Mensch, Ivan Nagel …

Juli 10th, 2011 Kommentare deaktiviert für Mensch, Ivan Nagel … Autor: Ulf Schmidt

… mit 80 Jah­ren bist du fri­scher in der Bir­ne, als die Frisch­lin­ge, die an deut­sche Groß­thea­ter schluf­fen:

Darf das Groß­thea­ter mit sei­nem drei­ßig- bis fünf­zig­köp­fi­gen Ensem­ble, mit eige­nen Werk­stät­ten und Ver­wal­tun­gen wei­ter als Vor­bild alles höhe­ren Stre­bens in der Schau­spiel­kunst gel­ten? Dra­ma und Thea­ter wirk­ten aus die­sem Sys­tem einst kraft­voll in das öffent­li­che Bewusst­sein. Von sol­cher Wir­kung scheint wenig übrig geblie­ben. […] Tech­ni­sche Beschleu­ni­gung und poli­ti­scher Abbau der letz­ten Jahr­zehn­te haben zwei Gene­ra­tio­nen in eine Medi­en­ga­la­xie gesto­ßen, deren immer rasche­re Umschwün­ge zugleich tota­le Gegen­wart und lee­re Zeit­lo­sig­keit erzeu­gen. Die Mil­li­se­kun­den der Ato­me, die Jahr­mil­li­ar­den der Bio­mo­le­kü­le wim­meln von Ereig­nis­sen, die mit dem Leben des Ein­zel­nen unver­gleich­bar sind. Geht das Reper­toire-Spiel nicht an all­dem vor­bei, wenn sei­ne Pro­gramm-Melan­ge die Gegen­wart wei­ter als das erleb­ba­re Tref­fen von Ver­gan­ge­nem und Zukünf­ti­gem behaup­tet? Die Muss-Klas­si­ker, die das deut­sche Stadt­te­ha­ter jähr­lich hun­dert­wei­se von Regis­seu­ren unter vier­zig pro­du­zie­ren lässt, sind oft von ver­drieß­li­cher Sinn­lo­sig­keit. […] Wie man­cher Regis­seur an man­ches Stück gera­ten ist, bleibt oft ein Rät­sel, das die Auf­füh­rung nicht löst.”  (Schrif­ten zum Dra­ma, 30ff)

Nur eines noch dazu: Die Insze­nie­rung von Ü40-Regis­seu­ren sind auch nicht bes­ser.

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