Drama und Ideologie 3

August 18th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Drama und Ideologie 3 § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Es ist höchst bedau­er­lich: aber es scheint tat­säch­lich, als wäre seit Aris­to­te­les nichts Bemer­kens­wer­tes mehr über Dra­ma geschrie­ben wor­den. Dass es scheint, als lie­ße sich nichts Bemer­kens­wer­tes hin­zu­fü­gen, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass in die­sem Büch­lein unter dem Namen des Aris­to­te­les ein Hau­fen von Pla­ti­tu­den und Tri­via­li­tä­ten ver­sam­melt und for­mu­liert, auf­ge­zeich­net wur­de. Trotz­dem macht es noch immer Sinn, sich mit die­sen Tri­via­li­tä­ten zu beschäf­ti­gen

Das klei­ne Büch­lein, in dem sich das Bemer­kens­wer­te fin­det, trägt den Titel „περὶ ποιητικῆς“. Man über­setzt ger­ne „Von der Dicht­kunst“. Oder ähn­lich. Viel­leicht ist es hilf­rei­cher, etwas näher an der Titel­vo­ka­bel zu blei­ben, beim „ποιεῖν“ und zu über­set­zen „Von der Ver­fer­ti­gung“ oder „Vom Machen“. Es geht in die­sem Frag­ment ums Machen. Aris­to­te­les setzt sich mit Gemach­tem, Ver­fer­tig­tem aus­ein­an­der. Mit einem spe­zi­el­len Ver­fer­tig­ten, unter ande­rem der τραγῳδία, die er dezi­diert in ihrer Ver­fer­tigt­heit in den Blick nimmt. In die θεωρία, die Betrach­tung, Beob­ach­tung. Er kon­zen­triert sich » Wei­ter­le­sen «

Drama und Ideologie 1

August 17th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Drama und Ideologie 1 § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Was ein Dra­ma ist, was ein Dra­ma­ti­ker macht, scheint mir noch nicht so recht ver­stan­den zu sein. Es gibt seit eini­ger Zeit die Debat­te über dra­ma­ti­sches und post­dra­ma­ti­sches Thea­ter, gele­gent­lich wird dabei ent­we­der das Ende des Dra­mas, der Tod des Dra­ma­ti­kers als Autor kon­sta­tiert gefei­ert, gefor­dert, alter­na­tiv dazu das Über­le­ben oder Nicht-tot-zu-krie­gen des Dra­mas oder Dra­ma­ti­kers – oder des­sen Rück­kunft gefor­dert. Das alles funk­tio­niert ganz gut, um irgend­wie noch über irgend­was etwas zu sagen und zu reden zu haben. So könn­te man es wei­ter lau­fen las­sen und sich sicher sein, dass auch in nähe­rer Zukunft noch Druck­sei­ten gefüllt, Stamm­ti­sche und Kon­fe­ren­zen damit belebt wer­den kön­nen.

Dabei kommt die Fra­ge zu kurz, wovon eigent­lich die Rede ist, wenn vom Dra­ma die Rede ist. Sicher­lich gibt es eine gro­ße Zahl der Ver­su­che » Wei­ter­le­sen «

The importance of not being seen.

August 16th, 2014 § Kommentare deaktiviert für The importance of not being seen. § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Google weiß, wo du bist. Immer.

August 14th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Google weiß, wo du bist. Immer. § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Goog­le bie­tet ein inter­es­san­tes klei­nes Tool, an dem sich able­sen lässt:

  1. wo ich in jeder Sekun­de der letz­ten 30 Tage gewe­sen bin, weil Goog­le mein Han­dy exakt trackt
  2. sehe, dass Goog­le das weiß
  3. ver­ste­he, dass ich nicht möch­te, dass irgend­je­mand ande­res auf die­se Daten Zugriff hat.

