Appell und Verantwortung. Oder: Sind Surfer Subjekte?

April 11th, 2011 § 7 comments Autor: Ulf Schmidt

Im Zeit­al­ter des Net­zes wird die Fra­ge nach dem Sub­jekt neu gestellt. Sie muss neu gestellt wer­den, da die tra­di­tio­nel­len Bestim­mun­gen von Sub­jek­ti­vi­tät nicht mehr hin­rei­chend zu sein schei­nen, um den poly­morph per­ver­sen Sur­fer oder User zu fas­sen. Gemes­sen am Begriff des Sub­jekts ist der Sur­fer eine viel­ge­stal­tig gal­lert­ar­ti­ge Mas­se an Kom­mu­ni­ka­ti­on, die sich bald hier­hin, bald dort­hin ver­brei­tet, kle­ben bleibt und selbst zu einem Netz im Gesamt­netz gerinnt, bestehend aus den hin­ter­las­se­nen Spu­ren. Ob dahin­ter eine Iden­ti­tät, Kon­stanz, Auto­no­mie liegt? Ob über­haupt ein ein­heit­li­cher Flucht­punkt hin­ter die­sen protei­schen Viel­ge­stal­ten liegt? Ob sich von einer Viel­heit im Sin­ne einer mul­ti­pli­zier­ten und mul­ti­plen Ein­heit spre­chen lässt – oder von einer Unbe­stimmt­heit in sich, einem zeit­li­chen, räum­li­chen, kon­tex­tu­el­len Flui­dum, das sich in Sekun­den­schnel­le ver­än­dert. Das alles ist kei­ne post­mo­der­ne Fei­er eines post­sub­jek­ti­ven Zeit­al­ters – denn der his­to­ri­sche Rück­gang (mit durch­aus bewuss­ter Ver­knap­pung) kommt an einem Punkt an, der zeigt, wie wich­tig ein Begriff des Sub­jekts ist (auch wenn es viel­leicht zukünf­tig einen ande­ren Namen füh­ren muss).

Das Sub­jekt – Natu­ral Born Fic­tion

Das Sub­jekt war immer schon eine Fik­ti­on. Was kein Ein­wand ist. Es macht ledig­lich Sinn, das nicht zu ver­ges­sen, wenn dage­gen ange­rannt wird. Es ist schier unmög­lich, gegen Fik­tio­nen zu kämp­fen. Gespens­ter las­sen sich nicht dekon­stru­ie­ren. Zunächst weil sie von Anfang an kon­stru­iert sind und jede Dekon­struk­ti­on nur fest­stel­len kann, dass hier eine Kon­struk­ti­on vor­liegt. Was von wenig Erkennt­nis­ge­winn ist. Zudem weil jeder erneu­te Kampf gegen das Gespenst ihm nur neue Kraft ver­leiht. So ist der Ent­zug der Meta­phy­sik, den die Dekon­struk­ti­on bewerk­stel­li­gen woll­te, gründ­lich dar­an geschei­tert, dass sich die­se Hirn­ge­spens­ter schlicht nicht bekämp­fen las­sen. Es war der groß­ar­ti­ge Trick Pla­tons, das Gespenst des Sokra­tes die Meta­phy­sik begrün­den zu las­sen. Und die­sen Sokra­tes wird man so wenig los, wie die Meta­phy­sik selbst.

Den­noch ist natür­lich eine jede meta­phy­si­sche Grö­ße zunächst unbe­stimmt. Und so lässt sich treff­lich jahr­hun­der­te­lang dar­über spe­ku­lie­ren, was denn eine Idee sei, ein Sein, ein Sub­jekt. Die Gespens­ter sind blut­los, leer und unbe­stimmt und war­ten auf Bestim­mung. So wie die Rol­len des Thea­ter­tex­tes, die ihrer „Inter­pre­ta­ti­on“ ent­ge­gen zu har­ren schei­nen.

