Bedingungsloses Grundeinkommen: Das desaströse Beispiel Otjivero/Namibia

Oktober 20th, 2010 § 5 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ganz begeis­tert fei­ern Werner/Goehler das Dorf Otjivero in Nami­bia. Hier habe man, heißt es, das BGE aus­pro­biert. Lese ich genau­er, lau­tet mei­ne Ant­wort: mit­nich­ten. Goeh­ler schreibt

Aus dem Dorf bezo­gen 930 Men­schen unter­halb des Ren­ten­al­ters in die­ser Zeit 100 Nami­bia-Dol­lar, also knapp zehn Euro: ein Betrag, der nicht ganz exis­tenz­si­chernd ist, aber mehr als nur schlimms­te Not zu lin­dern.

Ist das das BGE? „Nicht ganz exis­tenz­si­chernd“? Auf den vie­len Sei­ten vor­her klang das anders. Mir scheint das eine Lösung knapp unter­halb der Sozi­al­hil­fe oder von Hartz IV zu sein. Mit der Aus­nah­me der rela­tiv unbü­ro­kra­ti­schen Aus­zah­lung. Schau­en wir uns an, was Werner/Goehler als Kon­se­quen­zen beschrei­ben:

  • Das ers­te Bei­spiel Ceci­lia: Nach einer ers­ten Wel­le lebens­not­wen­di­ger Anschaf­fun­gen folg­ten Anschaf­fun­gen von Herd, Mikro­wel­le, Fern­se­her und DVD. Es sei ihr von Her­zen gegönnt! Aber es han­delt sich um eine indi­rek­te Sub­ven­ti­on an die Indus­tri­en, die die ent­spre­chen­den Güter her­stel­len. Eine Auf­wrack-Prä­mie sozu­sa­gen.
  • Hen­d­ri­sen, das zwei­te Bei­spiel, hat einen Lebens­mit­tel­la­den mit gut genutz­ter Juke­box auf­ge­macht. Auch das schön für sie und für die jun­gen Leu­te. Das bei ihr aus­ge­ge­be­ne Geld dürf­te vor­wie­gend das Pseu­do-BGE sein. Das heißt: Indi­rek­te Sub­ven­ti­on für sie. Was nicht schlecht ist. Aber was pas­siert, wenn das BGE weg ist?
  • Elma­rie ist Pfle­ge­mut­ter gewor­den, da ande­re Müt­ter sich jetzt die Finan­zie­rung einer Pfle­ge­mut­ter leis­ten kön­nen, um selbst auf dem Feld arbei­ten zu gehen. Aus dem zurück­ge­leg­ten Geld hat sie sich Stahl­töp­fe, Herd, Fern­se­her und Strom­ge­ne­ra­tor für den Fern­se­her gekauft. Und Pre­paid-Kar­ten. Auch hier fließt der Gewinn offen­bar weit­ge­hend in den Kon­sum.

Zusam­men­fas­send urtei­len Werner/Goehler:

Es ist schwer vor­stell­bar, wie arm­se­lig das Dorf vor zwei Jah­ren aus­ge­se­hen haben muss, als sei­ne Bewoh­ner nur mit dem nack­ten Über­le­ben beschäf­tigt waren – alle erwäh­nen die­sen kras­sen Unter­schied. (214)

Klar – es gab kei­ne Her­de und Fern­se­her. Es gab kei­ne Händ­ler, die jetzt aus dem Boden schie­ßen, weil nie­mand Geld aus­zu­ge­ben hat­te. Ande­re Fra­ge: Kön­nen denn die Ein­woh­ner von Otjivero als Dorf­ge­mein­schaft das Geld erwirt­schaf­ten, das hin­ter­her im Pseu­do-BGE ver­teilt und in » Wei­ter­le­sen «

Gedanken zum Bedingungslosen Grundeinkommen: Befreiung oder Turboausbeutung?

Oktober 19th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Gedanken zum Bedingungslosen Grundeinkommen: Befreiung oder Turboausbeutung? § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Nach den Über­le­gun­gen, wie mit dem ABC einer neu­en (digi­tal­öko­no­misch vor­be­rei­te­ten) Wirt­schafts­ord­nung eini­ge gra­vie­ren­de gegen­wär­ti­ge Pro­ble­me mei­nes Erach­tens gelöst wer­den könn­ten, hat­te ich mir vor­ge­nom­men, mich mit dem BGE noch­mal aus­ein­an­der zu set­zen. In loser Fol­ge will ich dazu pos­ten. Heu­te zu einer Fra­ge, die mir vor­dring­lich erscheint. Ist das BGE die kapi­ta­lis­tisch logi­sche Fort­ent­wick­lung der Wirt­schaft? Oder han­delt es sich um die Gestal­tung einer lebens­wer­te­ren Kul­tur­ge­sell­schaft? Hand­fes­te­re öko­no­mi­sche Fra­gen zunächst zurück­ge­stellt.