Vor­aus­set­zung: Man muss auf dem Mobil­te­le­fon ein Goog­le-Pro­dukt instal­liert haben. Und man muss in sei­nem Goog­le-Account “loca­ti­on reporting” und “loca­ti­on histo­ry” akti­viert haben. Hab ich … nicht dass ich wüss­te. Wüss­te so ein­fach auch nicht, wo das geht (steht am Ande die­ses Pos­tings). Wuss­te bis­her ja nicht ein­mal, was das ist und tut.

So sieht etwa ein Urlaubs­tag (4.7.) in der Schweiz von mir aus. Jeder der klei­nen Punk­te ist anklick­bar und gibt sekun­den­ge­nau mei­nen Stand­ort wie­der. Ich kann mir den Tag als Ani­ma­ti­on vor­spie­len las­sen, kann den Fil­ter auf einen ande­ren Zeit­raum als einen Tag set­zen. Und ich kann die Tracking­da­tei her­un­ter­la­den (oder jemand, der Zugriff auf den Account hat).

googlemaps2

Wer damit was anfan­gen könn­te … mag jeder für sich selbst spe­ku­lie­ren.

Oder es hier selbst aus­pro­bie­ren (Log-In in den eige­nen Goog­le-Account erfor­der­lich):

Goog­le Stand­or­te

Viel­leicht wuss­te es außer mir auch schon jeder. Mich hat es … über­rascht. Nach­hal­tig.

Hier gibt es eine Anlei­tung von Goog­le, wie das Tracking aus­ge­schal­tet wer­den kann.

via Busin­ess­in­si­der

 

Sonnenfinsternis und Theater

August 13th, 2014 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Mit dem Blick in eine Son­nen­fins­ter­nis ver­hält es sich übri­gens genau wie mit dem Blick auf Gesell­schaft: direk­te Beob­ach­tung macht blind. Für den Blick in die Son­nen­fins­ter­nis nut­zen daher man­che Men­schen ruß­ge­schwärz­te Glas­schei­ben. Für den Blick auf Gesell­schaft emp­fiehlt sich Thea­ter. Aber Vor­sicht — es bleibt ein Rest­ri­si­ko!

Augen­ärz­te war­nen vor Seh­schä­den nach der Son­nen­fins­ter­nis. So kann es durch die hohe Strah­lungs­in­ten­si­tät wäh­rend des Beob­ach­tens zu Netz­haut­ver­bren­nun­gen kom­men. Dies ist zu ver­mei­den, wenn der rich­ti­ge Licht­schutz gewählt wird.
… Der gefähr­lichs­te Moment sei, wenn die Son­ne nach der Ver­fins­te­rung hin­ter dem Mond lang­sam her­vor­tre­te, sagt Pro­fes­sor Her­mann Kras­tel von der Uni­ver­si­täts­kli­nik in Hei­del­berg. Dort, wo es vor­her ganz dun­kel war, wer­de wei­ter­hin fas­zi­niert hin­ge­se­hen.

Das unge­schütz­te Auge sei dann den sicht­ba­ren infra­ro­ten und ultra­vio­let­ten Strah­len aus­ge­setzt, so Kras­tel. Es kom­me zu einem Brenn­glas­ef­fekt und pho­to­che­mi­schen Reak­tio­nen mit der Fol­ge von Netz­haut­ver­bren­nun­gen. Kri­tisch wer­de es vor allem dann, wenn man die Son­nen­fins­ter­nis mit einem Fern­glas oder Tele­op­ti­ken beob­ach­te. Die Wär­me­ab­fuhr aus dem ver­grö­ßer­ten Bild über­las­te die Blut­zir­ku­la­ti­on am Augen­hin­ter­grund. Netz­haut­schä­den sind die Fol­ge.

