ten“. Das lässt sich natür­lich wei­ter fort­füh­ren. Denn auf jedem rech­ner las­sen sich Musik-, Film-, Text­da­tei­en ein­fachst bear­bei­ten. Krea­ti­ver Umgang mit dem gefun­de­nen Film-, Musik-, Text­ma­te­ri­al gehört zu den wich­tigs­ten Bestand­tei­lend er soge­nann­ten Pop-Kul­tur. Und selbst eine Cau­sa Gut­ten­berg ver­weist noch auf die­se Remix-Kul­tur.

Docu­men­ta re-mixed

Im Bereich der Bil­den­den Kunst – und damit end­lich zurück zur Docu­men­ta – ist noch nicht ein­mal der bewuss­te Remix von­nö­ten. Viel­mehr ergibt sich durch die Ver­mi­schung von Foto­gra­fi­en, die in der Aus­stel­lung auf­ge­nom­men wer­den und sol­chen, die viel­leicht das Mit­tag­essen oder die Anrei­se „doku­men­tie­ren“, durch die Ver­mi­schung des Fotos mit all den ande­ren Inhal­ten auf der Face­book-Wall eine Form von Mix­tur, die zunächst die Ver­wei­sung des Foto­gra­fen auf die Funk­ti­on des Kon­su­men­ten über­steigt. Der Foto­ma­cher erstellt ein Foto­set, in dem sich Bil­der sei­nes „Lebens“ mit Bil­dern von Kunst­wer­ken ver­we­ben. Das foto­gra­fier­te Kunst­werk wird einer­seits als „mei­ne foto­gra­fi­sche Erin­ne­rung“ durch den Foto­gra­fen selek­tiert und ange­eig­net – zugleich wer­den sei­ne wei­te­ren Bil­der viel­leicht nicht zu Docu­men­ta-wür­di­gen Kunst­wer­ken, aber doch zu Spu­ren­ele­men­ten sei­nes Selbst. Von Otto Nor­mal­be­su­cher aus­ge­wähl­te Kunst­wer­ke ver­mi­schen sich mit Otto Nor­mal­bür­gers Welt­bild. Der Ein­topf im Fri­de­ri­cia­num und das unter­be­lich­te­te Foto eines Kie­fer-Bil­des fin­den sich im sel­ben Bil­der-Set. Die Docu­men­ta wird eben­so doku­men­tiert wie der Besuch des Besu­chers auf der Docu­men­ta. Die Kunst­wer­ke wer­den zum Teil einer per­sön­li­chen, indi­vi­du­el­len Rei­se – zugleich wird die­se Rei­se zu einer Kunst­rei­se.

Pic­tures are con­ver­sa­ti­ons

Und die Bestand­tei­le die­ser Kunst­rei­se wer­den auf den Face­book-Walls oder den Goog­le+ Streams zu Tei­len eines Gesprächs, tref­fen dort auf ande­re Bil­der-Streams von ande­ren Docu­men­ta-Rei­sen­den.

Vom päpst­li­chen Exper­ten zu Prosumen­ten

Die­se Form der Aus­ein­an­der­set­zung mit bil­den­der Kunst ist neu. Die mit­ge­nom­me­nen Fotos erset­zen den Kata­log, der Prosument ersetzt ein­mal mehr den „Exper­ten“, der mög­lichst „objek­ti­ve“ Repro­duk­tio­nen im Kata­log mit mög­lichst „gül­ti­gen“ Inter­pre­ta­tio­nen ver­se­hen und ver­kau­fen will. Die „Wer­ke“ wer­den, ohne kopiert zu wer­den, in einen Strom aus Kom­mu­ni­ka­ti­on gezo­gen, dem sie sich nur ent­zie­hen kön­nen, wenn sie sich maxi­mal dumm anstel­len: Indem sie das Foto­gra­fie­ren ver­bie­ten.

Wie wird die Docu­men­ta re(a)gieren?

Ich bin gespannt dar­auf ob und wie die nächs­te Docu­men­ta auf die­ses geän­der­te Ver­ständ­nis reagie­ren wird, wie und ob sie das Prosumen­ten­tum in die Aus­stel­lung ein­be­zieht. Ich fürch­te ja, das das ver­schla­fen wird. Oder doch nicht? Das sim­pelst Denk­ba­re (naja – wobei nicht ein­mal viel Den­ken dafür nötig ist) wäre, ent­we­der per eige­ner (flickr) Platt­form oder durch Web­craw­ling (viel­leicht über die EXIF-Daten der Bil­der) ein­fach nur alle Bil­der, die von jedem ein­zel­nen Kunst­werk gemacht wur­den, in eine Über­sicht zusam­men zu zie­hen. Tau­send­mal das „sel­be“ Werk in Fotos. Kei­ne Ahnung ob nur mei­ne Phan­ta­sie es span­nend fin­det, die Dif­fe­ren­zen zwi­schen den „objek­ti­ven“ Fotos, den Licht­stim­mun­gen, Ver­wack­lun­gen, Leu­ten im Bild, Spie­ge­lun­gen, Auf­nah­me­win­keln, gerä­te­ei­ge­nen Far­b­ei­gen­schaf­ten usw. zu sehen. Und wenn man dann anfängt nach­zu­den­ken – lässt sich im Netz eine unDo­cu­men­ta viel­leicht bil­den, die der Neu­ig­keit mit Neu­gier und eige­ner Neue­rung begeg­net. Geht da was?