Ein Zitat aus dem neu­en Buch von Werner/Goehler: „1000 Euro für jeden – Frei­heit, Gleich­heit, Grund­ein­kom­men“ (Ama­zon) dazu:

Eine Kul­tur­ge­sell­schaft defi­niert sich nicht mehr in ers­ter Linie über Lohn­ar­beit und die zuneh­men­de Abwe­sen­heit der­sel­ben. Sie erkun­digt sich nach den Ver­mö­gen eines Ein­zel­nen, das mehr umfasst als sei­ne Arbeits­kraft und sei­nen Markt­wert. In einer Kul­tur­ge­sell­schaft müss­te es dar­um gehen, aus einer sozia­len Arbeit, die Unge­rech­tig­kei­ten not­dürf­tig aus­gleicht, eine sol­che zu machen, die Gesell­schaft gestal­tet: mit Selbst­ver­ant­wor­tung, Ver­trau­en, Hin­ga­be, Eigen­in­itia­ti­ve, Expe­ri­men­tie­ren, Aus­pro­bie­ren, Ver­wer­fen. (145)

Das klingt rela­tiv ein­deu­tig nach einer Gesell­schafts­uto­pie der  Selbst­ver­wirk­li­chung. Bei Boltanski/Chiapello wür­de man es als die „Künst­ler­kri­tik“ an der Gesell­schaft sehen. Die Form der Kri­tik, die jen­seits der Sozi­al­kri­tik im Wesent­li­chen auf die Ver­wirk­li­chung der Indi­vi­dua­li­tät, Authen­ti­zi­tät, der eige­nen Krea­ti­vi­tät besteht. Bei Werner/Göhler aller­dings wird die­ser Künst­ler­kri­tik eine gesell­schaft­li­che – also letzt­lich dann sozia­le – Uto­pie ange­hängt. Eine Orga­ni­sa­ti­on von Kul­tur und Gesell­schaft zur Kul­tur­ge­sell­schaft, die die­se Form der Ver­wirk­li­chung des künst­le­ri­schen Selbst in den Mit­tel­punkt rückt. Dabei aber schnappt direkt im nächs­ten Satz die Fal­le des „neu­en Kapi­ta­lis­mus“ von Boltanski/Chiapello zu:

Die Idee der Kul­tur­ge­sell­schaft geht von zwei Annah­men aus: davon, dass die Res­sour­ce der Gegen­wart in roh­stoff­ar­men Län­dern die Krea­ti­vi­tät ist, die zu för­dern vor allem hef­ti­ge Fra­gen an das gegen­wär­ti­ge Bil­dungs­sys­tem auf­wirft. Zwei­tens setzt sie auf das Ver­mö­gend er Ein­zel­nen, dar­auf, dass alle Men­schen durch ihr Tun Wir­kung erzie­len wol­len, dass sie gebraucht, gemeint sein und gestal­ten wol­len. (145f.)

Ist das ein dem Kapi­ta­lis­mus ent­ge­gen­ge­setz­ter kul­tu­rel­ler “Huma­nis­mus”? Oder haben wir es mit Human­ka­pi­ta­lis­mus zu tun? Ist also die Gesell­schafts­uto­pie kei­ne » Wei­ter­le­sen «

Die Wiedergeburt des Theaters aus dem Geist der Dramaturgie. Eine Art Programm.