Das Sub­jekt ist das Gegen­stück zum „Ding an sich“, so wie die unsterb­li­che psy­chê Pla­tons das Gegen­stück zu den ewi­gen Ide­en war. Eine Monu­men­ta­li­sie­rung, Still­stel­lung, Ent­flüch­ti­gung. Aller­dings auf­grund einer Hypo-The­se im wahrs­ten Sin­ne. Einer Unter-Stel­lung. Die­se sta­ti­schen Enti­tä­ten wur­den onto­lo­gisch dem Fluss des Onti­schen unter­scho­ben, ein Sein dem Sei­en­den zugrun­de­ge­legt. Und Thea­ter haben einen wesent­li­chen Anteil an der Ent­ste­hung des Sub­jekts – denn im Mono­log, im öffent­lich dar­ge­stell­ten Gespräch des Den­kens oder Gewis­sens mit sich selbst ent­steht erst das Bild, das Fik­tum des Sub­jekts.

Erst mit Nietz­sches wüten­den Angrif­fen und mit Hei­deg­gers Eng­füh­rung des Seins mit dem Sei­en­den im Begriff des Da-Seins wur­de die­se Unter-Stel­lung re-inte­griert. Man bedurf­te die­ser ursprüng­li­che Unter­stel­lung zu genau dem Zeit­punkt, da die Phi­lo­so­phie schrift­lich wur­de, da also die Ent-Flüch­ti­gung durch Schrift statt­fand, die Still­stel­lung des Flie­ßens im Fluss. Des Sei­en­den im Sein. Die Erstel­lung text­li­cher Doku­men­te fällt nicht zufäl­lig in eins mit der spe­zi­el­len Form der abend­län­di­schen Meta­phy­sik. Und sie wird sich ver­än­dern, wenn das Uni­ver­sum der Monu­men­te von dem der Per­for­ma­te abge­löst wer­den wird. Wobei das Per­for­mat ver­gli­chen mit dem Doku­ment und Monu­ment älter ist. Wie das Flie­ßen vor dem Fluss kommt, wie der Wech­sel der Zei­ten vor der Zeit kommt. Das Ent­ste­hen von Monu­men­ten und Doku­men­ten folgt Gene­rie­rungs­al­go­rith­men, die genau fest­le­gen, nach wel­chen Geset­zen die­se Arte­fak­te zu funk­tio­nie­ren haben. Linea­ri­tät, Logik, Fol­ge­rich­tig­keit, Geschlos­sen­heit usw. Zudem hat der Ver­fas­ser sol­cher Arte­fak­te bestimm­te Akzi­den­tia zu erfül­len. Er muss „Wis­sen­schaft­ler“ sein, „Jour­na­list“, „Notar“, „Poli­zist“, „Beam­ter usw.

Erzie­hung zum Sub­jekt

Die durch Mach­dis­po­si­ti­ve gere­gel­te Algo­rith­mik der Sub­jekt­wer­dung schuf sich die ent­spre­chen­den Insti­tu­tio­nen. Die Schu­le. Die Uni­ver­si­tät. Aus­bil­dungs­stät­ten vie­ler Art. Hier wur­de der Appel zum Geburts­ort des Sub­jek­tes. Der Ein­zel­ne zeig­te sich im Ver­hält­nis zum Dis­po­si­tiv als auf jeweils eige­ne Wei­se mehr oder weni­ger geeig­net. Die Noten­ver­tei­lung und Prü­fung hat­te des­we­gen nie­mals nur den Zweck zu über­prü­fen, wie­weit der Ein­zel­ne das Gesamt­dis­po­si­tiv ver­in­ner­lich hat­te. Son­dern es ließ auch in der Abwei­chung von der Best­no­te den Hin­weis auf das Sub­jekt ent­ste­hen. Je schlech­ter die Note – des­to höher der Grad der Sub­jek­ti­vi­tät des Sub­jek­tes. Die Delin­quenz – mit Fou­cault – ist die eigent­li­che Ent­ste­hungs­di­men­si­on des Sub­jek­tes. Die „Stre­ber“ und Eins­er­schü­ler waren als voll­stän­di­ge Klein­aus­ga­ben des Dis­po­si­tivs schon immer asub­jek­tiv.

