Vor dem Fernseher, nach dem Individuum. Ein Schleef-Zitat #MediaDivina

Februar 23rd, 2013 Kommentare deaktiviert für Vor dem Fernseher, nach dem Individuum. Ein Schleef-Zitat #MediaDivina Autor: Ulf Schmidt

Über Andre­as Wilinks nacht­kri­tik-Bespre­chung der Bon­ner Insze­nie­rung von Haupt­manns Rat­ten durch Lukas Lang­hof bin ich über eine Pas­sa­ge eines Einar Schle­ef-Inter­views gestol­pert, der dort etwas sagt, das beden­kens­wert ist. Noch nicht durch­dacht hier, aber beden­kens­wert in sei­ner gerad­zu bud­dhis­ti­schen Schlicht­heit und Prä­gnanz:

Im tra­di­tio­nel­len Sprech­thea­ter hat der Schau­spie­ler den Traum vom Indi­vi­du­um zu erfül­len — aber wo gibt”s denn heu­te ein Indi­vi­du­um? Das ist eine anti­quier­te Vor­stel­lung. Wir leben im Mas­sen­zeit­al­ter, und das Indi­vi­du­um hat in der Roman­tik exis­tiert, bei Cas­par David Fried­rich. Aber bei mir zu Hau­se ist kein Indi­vi­du­um — da bin ich, und da ist der Fern­se­her.

Das gan­ze Inter­view hier auf Spon.

Einer­seits als die tra­di­tio­nel­le Sprech­rol­le des Thea­ters, der Traum, das Indi­vi­du­um, die Roman­tik, Cas­par David Fried­rich, Anti­quiert­heit. Auf der ande­ren Sei­te das Zuhau­se, das Mas­sen­zeit­al­ter, kein Indi­vi­du­um, nur “ich” und der Fern­se­her, heu­te. Das Indi­vi­du­um “gibt’s” nicht, es “exis­tiert” nicht (mehr). Es ist nicht zuhau­se. Nur “da bin ich, und da ist der Fern­se­her”. Rät­sel­haft schön.

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