September 29th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Die Wiedergeburt des Theaters aus dem Geist der Dramaturgie. Eine Art Programm. § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Es gab Zei­ten, da neben den Erzäh­lern, neben Kir­chen­ma­lern und Pre­di­gern oder auch neben Roman­ciers die Thea­ter­au­to­ren die Auf­ga­be hat­ten Geschichte(n) zu erzäh­len. Sie mach­ten den Men­schen ein beweg­tes Bild vom Ver­hält­nis zwi­schen Men­schen, Men­schen und Göt­tern in der Anti­ke, zwi­schen Men­schen, Men­schen und Gott, zwi­schen Regier­ten, Regier­ten und Regie­ren­den, zwi­schen Armen, Armen und Rei­chen, zwi­schen Män­nern und Frau­en, Bür­gern und Adli­gen, Arbei­tern und Arbeit­ge­bern, Lin­ken und Rech­ten. Tat­säch­lich ist dabei das Medi­um selbst die Haupt­bot­schaft gewe­sen. Nicht nur das Medi­um der Guck­kas­ten­büh­ne allein, des Thea­trons, der Volks­büh­ne. Son­dern vor allem die Dra­ma­tur­gie. Die Geschich­te als „Sinn­ge­bung des Sinn­lo­sen“, wie es im Titel eines hüb­schen Buches von Theo­dor Les­sing heißt. Die per­p­etu­ier­te Dra­ma­tur­gie, die das Gesamt­ge­flecht in herr­schen­de Kon­flik­te sor­tier­te, in eine Abfol­ge aris­to­te­li­scher Pro­ve­ni­enz klemm­te, Wen­dun­gen mit moti­vier­ten oder erklär­ten Ver­än­de­run­gen (aus dem Cha­rak­ter der Han­deln­den, aus den ein­grei­fen­den Göt­tern, aus der revo­lu­tio­nä­ren Wil­lens­bil­dung) hin­ter­leg­ten. Der Mensch, der aus einer unüber­sicht­li­chen anti­ken, mit­tel­al­ter­li­chen, baro­cken, auf­klä­re­ri­schen, moder­nen Welt ins Thea­ter ging, kam her­aus und wuss­te: es gibt einen sinnn­haf­ten, ver­steh­ba­ren Zusam­men­hang. Er war auf­ge­for­dert, in sei­ner Welt die­sen Zusam­men­hang her­zu­stel­len. Der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv an den Thea­ter­zu­schau­er lau­te­te: Wursch­te­le nicht ein­fach rum um glau­be nicht, die ande­ren wursch­tel­ten nur. Viel­mehr mach Geschich­te, habe Moti­ve, habe Zie­le. Ver­ste­he das Dra­ma, in dem du dich befin­dest. Wursch­te­le nicht – han­de­le! Und ler­ne bei uns im, Thea­ter, was „han­deln“ ist.

Das ent-eig­ne­te Thea­ter

Die­se Zei­ten sind vor­bei. Längst haben Fern­se­hen und poli­ti­sche Pres­se die­se Erzähl­for­men ursur­piert (hier im Blog wur­de gele­gent­lich schon auf den Hang zum Shakespeare’schen in den aktu­el­len Medi­en­land­schaft hin­ge­wie­sen). Längst ent­kommt nie­mand mehr der Dau­er­be­schal­lung mit Dra­ma­tur­gie. Auf die­ses Vor­ver­ständ­nis sich stüt­zend kön­nen Staa­ten und Regier­zun­gen dra­ma­tur­gisch ein­grei­fen und genau die regu­la­to­ri­schen Ein­grif­fe punkt­ge­nau anset­zen, die ihren Steue­rungs­ab­sich­ten ent­spricht. Weil die Dra­ma­tur­gie längst in allen Köp­fen und Lebens­ver­hält­nis­sen ange­langt ist.  Thea­ter befin­det sich in etwa in der Situa­ti­on der Male­rei im Ange­sicht der Foto­gra­fie. Über­flüs­sig. Ort­los.

Der undramat(urg)ische Über­druss malt nach Zah­len

Dar­aus haben sich zwei Grund­ten­den­zen erge­ben: Aus einem kaum arti­ku­lier­ten Grund­ge­fühl des Über­drus­ses, dem Büch­ner­schen Leon­ce sehr ver­gleich­bar, haben Thea­ter und Regi­en sich damit abge­fun­den, ein­fach das Alte zu per­p­etu­ie­ren. War­um neue Geschich­ten spie­len, wenn sie doch sich im Wesent­li­chen nicht von den Alten nicht unter­schei­den? Und das Wesent­li­che ist eben die Dra­ma­tur­gie. Man neh­me also die Vor­zeich­nung von Rem­brandts Nach­wa­che und zei­ge Krea­ti­vi­tät in der Aus­ge­stal­tung. Der eine stellt die Nacht­wachäch­ter nackt dar. Der eine als geschla­ge­ne Trup­pe. Der nächs­te als Grup­pe Trans­se­xu­el­ler, von Frau­en, von Ara­bern, Afri­ka­nern, Eski­mos. Oder von allen zusam­men. Der nächs­te als Grup­pe von Roter Armee und Wehr­macht. Wozu » Wei­ter­le­sen «

Schulmeister-Test für das ABC-Konzept

September 24th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Schulmeister-Test für das ABC-Konzept § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Kei­ne noch so ver­spon­nen daher­kom­men­de Uto­pie soll­te sich einem Rea­li­tät­scheck ent­zie­hen. Da gera­de Ste­phan Schul­meis­ters neu­es­tes Buch Mit­ten in der Kri­se. Ein ‚New Deal’ für Euro­pa auf mei­nem Tisch liegt, neh­me ich ihn als Hal­te­punkt – zumal ich von sei­nen Aus­füh­run­gen sowie­so ziem­lich begeis­tert bin.