Die Schä­di­gung erzeugt kei­ne Schmer­zen. Sym­pto­me tre­ten oft erst Stun­den oder sogar Tage spä­ter auf. Dann läßt die Seh­schär­fe nach. Far­ben erschei­nen blaß oder gar nicht mehr. Auch die Licht­wahr­neh­mung ist gestört. Die­se Seh­schä­den könn­ten lang­an­hal­tend oder gar dau­er­haft sein. The­ra­pie­richt­li­ni­en für sol­che Augen­schä­den nach einer Son­nen­fins­ter­nis gäbe es noch nicht. Mög­lich wäre ein Ver­such mit hoch­do­sier­tem Cor­ti­son über kur­ze Zeit.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, raten Augen­ärz­te zum rich­ti­gen Licht­schutz. Unzu­rei­chend und gefähr­lich sei die Beob­ach­tung durch geschwärz­te Fil­me, beruß­te Glä­ser, meh­re­re Son­nen­bril­len hin­ter­ein­an­der. Auch ein schwar­zes Glas kön­ne so viel infra­ro­tes und ultra­vio­let­tes Licht durch­las­sen, “daß die Netz­haut raucht”. Nach der tota­len Son­nen­fins­ter­nis im März 1970 in den USA wur­den 145 Fäl­le regis­triert, bei denen Men­schen ihr Seh­ver­mö­gen durch Unvor­sich­tig­keit ganz oder teil­wei­se ver­lo­ren haben.

Neben den Licht­schutz-Foli­en­bril­len kön­ne man auch Schweiß­bril­len zum Augen­schutz ver­wen­den, sie müß­ten jedoch ein Zer­ti­fi­kat auf­wei­sen mit einer opti­schen Dich­te (D) von fünf bis sechs. Ein Tip der Exper­ten zur unge­fähr­li­chen Son­nen­be­ob­ach­tung nach dem Prin­zip der Came­ra obscu­ra: Man bege­be sich in ein ver­dun­kel­tes Zim­mer. Am Fens­ter brin­ge man eine licht­dich­te Kar­to­na­ge mit einer nadel­stich­gro­ßen Öff­nung an. Damit wird das Son­nen­bild auf eine mat­te Ober­flä­che pro­ji­ziert.
Hin­wei­se zum Schutz für die Augen im Inter­net: http://www.ukl.uni-Freiburg.de/aug/mitteil/sofi/index.html
(Quel­le: Welt.de)

Der Ver­gleich scheint mir in vie­len Details sehr pas­send. Man bege­be sich in ein ver­dun­kel­tes Zim­mer, um unge­fähr­det in die Son­ne bli­cken zu kön­nen. Oder auf Gesell­schaft. So unge­fähr dach­te es ja schon Pla­ton, der Höh­len­ma­ler und Theatermacher(-Hasser).

Künstlerische Forschung im Tanz. Kollektiv.

Juli 31st, 2014 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Wie kann man künst­le­ri­sche For­schung prä­sen­tie­ren? from Fun­dus Thea­ter Ham­burg on Vimeo.

Sebas­ti­an Mat­thi­as, Post­pro­duk­ti­ons­work­shop, Kamp­na­gel, Mai 2013

Das Turiner Grab-Toast (Ergänzung zu “Why make toast when you can make art?”)

Juli 19th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Das Turiner Grab-Toast (Ergänzung zu “Why make toast when you can make art?”) § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Fas­zi­nie­rend an die­ser Maschi­ne, ihrem Arte­fak­te und den Prak­ti­ken, die sich dar­um legen ist eine qua­si-reli­giö­se Dimen­si­on, die das Toast-Arte­fakt in die Nähe des Turi­ner Grab­tuchs bringt.

 

Die Prak­tik ver­langt, zunächst sich selbst auf einem pho­to­me­cha­ni­schen Tafel­bild abzu­lich­ten: Du sollst dir ein Bild­nis machen. Nicht von (einem) Gott, son­dern von dir. Du sollst dich selbst also mecha­nisch “ver­ewi­gen”, aller­dings da in einem noch immer phy­si­schen, wenn auch der Zeit etwas ent­rück­te­ren Arte­fakt, nicht in einer garan­tiert ewi­gen Ewig­keit, son­dern in einer, die durch Ver­rot­tung oder Ido­la­trie bedroht ist. Nicht ganz Ewi­ger, nicht mehr ganz Zeit­li­cher.

