Die Facebook Frage (Teil 7): Die panoptische Macht

Februar 22nd, 2011 § 12 comments Autor: Ulf Schmidt

Als illegitimer Nachfahre des allwissenden Gottes, des Big Brother und der Foucault’schen Panoptikons ist diese Allwissen- oder Allspeicherheit der Plattform ein Machtfaktor. Ausgeübt oder nicht. Der allspeichernde Anbieter hat die Macht, über die Wissensmacht zu verfügen oder nicht. Es ist Facebook, die entscheiden, ob und was mit den Daten gearbeitet wird. Das ist die Macht über die Macht.

Nun kann man – mit Michael Seemann – auf die Frage des „Was machen die damit? Tun die was Böses?“ kommen.:

Facebook sammelt Daten, die man ihm gibt und klar, reichert es sie statistisch an. Um Werbung anzuzeigen. Sie geben Partnern Zugriff auf die Daten, um ebenso Werbung anzuzeigen oder Features zu ermöglichen. Mehr nicht. In der Reihe, der Unternehmen, die potentiell oder real an Informationen von Nutzern herankommen, ist kein einziges dabei, das mit einer Keule auf irgendwen einschlagen wird oder eine Sklavengalere betreibt, auf der wir rudern müssen, weil wir den falschen Filmgeschmack haben. Dass Regierungen an solche Unternehmen herantreten und diese Daten tatsächlich gegen uns verwenden können, ist zwar richtig, aber Facebook dafür zu kritisieren ist so sinnvoll wie das Beschimpfen eines Raubopfers nach dem Diebstahl. Ich frage mich also regelmäßig, was diese Gekreische eigentlich soll.

Zwischenbemerkung: Ich habe das von Seemann besprochene Buch „Die facebook-Falle: Wie das soziale Netzwerk unser Leben verkauft“ von Sacha Adamek nicht gelesen. Habe es auch nicht vor. Schon der Untertitel ist mir zu blöd, und wenn ich die Produktbeschreibung auf Amazon dazu nehme, fällt mir dazu eh nichts mehr ein:

Sascha Adamek deckt auf
– mit welchen Methoden ein als „soziales Netzwerk“ getarnter US-Konzern die Welt erobert
– wie Nutzer online ins Visier von Ermittlungen und Geheimdiensten geraten
– wie Facebook und Twitter die Demokratie banalisieren und von Diktaturen ausgenutzt werden
– wie Betrüger und Sexualstraftäter über Plattformen wie Facebook ihre Opfer ausmachen
– warum die Freiheit des Internets oft eine vermeintliche ist.

Man muss schon sehr retardiert sein, um zu übersehen, dass Facebook – wie in den letzten Postings dargestellt – keine Webseite, Server und Datenbanken ist. Sondern 500 Millionen Menschen, die Facebook sind. Und die Adamek offenbar kollektiv zu Idioten erklärt. Nun – tatsächlich sind vermutlich die meisten Menschen Idioten. Was aber noch wichtiger ist: Sowohl Seemann als auch Adamek liegen daneben.  Was für Adamek offenbar Facebook ist, ist für Seemann der Staat. Adamek wünscht wohl Verteidigung durch den Staat gegen Facebook – Seemann würde vermutlich eher sagen, dass die Vernetzung auf Facebook eine Möglichkeit ist, die staatliche Datenkrake in die Schranken zu weisen. Bzw. dass zumindest der Staat seinen Einfluss hier rauszuhalten habe. Seemann sieht die Macht von Facebook durchaus:

Erst indem sich Facebook zur Plattform der Datenherrschaft seiner Nutzer macht, gewinnt es seine Macht. Eine zunehmend unheimliche Macht.

Aber er fährt fort:

Aber eine Macht, die eben nicht in dem schlichten Hosting privater Information begründet liegt, wie es die meisten unreflektiert krakeelen, sondern in der Regulierung des Zugangs zu ihnen durch die Privacy-Features.