Schul­meis­ter behaup­tet, Fort­schritt wer­de vor allem durch die Kom­bi­na­ti­on tech­no­lo­gi­scher und sozia­ler „Basis­in­no­va­tio­nen“ vor­an getrie­ben. Das for­dis­ti­sche Fließ­band als tech­no­lo­gi­sche, der Keyne­sia­nis­mus als dazu gehö­ri­ge sozia­le Basis­in­no­va­ti­on bei­spiels­wei­se. So has­tig hin­ge­wor­fen und des­we­gen angreif­bar die­se Behaup­tung daher kommt – so grund­sätz­lich rich­tig ist sie doch. Mus doch jede gro­ße tech­ni­sche Inno­va­ti­on gesell­schaft­lich auf­ge­nom­men und abge­fe­dert wer­den. Ob sich die­se „sozia­len Basis­in­no­va­tio­nen“ aber immer so ein­fach defi­nie­ren und iden­ti­fi­zie­ren las­sen, wie die neu­en Tech­no­lo­gi­en, age ich zu bestrei­ten. Zumeist sind die sozia­len Ver­än­de­run­gen fein­glied­ri­ger und klein­tei­li­ger.
Den­noch – das hier vor­ge­stell­te ABC wür­de schon bean­spru­chen, eine sozia­le Basis­in­no­va­ti­on zu sein und den von Schul­meis­ter ange­mahn­ten New Deal in die Rea­li­tät brin­gen zu kön­nen. Also soll­te das Kon­zept sich an den Auf­ga­ben mes­sen las­sen, die Schul­meis­ter an die­se Basis­in­no­va­ti­on stellt.

Anfor­de­rung Schul­meis­ter
Die wich­tigs­te sozia­le Inno­va­ti­on, durch die der tech­ni­sche Fort­schritt aus­ge­schöpft und gleich­zei­tig die Beschäf­ti­gungs­la­ge und (damit) die Lebens­qua­li­tätver­bes­sert wer­den kann, besteht in der Ent­wick­lung neu­er, fle­xi­bler Arbeits­zeit­mo­del­le. Die­se wür­den einer­seits die Lebens­ar­beits­zeit sen­ken und sie ande­rer­seits gleich­mä­ßi­ger ver­tei­len, und zwar sowohl zwi­schen Per­so­nen als auch zwi­schen unter­schied­li­chen Lebens­ab­schnit­ten. Ziel die­ser Arbeits­zeit­mo­del­le ist es, tech­ni­schen Fort­schritt und sozia­len Zusam­men­halt lang­fris­tig zu sichern. (109)

Lösung ABC-Kon­zept
Die Grund­si­che­rung durch die A-Ver­trä­ge schafft gesell­schaft­li­che Sicher­heit und Sub­sis­tenz­ga­ran­tie. Die Fle­xi­bi­li­tät der dar­auf auf­bau­en­den B-Ver­trä­ge lässt sowohl für unter­schied­li­che Lebens­pha­sen wie auch für unter­schied­li­che Unter­neh­mens­aus­las­tun­gen hin­rei­chen­de Fle­xi­bi­li­tät. Es gibt kei­ne Rasen­mä­her-Arbeits­zeit­ver­kür­zung, son­dern an indi­vi­du­el­le Wün­sche, Situa­tio­nen und Anfor­de­run­gen ange­pass­te.

Anfor­de­rung Schul­meis­ter
Der zwei­te Typ von inno­va­ti­vem Arbeits­zeit­mo­dell zielt dar­auf ab, die Aus­wir­kun­gen von Pro­duk­ti­ons­ein­brü­chen auf die Beschäf­ti­gungs­la­ge zu ver­rin­gern, also die kon­junk­tu­rel­le Insta­bi­li­tät und den sozia­len Zusam­men­halt kurz­fris­tig zu inte­grie­ren. Dabei geht es dar­um, die posi­ti­ven Erfah­run­gen, die in » Wei­ter­le­sen «

Das ABC der kommenden Wirtschaft, Folge 4: Sozialsystem

September 22nd, 2010 § Kommentare deaktiviert für Das ABC der kommenden Wirtschaft, Folge 4: Sozialsystem § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Da ein 20-Stun­den-Arbeits­ver­hält­nis jedem gesun­den und grund­sätz­lich arbeits­fä­hi­gen Men­schen zuzu­mu­ten ist, bedarf es der klas­si­schen Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung nicht mehr. Viel­leicht muss ein steu­er­fi­nan­zier­tes Über­brü­ckungs­geld von 3–4 Mona­ten ange­bo­ten wer­den. In Zei­ten online recher­chier­ba­rer Jobs aber soll­te sich bei hin­rei­chen­den Anrei­zen jeder­zeit ein A-Job fin­den las­sen. Der wür­de auch bei unter­qua­li­fi­zier­ter Anfor­de­rung die Mög­lich­keit zur Suche nach einem pas­sen­den B-Job ermög­li­chen. Sub­sis­tenz wäre gesi­chert, „Beschäf­ti­gungs­lo­sig­keit“ ver­mie­den.

