Digitalökonomie – eine eigene Währung für Finanzmarktspekulation?

August 7th, 2010 Kommentare deaktiviert für Digitalökonomie – eine eigene Währung für Finanzmarktspekulation? Autor: Ulf Schmidt

Wenndie Digitalökonomie als eigene Dimension entsteht, die sich von der Realdimension löst, stellen sich zwei Fragen: Braucht Digitalien nicht auch eine eigene Währung? Und ist die Finanzspekulation tatsächlich die Wertschöpfungsindustrie?

Vorweg: Ich habe keinerle Ahnung, ob das irgendwohin führt oder einfach der größte Blödsinn ist.

Die Ruralökonomie bezog Reichtümer aus der Natur, aus Landwirtschaft und Viehzucht. Die Industrieökonomie bezog ihren Reichtung aus Rohstoffen und Arbeiterzucht oder der in dem Werkstücken gespeicherten abstrakten Arbeit. Globalökonomie bezog ihren Reichtum inbesondere aus dem Transport, der Verfügbarmachung von Produkten (die sich hinsichtlich der Länder, in die sie exportiert werden, wie Rohstoffe darstellen) und dem Handel. Woraus soll eine Digitalökonomie Wertschöpfung ziehen? Wo ist die Erde, aus deren Veredelung sich Reichtum schaffen lässt – wenn nicht im Wege der Finanzspekulation, der es gelingt, aus buchstäblich Nichts Profit zu schlagen. Ein domestizierter Casinokapitalismus müsste doch wertschöpfend fruchtbar zu machen sein. Wenn sich aus Scheiße Geld verdienen lässt – warum nicht? Hauptsache es schadet höchstens und ausschließlich den am Spiel wissentlich und willentlich beteiligten. Und seine Erträge befördern das Gemeinwohl. Zum Beispiel, indem sie das für das Wirtschaften in Digitalien notwendige zirkulationsfähige Kapital produzieren.

Wie könnte gesichert werden, dass Übersprünge auf die Realwirtschaft nicht in gleicher Weise dramatisch ausfallen, wie in den letzten Jahren? Früher habe ich hier das „Formel 1 Modell“ dazu angedacht. Das lässt sich perfektionieren durch Einführung einer eigenen Währung für Digitalien und die Spekulationen. Der Spekulatius? Der Neuro? Die Digilira? Was auch immer. Eine rein netzbasierte Währung, die in reale Währungen konvertibel ist – aber unter strengen Auflagen. So darf sie nicht in Negativsalden auftreten (keine Neuro-Schulden) – das verhindert, das „frisches Geld“ nachgeschossen werden muss. Und die Re-Konversion von Neuro in Realwährungen ist mit einem weltweit gleichen, hohen Zinssatz versehen – vielleicht 50% der Wechselsumme, die dem Gemeinwohl zugute kommt. Die weiteren Kriterien der Formel 1 bleiben anwendbar.

Wozu das Ganze? Digitalien darf die Realwirtschaft nicht „aussaugen“ mit dem Finanzbedarf durch Schulden, die sich in schwarze Löcher verwandeln könnten. Kein Casino der Welt würde Spielern Kredit geben. Zugleich ist es von hohem Interesse, dass einerseits der Wertschöpfung in Digitalien hinreichend Mittel zur Verfügung stehen, die rein digital gewonnenen Reichtümer aber auch realen Gemeinschaften zugute kommen. Deswegen macht es gerade Sinn, Digitalien als etwas staatsartiges zu betrachten – aber eben als virtuellen Staat. Als Rohstoff dient das als Einlagen zur Verfügung gestellte Geld.

Print Friendly

Comments are closed.

What's this?

You are currently reading Digitalökonomie – eine eigene Währung für Finanzmarktspekulation? at Postdramatiker.

meta