Und damit liegt er daneben. Denn die Verwandlung der gespeicherten Kommunikationen durch das Unternehmen als Information über die User ist die Quelle und das Zentrum der Macht. Die Zusammenballung der Spuren, der Kommunikationswellen des Welle-Teilchen-Dualismus zu Kugelwolken/Profilen ist die Operation der Macht.

Die Privacy-Features sind Makulatur, da jeder, der Zugriff auf die „privaten“ Informationen hat diese frei weiterverbreiten kann. Sich – wie Seemann – darauf zurückzuziehen, dass Facebook schon keine bösen Absichten habe, ist irrelevant. Denn Facebook kann die Weitergabe der „privaten“ Informationen ebenso wenig kontrollieren, wie ich vermeiden kann, heute Nachmittag bei zufälligen Vorbeispazieren an einem Etablissement im Bahnhofsviertel fotografiert oder gefilmt und ins Netz gestellt zu werden.  Das ist „allgemeines Lebensrisiko“. Es ist meines Erachtens auch eben nicht diese Privacy-Herrschaft, die die „erdrückende Machtakkumulation“ (Seemann) von Facebook herbeiführt.  Es ist die Tatsache, dass sich „die Gesellschaft für diese Plattform entschieden hat“ (Seemann) und dass diese Plattform eben kein Kommunikationsmedium ist wie ein Telefon – sondern ein Informationsspeicher, der durch die Kommunikationen der (insofern tatsächlich idiotisch naiven) User gefüllt wird. Was Facebook damit tut – ist ebenso unerheblich. Werbeeinblendungen, die auf mich zugeschnitten sind, kann ich relativ gut ignorieren.

Aber die bloße Tatsache, dass ein Unternehmen die Informationshoheit über 600 Millionen Menschen bekommt, damit eine panoptische Machtfülle, wie es sie nie zuvor gab, gehört in den Fokus der Reflexion. Nicht dass Facebook die Daten, die es besitzt missbrauchen könnte, ist die Herausforderung. Sondern dass bereits der Besitz dieser Datenfüllle Missbrauch ist – weil Usurpation einer erdrückenden Machtfülle. Es ist mir völlig unverständlich, wie Netzaktivisten einerseits gegen Vorratsdatenspeicherung sein können, die doch zumindest von einem einigermaßen demokratischen Staat mit einigermaßen transparenten Entscheidungswegen genutzt wird – und gleichzeitig die Vorratsdatenspeicherung von Facebook als Kinkerlitzchen abtun können. Andererseits hat vermutlich niemand ein Problem damit, dass private Hostingunternehmen ebenfalls im Besitz einer tendenziell unendlichen Datenfülle sind. Das aber deswegen, weil sie mit diesen Daten nichts tun dürfen. Sie speichern sie, nutzen sie aber nicht (hoffe ich jedenfalls gerade noch). Die Entflechtung von Kommunikationsplattform und Datenspeicher könnte also durchaus ein Schritt sein, Facebook die düstere Seite der Macht zu nehmen, ohne die helle Seite abzuschalten (wie Facebook dann trotzdem überleben könnte, will ich im letzten Teil dieser kleinen Postingserie vorstellen).

Nur um noch einen vielleicht etwas klärenden Vergleich zu bemühen: Google hat mit seinen Serverfarmen und seinen Suchalgorithmen mehr oder minder eine Datenbank des verfügbaren Wissens aufgebaut. Darin kommen auch persönliche Informationen vor – aber eher nachrangig. Facebook dreht dieses Prinzip um. Facebook erzeugt eine Datenbank, die Informationen über sämtliche Mitglieder enthält. Das ist die Herausforderung. Und genau hier ist auch die Frage, ob nicht die gesellschaftliche Aufforderung an einen Gesetzgeber erfolgen muss, diese Machtfülle zu beschneiden und zu begrenzen. Das hat nichts damit zu tun, dass Facebook dann etwa weniger nutzbar wäre. Die angesprochene Trennung von Webseitenbetrieb und Datenspeicherung etwa wäre ein relativ simples Mittel, um den Usern die Nutzung nahezu ohne Veränderung zu gewährleisten – ohne dass daraus ein Datenleviathan würde. Das aber führt zur nächsten Frage: Derjenigen nach dem Staat, dessen Datenkrakigkeit natürlich selbst alles andere als harm- oder machtlos ist.