Kran­ken­ver­si­che­rung

Kran­ken­ver­si­che­rung ist eine soli­da­ri­sche Ver­si­che­rung. War es, ist es – und soll­te es immer sein. Dass sich die Finan­zie­rung auf die Schul­tern der Arbeit­neh­mer gerin­ge­ren Ein­kom­mens legt, höhe­re Ein­kom­men sich aus der Soli­da­ri­tät ver­ab­schie­den, Finanz­ein­künf­te gar nicht erst her­an­ge­zo­gen wer­den – ist ein Ana­chro­nis­mus. Irgend­wel­che Abrech­nungs­mons­ter zu erzeu­gen, die alle » Wei­ter­le­sen «

Das ABC der kommenden Wirtschaft, Folge 3: Utopien für Arbeitnehmer und Unternehmen

September 21st, 2010 § Kommentare deaktiviert für Das ABC der kommenden Wirtschaft, Folge 3: Utopien für Arbeitnehmer und Unternehmen § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Vor­vie­len Jah­ren habe ich ein­mal in einem Buch über die Was­ser­tech­nik der römi­schen Anti­ke ein enorm ein­drucks­vol­les Bild gese­hen ich fin­de es lei­der nicht online), das das Prin­zip der ABC-Ver­trä­ge ganz gut wider­spie­gelt. Denn es han­delt sich um „sozia­le Was­ser­ver­tei­ler“. Zis­ter­nen oder Was­ser­ver­tei­ler waren mit drei unter­schied­li­chen Röh­ren­sys­te­men aus­ge­stat­tet, die jeweils in unter­schied­li­cher Höhe an der Zis­ter­ne ansetz­ten. (Hier ein Word-Doc, das die­ses Prin­zip mit Vitruv als Quel­len­an­ga­be wie­der­gibt).

Ein sozia­les Röh­ren­sys­tem – bedin­gungs­lo­se Was­ser­ver­sor­gung in Rom

Ganz unten in der Zis­ter­ne oder Ver­teil­stel­le, dort also, wo außer in aller­här­tes­ten Dür­re­pe­ri­oden immer Was­ser ist, setz­te das Rohr an, das zu öffent­li­chen Ver­teil­stel­len führ­te und damit allen Ein­woh­nern Was­ser bot. Dar­über setz­te ein Roh an, das „pri­va­te“ Ver­teil­stel­len – also Paläs­te, gro­ße Güter oder die Häu­ser von Wohl­ha­ben­den – ver­sorg­te. In Zei­ten knap­pen Was­sers wur­den die­se Ver­brau­cher also abge­schnit­ten, konn­ten sich aber in den öffent­li­chen Ver­teil­stel­len wei­ter­hin ver­sor­gen. Die drit­te Röh­re, sehr hoch anset­zend, führ­te nur in Über­fluss­zei­ten Was­ser – und ver­sorg­te dann Brun­nen, Was­ser­spie­le und ähn­li­che „Luxus­in­sti­tu­tio­nen“. Beein­dru­ckend dar­an ist der tech­ni­sche Auto­ma­tis­mus, der dafür sorgt, dass ein all­ge­mein geteil­tes gesell­schaft­li­ches Ziel erreicht wird. Not­we­ni­ges, Wün­schens­wer­tes und Luxus teil­ten sich nahe­zu von selbst auf. Es mag die eine oder ande­re Ver­hand­lung gege­ben haben, wel­che Ent­nah­me­stel­le an wel­ches Rohr darf oder muss. Aber die Grund­struk­tur als Abbil­dung gesell­schaft­li­chen Wil­lens funk­tio­niert.