Da es sich um ein Sel­fie han­delt, also um ein Selbst­por­trät, ist dir zugleich die Last und die Frei­heit der Selbst­ab­bil­dung, der Selbst­in­sze­nie­rung und des Selbst-Images gege­ben. Du kannst dich frei nach dei­nem eige­nen Bil­de schaf­fen — du musst es aber auch, wenn du den Weg wei­ter gehen willst. Sich nach sei­nem eige­nen Bil­de schaf­fen. Wie­der­um unüber­seh­ba­re Ver­wandt­schaft zur christ­li­chen Schöp­fungs­leh­re, nur wo eben Gott einen eart­hie schuf, bleibt hier ein sel­fie.

Die­ses Bild­ar­te­fakt wird nun trans­sub­stan­ti­iert (oder trabskri­biert?). Es wird in die Feu­er- und Hit­ze­ma­schi­ne ein­ge­schrie­ben, um fort­an einem jedem ekma­gei­on, jeder hylé, jeder Mas­se ein­ge­prägt oder ein­ge­schrie­ben zu wer­den, die dazu geeig­net ist und in die dafür vor­ge­se­he­ne Spal­te ein­ge­führt wird. Der Mensch schafft sich den Toast nach sei­nem Bil­de. Das der Zeit­lich­keit ent­ris­se­ne Sel­fie wird einem Gegen­stand ein­ge­prägt, der nicht nur wie­der der Zeit­lich­keit in höhe­rem Maße als ein Tafel­bild unter­wor­fen ist, einem Toast, son­dern der zugleich noch ein Gegen­stand ist, des­sen Daseins­zweck die Ver­nich­tung, die Ver­zeh­rung, das Auf­fres­sen ist.

Der Schöp­fer stellt ein zei­tent­rück­tes Sel­fie her, das er einem der Ver­nich­tung in der Zeit gewid­me­ten Arte­fakt auf­prägt, um es hin­ter­her — nicht immer, aber ver­mut­lich gele­gent­lich bis oft — selbst auf­zu­es­sen. Oder um es Fami­lie, Ver­wand­ten, Freun­den zu ser­vie­ren. Die indi­vi­dua­li­sier­te Obla­te wird beim Mor­gen­mahl, allein oder gemein­sam, auto-eucha­ris­tisch ver­speist und trans­sub­stan­ti­iert sich dabei in Nähr­stof­fe, das Bild ver­wan­delt sich also wie­der in den Aus­gangs­kör­per, des­sen Abbild es war. Oder es wird zum Bestand­teil eines sym­bo­li­schen Kan­ni­ba­lis­mus, bei dem der Bild­ner in der Parou­sia, also von Anwe­sen­den ins einer Anwe­sen­heit beim Mor­gen­mahl, das damit kein letz­tes gemein­sa­mes Mahl des Toast­bild­ners und sei­ner Jün­ger im Gar­ten Geth­se­ma­ne ist, son­dern nur eines von ten­den­zi­ell vie­len wie­der­hol­ba­ren Mor­gen­mah­len, ver­zehrt. Der Bil­der­ma­cher ver­speist sein eige­nes Bild und gibt sich selbst sym­bo­lisch den Anwe­sen­den zum Ver­zehr hin. Wie bei allen Kan­ni­ba­lis­men nicht ein­fach mehr nur als geform­tes Nah­rungs­mit­tel, son­dern magisch mit einer zusätz­li­chen Kraft auf­ge­la­den. Er lässt sich bild­lich ver­nich­ten und zugleich ver­eh­ren. Selbst wenn er dabei unter But­ter und Mar­me­la­de ver­schwin­det, was die­sen Akt zu einer iro­ni­schen Varia­ti­on des christ­li­chen Abend­mah­les macht, wo es unüb­lich ist, die Obla­te mit Auf­schnitt zu bele­gen.