Wie Facebook in der Wahrnehmung sich als Kippfigur einerseits zeigt als emanzipatorische, verbindende Plattform des internationalen Austauschs, zugleich aber panoptische Datenmacht, so ist auch der Staat einerseits als düsterer und geheimer Überwacher und Kontrolleur, andererseits als Gewährleister bestimmter Rechte im Blick. Dazu im übernächsten Posting mehr.

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§ 12 Responses to Die Facebook Frage (Teil 7): Die panoptische Macht"

  • mspro sagt:

    Ich kann deiner Argumentation nicht folgen. Wo ist denn jetzt die „Macht“ von der du redest? Inwieweit ergibt das bloße Hosting privater Informationen Macht?

    „Aber die bloße Tatsache, dass ein Unternehmen die Informationshoheit über 600 Millionen Menschen bekommt, damit eine panoptische Machtfülle, wie es sie nie zuvor gab, gehört in den Fokus der Reflexion. Nicht dass Facebook die Daten, die es besitzt missbrauchen könnte, ist die Herausforderung. Sondern dass bereits der Besitz dieser Datenfüllle Missbrauch ist – weil Usurpation einer erdrückenden Machtfülle.“

    schreibt du. Aber mal echt: das ist eine schlichte Rumbehaupterei. Da ist kein Argument. Nur ein „ist halt so“. Du gibst dir nicht mal die Mühe, den Panoptismus auf Facebook anzuwenden. Wenn du das tätest würde dir nämlich auffallen, dass zum „Überwachen“ in der Differenz zur „Transparenz“ nämlich die Exklusivität des Datenzugriffs liegt. Eben das, was ich angeprangert habe.

    Und was ist das bitte für eine wirre Schlussfolgerung, Facebook sollte die Daten eben nicht mehr speichern? Speichern ist im Digitalen kein gesonderter Vorgang. Löschen ist es. Jede aktion im Netz hinterlässt – wie du in einem anderen Beitrag richtig sagst – Spuren. Man muss Aufwand treiben diese Spuren zu löschen. Was du willst ist also das digitale Radiergummi mit all seinen Schwierigkeiten und informationskontrollierenden Konsequenzen, die eine neue Machtfülle mit sich bringen.

  • Postdramatiker sagt:

    Bist du sicher, dass du mein Posting kommentierst? Das „bloße Hosting“ ist keine Macht. Der Besitz mit einbegriffener Verfügungshoheit ist Macht, deren Vorliegen oder Nichtvorliegen nicht davon abhängig ist, ob sie ausgeübt wird oder nicht. Das Foucault’sche (bzw. Bentham’sche) Panoptikon setzt nicht in jede Gefangenenzelle einen Aufpasser. Es stellt der Aufpasser in einen Raum, der für die Gefangenen nicht einsehbar ist und wirkt damit disziplinierend. Heißt: Das Bewußtsein der Insassen übt die Macht aus, die seitens des Bewachers (der ja rein physisch schon nicht jeden Insassn permanent beaufsichtigen kann) gar nicht durch den konkreten Blick auf den Insassen ausgeübt werden kann. Dass er dort in der Mitte sitzt, ist die Quelle seiner Macht.
    Ist den Facebooknutzern diese Form der Vewendung ihrer „privaten“ Kommunikation bewußt? Wenn ja – würde die Macht als normalisierende Macht Foucault’s zutreffen. Meines Erachtens lautet aber die Antwort: nein. Und damit glaubt der User/Insasse, er würde in einen Frisierspiegel schauen, der tatsächlich doch eine halbtransparente Wand ist, hinteer der ein Aufseher sitzen kann oder auch nicht.
    „Halbtransparenz“ ist deswegen vielleicht der bessere Begriff: Weil nur für eine Seite transparaent. Welche Informationen Facebook über dich besitzt und was Facebook damit macht – bleibt weitgehend „privat“ seitens Facebook.
    Wer fordert, Facebook solle nicht speichern? Wo ist die Rede vom Radiergummi? Nochmal anders: Die Telekom stellt technische Mittel für die Kommunikation zwischen Menschen bereit. Das tut Facebook mit der eigenen Plattform und dem OpenGraph. Aber kein Mensch würde es zulassen, dass Telekom die Gespräche aufzeichnet, inhaltlich auswertet und zu kommerziellen Zwecken verwendet. Anders als Telefonkommunikation braucht digitale Kommunikation selbstverständlich Speicher und Hosting. Aber warum durch Facebook? Warum nicht das Hosting der Daten von der Kommunikationstechnologie trennen? „Hosting“ dabei lediglich verstanden als Speicherung und Verfügbarmachung der Daten für die berechtigten Nutzer. Nicht aber für Facebook. Plattform und Inhalt trennen.