Ein sozia­les Ver­tei­lungs­sys­tem für Arbeit und Wohl­stand

Ähn­lich soll auch das ABC-Sys­tem funk­tio­nie­ren. Jeder Ein­woh­ner soll einen A-Ver­trag haben und 20 Stun­den pro Woche arbei­ten, um sich und die Fami­lie zu » Wei­ter­le­sen «

Das ABC der kommenden Wirtschaft, Folge 2: Nachtrag zum Grundkonzept

September 20th, 2010 § Kommentare deaktiviert für Das ABC der kommenden Wirtschaft, Folge 2: Nachtrag zum Grundkonzept § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Ich habe mich ein wenig mit dem BGE aus­ein­an­der gesetzt und fin­de grund­sätz­lich die­sen Gedan­ken ver­lo­ckend, dass ein rei­ches Land sei­nen Bür­gern ein Grund­ein­kom­men bedin­gungs­los garan­tiert. Ich bin aber eben­so davon über­zeugt, dass das Kon­zept in nähe­rer Zukunft null Chan­ce auf Rea­li­sie­rung haben wird. Und zwar des­we­gen, weil all­zu vie­le Ein­wän­de mit opti­mis­ti­schen Annah­men wider­legt wer­den müs­sen. Dass Men­schen schon von sich aus arbei­ten wer­den. Dass schon kei­ne sprung­haf­te Infla­ti­on die Lebens­grund­la­ge des Basis­ein­kom­mens auf­fres­sen wer­de. Dass schon kei­ne Neid­de­bat­te von der Bild­zei­tung los­ge­tre­ten wird, die dar­auf auf­setzt, dass die­je­ni­gen, die vom BGE pro­fi­tie­ren, nicht die­je­ni­gen sind, die mit klei­nen Löh­nen knapp jen­seits des BGE leben. Dass beim Weg­bre­chen des öko­no­mi­schen Arbeits­drucks und dem Ende der Dif­fa­mie­rung von Arbeits­lo­sen schon wei­ter ein so hohes BIP erar­bei­tet wer­den wird, wie vor­her. Und so wei­ter.

Schwä­chen des Bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens

Das BGE ist eine schlag­ar­ti­ge Reform, die – wenn sie denn schief geht – inner­halb kür­zes­ter Zeit eine Volks­wirt­schaft zer­stö­ren kann. Und das wird sich nie­mand trau­en. Die zwei größ­ten Vor­wür­fe, die den Ver­fech­tern des BGE zu machen sind, lau­ten imho: Es wur­den – so weit ich sehe und weiß – kei­ne Sze­na­ri­en durch­ge­rech­net, die unter­schied­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen in Rech­nung zie­hen. Zwei­tens wur­den kei­ne sinn­vol­len Über­gangs­sze­na­ri­en erar­bei­tet. Zudem – viel­leicht ein drit­ter Vor­wurf – löst das BGE nicht das Pro­blem, dass die indus­tri­el­le Wert­schöp­fung ein­bricht und wei­ter sin­ken wird, wäh­rend zugleich Arbeits­for­men ent­ste­hen, deren größ­ten Pro­blem es ist, das kein finan­zi­ell rea­li­sier­ba­rer Wert damit geschaf­fen wird. Das Schick­sal von Musik­in­dus­trie, Zei­tungs­jour­na­lis­mus, Wer­be­in­dus­trie, Post, Ban­ken usw. wer­den immer mehr Indus­tri­en tei­len.

Digi­tal­öko­no­mie gestal­ten

Wie in die­sem Blog bereits gele­gent­lich bemerkt (und mit der Grün­dung des ers­ten vir­tu­el­len Insti­tuts für Digi­tal­öko­no­mie sym­bo­li­siert), glau­be ich, dass wir eine Zei­ten­wen­de erle­ben und mit­ge­stal­ten kön­nen. Wir befin­den uns in einer Situa­ti­on der Renais­sance gleich, in der Mensch fest­stell­te, dass er selbst gott­gleich eine Welt erschaf­fen kann. Damals ent­stand die Welt des (menschen)vernünftigen Den­kens, der schöp­fe­ri­schen Kunst und der Tech­no­lo­gie – ver­eint in der Gestalt Leo­nar­dos. Heu­te kön­nen wir eine digi­ta­le Welt schaf­fen, die noch einen Schritt wei­ter geht. Es wird eine kom­plett in der „Phan­ta­sie“ des » Wei­ter­le­sen «

Das ABC der kommenden Wirtschaft, Folge 1: Das Grundkonzept

September 17th, 2010 § 6 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Statt ein­zel­ne Men­schen als „arbeits­los“ frei­zu­set­zen, ande­re in gewohn­ter Aus­las­tung wei­ter arbei­ten zu las­sen, statt aber auch „Arbeits­zeit­ver­kür­zung bei vol­lem Lohn­aus­gleich“ zu for­dern (was sich lei­der als uto­pisch her­aus­stellt) und anstatt „Kri­sen“ durch „Kurz­ar­beit“ abzu­fe­dern, schla­ge ich das fol­gen­de Modell vor:

