Restauration und Regression

Februar 1st, 2010 Kommentare deaktiviert für Restauration und Regression Autor: Ulf Schmidt

Keine Ahnung, wo dieses Posting enden wird. Ein Gedanke nur. Die Frage: Trügt der Eindruck oder befinden wir uns in einer Phase massiver Restauration oder Regression? Findet neben dem „Rückbau“ sozialer Standards zugleich eine massive Rückwendung zu schlechten „guten alten Zeiten“ statt, der sich entgegenzustellen ist? Verdient also die gegenwärtige Zeit die Diagnose einer soziokulturelen Regressionsphase?

Die Grundströmung I: Sparen

Der herrschende Gedanke des „Sparens und Bewahrens“ ist hier im Blog schon angesprochen worden. Energie, Ressourcen, Haushaltsmittel. Was auch immer: Sparen ist in jedem Fall die herrschende Parole der Gegenwart. Ohne jede moralische Wertung. Lediglich Konstatieren einer Rückwärtswendung.

Die Grundströmung II: Umweltschutz

Die grüne Bewegung ist selbstverständlich konservativ. Bewahren und ggf. Wiederherstellung eines verlorenen Naturzustandes. Wiederum keinerlei moralische oder politische Bewertung meinerseits. Nur der Zug zum Verlorenen festgestellt.

Effekt: Perspektivlosigkeit

Die Zahl der Menschen, die bereit ist, sich mit dem Gegenwärtigen und der näheren Zukunft zu beschäftigen, ist erschreckend gering. Nur weil Prognosen für die nächsten Jahre nicht möglich sind, kann die Beschäftigung damit nicht aufgegeben werden. Aber die Frage der Gestaltung der Zukunft wird nirgendwo wirklich gestellt. Die Frag kann nicht sein. Wie werden wir in 5 Jahren leben? Sondern: Wie wollen wir in 5 Jahren leben? Wie kann eine Gesellschaft im Kommunikationszeitalter leben? Nach dem Ende der Arbeit (wird es das geben? ist es wünschenswert oder zu befürchten?)

Oberflächeneffekt: Nostalgie

Eigentlich der Ausgangspunkt für dieses Posting. Die Frage, ob die ultimativen Chartshows der XXer Jahre“ nicht da Gegenstück zum Festival der Volksmusik sind – unter dem Deckmäntelchen einer Jugendlichkeit. Da permanente (und Einschaltquotenträchtige) Wiederabspielen der Musik vergangener Zeiten ist Nostalgie und als solche nicht weiter bemerkenswert Im Gesamtkonzert der Sparens und Bewahrens, des Naturschützens und die Augen vor dem Neuen Verschließens – gehört es aber doch einer mächtigen Grundströmung zu. Dazu passen dann auch sich wieder aufregende Debatten rund um „Werktreue“ im Theater, Hinwendung zu Romanklassikern oder Spielfilmklassikern auf den Bühnen.

Und was nun gegen die Regression? Flucht nach vorne? Es besteht die Gefahr eines Gesellschaftsorganismus, der in den Zustand eines Kreislaufschocks fällt: Abschalten aller nicht primär vegetativen lebenswichtigen Funktionen. Abschalten des Denkens und der Bewegung. Konzentration auf innere Kreisläufe, Stabilisierung. Der dennoch tödlich endet.

Keine Ahnung, ob der Gedanke damit am Ende ist. Zwischenstopp hier.

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