    Wirr? Kann ich mit leben. Ist nicht alles bis ans Ende durchdacht. Wenn das stört – bitte ich um Nachsicht.

  • mspro sagt:

    1.) Was ist denn bitte „Verfügungsgewalt“ in sachen digitaler Daten? Der Zugriff? Die Speicherung? Hat Twitter die „Verfügungsgewalt“ über die bei ihnen gespeicherten Daten? Ich kann auch auf diese Daten zugreifen. Google hat sie indexiert und selbst gespeichert. Überall greifen Leute die Daten bei Twitter ab und speichern sie. Was heißt Verfügungsgewalt über Daten? Na? Na? JA! EXKLUSIVZUGRIFF! Exklusivzugriff ist die einzige Form von (zugegebener Maßen brüchige (siehe Kontrollverlust)) „Verfügungsgewalt“ von Daten in Digitalien. Und damit ist es eben nicht die Speicherung, sondern die Verwaltung des Zugriffs und der Zugriffsrechte, was Macht bedeutet.

    2.) Zum Panoptismus: Zunächst muss ich das Gefühl haben, dass derjenige, der mich beobachtet überhaupt eine normative Agenda verfolgt. Das tut Facebook nur in gewissen Fällen (du sollst nicht spammen, stalken und schmutzige Fotos von dir ins Netz stellen).

    3.) aber darum geht es ja nichtmal, siehe Punkt 1. Denn wenn es die Privacyfeatures nicht gäbe, dann würde schließlich alles wie bei Twitter öffentlich zugänglich sein und der Panoptismus würde sich potentiell auf jeden als Überwacher richten.

    4.) Jetzt verwirrst du mich noch mehr: Wenn du also nicht willst dass Facebook meine Statusupdates, Kommentare und Bilder „speichert“, wie soll das gehen? ich mein: HÄ???

  • Postdramatiker sagt:

    1) Verfügungsgewalt: Facebook speichert die Daten (dazu rechne ich sämtliche Inhalte, die du auf Facebook einfügst – sei es in deinem Profil, in Postings, Kommentaren, Fotos). Über diese Daten darf Facebook verfügen : „Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“).“ (Nutzungsbedingungen Facebook)
    Zudem kann über den Like-Button dein Surf-Verhalten aufgezeichnet werdn („Facebook kann mit den Social Plugins Daten über die Vorlieben seiner Nutzer nicht nur auf der eigenen Webseite, sondern im ganzen Netz sammeln. “ (vgl. Thomas Helbing). Dazu musst du vermutlich (Facebook ist hier nicht transparent) nicht einmal den Button nutzen, sondern lediglich bei Facebook eingeloggt sein, während du surfst.
    Daraus erstellt Facebook Userprofile, die du bei Facebook Ads buchen kannst. Das nenne ich Verfügungsgewalt: Daten einsammeln, verarbeiten, aufbereiten, kommerziell nutzen.