Die jet­zi­ge Voll­zeit-Stan­dard­ar­beits­zeit von (gros­so modo) 40 Stun­den wird abge­schafft. Dafür wer­den (per Gesetz – natür­lich mit Über­gangs­re­ge­lun­gen) drei Arbeits­ver­trags­stu­fen mit ent­spre­chend drei Lohn­steu­er­kar­ten für jeden Arbeit­neh­mer ein­ge­führt (nicht auf­schrei­en – wei­ter­le­sen):

A-Ver­tra­g/­Lohn­steu­er­kar­te: Die­ser Ver­trag umfasst 20 Stun­den. Nicht mehr, nicht weni­ger. Kei­ne Über­stun­den. Es fällt ledig­lich eine Mini­mal-Lohn­steu­er an (sagen wir 10%). Es fal­len kei­ne Arbeits­lo­sig­keits- oder Kran­ken­ver­si­che­rung an. Aus­ge­zahl­tes Brut­to ist nahe­zu net­to. Kei­ne Lohn­ne­ben­kos­ten. Ziel ist, dass jeder erwerbs­fä­hi­ge Mensch mit einem sol­chen 20-Stun­den­ver­trag sein Leben leben kann. Weit höher als jedes Basis­geld oder Hart­zIV – durch einen Min­dest­lohn von sagen wir 8€ und weg­fal­len­den Neben­kos­ten bzw. gerin­gen Steu­er­sät­zen.

B-Ver­tra­g/­Lohn­steu­er­kar­te: Die­ser Ver­trag umfasst bis zu 20 Stun­den in 5er Schrit­ten (B5, B10, B15, B20). In der Regel wird er auf den A-Ver­trag gesat­telt. Zusam­men erge­ben A- und B20-Ver­trag in etwa die Brut­to-Net­to-Ratio, die ein heu­ti­ger 40-Stun­den-Ver­trag auf­weist. Heißt: Die Steu­er­be­las­tung des B-Ver­trags ist erheb­lich höher als bei einem heu­ti­gen Nor­mal­ver­trag. Den­noch gibt es weder Arbeits­lo­sen- noch Kran­ken­ver­si­che­rung zu zah­len (gleich mehr dazu).

C-Ver­tra­g/­Lohn­steu­er­kar­te: Was man frü­her „Über­stun­den“ nann­te, wird » Wei­ter­le­sen «

Statt HartzIV, Basisgeld, Grundeinkommen: Ein neues wirtschaftspolitisches ABC

September 16th, 2010 § 4 comments § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Sozio­lo­gen haben die Gesell­schaft nur beob­ach­tet,
es kommt aber dar­auf an, sie zu gestal­ten.

Neben­der Umwelt­zer­stö­rung steht als zweit­größ­tes Pro­blem zumin­dest in den soge­nann­ten Indus­trie­län­dern die Arbeits­lo­sig­keit auf der Agen­da. Abge­se­hen davon, dass Umwelt­zer­stö­rung auch nur dann ernst­haft ver­hin­dert wer­den kann, wenn nicht dau­ern das „Arbeitsplatzvernichtung“-Argument kommt, ist das Grund­pro­blem der Arbeits­lo­sig­keit ein Luxus­pro­blem, das zum Elend führt. Eigent­lich soll­te es als Fort­schritt gel­ten, wenn immer weni­ger Arbeit not­we­nig ist, um Wohl­stand zu erlan­gen. Eigent­lich ist das „nicht genug zu tun haben“ ein klas­si­scher Luxus. Wird aber das Aus- und Ein­kom­men der Men­schen danach bemes­sen, was und wie viel sie arbei­ten – dreht sich der Luxus zum Fluch. Plötz­lich jagt ein jeder der Arbeit hin­ter­her, als han­de­le es sich um ein knap­pes, begeh­rens­wer­tes Gut. Was sie ja in der Regel nicht ist.
Seit eini­ger Zeit geis­tert des­we­gen das Kon­zept des „Bür­ger­gel­des“, der „nega­ti­ven Ein­kom­men­steu­er“ oder eines „bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens“ durch die Blät­ter und Köp­fe. Ein Gedan­ke, der jeweils im Grun­de dar­auf basiert, dass in einem rei­chen Land kein Mensch unter eine bestimm­te Exis­tenz­schwel­le rut­schen soll­te. Hun­ger und Obdach­lo­sig­keit haben in (post)industriellen Staa­ten etwas zutiefst Ana­chro­nis­ti­sches.
Das Pro­blem ist dabei, dass all die­se Kon­zep­te eine gewis­se Grund­an­nah­me vor­aus­set­zen: Dass Men­schen auch dann arbei­ten, wenn ihre Exis­tenz gesi­chert ist. Dass sie also – sei es um sich selbst zu ver­wirk­li­chen oder um sich Kon­sum­träu­me zu erfül­len – auch dann arbei­te­ten, wenn die Exis­tenz­si­che­rung » Wei­ter­le­sen «