Die Kunst: Why make toast when you can make art?

Der im Face­book-Kom­men­tar hin­zu­ge­setz­te Satz gibt der Viel­schich­tig­keit der Maschin­be­rie und der zuge­hö­ri­gen Prak­ti­ken eine wei­te­re Ebe­ne. Toast und “art” wer­den gegen­über­ge­stellt, nicht aber in einer har­ten Gegen­über­set­zung, einem “anstatt”, wie etwa in der berühm­ten For­mu­lie­rung “Make love not war”.- Dass es sich aber nicht um eine Gegen­über­set­zung die­ser Art han­delt, erschließt sich erst im Kon­text mit der Maschi­ne und ihrer Abbil­dung. Für sich allei­ne, ohne das Bild ste­hend, könn­te der Satz auch die Fra­ge stel­len: War­um Toast und nicht anstatt des­sen lie­ber Kunst machen? Als han­de­le es sich um eine mög­li­che Gegen­über­set­zung von Toast und Kunst, die als eine Alter­na­ti­ve ermög­lich­te, sich ent­we­der für Toast ODER für Kunst zu ent­schei­den. Dar­in wür­de sie sich meta­pho­risch einer lan­gen Tra­di­ti­on ein­fü­gen, die die nie­de­ren, welt­li­chen Not- und Hab­se­lig­kei­ten, die phy­si­schen Rea­li­en und Lebens­mit­tel, der Kunst, dem Ide­al, der Ewig­keit kon­tras­tiert und sich dabei ihrer Ver­wandt­schaft zum reli­giö­sen Idea­lis­mus und zu Aske­tis­mus nicht ent­zie­hen kann. Leben oder Kunst wäre die­se Alter­na­ti­ve.

In der Text-Bild-Kom­bi­na­ti­on aber wird die­se Gegen­über­stel­lung auf­ge­ho­ben, die Gegen­über­stel­lung von Leben und Kunst wird zur Lebens­kunst, zur eat art, nicht zur dau­ern­den Bewun­de­rung oder zum Han­del auf dem Kunst­markt gemacht, son­dern zu ver­mut­lich sehr schnel­len Ver­spei­sen. Ist das Kunst oder ist das nur eine Art Kunst? Das lässt sich nicht ent­schei­den, wie auch der bei­ge­füg­te Satz klar macht. Er ver­spricht kein Kunst­werk an Stel­le eines Toas­tes. Er ver­spricht auch kein Kunst-Toast, kein Tafel­bild im phy­si­schen Medi­um eines Toasts. Er fragt ledig­lich nach einer Prä­fe­renz fürs Machen? War­um Toast zube­rei­ten, wenn man auch (nicht als Gegen­satz, son­dern zugleich) Kunst machen kann? Das Ergeb­nis von Kunst­ma­chen muss nicht immer Kunst oder Kunst­werk sein. Wür­de aus jedem Kunst­ma­chen ein gelin­gen­des Kunst­werk ent­ste­hen, gäbe es Kunst ver­mut­lich nicht. Ähn­lich wie die Zube­rei­tung eines Toasts nicht unbe­dingt zu einem (per­fek­ten? genieß­ba­ren? bemer­kens­wer­ten? ser­vier­ba­ren?) Toast führt, führt auch das Kunst­ma­chen nicht not­wen­di­ger­wei­se zu Kunst. In die­sem spe­zi­el­len Fal­le aller­dings bleibt beim miss­ra­te­nen Kunst­werk doch noch immer ein (mög­li­cher­wei­se) ver­zehr­ba­res Toast dabei übrig.