    2.) Panoptimus: In einer moralischen Stoßrichtung (wie Foucault sie vorträgt) stimmt das, dass Facebook vermutlich keine bemerkenswerten Disziplinarvorgaben macht. Nun ist (Posting kommt gleich) Facebook aber keine moralische, sondern eine ökonomische Institution. Und das heißt: Ein Unternehmen verfügt über recht umfassende persönliche Daten über 600 Millionen Menschen, die diese Menschen nicht freiwillig an Facebook gegeben haben, sondern die Facebook aus einer anderen Nutzung durch Datenaufbereitung erzeugt. Stört dich nicht? Stört dich Vorratsdatenspeicherung auch nicht? Stört es dich auch nicht, dass Facebook an einer ganz ordentlichen Facerecognition (vgl. z.B. Mashable) arbeitet, die dafür sorgt, dass du mit deinem Gesicht dem Besitzer eines geeigneten Lesegerätes eine komplette Profilierung anbietest?

    3.) Nochmal: Ich rede nicht von „Privacy“. ich rede davon, dass Unternehmen Datensilos aufbauen und aus deinem Verhalten Informationen über dich gewinnen. Was Twitter zukünftig mit Tweets tun wird? Keine Ahnung. Ob sie sie aufbereiten zu Userprofilen? Keine Ahnung. Facebook tuts. Wiewohl User davon ausgehen, dass sie hier einfach auf einer gemütlichen Plattform miteinander kommunizieren.

    4.) Warum Facebook? Warum nicht ein separater Hoster? Was tut mein WordPress Blog? Technische Plattform und Inhalte sind getrennt. Wenn ich mich nicht irre eine der großen Errungenschaften der technischen Dimension des sog. „Web 2.0“. Was spricht dagegen, dass Facebook wie eine WordPress Plattform funktioniert? Die gesamten Daten (Kommentare, Bilder etc.) schlicht von einem anderen Anbieter, der lediglich hostet, übernommen werden? Schlichter Cut zwischen Webseitenbetreiber und Daten. Halte ich für recht simpel. (Und keine Missverständnisse. nein, es soll nicht jeder Nutzer auf Facebook einen eigenen Server mitbringen – kann schon ein gemeinsamer sein. Aber einer, der die Daten schlicht Daten sein lässt).

  • mspro sagt:

    Jetzt ohne dich niedermachen zu wollen, mehr so im guten: du hast nicht den Hauch einer Ahnung von Datenverarbeitung, kann das?

  • Postdramatiker sagt:

    Wenn du kurz ausführen würdest, worin du den Verdacht begründet siehst – könnt ich dir vielleicht besser antworten.

  • mspro sagt:

    Also zunächst dass du in Punkt 1 mit Lizenzen antwortest, wo es um eigentlich eine technische Frage geht. Es geht eben nicht darum, dass _auch_ Faceboomk diese Daten benutzen darf, sondern wer sie NICHT nutzen darf.

    Und bei Punkt 4. – naja – natürlich ist sowas wie distributed Hosting in der Theorie möglich. Aber dann brauchst du ja kein Facebook mehr. Eine Serverinfrastruktur, die nur zum Durchleiten von Daten da ist, naja, das ist ja bereits das Internet. Also ist nichtr ganz klar was du willst? Ein Facebook ohne Datenspeicherung ist halt einfach … nichts.

  • Postdramatiker sagt:

    Ach – geht es darum? Wo? Ich rede die ganze Zeit über die Nutzung der Daten durch Facebook zu anderen Zwecken als denen, die für die Bereitstellung des Angebots nötig sind, für die 600 Millionen Menschen Facebook verwenden. Über Lizenzen redt Facebook in seinen Nutzungsbedingungen. Und darin inbegriffen ist die Lizenz, diese Inhalte weiterzugeben. Sprich: kommerziell anderen zur Verfügung zu stellen. Und das wiederum hat nicht damit zu tun, dass ich mit irgendwelchen „Friends“ auf Facebook kommuniziere. Das ist die Nutzung DURCH Facebook: Der Verlkauf an Dritte.

