Digitalökonomie und Knappheit

August 4th, 2010 Kommentare deaktiviert für Digitalökonomie und Knappheit Autor: Ulf Schmidt

Ges­tern war der Man­gel an Knapp­heit zu einer ers­ten Hypo­the­se der Digi­tal­öko­no­mie erklärt wor­den. Nun gibt es ver­schie­de­ne Knapp­hei­ten, die sich nicht über einen Kamm sche­ren las­sen, ver­schie­de­ne Märk­te, die sich durch die jeweils spe­zi­fi­sche Knapp­heit aus­zeich­nen. Im ers­ten Angriff ist das:

  • Roh­stoff­knapp­heit
  • Waren­knapp­heit
  • Arbei­ter­knapp­heit
  • Arbeits­knapp­heit
  • Mit­tel­knapp­heit
  • Nach­fra­ge­knapp­heit

All die­se Knapp­hei­ten kön­nen sich sowohl posi­tiv als auch nega­tiv auf die Gesamt­öko­no­mie des vor­di­gi­ta­len Zeit­al­ters aus­wir­ken: Von jeder die­ser Knapp­hei­ten gibt es ein “zu viel”, “zu wenig”, gold­rich­tig. Und den Zustand her­zu­stel­len, in dem sich alle Knapp­hei­ten in einem Gesamt­zu­sam­men­hang des “gold­rich­tig” befin­den, ist so schwie­rig, dass es offen­sicht­lich nicht (dau­er­haft) gelingt. Zudem feh­len hier sicher­lich noch Knapp­hei­ten.

All die­se Knapp­hei­ten haben kei­ner­lei Ein­luss auf die Digi­tal­öko­no­mie. Der (mate­ria­le) Roh­stoff ist unbe­grenzt ver­füg­bar: Möge man ihn als mikro­elek­troo­ni­sche Schalt­zu­stän­de oder was auch immer sehen. Der Roh­stoff man­gelt nicht. Eben­so­we­nig kann es an Vir­tua­li­en man­geln — von jeder ein­zel­nen Vir­tua­lie gibt es so vie­le Exem­pla­re, wie es Nach­fra­ge nach ihr gibt. Sie ist zu jeder Zeit an jedem Ort erhält­lich. Auch Knapp­heit an Arbeits­kräf­ten kann es nicht geben — es mag viel­leicht lang­sa­mer vor­an gehen. Oder es wer­den weni­ger Vari­an­ten (oder mehr) von bestimm­ten Vir­tua­li­en ange­bo­ten — aber es kann kei­nen Arbeits­kräf­te­man­gel geben. Eben­so kann die Arbeit nicht aus­ge­hen — weil jeder Betei­lig­te (zum Bei­spiel in die­sem Blog) selbst durch Krea­ti­vi­tät oder Krea­tiv­ar­beit jeder­zeit neue, neu gemisch­te, wie­der­hol­te Vir­tua­li­en pro­du­zie­ren kann und pro­du­ziert. Die Mit­tel­knapp­heit im vir­tu­el­len Raum spielt kei­ne Rol­le, weil die Mit­tel nicht an rea­le oder reel­le Güter gebun­den sind. Die Finanz­mit­tel kön­nen sich ohne jedes Pro­blem ver­meh­ren, ver­min­dern — wie auch immer. Aber es gibt kei­ne “natür­li­che” Knapp­heit der Mit­tel (wenn auch der Ver­tei­lung — das ist aber ein ande­res The­ma). Nach­fra­ge­knap­heit kann es nicht geben, weil die Nach­fra­ge nicht vom Ange­bot abhän­gig ist bzw. die­ses nicht von ihr. Ange­bot und Nach­fra­ge sind nicht auf­ein­an­der bezo­gen. Ob Ange­bo­te­nes nach­ge­fragt, häu­fig oder sel­ten abge­ru­fen wird — ist zunächst völ­lig egal. Es wird erst dann inter­es­sant, wenn Gren­zen ein­ge­zo­gen und dadurch Ver­knap­pung künst­lich pro­du­ziert wird. Aber war­um soll­te Ver­knap­pung künst­lich pro­du­ziert wer­den? War­um sol­len, wenn es gleich­viel kos­tet, ein Exem­plar von einer Sache kos­tet oder 5 Mil­li­ar­den Exem­pla­re davon her­zu­stel­len, die Mil­li­ar­den ver­knappt wer­den? Dem Fort­kom­men der Mensch­heit scheint es nicht zu nüt­zen. Und das nicht zu ver­ges­sen — ist letzt­lich das Ziel gemein­sa­men Wirt­schaf­tens.

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