Noch inter­es­san­ter aller­dings ist die Sinn­fra­ge, die mit dem initia­len “why” anklingt. War­um. War­um. War­um Toast machen, wenn man auch Kunst machen kann? War­um also in den Nie­de­run­gen der Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on gefan­gen blei­ben, wenn man doch auch sich zur Frei­heit der Kunst auf­schwin­gen kann (und dabei poten­ti­ell auch noch den gewünsch­ten Toast bekommt)? War­um nur Toast machen, wenn man doch auch Kunst (und Toast) machen kann. Nicht “man”. YOU. Du.

Damit schließt der Zir­kel zurück zur ursprüng­lich reli­giö­sen Dimen­si­on des Bil­des. Wer fragt hier? Es steht auf mas­ha­ble. Aber ist mas­ha­ble der Fra­gen­de? Eine ver­zwei­fel­te See­le, die “WHY?” ruft bevor sie sich der Auf­ga­be einer Toast-Her­stel­lung zuwen­det? Oder eine gött­li­che Instanz, die den Homo crea­tus, den Toast-glei­chen, fragt, war­um er Toast blei­ben will, anstatt sich auf­zu­schwin­gen zum Homo crea­tor und Kunst zu machen. Sich die Erd­schei­be Toast unter­tan zu machen. Und zwar nicht als ein dem Homo Crea­tus ent­ge­gen gesetz­ter Homo Crea­tor, son­dern als Homo crea­tor crea­tus. Natu­ra natu­ra­ta naturans. Auto­po­iet. Pro­me­theus:

Hier sitz’ ich, for­me Men­schen
Nach mei­nem Bil­de,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu lei­den, wei­nen,
Genie­ßen und zu freu­en sich,
Und dein nicht zu ach­ten,
Wie ich.

An die­sem Toas­ter sitzt der sich vom Toast­brot zum Kunst­toast abwen­den­de Homo crea­tor crea­tus, der aber nicht gegen einen oder “den” ande­ren Schöp­fer antritt. Son­dern nur sich unge­fähr neben oder knapp unter ihn stellt. Der sich selbst nach dem eige­nen Bil­de schafft, sich selbst nicht ganz künst­le­risch ver­eweigt, der sich selbst sym­bo­lisch auf­isst oder zum Ver­spei­sen sym­bo­lisch anbie­tet. Der nicht allein Künst­ler ist, son­dern sich der Maschi­nen-Pro­the­se bedient, wie er zumin­dest bis­her noch Licht nicht durch “Es wer­de Licht” anzün­det, son­dern durch den Schal­ter der Licht­ma­schi­ne. Der Toas­ter-Künst­ler hat sich damit abge­fun­den, dass er der ande­re Gott nicht wird, dass es kei­ne Kir­che mit sei­nem Kru­zi­fix bzw. Sel­fix geben wird. Dass es für ihn kei­ne Ewig­keit, son­der nur unter­schied­lich schnel­le Wege der Ver­gäng­nis geben wird. Das aber schert den Toas­ter­künst­ler­gott nicht. Son­dern er bestreicht die selbst­pro­du­zier­te Hos­tie fröh­lich mit Mar­me­la­de, ver­spach­telt sie im Kreis der anwe­sen­den Lie­ben und beginnt dann den Tag, der bei die­sem ande­ren Gott mit dem Abend­mahl zur Nei­ge ging.

Eigent­lich ganz schön. Und für 75$ durch­aus ok. Bei der Abnah­me von meh­re­ren gibts sogar Rabatt. Ich bestell mal einen. Glau­be ich.

 

Why make toast when you can make art?

Juli 19th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Why make toast when you can make art? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Sage nie­mand, auf Face­book wür­den nicht die wirk­lich fun­da­men­ta­len Fra­gen adres­siert. Vor dem Reich­tum an beden­kens­wer­ten Asso­zia­tio­nen und refle­xi­ons­wür­di­gen Span­nun­gen in die­ser Text-Bild-Kom­bi­na­ti­on bleibt mir nur media­ta­ti­ve Stil­le. Es ist ein Meis­ter­werk.

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Von Mas­ha­ble.