War­um nicht ein­fach mal spin­nen?

Eben­so – ich erlau­be mir, ein wenig zu spin­nen – lie­ßen sich die grau­en­vol­len Audio­gui­des (beim letz­ten Mal iPods) erset­zen durch Smart­pho­nes, die zwar über eine vor­in­stal­lier­te App, die auf QR codes reagiert, die an den Wer­ken ange­bracht sind (oder die Wer­ke per pat­tern reco­gni­ti­on erkennt), und dann die jeweils gewünsch­ten Erklä­run­gen abdu­delt. Zugleich könn­te das Pho­ne aber zu einem Moti­on Tracking benutzt wer­den und indi­vi­du­el­le Wege nach­zeich­nen, auf einer Gesamt­über­sicht aus­ge­ben, Fotos hin­ein ver­lin­ken und ins­ge­samt im Web abruf­bar sein. Besu­cher könn­ten – ich höre die Schmer­zens­schreie schon jetzt — ein­zel­ne Wer­ke „liken“ oder ein­fach nur pho­to­grap­hei­ren und dann auf der aus­stel­lungs­ei­ge­nen Platt­form über die vor­in­stal­lier­te Upload-Funk­ti­on auto­ma­tisch live stel­len und zugleich – indem die Nut­zung des Phons die Indi­vi­dua­li­sie­rung per FB- oder G+-Login ermög­licht, sofort mit ihren Freun­den sha­ren. Oh graus, oh Graus? Who knows, who knows?

Kura­tio neces­se est?

Die Docu­men­ta selbst ist kei­ne Schau von Wer­ken – sie war und ist sel­ber Kunst­werk eines sich Kura­tor nen­nen­den Groß­in­qui­si­tors, der die Welt bereist auf der Suche nach Doku­ment­wür­di­gem. Die Docu­men­ta war immer schon Exper­ten-Mesh-Up und Werk-Remix, Bil­der- und Skulp­tu­ren Play­list. Das macht die­se neue Ent­wick­lung der pho­to­gra­fi­schen Mesh-Ups und Eigen-Kura­tio­nen durch Beu­scher so span­nend. Der Groß­ku­ra­tor hängt ein Ange­bot – aber die vie­len kura­tie­ren­den Prosumer machen sich ihre eige­ne Docu­men­ta, die sie pho­to­gra­phisch „doku­men­tie­ren“. Die­ses Mal könn­te das wie oben gesagt als Do-it-yours­elf-cumen­ta funk­tio­nie­ren. Wer aber sagt, dass die nächs­te Docu­men­ta nicht als You­Co­men­ta kom­plett user gene­ra­ted ist ? Und Kas­sel nur noch die realt­welt­li­che Basis einer Kunst­be­we­gung, die welt­weit im Netz mit­ein­an­der statt­fin­det. Das hat mit Macht­ver­schie­bun­gen zu tun, das soll­te damit deut­lich genug gewor­den sein. Es macht nicht jeden Dub­bel direkt zum Künst­ler im empha­ti­schen Sin­ne. Noch immer wer­den die „Wer­ke“ im Mit­tel­punkt ste­hen, frei­ge­ge­ben zu einer krea­ti­ven Aneig­nung. Die Künst­ler wer­den zu Hono­ra­ti­ern, die Besu­cher zu Kura­ti­ern. Und die­ses mal muss es nicht unbe­dingt zu einem töd­li­chen Kampf zwi­schen bei­den kom­men. Nur der alk­te Groß­ku­ra­tor muss viel­leicht ein Stück weit sei­ne Ambi­tio­nen ein­schrän­ken. Aber war­um soll­te es ihm da anders gehen, als der Bahn in Stutt­gart, Muba­rak in Ägyp­ten oder dem Repro-Gra­fen Gut­ten­berg. Das ist durch­aus ver­gleich­bar dem Macht­ver­lust, den die katho­li­sche Kir­che durch die Erfin­dung des Buch­drucks erleb­te. Nun­mehr haben die „Pro­fes­sio­nals“ nicht mehr den Allein­ver­kün­dungs­an­spruch. Wenn jeder die Bibel in die Hän­de bekom­men und (Lesen­fä­hig­keit vor­aus­ge­setzt) lesen kann – dann muss sich der Pries­ter warm anzie­hen. Sein Wot ist nicht mehr Wahr­heit, son­dern Mei­nung. Her­aus­ge­ho­be­ne Mei­nung noch immer – aber kein Anspruch auf Abso­lut­heit.

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