Unterm Strich zahl’ ich — mich dumm und dämlich. Stairway to Schuldenfalle mit der Postbank.

April 17th, 2013 Kommentare deaktiviert für Unterm Strich zahl’ ich — mich dumm und dämlich. Stairway to Schuldenfalle mit der Postbank. Autor: Ulf Schmidt

Heu­te mor­gen flat­ter­te mir von mei­nen Kre­dit­in­sti­tut Post­bank ein wun­der­schö­nes Ange­bot in den Brief­kas­ten: Weil man doch im Früh­jahr ein­fach raus muss und “was erle­ben” will, aber doch so die eine oder ande­re böse Zah­lung anfal­len kann, soll ich doch bit­te­schön gleich mal unter­schrei­ben, dass ich für mei­ne Kre­dit­kar­te die Teil­zah­lungs­funk­ti­on akti­viert haben möch­te. Die näm­lich ist ein tol­les Ange­bot: Ich zah­le von mei­nem Gesamt-Sal­do am Ende des Monats nur tol­le 10% zurück. Und das kos­tet auch nur 3,99% Zin­sen. Duf­te Sache. Geld aus­ge­ben — und nur 10% zurück­zah­len.

Das Klein­ge­druck­te (bei der Post­bank immer GANZ wich­tig) schafft aller­dings etwas mehr Klar­heit. Die 3,99% gibts nur für sechs Mona­te als Akti­ons­zins­satz. Danach — springt der Zins­satz auf PB1fan­tas­ti­sche 15,77%. Das darf man sich ger­ne auf der Porte­mon­naie-Lasche zer­ge­hen las­sen. Ein Kre­dit­zins in Höhe von fast 16%. Freund­li­cher­wei­se legt die Post­bank noch eine Bei­spiel­rech­nung für einen Kre­dit­be­trag über 500 Euro bei. Ich schnapp­te mir den Taschen­rech­ner und zähl­te die Til­gungs­ra­ten zusam­men: aus den 500 Euro wer­den in 12 Mona­ten 518,52 Euro. Das nen­nen wir dann mal einen sat­ten Zins.

 

Natür­lich weiß die Post­bank, dass es hier nicht um 500 Euro-Beträ­ge geht. Wäre ja ein Lacher. Und die Post­bank weiß natür­lich auch, dass nicht nur in einem Monat Aus­ga­ben auf der Kre­dit­kar­te anfal­len. Die Kre­dit­kar­te ist längst ein gebräuch­li­ches Zah­lungs­mit­tel gewor­den. Viel­mehr kom­men in jedem Monat neue Sald­o­be­trä­ge PB2hin­zu. Von denen — so ver­ste­he ich die­ses Ange­bot — immer nur 10% (inklu­si­ve Zins) abge­bucht wer­den. Es ent­steht ein hüb­scher Schul­den­schnee­ball der in rasan­ter Geschwin­dig­keit wächst. Spä­tes­tens nach Jah­res­frist (eini­ger­ma­ßen kon­stan­te Kre­dit­kar­ten-Aus­ga­ben vor­aus­ge­setzt) sind die monat­lich zu leis­ten­den Til­gun­gen in der­sel­ben Höhe, wie die ursprüng­li­chen Monats­til­gun­gen (ohne die­ses fan­tas­ti­sche Ange­bot). Nur dass die Post­bank noch ihre sat­ten 16% dar­auf­schla­gen kann. Die 3,99 % gel­ten ja nicht repe­tie­rend ab jedem Monats­en­de, an dem neu­en Aus­ga­ben getä­tigt wur­den, son­dern nur ein­ma­lig ab Ver­trags­ab­schluss: also von heu­te bis zum Okto­ber. Ab Novem­ber kos­tet jede neue in die­ses Sys­tem ein­ge­hen­de Zah­lung 16% ab dem ers­ten Tag.

 

So staut sich eine beträcht­li­che Schul­den­la­wi­ne an — ins­be­son­de­re bei Kun­den, deren Zah­lungs­ein­gän­ge (aus wel­chen Grün­den auch immer) so beschaf­fen sind, dass sie Pro­ble­me mit der Til­gung haben. Auf genau die­se zielt ja das Kre­dit­an­ge­bot: Früh­jahr. Raus und Leben genie­ßen. Und dann kom­men Aus­ga­ben, die man nicht schul­tern kann und derent­we­gen Teil­zah­lung ver­ein­bart wer­den soll. Genau sol­che Kun­den wer­den aber natür­lich die­se Schnee­ball-Schul­den im Leben nicht zurück­zah­len kön­nen.

 

Das Schö­ne für die Post­bank

Die Post­bank erlegt damit zwei Flie­gen auf einen Schlag:

  • zins­lo­se Kre­dit­kar­ten-Kre­di­te wer­den in Kre­di­te umge­wan­delt, für die manch einer umgangs­sprach­lich das Wort “Wucher­zin­sen” ver­wen­den wür­de
  • das bilan­zi­el­le Stop-and-Go, das die Giro­fal­le aus­zeich­net (monat­lich ent­ste­hen in der Bilanz Kre­di­te, die auch monat­lich getilgt wer­den und damit für die Bank nicht wirk­lich mit­tel- oder lang­fris­tig bere­chen­bar sind) wer­den in lang­fris­ti­ge Kre­di­te umge­wan­delt: aus einem 1-Monats-Kre­dit wird ein 12-Monats-Kre­dit. Das freut die Bank­bi­lanz, in der bekannt­lich jeder Buch­geld-Kre­dit eines Kun­den zwei­mal auf­taucht, ein­mal dabei als Bank­ver­mö­gen.

 

Und übri­gens wer­den damit nicht nur zwei Flie­gen erschla­gen — son­dern auch der Kun­de. Ver­brau­cher­zen­tra­le, bit­te über­neh­men Sie.

 

 

 

 

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