Der Appell ans Sub­jekt

Sub­jekt und Feh­ler sind in ihrem Ursprung untrenn­bar ver­wo­ben. Der mensch­li­che Sün­der der Kir­che, der zu bereu­en hat­te um ins Him­mel­reich zu kom­men, fin­det sich im Untä­ter wie­der. Im „kri­mi­nel­len Sub­jekt“. Und ich fin­de lei­der nicht mehr Autor(Subjekt) und Werk(dokument), in dem es hieß, die Fol­ter­kam­mern der Inqui­si­ti­on sei­en die Geburts­or­te der moder­nen Sub­jek­ti­vi­tät gewe­sen. Inhalt­lich trifft die­se Bemer­kung aber ins Schwar­ze – auch wenn es eine düs­te­re Geburts­sze­ne ist.

Das böse Sub­jekt

War zuvor der Pro­zess auf das Got­tes­ur­teil oder ähn­li­che, den Untä­ter nicht invol­vie­ren­de Pro­ze­du­ren gegrün­det – so schrei­tet die Inqui­si­ti­on vor­an zum Geständ­nis. Von der Aus­sa­ge des Delin­quen­ten hängt sei­ne Ver­ur­tei­lung ab.  Er wird befragt – zumeist auf bekannt wider­wär­ti­ge Art und Wei­se. Nur indem er sich indi­vi­du­ell zu sei­ner indi­vi­du­el­len Tat bekennt kann er ver­ur­teilt wer­den. Er hat sich zu ver­ant­wor­ten – und aus die­ser Ver­ant­wor­tung her­aus erfolgt der Appell an das Sub­jekt. Des­sen Schwä­che aber eben dar­in liegt, dass das Sub­jekt aus frei­er Ent­schei­dung zur Tat aus­sa­gen kann. Er ist eben kein Wahr­heits­au­to­mat, der nicht anders kann als zu geste­hen, wenn er tat, als zu leug­nen, wenn er nicht tat. Die Fol­ter erkennt die sub­jek­ti­ve Ent­schei­dung des Ein­zel­nen auf grau­sa­me Wei­se an. Es räumt ein, dass das Sub­jekt frei ist in der Ent­schei­dung über eine Aus­sa­ge – und ver­sucht durch die fol­tern­de De-Sub­jek­ti­vie­rung zurück­zu­ho­len, was doch gera­de aus der Fla­sche gelas­sen wur­de. Das Gespenst des Sub­jek­tes. „Ver­ant­wor­te dich“ ist der ursprüng­li­che Auf­ruf an das aus der Delin­quenz ent­sprin­gen­de Sub­jekt. Die Schwie­rig­kei­ten, die eine Kir­che mit die­ser Sub­jek­ti­vi­tät hat­te, zeigt sich in der abundan­ten Libe­ro Arbi­trio und der Prä­de­sti­na­ti­ons­de­bat­te. Ist das Sub­jekt frei einen frei­en Wil­len frei aus­zu­üben? Und wie ver­hält sich das zur gött­li­chen Ein­rich­tung der Welt? Das Sub­jekt kommt zunächst vor als der­je­ni­ge, der Unta­ten begeht und am Ende den­noch nicht um Ver­ge­bung bit­tet, son­dern „Non“ ant­wor­tet. Etwa in der Figur des Don Gio­van­ni, der auf die Auf­for­de­rung des Kom­tur „Pen­ti­ti“ nur „No!“ brül­len kann. Ich bereue nicht. Der durch das Nicht-Bereu­en die Ver­ant­wor­tung als Sub­jekt über­nimmt – und als sol­ches zur kirch­li­chen Höl­le fährt.