“Theater der digitalen Gesellschaft” — Vortrag beim NRW Theatertreffen 2014

Juni 13th, 2014 § 1 comment § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Im Fol­gen­den ist der Vor­trag als PDF zu fin­den und her­un­ter­zu­la­den, den ich bei der Eröff­nungs­ver­an­stal­tung des NRW Thea­ter­tref­fens 2014 in Dort­mund die Ehre und das Ver­gnü­gen hat­te zu hal­ten. Zusätz­lich stel­le ich hier noch ein­mal den län­ge­ren Vor­trag “Auf dem Weg zum agi­len Thea­ter” (gehal­ten auf der Jah­res­ta­gung der Dra­ma­tur­gi­schen Gesell­schaft 2014 in Mann­heim) zur Ver­fü­gung. Außer­dem die von mir aus den Sta­tis­ti­ken des Deut­schen Büh­nen­ver­eins für die Thea­ter in Nord­rhein-West­fa­len zusam­men­ge­stell­ten Zah­len in einer Excel-Datei zum Down­load.

»Der Dort­mun­der Vor­trag kann hier her­un­ter­ge­la­den wer­den.Die Prä­sen­ta­ti­ons-Bil­der sind eben­falls in die­sem PDF zu fin­den.

»Die Excel-Datei mit den Büh­nen­ver­eins-Zah­len für Nord­rhein-West­fa­len kann hier her­un­ter­ge­la­den wer­den. Ich hof­fe, die Beschrif­tun­gen sind eini­ger­ma­ßen ver­ständ­lich. Soll­ten in die­ser Datei trotz aller Sorg­falt Über­tra­gungs­feh­ler vor­kom­men, bit­te ich dafür um Ent­schud­li­gung und um Hin­weis, damit ich kor­ri­gie­ren kann.

»Wer den län­ge­ren Vor­trag aus Mann­heim mit den Aus­füh­run­gen über die agi­le Orga­ni­sa­ti­on her­un­ter­la­den möch­te, wird hier fün­dig.

»Und dies sind die Mann­hei­mer Prä­sen­ta­ti­ons-Sli­des:

 

»Außer­dem ist der Mann­hei­mer Vor­trag auch in einer leicht geän­der­ten Form auf nachtkritik.de zu fin­den: Auf dem Weg zum agi­len Thea­ter.

Der Wert, die Kunst und Sachen

Juni 11th, 2014 § Kommentare deaktiviert für Der Wert, die Kunst und Sachen § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Für eine Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung an der Ber­li­ner Uni­ver­si­tät der Küns­te zum The­ma “Kunst” und “Wert” wur­de ich, wie die Mit­dis­ku­tie­ren­den auch, ein­ge­la­den, als Auf­takt eine drei­mi­nü­ti­ge Ant­wort auf die Fra­gen vor­zu­tra­gen: “Was ist dir dei­ne Kunst wert? Und was bedeu­tet dies für dich im Hin­blick auf alter­na­ti­ve, fle­xi­ble Arbeits­be­schäf­ti­gungs­mo­del­le?”. Sie lau­tet:

Was ist dir dei­ne Kunst wert?

  1. Ich weiß nicht, ob ich Kunst mache. Ich mache Sachen. Ob eine Mehr­heit von Beob­ach­tern die­se Sachen für Kunst hält, bleibt den Beob­ach­tern über­las­sen.
  2. Die­se Sachen sind mir nichts Wert. Weil ich sie nicht in ein Wert­kal­kül inte­grie­re, das durch die­se Bewer­tung bewer­te­te Wert­sa­chen mit ande­ren Wert­sa­chen mess­bar und tausch­bar macht. Ob ande­re sie in der Form bewer­ten, dass sie mir im Tausch dafür Wert­ge­gen­stän­de wie bei­spiels­wei­se Geld anbie­ten, ent­zieht sich mei­ner Bewer­tung.
  3. Ich machen die Sachen, weil ich die Sachen mache.

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