Digitale Renaissance: Vom Entstehen einer neuen Ökonomie

August 1st, 2010 § Kommentare deaktiviert für Digitale Renaissance: Vom Entstehen einer neuen Ökonomie § permalink; Autor: Ulf Schmidt

Vor­ab: Ich habe nahe­zu NULL Ahnung von Öko­no­mie, fast gar keyne. Ich war weder in einem Aus­bil­dungs­camp noch auf einer Pro­fit­madras­sa, ich lausch­te kei­nem Effi­zi­enz­mul­lah und die Evan­ge­li­en der Neu­li­be­ra­li­be­ra­lis­ten sind mir nur inso­fern ver­traut, als ich gele­gent­lich jour­na­lis­ti­sche Mach­wer­ke der Sek­ten­mit­glie­der rezi­pie­re. Trotz­dem füh­le ich mich legi­ti­miert, dazu Stel­lung zu neh­men. Um nicht zu sagen: Umso legi­ti­mier­ter. Schließ­lich gleicht mein Wis­sens­stand etwa dem­je­ni­gen von Adam Schmidt. Der hats immer­hin zum Vater der Natio­nal­öko­no­mie gebracht. Ich möch­te bit­te für­der­hin das Epi­the­ton „Vater der Digi­tal­öko­no­mie“ tra­gen, bit­te. Beim Googeln fand ich zu die­ser For­mu­lie­rung noch kei­nen Ein­trag. Die ent­spre­chen­de URL ist bestellt. [UPDATE: Hier gehts zum Insti­tut für Digi­tal­öko­no­mie; hier zum Vater der Digi­tal­öko­no­mie]

Rina­sci­men­to digi­ta­le: Wir bau­en eine phan­tas­ti­sche Geis­tes­welt.

Wir befin­den uns im Zeit­al­ter einer zwei­ten Renais­sance. In der ers­ten kop­pel­te sich der Mensch von der blo­ßen Geschöpft­heit ab, um selbst zum Schöp­fer zu wer­den. Zum Künst­ler, Archi­tek­ten, Den­ker, Welt­ver­ste­her, Welt­um­bau­er. Der Mensch wur­de gebo­ren – ver­sinn­bild­licht in der Six­ti­na von Michel­an­ge­lo in der Fin­ger­be­rüh­rung von Gott und Adam.

Die phi­lo­so­phi­sche Renais­sance fand erst eini­ge Jahr­hun­der­te spä­ter, mit Kant und Hegel, statt. Der Mensch war es nun, der zwar das Gött­li­che und die Wahr­heit viel­leicht nicht mehr zu erken­nen ver­mag – aber letzt­lich dar­auf sch****. Ist halt so – die Men­schen­welt ist die Welt der Phai­no­me­na. Die Nou­me­na kann Gott behal­ten. Und wenn Gott der Herr ist – dann einer, der nichts mehr zu arbei­ten hat. Denn es ist der pro­me­t­hei­sche Knecht, der sich nun­mehr als Mensch selbst ver­wirk­licht.

Mit der Digi­ta­li­sie­rung und der welt­wei­ten digi­ta­len Ver­net­zung sind wir in eine neue Renais­sann­ce ein­ge­tre­ten. Nach den Nou­me­na schmei­ßen wir nun auch die phy­si­schen Phai­no­me­na über Bord. Und bau­en uns unse­re kom­plett eige­ne Welt. Digi­ta­li­en. Orte sind Web­sei­ten, Bewoh­ner sind Sur­fer, und der Welt­raum befin­det sich zwi­schen Screen und Hirn. Digi­ta­li­en ist weder phai­no­me­nal noch nou­menal – Digi­ta­li­en ist phan­tas­ma­tisch. Gespens­tisch. Halb Wahr­neh­mung eines (men­schen­ge­mach­ten) Wahr­nehm­ba­ren, halb Erzeug­nis in der Phan­ta­sie des Betrach­ters. Es besteht nicht aus Din­gen, Men­schen und Kom­mu­ni­ka­tio­nen getrennt von­ein­an­der. Son­dern es ist der Raum, der all dies ver­bin­det, wo Din­ge Infor­ma­ti­on, Men­schen Din­ge und Kom­mu­ni­ka­ti­on sind, wo alles aus­ein­an­der » Wei­ter­le­sen «

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