Digitale Disruption

November 22nd, 2009 Kommentare deaktiviert für Digitale Disruption Autor: Ulf Schmidt

Um den Epo­chen­wan­del zu beschrei­ben, in dem wir uns befin­den, ist der Begriff der Digi­ta­len Dis­rup­ti­on wun­der­bar brauch­bar. Er lässt die Fra­ge nach Evo­lu­ti­on oder Revo­lu­ti­on nicht nur offen – er über­springt sie. Denn die Ver­hält­nis­se sind tat­säch­lich mehr als revo­lu­tio­när. Sie sind dis­rup­tiv. Wie eine Eis­schol­le, die aus­ein­an­der­bricht und deren bei­de Tei­le in unter­schied­li­che Rich­tun­gen davon trei­ben. Nicht um jemand damit Angst zu machen, die unter­ge­hen­de Rest­schol­le spal­tet immer neue Tei­le ab, die in die ret­ten­den Regio­nen abtrei­ben. Zugleich spal­ten sich von den eigent­lich ret­ten­den Tei­len immer wie­der sol­che ab, die in den Unter­gang sich auf­ma­chen. Das Bild soll­te ein­fach sein, wird kom­pli­ziert. Was will es sagen: Zwi­schen Netz­welt und Nicht­netz­welt gibt es einen Bruch. Einen tie­fen Bruch, Zwi­schen Gene­ra­tio­nen. Zwi­schen Unter­neh­mens­mo­del­len und Wirt­schafts­sys­te­men. Zwi­schen Staats­for­men. Zwi­schen Lebens- und Arbeits­for­men. Das Neue und das Alte ähneln ein­an­der nicht. Das Neue ist kei­ne Form des Alten. Es ist ganz anders. Und das macht es schwer, die erkämpf­ten Stan­dards hoch­zu­hal­ten und anzu­brin­gen, wo sich ihre Anwend­bar­keit ver­un­klart. Ist der Selb­stän­di­ge und Frei­be­ruf­ler das Ide­al­bild des unab­hän­gi­gen Pro­du­zen­ten, der sich im Voll­be­sitz sei­ner Mit­tel mit ande­ren Frei­en ver­netzt? Oder ist er der Inbe­griff des Macht­lo­sen, der sei­nen Jobs hin­ter­her­ja­gen muss? Ist das pros­um­to­ri­sche Sys­tem der Com­mu­nities ein Fanal der Befrei­ung, weil die Kun­den an der Macht sind? Oder ist es der Par­o­xys­mus der Aus­beu­tung, weil der Kun­de nun alles aber auch alles sel­ber tut, ohne dafür ent­lohnt zu wer­den?

Wer bedarf wel­chen Schut­zes? Wer bedarf der Über­wa­chung und Kon­trol­le? Die erar­bei­te­ten Stan­dards der Ver­gan­gen­heit ver­sa­gen davor.

P.S. Ganz lesens­wert dazu der Auf­satz von Nicho­las Carr in der ZEIT: Unse­re Zukunft in der Matrix.

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