Das Sub­jekt als Ver­ant­wor­tung

Die Kon­fron­ta­ti­on mit der Ver­ant­wor­tung ist der Auf­ruf, Sub­jekt zu wer­den. Noch Kants kate­go­ri­scher Impe­ra­tiv: „Hand­le nur nach der­je­ni­gen Maxi­me, durch die du zugleich wol­len kannst, dass sie ein all­ge­mei­nes Gesetz wer­de“ ver­eint in sich den Appell, die Auf­for­de­rung zur Refle­xi­on, die zwar vor­der­grün­dig „das all­ge­mei­ne“ Gesetz auf­ruft, damit aber zugleich den Ein­zel­nen, der sich dem Appell stellt, eben zum ein­zel­nen Sub­jekt macht und die­ses zum Abgleich mit dem All­ge­mei­nen auf­for­dert. Der Wil­le des Ein­zel­nen, begrün­det in der Refle­xi­on auf das All­ge­mei­ne, soll zur Quel­le der Sub­jek­ti­vi­tät nicht nur im Bösen, sod­nern auch im Guten wer­den. Denn nach die­sem Impe­ra­tiv ist eine jede Hand­lung eine im empha­ti­schen Sin­ne Sub­jek­ti­ve. Es gibt das all­ge­mei­ne Gesetz nicht, das den Ein­zel­nen davor schüt­zen könn­te, Sub­jekt wer­den zu müs­sen und sich ggf. für die Ent­schei­dung zu ver­ant­wor­ten. Auch für die Ent­schei­dung zum Guten bzw. zu etwas, das ein wün­schens­wer­tes all­ge­mei­nes Gesetz ist, muss sich das Sub­jekt ver­ant­wor­ten kön­nen.  Das Sub­jekt ist das Ergeb­nis die­ses Appells zuzr Ver­ant­wor­tung. Ob er durch die pein­li­che Befra­gung des Inqui­si­tors oder durch den inter­na­li­sier­ten Inqui­si­tor des „Gewis­sens“ voll­zo­gen wird – ist dabei unwich­tig.

Sub­jekt und Appell

Das Sub­jekt ent­steht aus dem Appell an die Sub­jek­ti­vi­tät. Das heißt: aus einem von außen her­an­ge­tra­ge­nen oder durch Selbst­re­fle­xi­on geschaf­fe­nen Auf­ruf zur Iden­ti­tät, Kon­stanz, Wie­der­erkenn­bar­keit, Bere­chen­bar­keit. Und zugleich zur Frei­heit – womit nicht etwa gemeint ist, sich frei aus­zu­le­ben. Son­dern: Die Ver­ant­wor­tung für alles, was dem nun­mehr als Sub­jekt den ihm zure­chen­ba­ren Hand­lun­gen fol­gen­den Kon­se­quen­zen, zu über­neh­men. Die Unter­stel­lung der Frei­heit heißt: Ich unter­stel­le dir, dass du das, was du tatest aus frei­er Ent­schei­dung tatest, dass du also Sub­jekt bist und dem­entspre­chend die Ver­ant­wor­tung für die Kon­se­quen­zen zu über­neh­men hast.

Das Sub­jekt im „rechts­frei­en Raum“

Ger­ne wird über das Inter­net geschrie­ben, es sei ein oder kein rechts­frei­er Raum. Das ist so blöd­sin­nig wie nur etwas – aber es kaschiert Ande­res, Inter­es­san­te­res. Denn es ver­sucht auf unbe­hol­fe­ne Wei­se zu for­mu­lie­ren, dass der Sur­fer ver­ant­wort­lich ist, also Sub­jekt zu sein hat. Die poly­morph per­ver­se Mas­se, von der am Anfang die Rede war und als die sich das Netz in gan­zer Frei­heit dar­zu­stel­len scheint (alles tun und sagen zu kön­nen, ohne dafür per­sön­lich zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen zu wer­den) wird mit dem Fak­tum der Ver­ant­wor­tung zum Sub­jekt kon­ver­tiert. Die­se Sub­jekt­stel­len zei­gen sich in letz­ter Zeit zuneh­mend als die Irri­ta­ti­on des sub­jekt­lo­sen Net­zes. In Form von Abmah­nun­gen, Kla­gen gegen Raub­ko­pie­rer, Dro­hung der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, aber auch in ein­fa­chen Din­gen wie Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­brü­chen, Bruch von Ver­trau­lich­kei­ten und ande­rem. Die Behaup­tung, das Inter­net sei kein rechts­frei­er Raum heißt also: der Sur­fer sei noch immer Sub­jekt. Und er habe sich ent­spre­chend als Sub­jekt zu ent­wer­fen und zu ver­hal­ten. Die erwa­chen­de Debat­te um Ethi­ken und Moral des Net­zes lau­fen dar­auf hin­aus. Aus dem Sur­fer ein Eido­lon zu machen, das wie­der­um als Pflicht­vor­bild für alle Sur­fer zu die­nen hat.