    Was Facebook dann wäre? Eine Plattform mit vielen, ganz hübschen und von sehr vielen Menschen sehr geschätzten Funktionalitäten. Die die Kommunikation zwischen natürlichen und jursitsichen Personen ermöglicht. Menschen und Unternehmen etwa. Das ist eine wunderfeine Sache. Will ich auch weiter nutzen. Finde ich praktisch. Wie 600 Millionen anderer. Deswegen sagte ich, dass ich an Facebook das soziologische Phänomen interessanter finde als das technische. Weil es offensichtlich ein kommunikatives Bedürfnis ist, das diese Funktionen befriedigt. Wenn das distributed Hosting möglich ist – warum nicht machen? Dann wär Facebook zwar der Quelle seines aktuellen (und kurzfristig potenziellen) reichtums verlustig gegangen – wäre aber auch die eine oder andere Debatte los. Diese hier zum Beispiel.

    Ja aber – wirst du vermutlich voller Weisheit fragen – wie kann Facebook dann reich werden? ich hab ne Idee. Posting kommt morgen.

    Mit scheint, als reichten meine Datenverarbeitungskenntnisse jedenfalls für die aktuelle Debatte einigermaßen aus. Ohne mich erheben zu wollen.

  • mspro sagt:

    Vor allem aber zu Punkt 4: Was wäre denn gewonnen, wenn die Daten nicht bei Facebook, sondern beispielsweise auf deinem Server gespeichert sind? Jeder der darauf Zugriff hat, kann diese bösen bösen algorithmischen Zugriffe darauf machen. Der Ort der Speicherung ist doch vollkommen egal. Ich glaube, es ist vor allem dieses Mißverständnis das mich etwas an deinem technischen Sachverstand am meisten zweifeln lässt.

  • Postdramatiker sagt:

    Definitiv – aber ist die Tatsache, dass es auch Pocken und Cholera gibt, ein Grund, nichts gegen die Pest zu tun? Ich bin mit Conversation Monitoring-Tools besser vertraut, als du vermutlich unterstellst. Es ist nur eine ganz andere Frage. Eine die sich sicherlich in Kürze durchaus dringlicher stellt, als es jetzt noch der Fall ist. Nur war es gerade nicht mein Thema.

  • mspro sagt:

    Ach und noch was: was hat der Panoptismus bitte mit dem Geschäftsmodell von Facebook zu tun? Verändere ich mein Verhalten um andere Werbung angezeigt zu bekommen? Hä? Das passt doch alles hinten und vorne nicht zusammen.

  • Postdramatiker sagt:

    Du weichst aus. Die Einblendung von Werbung ist eine Möglichkeit, diesen Datenreichtum zu nutzen. Es lassen sich weitere Verwendungen dafür finden. Dabei geht es aber eben letztlich nicht um die Phantasien, was denn wohl alles passieren könnte. Sondern darum, dass dieser allwissende Panoptisus hinsichtlich gegenwärtig eines Dreizehntels der Weltbevölkerung in sich bereits ein Problem ist. Anders als deine Konsequenz: Freie Daten für alle – ist meine Konsequenz eine, die versucht Effekte, die ganz offensichtlich ein kommunikatives Bedürfnis befriedigen und dabei kommunikative Möglichkeiten erschließen, von denen die Vergangenheit nur geträumt hat, von anderen Effekten theoretisch zu unterscheiden, die letztlich die begrüßenswerten Effekte konterkarieren (Machtkonzentration durch Datenbesitz) und für deren Unterbindung zu sorgen sinnvoll wäre.
    Veränderst du dein Verhalten, um andere Werbung zu bekommen? Hm. Würdest du auf Facebook gehen, wenn die Webseite dich begrüßte mit „Bitte sprechen Sie ganz viel mit ihren Freunden, damit wir ein genaues Bild von Ihnen machen können, für das wir dann zahlungskräftige Abnehmer finden.“?

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