Das ent­flüch­tig­te Sub­jekt

Die Form der Sub­jek­ti­vie­rung im Netz ist die Fol­ge der poly­morph per­ver­sen Frei­heit. Der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv des Sur­fers wird lau­ten: Tei­le mit dem Netz nur Mate­ri­al der Art von dem du wol­len kannst, dass es der All­ge­mein­heit in Ewig­keit zugäng­lich sein wer­de. Nicht mehr Maxi­me und all­ge­mei­nes Gesetz sind die hypo­the­ti­schen Hal­te­punk­te der gegen­über das Sub­jekt sich gegen­über sich selbst zu ver­ant­wor­ten hat. Son­dern die Daten­spei­che­rung und all­ge­mei­ne und unbe­grenz­te Ver­füg­bar­keit die­ser Daten ist es, die das Sub­jekt her­aus­for­dern, Sub­jekt zu wer­den.

Das ent­mün­dig­te Sub­jekt

Nun ist aller­dings der Sur­fer nicht nur als Akteur, son­dern auch als Objekt im Netz zu fin­den. Heißt: Als Gesprächs­ge­gen­stand. Die schein­ba­re Sou­ve­rä­ni­tät der infor­ma­tio­nel­len Selbst­be­stim­mung zeigt sich schnell als Schi­mä­re. Je mehr Auf­merk­sam­keit einem gilt, des­to gerin­ger wird die Mög­lich­keit, als Sub­jekt noch Macht über sich selbst zu haben. Die­je­ni­gen, die aus dem Mas­sen­kon­sens der Stre­ber her­aus­ra­gen, die also im älte­ren Sin­ne über­haupt erst fähig zur empha­ti­schen Sub­jek­ti­vi­tät waren, sind nun­mehr die­je­ni­gen, die im Stru­del der Objek­ti­vie­rung durch Ande­re wie­der­um ihrer Auto­no­mie ver­lus­tig gehen. Eine Auto­no­mie, die die­je­ni­gen, die den Kopf nicht aus der  Mas­se gestreckt haben, schein­bar nicht ein­mal in Anspruch genom­men haben. Das Sub­jekt, das wil­lent­lich, iden­tisch, auto­nom ent­schei­det, was es im Netz tut und über sich ver­kün­det – wird sei­ner Sub­jek­ti­vi­tät ent­klei­det, indem zugleich ande­re die Ent­schei­dung tref­fen, was über das Sub­jekt gespro­chen wird.

Ein Aus­blick zum (Post)Subjekt

Auf das Fik­tum „Sub­jekt“ ein­fach zu ver­zich­ten im Hin­blick auf den Sur­fer – ist es sinn­voll? Ist es mög­lich? Es muss in jedem Fal­le eine ande­re Bestim­mung gesucht wer­den, für die von der Fra­ge des Appells und der Ver­ant­wor­tung aus­zu­ge­hen durch­aus sinn­voll sein kann. Auch wenn es sich offen­sicht­lich um eine extre­me Reduk­ti­on jeder Sub­jekt­theo­rie han­delt. Im Zusam­men­hang mit der Face­book-Fra­ge in den letz­ten Tagen hat­te ich auf den Wel­le-Teil­chen-Dua­lis­mus der Quan­ten­phy­sik als ein mög­li­ches Modell für eine ver­än­der­te Sub­jekt­theo­rie ver­wie­sen. Ob das taug­lich ist oder nicht – wird nicht im Netz und in Pos­tings zu ent­schei­den sein. Son­dern im Thea­ter.

§ 7 Responses to Appell und Verantwortung. Oder: Sind Surfer Subjekte?"

  • […] zur Viel­ge­stal­tig­keit und zur Wan­del­bar­keit auszeichnet.Anknüpfend an einen sehr lesens­wer­ten Arti­kel bei Post­dra­ma­ti­ker sind die dort ange­spro­che­nen Betrach­tun­gen der Ent­wick­lung moder­ner Sub­jek­ti­vi­tät in […]

  • Panos sagt:

    “So ist der Ent­zug der Meta­phy­sik, den die Dekon­struk­ti­on bewerk­stel­li­gen woll­te, gründ­lich dar­an geschei­tert, dass sich die­se Hirn­ge­spens­ter schlicht nicht bekämp­fen las­sen.”

    Sor­ry, aber die­ser eine Satz allein zeugt von einer der­art haar­sträu­ben­den Unkennt­nis, daß ich mich schon seit Stun­den für ihn fremd­schä­me.

  • Postdramatiker sagt:

    Als kueh­ner Dekon­struk­ti­ons­dog­ma­ti­ker wirst du das sicher­lich unbe­scha­det ueber­ste­hen!

  • Panos sagt:

    Klar, als Hirn­ge­spinst bin ich sowie­so unde­kon­stru­ier­bar und nicht zu bekämp­fen. Ätsch. Du aber auch. Und jetzt?

  • Panos sagt:

    Dekon-struk­ti­on meint, sowe­nig wie Hacking, demo­lie­ren, kaputt­ma­chen. Son­dern aus­ein­der­neh­men, in sei­ne Ein­zel­tei­le zer­le­gen und schau­en, wie es funk­tio­niert, die Fugen und Gelenk­stel­len abtas­ten.
    Schon Hei­deg­gers Begriff der De-struk­ti­on (der abend­län­di­schen Meta­phy­sik) stamm­te aus einem Lehr­buch für Geo­lo­gie und bezeich­ne­te die Kurz­form eines auf die Drift der Erd­plat­ten­tek­to­nik bezo­ge­nen Begriffs: De-Struk­tu­ra­ti­on.

    Also weder metho­di­sche Kri­tik noch gar Zer­stö­rung, am ehes­ten im psy­cho­ana­ly­ti­schen Sin­ne (aber auch das mit Ein­schrän­kun­gen): Ana­ly­se.

  • […] als Sub­jekt beob­ach­tet und erwar­ten kann, von ande­ren ob sei­ner Sub­jek­ti­vi­tät beur­teilt zu wer­den. Ob der Sur­fer, der Benut­zer immer noch ein Sub­jekt ist? Immer noch als Han­deln­der zurech­nungs­fä­hig, mit Ver­stand, Ver­nunft, Talen­ten (oder […]

  • Panos sagt:

    “Ob der Sur­fer, der Benut­zer immer noch ein Sub­jekt ist?”
    Sind Fra­gen, wenn sie kei­ne Röcke mehr tra­gen eigent­lich immer noch Frau­en?

    Die Fra­ge unter­stellt, es habe jemals Sub­jek­te gege­ben, was doch stark zu bezwei­feln ist? Bei Freud ist´s eine mehr schlecht als rech­te Inte­ge­tra­ti­on einer letzt­end­li­chen Des­in­te­gra­ti­on (“das poly­morph-per­ver­se” der aus­ein­an­der­drif­ten­den Man­nig­fal­tig­keit der Par­ti­al­trie­be), bei Kant (!) aber schon nichts anderes:anonymer Platz­hal­ter der “tran­szen­den­ta­len Ein­heit der App­er­zep­ti­on”. Nichts von vorn­her­ein Gege­be­nes (wie spä­ter auch bei Hegel nicht) son­dern qua prak­ti­scher Ver­nunft (heu­te: dem sozia­len Erfor­der­nis der Adressa­bi­li­tät) gefor­der­tes.

    In dem Moment, wo die Rei­fi­ka­ti­on “DER” Benut­zer ins Spiel kommt ist “DIE” pro­te­i­ische Viel­ge­stal­tig­keit immer schon dahin. Jeden­falls gehö­rig domes­ti­ziert.

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